2025-04-15 – Tag 8: Rosafarbener Cocktail mit Zitronenscheibe
Tag 8 · 2025-04-15 · Valencia
Der achte Reisetag in Valencia verdichtete sich zur Mittagszeit auf ein Glas, das bereits farblich mehr Entschlossenheit zeigte als Carlexander. Der rosafarbene Cocktail wurde vor dem Fenster gehalten, dahinter lagen Himmel und Wasser in deutlich zurückhaltenderen Tönen. Eine Zitronenscheibe saß am Glasrand und erfüllte ihre dekorative Aufgabe ohne weitere Rückfragen. Carlexander betrachtete die Anordnung mit müder Würde. „Das wirkt erstaunlich geplant“, sagte er.
Briemma ließ den Blick vom Wasser zum Getränk wandern und stellte ihren Gehstock ruhig neben sich. „Es ist ein Cocktail, kein Ablaufplan.“ Damit war die organisatorische Einordnung abgeschlossen. Das Glas blieb einen Moment über der Aussicht stehen, als müsse zunächst geklärt werden, ob man den Tag betrachten oder trinken wollte. Valencia war weiterhin die Station, doch an Bord begann bereits jener Teil des Reisens, bei dem Wege kürzer und Mahlzeiten wichtiger wurden.
1/11: Rosafarbener Cocktail mit Zitronenscheibe
Am Abend war die Farbpalette weniger verspielt, dafür erheblich belastbarer. Auf dem Holztisch stand ein Teller mit geschnittenem Steak in Sauce, begleitet von Brokkoli, Kartoffelpüree und Roter Bete. Daneben wartete ein Glas Rotwein, während ein Besteckhalter die diskrete Botschaft vermittelte, dass nun ernsthaft gegessen werden durfte. Carlexander musterte erst den Teller und dann den Wein, als prüfe er eine besonders angenehme Form der Reiseplanung.
„Du kannst anfangen“, sagte Briemma. „Der Wein braucht keine Freigabe.“ Carlexander nahm den Hinweis mit jener Fassung auf, die gewöhnlich entsteht, wenn eine sorgfältig vorbereitete Kontrolle durch Hunger ersetzt wird. Das Essen wirkte nicht wie eine beiläufige Zwischenstation, sondern wie ein sauber gesetzter Ruhepunkt: kräftiges Fleisch, Gemüse, Püree und die dunkle Farbe des Rotweins auf dem Tisch.
Danach folgte Kuchen mit cremiger Füllung und Pistaziensplittern. Er lag auf Papier auf dem Holztisch und war teilweise von einem Tuch bedeckt; daneben stand ein leeres Glas, das seinen Beitrag zum Abend offenbar bereits geleistet hatte. Briemma hob das Tuch nur so weit an, wie es für die Begutachtung nötig war. Carlexander sah die Pistazien und gab jede verbliebene Vorstellung von Zurückhaltung ohne öffentliche Erklärung auf.
2/11: Geschnittenes Steak mit Gemüse und Rotwein3/11: Kuchen mit Pistazien auf Papier
Der weitere Weg führte in das deutlich inszeniertere Ambiente von LA CAGE. Vor einer gewellten Wand stand eine symmetrisch aufgebaute Installation: goldene Ständer mit mehreren Gläsern, ein hölzernes Podium mit rotem Sitz und im Mittelpunkt ein beleuchteter Vogelkäfig mit einer Figur. Es war eine jener Anordnungen, die keinen praktischen Zweck behaupten und gerade deshalb sehr konzentriert betrachtet werden. Carlexander blieb stehen. „Ich nehme an, das gehört so.“ Briemma nickte. „Das ist bei Kunst eine brauchbare Ausgangslage.“
Am runden Tisch setzte sich die Inszenierung in kleinerem Maßstab fort. Zwei Cocktailgläser standen auf Servietten, dazu eine Spielkarte mit einer Frau in Tanzpose und drei Stäbchen; rote Vorhänge und ein blauer Sitzsack lagen im Hintergrund. Nichts daran wirkte zufällig, selbst wenn der genaue Zusammenhang nicht erklärt wurde. Carlexander betrachtete die Karte länger als nötig, vermutlich weil sie aussah, als kenne sie die Regeln des Abends bereits.
Ein weiterer Cocktail erschien kühl im Martini-Glas, umgeben von Grissini auf Servietten; dahinter war ein Menü zu sehen. Briemma nahm die schmalen Stäbchen als das, was sie waren: eine pragmatische Begleitung zum Getränk. „Du wolltest doch einen Überblick“, sagte sie. Carlexander sah vom Menü zum Glas. „Der Überblick wird zunehmend flüssig.“ Das war keine Klage, eher eine sachliche Bestandsaufnahme.
Aus einer anderen Perspektive zeigte sich der beleuchtete Vogelkäfig auf einer Holzkonsole, flankiert von zwei goldenen Vierfuß-Kandelabern. Im Käfig befand sich ein rotes Objekt mit gelbem Muster, davor stand eine rote Sitzbank. Schließlich bestätigte ein Schild an der Holzwand den Zusammenhang in großen Buchstaben: „LA CAGE“, darunter „BURLESQUE“, „BAR“ und „CASINO“. Damit besaß die aufwendige Szenerie wenigstens eine klare Beschriftung, was Carlexander sichtbar beruhigte.
4/11: Eine kunstvolle Installation in einem Raum mit einer gewellten Wand im Hintergrund5/11: Kartenspiel im eleganten Ambiente6/11: Kühler Cocktail mit Grissini7/11: Kunstinstallation mit Vogelkäfig8/11: Schild
Später verlagerte sich der Blick zur beleuchteten Bühne. Dort stand die Küchencrew zusammen, lächelnd und mit Flaggen in den Händen, als Teil einer Feier oder Präsentation. Nach Steak, Kuchen und mehreren Cocktails bekam damit auch jene Arbeit ein Gesicht, die während des Essens gewöhnlich hinter Tellerrändern verschwindet. Briemma sah zur Bühne. „Das ist immerhin ein nachvollziehbarer Anlass für Applaus.“ Carlexander widersprach nicht.
In der Abenddämmerung versammelten sich Menschen an Bord um Tische mit Kerzen und unterhielten sich, während im Hintergrund eine Bühne in leuchtenden Farben lag. Der Abend hatte sich vom einzelnen Glas über sorgfältig angerichtete Teller und die Barinszenierung bis zu einer größeren Feier erweitert. Carlexander versuchte nicht mehr, daraus einen Plan abzuleiten. Das war für seine Verhältnisse entweder Erholung oder eine späte Form vernünftiger Kapitulation.
Abseits der beleuchteten Szene lag das Meer unter einem Farbverlauf von Blau zu Orange. In der Ferne war schwach die Silhouette einer Insel oder Landmasse zu erkennen, während die nähere Umgebung bereits dunkel blieb. So endete dieser Abschnitt des Tages nicht mit einer weiteren Programmpointe, sondern mit einem ruhigen Blick hinaus. Briemma stand neben Carlexander, und beide ließen Valencia, das Schiff und den langen Abend für einen Moment einfach unkommentiert. Mehr Ordnung war nicht erforderlich.
9/11: Küchencrew feiert auf der Bühne10/11: Party auf einem Schiff bei Nacht11/11: Dämmerung über dem Meer
Valencia begann für Carlexander und Briemma an diesem Tag nicht mit einer großen Geste, sondern mit einem Bogen. Hinter ihm öffnete sich die Plaça Redona, ein runder Hof mit Cafétischen, Geschäften und Menschen, die zwischen Altstadtstraße und Platz wechselten. Pflanzen hingen über dem Durchgang, ohne daraus eine Zeremonie zu machen. Carlexander blieb kurz stehen und betrachtete die überschaubare Geometrie. Ein Platz, der schon im Namen erklärte, was er sein wollte, erschien ihm grundsätzlich vertrauenswürdig.
Durch den Bogen wirkte das Kommen und Gehen geordnet, obwohl niemand sichtbar dafür zuständig war. Briemma setzte ihren Gehstock ruhig auf das Pflaster und ließ den Blick über die kleinen Geschäfte wandern. „Du suchst schon wieder ein System“, sagte sie. Carlexander rückte seine rote Brille zurecht. „Ich würdige nur die seltenen Fälle, in denen eines erkennbar ist.“ Dann gingen sie weiter in den Hof.
1/37: Pla a Redona
Das nächste Schaufenster widersprach jeder Idee von Zurückhaltung. Porzellanfiguren standen neben Vasen, Tellern und bemalten Keramikgefäßen, dicht genug, um den Eindruck einer sehr stillen Versammlung zu erzeugen. Manche Stücke waren farbig und detailreich bemalt, andere hielten sich an neutrale Töne. Carlexander betrachtete die Anordnung mit der Vorsicht eines Katers, der wusste, dass ein einziger unbedachter Schritt hier eine lange Rechnung auslösen konnte.
Briemma blieb mit angemessenem Abstand vor der Scheibe stehen. „Nichts anfassen“, sagte sie, obwohl das Glas diese Aufgabe bereits zuverlässig übernahm. Carlexander sah auf die größeren Vasen und dann auf die kleineren Statuetten. „Ich hatte nicht vor, eine historische Keramiksammlung neu zu ordnen.“ Sein Ton ließ offen, ob er den Gedanken dennoch kurz geprüft hatte.
2/37: Antike Porzellanfiguren in einem Schaufenster
Der Rundgang führte weiter zu einer steinernen Kirchenfassade, deren Rosettenfenster den oberen Teil beherrschte. Darunter lagen Portal, Wappen und Inschriften in jener sorgfältigen Dichte, die historische Architektur mühelos erreicht und moderne Wegweiser selten. Wenig später setzte ein Keramikmosaik das Thema fort: Heiligenfiguren standen zwischen Säulen und Bögen, darunter eine Inschrift mit der Jahreszahl 1888. Briemma betrachtete die Details ruhig, während Carlexander versuchte, gleichzeitig Gesamtbild und Einzelheiten zu erfassen.
Auf der Plaça Redona rückte der Brunnen in die Mitte der Wahrnehmung. Rundherum standen mehrstöckige Häuser mit Balkonen und kleinen Geschäften; Menschen gingen über den Platz oder blieben am Rand stehen. Von dort führte die Straße wieder in die Altstadt, mit Passanten, Läden und einem Kirchturm im Hintergrund. Das gedämpfte Licht unter dem bewölkten Himmel nahm den Fassaden nichts von ihrer Farbe, sondern ersparte ihnen lediglich den Zwang, besonders laut aufzutreten.
Kathedrale, Skulpturen und blau-rosa Balkone teilten sich anschließend einen Blick, als hätten verschiedene Jahrhunderte eine gemeinsame Hauswandverwaltung gegründet. Auf dem gepflasterten Weg zogen Menschen mit Taschen und Rucksäcken vorbei; weiter hinten waren ein Turm und Flaggen zu sehen. Eine massive Holztür mit Kreis- und Blattornamenten verlangte kurz Aufmerksamkeit, ebenso die Tafel einer Anwaltskanzlei daneben. „Eine sehr überzeugende Tür“, sagte Carlexander. Briemma nickte. „Sie hält dich seit zehn Sekunden erfolgreich draußen.“
Das historische Theater trug mehrere Plakate für die Komödie „Escape Room“, während Passanten an Bogenfenstern und Balkonen vorbeigingen. Kurz darauf erklärte eine Tafel an gelblicher Wand den nächsten Ort als „PLAZA DEL CORREO VIEJO“; Reiterillustration und Jahreszahl 1961 waren gleich mitgeliefert. Warme Fassaden, elegante Balkone und Holztüren wechselten mit einer alten Steinmauer und einem Turm. Am Ende dieser Folge stand in einem Park ein mächtiger alter Baumstamm mit ausgeprägten Wurzeln neben einem gepflasterten Weg – weniger dekorativ als die Balkone, aber sichtbar länger im Geschäft.
3/37: Kirche im Stadtviertel4/37: Keramikmosaik mit Heiligenfiguren5/37: Runder Platz mit Brunnen6/37: Straße mit Kirchturm in Valencia7/37: Blick auf Stadt und Kathedrale8/37: Bunte Altstadt mit Passanten9/37: Klassische Holztür mit Ornamenten10/37: Theater mit 'Escape Room' Plakaten11/37: Plaza del Correo Viejo Tafel12/37: Farbenfrohes Haus mit Balkonen13/37: Alte Stadtmauer mit Turm14/37: Altes Baumstamm im Park
Der Turm blieb auch im nächsten Abschnitt des Weges ein zuverlässiger Orientierungspunkt. Vor dem historischen Kirchengebäude gingen Menschen vorbei oder standen in kleinen Gruppen zusammen, während Bäume und Straße den städtischen Rahmen setzten. Die Kathedrale von Valencia erschien danach noch einmal deutlicher, mit ihrem charakteristischen Turm vor dem bewölkten Himmel. Carlexander sah hinauf und verzichtete ausnahmsweise darauf, eine Route daraus abzuleiten.
Auf einem gepflasterten Platz stand eine bronzene Frauenfigur mit erhobenen Armen auf einem Steinsockel. Dahinter lagen alte Backsteinbauten; Menschen ruhten sich aus oder besichtigten den Ort. Briemma stellte ihren Gehstock kurz neben sich und betrachtete die Haltung der Statue. „Sehr entschlossen“, sagte Carlexander. „Und ganz ohne Tagesplan“, erwiderte Briemma.
Ein großes klassizistisches Gebäude aus roten Ziegeln und weißen Säulen schloss diese Folge ab. Unter dem gedämpften Himmel wirkten die klaren Linien beinahe sachlich, obwohl das Gebäude sichtbar keinen Mangel an repräsentativem Anspruch hatte. Nach Kirchen, Türmen, Statue und Fassaden war Carlexanders Blick ausreichend mit Architektur versorgt. Der Weg durfte nun zu Dingen führen, deren Zweck sich schneller erschloss.
15/37: Kirche im Stadtviertel16/37: Blick auf Stadt und Kathedrale17/37: Statue in der Altstadt von Valencia18/37: Klassisches Gebäude unter bewölktem Himmel
In der Markthalle wurde aus dem stillen Betrachten sofort ein konkreteres Interesse. Frischer Fisch lag in verschiedenen Sorten auf den Ständen, versehen mit Preisschildern pro Kilogramm. Gleich daneben bildeten Tomaten ein Farbspektrum von gelblich bis rotbraun, ordentlich in Kisten sortiert. Kleine Verbotsschilder machten deutlich, dass die Ware angesehen, aber nicht eigenmächtig geprüft werden sollte. Carlexander respektierte diese Regel mit jener Würde, die besonders leichtfällt, wenn Briemma danebensteht.
Hinter einer Glasvitrine warteten Croissants, Muffins, Kekse und weitere Backwaren, während der Bäcker am Stand bereitstand. Wenige Schritte weiter folgten Avocados, Bok Choy, Lauch und Tomaten, danach grüner Spargel, violette Auberginen und Kartoffeln. Preisschilder strukturierten das Angebot, doch Carlexander verlor den Überblick nicht wegen der Zahlen, sondern wegen der Auswahl. „Du musst nicht alles kategorisieren“, sagte Briemma. „Ich versuche nur, professionell beeindruckt zu sein“, antwortete er.
Dann kehrte der Rundgang zum Fisch zurück. Tintenfische und weitere Meeresfrüchte lagen auf Eis, ein Verkäufer bereitete die Bedienung vor. Austern, Krabben und Muscheln folgten an einem weiteren Stand; daneben lagen eine große Flunder, kleinere Fische und weitere Krabben auf einem Eisblock, mit zusätzlichem Fisch im Hintergrund. Briemma betrachtete die Austern ruhig, während Carlexander die Auslage mit auffallend konzentrierter Miene prüfte. Auf einem Markt ist Aufmerksamkeit schließlich eine gesellschaftlich akzeptierte Form des Appetits.
Den farblichen Schlusspunkt setzte eine Patisserievitrine mit Macarons in Grün, Orange und Rosa. Jede Sorte lag sauber getrennt und war beschriftet, was Carlexanders Ordnungssinn unverhältnismäßig erfreute. Zwischen Fisch auf Eis, Gemüsekisten und Süßigkeiten hatte die Markthalle jede Form von Zurückhaltung systematisch abgebaut. Briemma bemerkte seinen Blick. „Nur schauen“, sagte sie. Diesmal war kein Verbotsschild nötig.
19/37: Frischer Fisch auf dem Markt20/37: Farbenprächtige Tomaten auf dem Markt21/37: Fruchtmarkt mit Tomaten22/37: Bäckerei mit frischen Gebäckstücken23/37: Bunte Gemüsestand im Markt24/37: Bunter Marktstand mit Gemüse25/37: Frischer Fisch auf Eis im Markt26/37: Frische Austern auf Eis27/37: Frischer Fisch auf Eis28/37: Farbenfrohe Macarons in einer Patisserie
Am Hafen wartete die Mein Schiff Relax am Kai. Menschen gingen an Bord oder verließen das Schiff, andere bewegten sich am Kai entlang. Nach den engen Straßen, runden Plätzen und dicht bestückten Marktständen wirkte der Schiffsrumpf wie ein entschieden größerer Maßstab. Carlexander betrachtete den Weg zum Bordgang mit müder Zufriedenheit. Eine Rückkehr hatte den Vorteil, dass ihr Ziel nicht mehr diskutiert werden musste.
Vor dem Schiff führte der Weg an einem temporären Kontrollpunkt mit blauer Plane, Handdesinfektionsautomat und gelben Warnschildern vorbei. Ein Passagier ging hindurch, während das große Schiff den Hintergrund füllte. Briemma hielt ihren Gehstock sicher bei sich und setzte den Weg ohne Hast fort. „Jetzt kommt dein Lieblingsteil“, sagte sie. Carlexander sah zum Kontrollpunkt. „Ein klarer Ablauf ist kein Vergnügen, sondern eine seltene Form der Erholung.“
Über die Treppe stiegen Passagiere schließlich an Bord. Rohre und Kabel gehörten sichtbar zur Umgebung des Zugangs, ohne den Vorgang komplizierter zu machen: hinaufgehen, ankommen, weitergehen. Carlexander folgte dem Ablauf mit jener stillen Zustimmung, die er funktionierenden Übergängen entgegenbrachte. Briemma ließ ihm diesen kleinen organisatorischen Triumph. Valencia blieb hinter ihnen als Folge aus Bögen, Türmen, Marktständen und sehr eindeutigen Berührungsverboten zurück.
29/37: Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen30/37: Kontrollpunkt vor Kreuzfahrtschiff31/37: Passagiere besteigen Schiff
Ein Informationsbrett mit Deckplan ordnete die Bereiche der Decks sechs bis acht und nannte Bars, Restaurants, Wellnessbereiche und Kabinen. Carlexander las die Angaben gründlicher, als es für den unmittelbaren Weg notwendig gewesen wäre. Briemma wartete mit ruhiger Geduld. „Du kennst den Weg“, sagte sie. „Kenntnis schließt Bestätigung nicht aus“, antwortete Carlexander und widmete dem Plan noch einen letzten prüfenden Blick.
Auf der Terrasse standen hellblaue Tische und graue Stühle, während Menschen zusammensaßen, sich unterhielten oder entspannten. Das Licht war nun sonnig und ließ den Hafentag deutlich heller ausklingen, als es die bewölkten Stadtansichten zuvor erwarten ließen. Carlexander setzte sich mit der Haltung eines Reisenden, der viele Fassaden gewissenhaft zur Kenntnis genommen hatte. Briemma stellte ihren Gehstock neben sich und genoss, dass vorerst kein weiterer Kirchturm als Orientierungshilfe benötigt wurde.
Beim Tagesgericht nannte eine Tafel Tapas, Suppe, Quiche und Pasta; an einem Tisch im Hintergrund las oder schrieb ein Mann. Das anschließende Obstbuffet brachte Melonen, Ananas und weitere exotische Früchte in sorgfältiger Anordnung zusammen. Nach den Marktkisten wirkte auch dieses Angebot farbenreich, nur deutlich näher an einer unmittelbaren Entscheidung. „Du planst schon wieder“, sagte Briemma. Carlexander blickte zur Auswahl. „Diesmal ausschließlich in Portionen.“
Eine Platte mit Nigiri, Maki und Temaki, geräuchertem Lachs, Sojasauce und Stäbchen führte die Auswahl fort. Danach standen auf drei weißen Tellern ein frittiertes Stück, eine Fleischkugel in Tomatensauce und ein dunkles, mit Kräutern bestreutes Stück. Der Tag endete damit nicht in einer großen Zusammenfassung, sondern in mehreren kleinen Gerichten. Plaça Redona, Kathedrale, Markt und Rückkehr an Bord hatten genügend Eindrücke geliefert. Carlexander hob die Gabel. „Ein vernünftiger Abschluss.“ Briemma nickte. „Vor allem, weil du ihn nicht mehr umplanen kannst.“
32/37: Informationsbrett mit Deckplan auf Kreuzfahrtschiff33/37: Sonnenuntergang auf der Terrasse34/37: Tagesgericht im Restaurant mit Hafenblick35/37: Buffet mit Speisen36/37: Sushi auf dem Teller37/37: Serviertes Gericht auf dem Tisch
2025-04-15 – Tag 8: Kaffee und Gebäck zum Frühstück
Tag 8 · 2025-04-15 · Valencia
Valencia begann für Carlexander mit einem Espresso vor Containerterminals und Lagerhäusern. Das Glas stand gegen den bewölkten Himmel, dahinter lag der Hafen in jener ruhigen Betriebsamkeit, die aus der Entfernung fast erholsam wirkt. Carlexander betrachtete den Kaffee mit müder Würde. Für ein Frühstück war er übersichtlich, für eine erste Lagebesprechung jedoch vollkommen ausreichend.
Am Kai lag die Mein Schiff Relax, groß genug, um zwischen Hafenanlagen und modernen Gebäuden mit Balkonen kaum übersehen zu werden. Briemma hielt ihren eleganten Gehstock neben sich und sah erst zum Schiff, dann zum Espresso. „Und das Gebäck?“ fragte sie. „Noch in der Planungsphase“, sagte Carlexander. Damit war der organisatorische Zustand des Morgens präzise beschrieben.
1/34: Kaffee und Gebäck zum Frühstück2/34: Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Vom Hafen führte der Blick in das Stadtzentrum, wo Valencia seine Fassaden nicht in einer einheitlichen Reihenfolge präsentierte. Zuerst fiel ein klassisches weißes Gebäude mit einem reich verzierten Holzbalkon und einer ebenso sorgfältig gerahmten Fensterpartie auf. Carlexander blieb kurz stehen. Solche Balkone wirkten, als hätten sie schon lange vor der heutigen Reise beschlossen, der Straße eine gewisse Form zu geben.
Die Plaza de Toros erschien unter bewölktem Himmel deutlich nüchterner. Bauhindernisse standen im Vordergrund, während Menschen an der Straßenkreuzung und am Gebäude vorbeigingen. Dahinter wartete bereits die gelbe Fassade der Estació del Nord mit ihrem großen Uhrenturm; Baugerüste, Verkehrszeichen und wartende Passanten verhinderten zuverlässig jede Ansichtskartenruhe. Briemma nannte das „eine Stadt bei der Arbeit“.
Wenig später bestimmten Sandstein, eine dunkle Tür und ein markanter Turm den Weg. Vor dem historischen Gebäude stand ein Mann auf der Straße, klein im Verhältnis zur Fassade. Carlexander sah nach oben und korrigierte unauffällig die rote Brille. Türme verlangen diese Bewegung, obwohl sie keinerlei Rücksicht auf Nacken oder Reiseplanung nehmen.
An der gotischen Kathedrale wurde es belebter. Menschen gingen über den Platz, andere blieben stehen und betrachteten Turm und Architektur. Lampenpfosten gliederten die Szene, ohne ihr wirklich Ordnung aufzuzwingen. „Du könntest auch einfach schauen“, sagte Briemma. Carlexander nickte und schaute weiter, nun offiziell ohne Analyse.
3/34: Klassisches Gebäude mit Balkon4/34: Plaza de Toros in Valencia5/34: Blick auf den Bahnhof Estació del Nord in Valencia6/34: Blick auf Stadt und Kathedrale7/34: Ein Blick auf eine historische gotische Kathedrale mit einem markanten Turm im Hintergrund
Die weitere Bewegung durch Valencia wirkte wie eine schnelle Folge städtischer Gegenentwürfe. Hinter einem Metallzaun stand ein großes verlassenes Backsteingebäude; davor reihten sich weiße Pflanzkübel mit grünen Sträuchern auf. Eine Person in heller Jacke ging daran vorbei. Die Kübel gaben sich gepflegt, das Gebäude hielt sich aus dieser Entwicklung offenbar heraus.
Danach übernahm eine auffällige Metallskulptur das Bild. Bürogebäude, geparkte Autos, Straßenlaternen und der Verkehr bildeten den sachlichen Hintergrund für eine Form, die keine Erklärung mitlieferte. Carlexander betrachtete sie länger als geplant. „Du suchst eine Gebrauchsanweisung“, bemerkte Briemma. „Nur eine belastbare Zuständigkeit“, sagte er.
An der breiten Straße folgte ein futuristisches Gebäude mit charakteristischer Dachform, begleitet von Beton, Straßenlaternen und mehrstöckigen Wohnhäusern unter klarem blauem Himmel. Kurz darauf wechselte die Stadt wieder ins klassische Fach: Ein mächtiger roter Backsteinbau mit vielen Fenstern, teilweise geschlossenen Rollos, stand hinter einer gepflegten Hecke. Parkplätze lagen davor, als müsse selbst monumentale Architektur irgendwo ihre Alltagsseite unterbringen.
Der markante Turm einer großen Markthalle kündigte schließlich den nächsten Schwerpunkt an. Motorräder standen davor, Menschen gingen oder saßen auf den Plätzen, und Pflanzenbehälter sowie Laternen rahmten das Geschehen. Auf einem weiteren belebten Platz bewegten sich Menschen zwischen Bänken, Schildern und einem historischen Gebäude mit großen Fenstern. Die Stadt war nun endgültig vom Vorbeifahren ins genauere Hinsehen übergegangen.
8/34: Verlassenes Gebäude mit Pflanzkübeln9/34: Städtische Szene mit Skulptur10/34: Futuristisches Gebäude an der Autobahn11/34: Klassisches Gebäude mit rotem Ziegel12/34: Markthalle mit historischem Turm13/34: Markt vor historischem Gebäude
Vor dem Eingang eines historischen Gebäudes stand ein Bild auf einer Staffelei. Die kunstvoll gestaltete Fassade, die Tür und die Balkone mit schmiedeeisernen Geländern machten aus dem Eingang bereits eine kleine Ausstellung vor der Ausstellung. Carlexander blieb auf höflicher Betrachtungsdistanz. Briemma entschied mit einem kurzen Blick, dass die Fassade ihre eigene Konkurrenz problemlos aushielt.
Die steinerne Kathedrale mit reich verzierter Front, großem Portal, Fenstern und Hauptturm stand dagegen frei unter blauem Himmel mit wenigen Wolken. Von dort wurde der Weg schmaler. Gelbliche Fassaden rückten zusammen, Balkone und Fensterläden säumten die enge Gasse, und einige Pflanzen standen über dem Pfad. Briemmas Gehstock setzte auf dem Weg einen ruhigen Takt, dem Carlexander ohne Einwand folgte.
In den historischen Gassen trafen gotische Architektur und modernere Straßenränder ohne größere Zeremonie aufeinander. Ein Fahrrad, Schilder und Graffiti gehörten ebenso zum Blick wie das gotische Gebäude im Hintergrund. Valencia erklärte seine Zeitschichten nicht; es stellte sie nebeneinander und überließ den Rest den Vorbeigehenden. Das war Carlexander sympathisch, weil es keine Rückfragen vorsah.
14/34: Eingang eines historischen Gebäudes mit Kunstausstellung15/34: Eine beeindruckende Kathedrale aus Stein unter einem blauen Himmel mit spärlichen Wolken16/34: Enge Gasse mit gelben Fassaden17/34: Gassen von Valencia
Die nächste gotische Kirche zeigte Maßwerkfenster und ein Wappen über der gepflasterten Straße, während Menschen an der Fassade vorbeigingen. Kurz darauf stand ein weiteres großes Kirchengebäude unter klarem blauem Himmel. Sein Rundfenster, die Backsteinfassade, Säulen und Pilaster wirkten strenger als das bewegte Straßenbild davor. Briemma sah hinauf und sagte: „Immerhin ohne Gerüst.“ Carlexander wertete das als seltene städtebauliche Entlastung.
Vor einer gotischen Fassade standen Orangenbäume mit reifen Früchten, dahinter sammelten sich Menschen zur Besichtigung. Das kräftige Orange setzte einen einfachen, beinahe unverschämt wirksamen Kontrast zum historischen Stein. Carlexander verzichtete auf eine Deutung. Nach mehreren Türmen, Fenstern und Fassaden war die bloße Feststellung, dass Orangen gut sichtbar waren, angenehm ausreichend.
18/34: Kirche im Stadtviertel19/34: Ein großes Kirchengebäude mit einem markanten Rundfenster über dem Eingang steht unter einem klaren, blauen Himmel20/34: Orangenbäume vor gotischer Fassade
Auf einem gepflasterten Platz setzte sich das historische Stadtbild fort. Eine große Kirche stand im Vordergrund, Menschen gingen vorbei, und zwischen den weiteren Gebäuden waren Palmen zu sehen. Die Bewegung führte nun in Richtung Markt, wo Architektur nicht nur betrachtet, sondern von Stimmen, Waren und täglichen Wegen in Anspruch genommen wurde. Der Vormittag bekam damit einen praktischeren Ton.
Die Gebäckfrage des Frühstücks beantwortete sich verspätet, aber überzeugend: Hinter Glas lagen Churros im siedenden Öl, umgeben von Mehlspuren und Krümeln. Carlexander sah dem Braten mit ernster Aufmerksamkeit zu. „Planungsphase abgeschlossen?“ fragte Briemma. „Mit erheblicher Verzögerung“, sagte er. Sie ließ diese Formulierung gelten, weil das Ergebnis wichtiger aussah als der Prozess.
In der Markthalle folgten Nüsse und Trockenfrüchte, sorgfältig an einem betreuten Stand angeboten, während Kunden schauten und einkauften. Daneben wechselten Fleischwaren, Obst und Gemüse einander ab. Menschen gingen durch die Gänge, Händler arbeiteten an ihren Ständen, und über allem lagen Metallträger und Holzplatten des historischen Hallendachs. Selbst der hexagonal gemusterte Boden trug seinen Teil zur geordneten Geschäftigkeit bei.
Weitere Gänge zeigten Obstschalen, Gemüseboxen und Fleischwarenregale unter den Metallkonstruktionen. Schilder begleiteten das Angebot, Kunden prüften Waren, Verkäufer bedienten sie. Schließlich stand ein umfangreiches Sortiment aus Schinken, Würsten und rohem Fleisch mit Preisschildern in den Auslagen. Briemma ging ruhig voraus; Carlexander folgte und musste einsehen, dass dieser Markt auch ohne seinen Kontrollreflex funktionierte.
Unter dem historischen Dach begann der Fischbereich mit langen Reihen von Frischfischständen. Durch große Fenster fiel natürliches Licht auf die Auslagen, während Menschen zwischen den Ständen gingen und das Angebot betrachteten. Die Metallkonstruktion über ihnen gab der Halle eine klare Linie; darunter blieb alles in Bewegung. Der Markt war kein Schauraum, sondern ein Arbeitsort mit sehr ansehnlichen Ergebnissen.
Garnelen und Krabben lagen auf Eis, versehen mit spanischen Preisschildern. Gleich daneben wurde das Sortiment größer: Hummer, Krabben, Muscheln und weitere Garnelen füllten einen Eisblock. Carlexander las die Preise mit dem konzentrierten Ausdruck eines Katers, der eine Entscheidung vorbereitete. Briemma betrachtete derweil die Ware. Ihre Methode war erkennbar näher am eigentlichen Gegenstand.
Auf einem Metalltisch lagen Hummer, Garnelen und Krabben; daneben war das Schild „BUEY DE MAR Y RIO“ zu sehen. Die Auslagen wechselten von Stand zu Stand nur in den Einzelheiten, doch gerade diese Einzelheiten hielten den Blick fest. Eis, Schalen, Preisschilder und die sorgfältige Anordnung machten aus der Fülle keine Unordnung, sondern eine sehr direkte Form von Auswahl.
Bei Austern und Seeigeln auf Eis verlangsamte sich der Rundgang. Im Hintergrund setzten sich die weiteren Meeresfrüchtestände fort, doch hier wurde aus dem allgemeinen Marktbesuch eine konkrete Möglichkeit. Carlexander sah zu Briemma. „Das ist vermutlich keine Planabweichung“, sagte er. „Nein“, antwortete sie, „das ist der Teil, für den man überhaupt plant.“
Am Ende wurden zwei frische Österrische Austern serviert, jeweils geöffnet und mit einer Zitronenscheibe versehen. Nach Hafen, Fassaden, Kirchen, Gassen und Markthalle war das ein bemerkenswert knapper Abschluss: zwei Schalen, zwei Zitronenstücke und keine weitere städtische Großform. Carlexander begrüßte diese Übersichtlichkeit ausdrücklich.
Briemma stellte ihren Gehstock ruhig neben sich und betrachtete die Austern. Der Tag hatte mit einem kleinen Espresso vor großen Hafenanlagen begonnen und endete in dieser Episode mit einer kleinen Portion aus einem großen Marktangebot. „Kaffee und Gebäck zum Frühstück“, sagte sie. „Und eine gewisse Ausweitung des Programms“, ergänzte Carlexander. Valencia hatte dafür genügend Material geliefert.
21/34: Kirche im Stadtviertel22/34: Churros in Frittieröl23/34: Nüsse in einem Markthallenstand24/34: Markthalle mit Fleischverkauf25/34: Markthalle mit frischem Obst und Gemüse26/34: Marktbesuch in einer überdachten Halle27/34: Marktbesuch in einer spanischen Stadt28/34: Fleischsortiment in spanischer Metzgerei29/34: Frischer Fischmarkt unter historischem Dach30/34: Frische Meeresfrüchte auf Eis31/34: Buffet mit Speisen32/34: Auf einem Metalltisch liegen frische Meeresfrüchte wie Hummer, Garnelen und Krabben auf Eis33/34: Frische Austern auf Eis im Markt34/34: Österrische Austern mit Zitrone
2025-04-16 – Tag 9: Kathedrale am Meer mit Bergen im Hintergrund
Tag 9 · 2025-04-16 · Palma de Mallorca
Am Hafen von Palma de Mallorca bekam der neunte Reisetag noch einmal eine großzügige Perspektive. Über dem Meer erhob sich die gotische Kathedrale, dahinter lagen die Berge unter blauem Himmel, während vorne ein Segelboot durch das Bild zog. Carlexander betrachtete die Abstufung aus Wasser, Architektur und Höhenzug mit der müden Würde eines Reisenden, der wusste, dass seine eigene Bildordnung später deutlich weniger souverän aussehen würde. „Das ist erfreulich eindeutig“, sagte er. Briemma hob nur leicht den Gehstock. „Warte das nächste Foto ab.“
Schon der zweite Blick verschob die Gewichte. Nun rückten Hafen und dichte Bebauung stärker ins Bild, die Kathedrale stand eingebunden in die Stadt, und über den Bergen lag ein bewölkter Himmel. Ein Segelboot und die Wasserlinie hielten immerhin die Verbindung zum ersten Motiv. Es war dieselbe Umgebung, aber keine Wiederholung: einmal große Kulisse am Meer, einmal historische Architektur als Teil eines dicht besetzten Stadtrands.
Carlexander versuchte kurz, beide Ansichten nach Licht, Blickwinkel und architektonischer Wirkung zu sortieren. Briemma ließ ihn gewähren, bis aus einem Reiseeindruck beinahe ein Ablagesystem geworden war. „Du könntest auch einfach hinschauen“, sagte sie. Das tat er dann. Die Kathedrale blieb stehen, die Berge ebenfalls, und der Hafen kam auch ohne seine methodische Unterstützung zurecht.
1/9: Kathedrale am Meer mit Bergen im Hintergrund2/9: Kathedrale am Hafen mit Bergen im Hintergrund
Der Übergang vom Hafen zum Essen war weniger feierlich, aber äußerst wirksam. Zuerst kam eine cremige Fischsuppe, sorgfältig mit Krabbenklüften und frischem Dill angerichtet. Der Teller wirkte präzise, ohne den Eindruck zu erwecken, man müsse vor dem ersten Löffel eine Bedienungsanleitung lesen. Nach Stein, Wasser und Bergen war das eine überschaubare Anordnung, und Carlexander begegnete ihr mit jener Konzentration, die bei ihm gelegentlich für kulturelles Interesse gehalten wurde.
Danach folgte das Lobster Dinner: Hummerzehen auf einem runden weißen Teller, daneben grünes Gemüse in einem kleinen Topf und eine gebackene Kartoffel in einer Schale. Im Hintergrund standen Wasser, Wein und Brot bereit. Carlexanders Blick blieb einen Moment am gefüllten Weinglas hängen. „Rein zur Einordnung“, sagte er. Briemma antwortete ruhig: „Natürlich. Flüssige Dokumentation.“ Damit war das Thema ausreichend gewürdigt.
Das nächste Gericht verzichtete ebenfalls auf Zurückhaltung. Ein Steak lag auf einem Oktopusarm, darunter cremiges Risotto; warme Farben und eine betont genaue Präsentation machten aus drei kräftigen Bestandteilen eine bemerkenswert geordnete Konstruktion. Carlexander betrachtete sie kurz von oben, als ließe sich klären, welcher Teil hier organisatorisch die Führung übernommen hatte. Briemma begann bereits zu essen. Pragmatismus ist auch deshalb effizient, weil er selten auf ein abschließendes Diagramm wartet.
Zum Schluss erschien ein Dessert auf einem großen Teller: Schokoladensoße, eine cremige Masse im Zentrum und dekorative Blätter und Kräuter ringsum. Glas, Löffel und Gabel hielten sich am Rand bereit, während die Anrichtung noch einmal zeigte, wie viel Präzision auf einer begrenzten Fläche möglich ist. Der Tag hatte damit den Weg von monumentaler Architektur zu sorgfältig gesetzten Dessertdetails genommen. Beides stand fest an seinem Platz; nur bei einem davon war vorgesehen, dass dieser Zustand nicht lange anhielt.
3/9: Fischsuppe mit Krabben und Dill4/9: Lobster Dinner mit Wein5/9: Steak mit Oktopus auf Risotto6/9: Küche im Restaurant
Später lag der Hafen unter einem dunkelblauen Nachthimmel. Die Promenade war beleuchtet, dahinter zeichneten Gebäude- und Straßenlichter das städtische Ufer nach; einzelne Sterne waren ebenfalls sichtbar. Nach den konzentrierten Tellern wirkte die Szene weiter und ruhiger, ohne leer zu sein. Carlexander und Briemma blickten über das Hafenbecken, während die Lichter eine Ordnung behaupteten, die tagsüber zwischen Wasserlinie, Bebauung und Verkehr weniger deutlich gewesen war.
Entlang der Küste setzte sich die beleuchtete Stadt fort. Ihre Spiegelungen standen auf dem ruhigen Wasser, bis ein vorbeifahrendes Boot Bewegung in die Fläche brachte. „Da geht deine Ordnung“, sagte Briemma. Carlexander sah dem Boot nach. „Sie war ohnehin nur vorläufig.“ Das war für seine Verhältnisse eine bemerkenswert entspannte Einschätzung und vermutlich der passende Zustand für einen Abend, an dem nichts mehr kategorisiert werden musste.
Im letzten Blick lagen zahlreiche Yachten still an ihren Anlegern. Über dem beleuchteten Hafenbecken erhob sich ein Hügel; darauf hob sich ein angestrahltes, historisch wirkendes Gebäude von der Dunkelheit ab, ohne dass es näher bestimmt werden musste. Straßen- und Gebäudelichter zogen sich durch die Umgebung, dahinter blieben die Berge als dunkle Begrenzung. So endete Palma nicht mit einer großen Erklärung, sondern mit Wasser, Licht und festgemachten Booten. Carlexander ließ es dabei bewenden. Briemma ebenfalls, was die Sache endgültig machte.
7/9: Nacht am Hafen mit beleuchteter Promenade8/9: Blick auf Küstenstadt und Bucht9/9: Blick auf beleuchtetes Hafenbecken bei Nacht
Palma begann für Carlexander und Briemma mit jener Ansicht, die keinen weiteren Zuständigkeitsnachweis braucht: La Seu erhob sich hinter Steinmauer und Wassergraben, davor Promenaden, junge Bäume und Menschen, die gingen, saßen oder den Vormittag ohne erkennbare Eile verwalteten. Mit jedem Schritt wechselte die Kathedrale ihre Kontur; einmal dominierten Turm und gotisches Dach, dann der angrenzende Palast mit Arkaden und Zinnen. Auf der gepflasterten Promenade stand ein Tourist im weißen T-Shirt mit der Aufschrift „THE END“. „Das wäre früh“, sagte Briemma. Carlexander hielt es vorsichtshalber nur für eine textile Meinungsäußerung.
Hinter der großen Kulisse wurde Palma kleinteiliger. Ein klassisches Gebäude mit Säulen und Bögen bekam durch die Palme im Vordergrund beinahe Konkurrenz, während wenige Straßen weiter eine goldfarbene Bitcoin-Münze zwischen Anhänger und blau besetztem Ring in einer Schmuckauslage lag. Carlexander betrachtete die Kombination aus Kryptowährung und Schutzkapsel mit professioneller Skepsis. Gelbe Fassaden, Balkone und Fensterläden führten weiter durch die Altstadt; selbst ein Schild des Hard Rock Cafe Mallorca fügte sich dort ein, als hätte es einen historischen Antrag gestellt. Im Gewürzschaufenster hingen rote Chilis und Knoblauch über sauber gereihten Dosen.
Ein schwarz-weißes Wandgemälde zeigte einen Mann, umringt von drei Kindern, unmittelbar neben einem Straßenpfeiler voller Aufkleber. Kurz darauf lag die Basilika de Sant Miquel im Strom der Altstadtstraße, an der Menschen vorbeigingen, stehen blieben und miteinander sprachen. Palma hielt sakrale Steinarchitektur und Straßenbilder ohne Übergangsmoderation nebeneinander: Auf einem geschlossenen Metalltor erschien Tupac Shakur mit Tränenspur unter dem großen Schriftzug „TUPAC“. Wenig später versammelten sich Passanten mit Kameras um eine rostige Motorradstatue samt Figur. „Ein konsequenter Rundgang“, sagte Briemma. „Nur das Thema wechselt alle dreißig Meter.“
Zwischendurch öffnete sich die Stadt wieder zum Hafen. Über dem Meer lag Palma als breite Häuserfläche, aus der La Seu deutlich herausragte; ein alter Steinturm stand zwischen Palmen und modernen Gebäuden unter inzwischen bewölktem Himmel. Im Hafen lagen ein großes Kreuzfahrtschiff und ein kleineres Schiff ruhig am Anleger. Danach führte der Weg erneut an schweren Steinbauten vorbei, begleitet von Besuchern und erhobenen Mobiltelefonen. Die reich verzierte Kathedralfassade mit Rosettenfenster, Skulpturen, Säulen und Portal verlangte einen längeren Blick, bevor eine enge Gasse aus Sandsteinfassaden, Balkonen und Fensterläden das Blickfeld wieder auf Fußgängermaß reduzierte.
Vor einem gotischen Gebäude wehten drei Flaggen zwischen Säulen und Zinnen; am sonnigen Rathaus gingen Menschen vorbei oder saßen auf den Stufen. Gleich danach zeigte ein Haus im Stil des Modernisme farbige Mosaiken und kunstvolle Balkone, mit einem historischen Lampenpfosten davor. Palma wirkte hier nicht wie eine ordentlich sortierte Epoche, sondern wie ein gut belegtes Archiv, in dem jede Straße eine andere Mappe öffnete. Am Ende dieses Abschnitts hingen erneut getrocknete Chilis an Holzleisten, diesmal mit kleinen Papieretiketten. Carlexander sah darin ein verlässliches Leitsystem. Briemma sah darin Gewürze. Beides brachte sie zur Markthalle.
1/57: Palma de Mallorca2/57: Ein Panorama zeigt die Kathedrale von Palma mit ihrem markanten Turm und gotischen Dach vor einer Mauer aus Stein3/57: Eine gotische Kathedrale mit markanten Türmen und einem angrenzenden Palast mit Arkaden und Zinnen4/57: Tourist am Palma de Mallorca5/57: Klassisches Gebäude mit Palme6/57: Goldene Bitcoin Münze auf Schmuckauslage7/57: Gelbe Fassaden in der Altstadt8/57: Spicery Shop mit getrockneten Chilis9/57: Familienbild an der Wand10/57: Kirche im Stadtviertel11/57: Graffiti Tür mit Tupac Motiv12/57: Rostige Motorradstatue auf Straße13/57: Blick auf Stadt und Kathedrale14/57: Historischer Turm unter bewölktem Himmel15/57: Kapitänsblick auf den Hafen16/57: Historisches Gebäude mit Besuchern17/57: Die Fassade einer gotischen Kathedrale mit einem großen Rosettenfenster über dem Eingangstor18/57: Enge Gasse mit historischem Flair19/57: Gotisches Gebäude mit Flaggen20/57: Palma de Mallorca Rathaus21/57: Künstlerisches Haus mit historischem Lampenpfosten22/57: Hängende getrocknete Chilis in einem Marktstand
Vor dem Markt lag noch ein Kircheninneres auf dem Weg: gewölbte Decke, Fresken, Holzaltäre und ein prächtiger Altar, flankiert von Christusfiguren und betrachtet von Besuchern. Danach änderte sich die Form der Andacht merklich. Geräucherte Schinkenhälften hingen an Metallbügeln über einem Schild mit der Aufschrift „Ecologico“, während eine lange Theke Sushi-Rollen, Nigiri und weitere japanische Speisen zeigte; zwei Personen arbeiteten dahinter an der Zubereitung. Gleich daneben lagen Garnelen, Krabben und Tintenfische auf Eis, versehen mit roten Preisschildern. Palma hatte den Übergang vom Altar zur Auslage erstaunlich nüchtern organisiert.
Die Fleischstände folgten mit verschiedenen Zuschnitten, Schildern und Kundschaft, die entweder kaufte oder prüfend betrachtete. Geräucherte Würste hingen an Haken über einer gefüllten Vitrine, während an einem anderen Stand Käse im Vordergrund und ein großes Stück Schinken auf einem Holzbrett lagen. Carlexander versuchte kurz, das Angebot nach Produktgruppen zu erfassen. „Du musst hier nichts inventarisieren“, sagte Briemma. Also gingen sie weiter zu mallorquinischen Oliven, die offen am Stand angeboten wurden, und zu einem Olivenladen, in dessen Schaufenster verschiedene Sorten und Snacks lagen, während eine Mitarbeiterin hinter der Theke stand.
Im Fischbereich wurde die Markthalle lauter und unmittelbarer. Große Tintenfische, Muscheln und Krabben lagen auf Eis; Kunden und Verkäufer sprachen über die Auslagen hinweg, andere Besucher zogen mit Einkaufskörben durch die Gänge. Dazwischen stand eine Bäckereivitrine voller Torten, Brötchen, Kekse und weiterem Gebäck, jedes Stück mit sichtbarem Preis versehen. Dann wieder Fisch: ein Thunfischkopf im Eisbehälter, dahinter weitere Fischteile und Kräuter, anschließend zwei große Fische auf einem Eisblock, die Mäuler geöffnet. Briemma betrachtete sie kurz. „Die wirken ähnlich überrascht wie du.“ Carlexander widersprach nicht.
Das Austernmenü brachte wieder Ordnung in die Sache. Fine de Claire, Speciale de Claire und Galician standen mit Preisen auf dem Blatt, ergänzt durch Varianten mit Flamme, Shiso-Mango-Vinaigrette sowie Maracuja, grünem Anis und rosa Pfeffer. Auf dem roten Tisch lagen die geöffneten Austern mit Zitronenscheiben; daneben standen ein Glas Wein und eine Flasche Sauce. Ein weiterer Blick zeigte den Teller noch einmal aus der Nähe, bevor ein Kühlschrank mit frischen Austern und Champagnerflaschen unter dem Schriftzug „HUITRES AIME“ die Produktkette vollständig machte. Carlexander nannte das Informationsbeschaffung. Briemma nannte es Mittagessen.
Der Rückblick auf das Frühstück wirkte dagegen beinahe diszipliniert: Croissant mit Butter, dazu Erdbeeren, Ananas, Kiwi, Drachenfrucht und Rambutan. „So lob ich mir das Frühstück“, sagte Carlexander mit der müden Würde eines Katers, der wenige Stunden später vor Austernkarten stand. Weil am Wechseltag der Passagiere die Decks sehr voll waren, hatten Carlexander und Briemma den ruhigeren Platz auf dem Balkon gewählt. Die moderne Sonnenliege auf der Holzterrasse und der kleine Beistelltisch lieferten dafür alles Nötige. Briemma stellte ihren Gehstock neben sich ab. Manchmal bestand gute Reiseplanung vor allem darin, nicht dort zu sein, wo gerade alle waren.
23/57: Kircheninneres mit Altarfiguren24/57: Ecologischer Schinken in einer Butterschale25/57: Buffet mit Speisen26/57: Frisches Meeresfrüchte Arrangement auf Eis27/57: Butcher s stall in bustling market28/57: Fleischstand mit geräucherten Würsten29/57: Käsestand mit Schinken in einer Einkaufsmesse30/57: Marktstand mit Oliven in Palma31/57: Olivenladen in Mallorca32/57: Frischer Meeresfrüchtestand in einem Markt33/57: Fischmarkt mit Kunden und Verkäufern34/57: Bäckerei mit vielfältiger Backwarenpräsentation35/57: Frischer Thunfisch auf dem Markt36/57: Frische Fische auf Eis37/57: Ostern Menü mit Austern und Specials38/57: Serviertes Gericht auf dem Tisch39/57: Ein Teller mit mehreren geöffneten Austern liegt vor einem roten Hintergrund40/57: Ostern im Hafenladen41/57: Kaffee und Gebäck zum Frühstück42/57: Sonnenliege auf Terrasse
Die Markthalle verabschiedete sie nicht leise. Eine Person im schwarzen Koch-Outfit hielt eine Flamme an ein Gericht auf einem orangefarbenen Tablett, beobachtet von einer weiteren Person und mehreren Besuchern zwischen den Warenregalen. Danach führte der Weg wieder hinaus auf gepflasterte Straßen, über denen hohe Bäume Schatten warfen. Menschen gingen am Rand entlang oder blieben stehen, während traditionelle Gebäude den Hintergrund bildeten. Ein historisches Haus mit Steinfront, mehreren Balkonen und Holzläden stellte die gewohnte Ruhe wieder her. Carlexander fand das angemessen. Briemma meinte, er bevorzuge Fassaden grundsätzlich, solange sie nichts flambierten.
Auf dem Blumenmarkt lagen die Farben dichter beieinander als zuvor in den Straßen. Verpackte Sträuße standen in Papier und transparenter Folie, darunter rote Rosen, Lilien und Sonnenblumen; dahinter reihten sich weitere Pflanzen und Dekorationen. Auf dem gepflasterten Platz warteten Hortensien in Rosa, Blau und Lila ordentlich in Pappkartons. Es war kein stilles Arrangement, sondern sichtbar Verkaufsware in einer belebten Stadt. Carlexander betrachtete die präzise Anordnung mit Anerkennung. Briemma verzichtete auf einen Kommentar zu seinem Kontrollreflex. Die Blumen waren bereits ausreichend sortiert und benötigten keine zusätzliche Tabelle.
Wenige Schritte später wurde die Altstadt wieder schmal. Eine dichte grüne Rankpflanze bedeckte eine alte Mauer; davor stand ein hölzerner Pflanzkasten mit Steinen und kleinen Pflanzen in der gepflasterten Gasse. Ein eleganter Innenhof setzte diese ruhige Folge fort: kleiner Steinboden, Pflanzen in Töpfen und Körben, eine Holzbalkendecke und ein Treppenhaus im Hintergrund. Hier war keine sichtbare Handlung nötig. Die Architektur übernahm den Abschnitt selbst. Briemma ging mit ihrem eleganten Gehstock in gleichmäßigem Tempo weiter, während Carlexander den seltenen Zustand akzeptierte, dass ein Ort auch ohne seine Einordnung verständlich blieb.
Dann kamen die Brunnen. Zuerst stand einer mitten im Stadtbild, umgeben von Menschen, historischen Gebäuden, Balkonen und Palmen. Danach folgte ein rechteckiges Becken mit Fontänen in einer gepflegten Parkanlage zwischen Büschen, Bäumen und Blumenbeeten. Ein weiterer Blick verband sprudelndes Wasser und Bäume wieder mit der gotischen Kathedrale im Hintergrund. Neben einem Brunnen wartete außerdem eine Pferdekutsche mit Fahrer; auf einem gepflasterten Platz stand schließlich ein großes Panda-Maskottchen vor Steinmauer und Bäumen, während eine Person am Rand saß. Palma hatte damit auch den Bereich unerwarteter Reisebeobachtungen vollständig abgedeckt.
Zum Schluss öffnete sich der Blick noch einmal weit. Vor blauem Himmel und hellen Wolken stand die gotische Kathedrale über dem türkisfarbenen Meer, dahinter zeichneten sich Berge ab. Die letzte Küstenansicht nahm Hafen, ruhiges Wasser, Stadt und ein historisch wirkendes Gebäude zusammen, ohne das mögliche Bauwerk näher festzulegen. Carlexander sah zurück auf einen Mittag aus Steinportalen, Marktständen, Austern, Blumen, Brunnen und einem Panda, der keine weitere Erklärung angeboten hatte. „Hast du alles erfasst?“, fragte Briemma. „Nein“, sagte Carlexander. Für Palma war das vermutlich die realistischste Form eines Abschlusses.
43/57: Kochshow im Markt44/57: Bäume schatten gepflasterte Straße45/57: Klassisches Gebäude mit Balkonen in der Altstadt46/57: Blumenmarkt mit bunten Blumensträußen47/57: Blumenstand mit bunten Blumensträußen48/57: Bunte Hortensien auf einem Marktplatz49/57: Vine covered wall in quaint alley50/57: Eleganter Innenhof mit Treppenhaus51/57: Stadtbrunnen vor historischem Gebäude52/57: Friedliche Brunnenlandschaft im Park53/57: Blick auf Stadt und Kathedrale54/57: Pferdekutsche vor Brunnen55/57: Panda Maskottchen in der Altstadt56/57: Kathedrale am Meer mit Wolkenhimmel57/57: Blick auf die Küste mit Hafen
Am zehnten Reisetag blieb in Palma de Mallorca noch dieser eine Blick über den Hafen. Vor der langen Mole lag ruhiges Wasser, dahinter standen Stadt und Berge unter einem klaren Himmel mit wenigen flauschigen Wolken. Die Sonne sank, ohne daraus eine Veranstaltung zu machen. Carlexander sah hinaus und bemühte sich um müde Würde, während sich Wehmut, eine kleine Tränendrüse und ein Lächeln erstaunlich problemlos denselben Moment teilten.
„Ein angemessener Abschluss“, sagte Carlexander. Briemma stützte sich ruhig auf ihren eleganten Gehstock und sah ebenfalls zum Horizont. „Vor allem, weil die nächste Schiffsreise schon gebucht ist.“ Das half. Stars Del Mar wartete bereits im nächsten Monat, mit neuer Tour und voraussichtlich mehr Spaß. Abschied lässt sich deutlich sachlicher ertragen, wenn er im Kalender schon einen Nachfolger hat.
Die Ankunft am Flughafen verlief dank der Organisation von TUI erstaunlich unspektakulär. Es blieb sogar Zeit für einen schnöden, stinknormalen Hot Dog mit Pommes und Coca-Cola Zero. Wobei „normal“ angesichts von Ketchup, Mayonnaise, grünen Salsa-Pfützen und geriebenen Zwiebeln eine großzügige Einordnung war. „Du analysierst dein Essen“, stellte Briemma fest. Carlexander betrachtete das Brötchen. „Ich prüfe nur, ob es einen Plan verfolgt.“
1/9: Sonnenuntergang am Hafen2/9: Hot Dog mit Pommes und Cola
Danach übernahm der Flughafen die Bildregie. Vor einem großen Hangar standen weitere Gebäude, Pflanzen und ein Helikopter auf dem Boden. Kurz darauf war die Maschine deutlicher vor der Hangarstruktur mit der Beschriftung „ALA 49“ zu sehen, dahinter weitere Gebäude und Bäume unter klarem blauem Himmel. Carlexander verfolgte die Szenerie mit jener Aufmerksamkeit, die er technischen Abläufen grundsätzlich entgegenbringt, auch wenn niemand um eine Bewertung gebeten hatte.
Das Flugfeld setzte die nüchterne Ordnung fort: markierte Linien auf dem Boden, eine kleine weiße Gebäudestruktur, Grünflächen und Bäume. Keine erkennbare Handlung, nur Infrastruktur, die wusste, wo sie hingehörte. „Beruhigend für dich“, sagte Briemma. Carlexander nickte. Nach mehreren Tagen auf See wirkte ein sauber markierter Verkehrsweg beinahe wie ein persönliches Entgegenkommen.
Mit zunehmender Höhe wurden aus einzelnen Gebäuden dicht bebaute Stadtflächen. Dahinter lagen grüne Felder, Wiesen und Berge, alles klar und sonnig zu erkennen. Straßen verbanden die Bereiche zu einem Muster, das von oben überzeugend geordnet aussah. Das ist eine besondere Stärke von Luftaufnahmen: Sie lassen selbst komplizierte Gegenden so erscheinen, als hätte irgendwann jemand den Überblick gehabt.
3/9: Luftfahrtbasis mit Hangar4/9: Hubschrauber vor Hangar5/9: Flugfeld mit Markierungen6/9: Luftaufnahme von Stadt und Landschaft
Dann rückte die Küste ins Bild. Das blaue Meer zog sich an den Gebäuden einer Küstenstadt entlang, während im Hintergrund Berge unter klarem Himmel standen. Wenig später öffnete sich die Perspektive auf einen weiteren Küstenabschnitt mit Hafenbereich, bewaldeten Hügeln und Bergen. Von oben wirkte alles ruhig, obwohl unten vermutlich weiterhin Wege, Abfahrten und kleine Alltagsentscheidungen abgearbeitet wurden.
Schließlich lag auch der Hafen noch einmal unter uns. Ein großes Kreuzfahrtschiff lag am Anleger, umgeben von Yachten und Booten; dahinter erstreckte sich die Stadtlandschaft mit Gebäuden und grünen Flächen. Die Mein Schiff Relax wurde damit vom Reiseort wieder zum Bestandteil einer größeren Ansicht. Carlexander sah hinunter. „Jetzt ist es wirklich vorbei.“ Briemma blieb pragmatisch: „Für diesen Monat.“
So endete die TUI Taufreise der Mein Schiff Relax nicht mit großer Geste, sondern mit einem Sonnenuntergang, einem bemerkenswert belegten Hot Dog und einem letzten Blick aus der Luft. Palma de Mallorca wurde kleiner, der Hafen blieb noch einen Moment sichtbar, und die nächste Reise stand bereits fest. Das war genug Wehmut für einen Tag und zugleich eine brauchbare Aussicht: Stars Del Mar im nächsten Monat. Neue Tour, mehr Spaß.
7/9: Luftaufnahme der Küstenstadt8/9: Luftaufnahme eines Küstenortes9/9: Luftaufnahme des Hafens mit Kreuzfahrtschiff
Der zweite Reisetag begann mit Málaga am Horizont und einer Frage, die an Bord offenbar längst beantwortet war: Wie viel Inszenierung verträgt ein Frühstück? Ziemlich viel. Zwischen Cracker-Verpackungen stand ein Käsebild mit Sternen und blau-grauem Hintergrund, darauf ein stilisierter Sänger samt Mikrofon – als Robbie Williams angekündigt und damit bereits deutlich näher am Abendprogramm als Carlexander. Er betrachtete das Werk mit müder Anerkennung. „Andere schnitzen Blumen.“ Briemma nickte. „Blumen haben selten ein Konzert.“
Von der Käsekunst führte der Weg zur Wokstation, wo offene Schalen mit Fleisch und frischem Gemüse bereitstanden und ein Koch im Hintergrund die Bestellungen zubereitete. Hier war die Lage weniger symbolisch und dafür erheblich praktischer. Carlexander prüfte die Auswahl mit jener Konzentration, die er sonst nur Reiseunterlagen entgegenbrachte. Briemma ließ den Blick über die Schalen wandern. „Du musst das Gemüse nicht inventarisieren.“ – „Ich orientiere mich“, sagte Carlexander. An Bord war das ein vielseitig verwendbarer Begriff.
Am Ende stand ein Teller mit geschmorten Garnelen in würziger Soße, dazu rote Paprika, Zwiebeln und weiteres Gemüse. Der Übergang vom Frühstück zum Mittagssnack war damit nicht exakt geklärt, aber überzeugend angerichtet. Briemma nahm das gelassen hin, während Carlexander noch versuchte, die Mahlzeit zeitlich einzuordnen. Reisen auf einem Kreuzfahrtschiff folgt schließlich einer eigenen Uhr: Entscheidend ist weniger, wie spät es ist, sondern ob gerade etwas serviert wird.
1/14: Käsebild mit Sänger und Mikrofon2/14: Wokstation mit frischem Gemüse3/14: Geschmorte Garnelen mit Gemüse
Draußen lag das Meer unter klarem Himmel, die Sonne nahe am Horizont. Hinter dem Schiff zog sich eine helle Fahrspur durch das Wasser und machte sichtbar, dass die Ankunft in Málaga nicht aus Stillstand bestand, sondern aus langsamer Annäherung. Carlexander sah hinaus, noch angenehm beschäftigt vom Essen. Briemma stand ruhig neben ihm. Das Licht war klar, das Meer weit, und für einige Minuten musste niemand entscheiden, ob noch ein weiterer Gang vernünftig wäre.
Dann tauchte ein großes Schiff von Virgin Voyages auf, rot und weiß, mit vielen Decks und Fensterreihen. Kurz darauf folgte das Schiff mit dem Namen „Sonnenschein“, auf dessen Decks sich Passagiere bewegten; dahinter lagen Meer und Berge. Die Begegnungen wirkten wie ein morgendliches Defilee großer schwimmender Häuser. Carlexander beobachtete die Abstände mit professionell wirkender Aufmerksamkeit. „Du steuerst keines davon“, erinnerte Briemma ihn. Das entspannte die Lage nur bedingt.
Mit dem Hafen wurde das Bild dichter. Ein Kreuzfahrtschiff lag am Kai, während Menschen auf einer Brücke ihre Handys hoben und fotografierten. Türkisfarbenes Wasser, klarer blauer Himmel, Pier und grüne Hügel rückten nacheinander ins Blickfeld. Die Schiffe lagen ruhig, doch auf den Decks und an den Aussichtspunkten war Bewegung. Málaga empfing seine Gäste nicht mit großer Geste, sondern mit Sonne, Wasser und erstaunlich vielen gleichzeitig ausgestreckten Armen samt Telefon.
Besonders deutlich zeigte sich die Begegnung der Schwesterschiffe an der „Mein Schiff 7“. Menschen hatten sich auf den Decks versammelt, die Aufschrift „Unvergesslich Wohlfühlen“ war ebenso zu erkennen wie Gebäude und ein Leuchtturm im Hintergrund. Aus einer weiteren Perspektive lag die „Mein Schiff 7“ festgemacht am Kai, umgeben von anderen Schiffen und Hafengebäuden. Carlexander las den Slogan. Briemma sah zu den vollen Decks. „Das Wohlfühlen ist heute offenbar gemeinschaftlich organisiert.“
Zwischen all den Schiffen erschien schließlich ein Kellner auf dem sonnigen Schiffsdeck, einen Teller mit Brötchen und Snacks in der Hand. Im Hintergrund gingen Passagiere am Geländer entlang oder standen im Gespräch zusammen. Es war der passende Nachsatz zum ausgedehnten Frühstück: Selbst wenn der Hafen bereits die ganze Aufmerksamkeit beanspruchte, blieb die Versorgung zuverlässig in Bewegung. Carlexander sah dem Teller nach. Briemma hob nur leicht die Augenbrauen. Damit war auch diese organisatorische Frage abschließend behandelt.
4/14: Meereslandschaft mit Sonne5/14: Riesiger Kreuzfahrtschiff auf dem Meer6/14: Kreuzfahrtschiff Sonnenschein mit Passagieren7/14: Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen8/14: Ein großes Kreuzfahrtschiff liegt ruhig am Kai eines Hafens mit türkisfarbenem Wasser9/14: Ein großes Kreuzfahrtschiff liegt an einem Pier in einem sonnigen Hafen mit türkisfarbenem Wasser und grünen Hügeln im Hintergrund10/14: Ein großes Kreuzfahrtschiff mit dem Namen 'Mein Schiff 7' ist im Hafen zu sehen, auf dessen Deck Menschen sich versammelt haben11/14: Ein großes Kreuzfahrtschiff mit der Beschriftung "Mein Schiff 7" und dem Slogan "Unvergesslich Wohlfühlen" ist am Kai festgemacht12/14: Kellner mit Frühstücksteller auf dem Schiff
Vom Schiff aus war außerdem zu sehen, dass der Hafen bereits am Abend arbeitete. Vor dem klaren blauen Wasser standen Teile eines großen Bühnenaufbaus, dazwischen Lkw, Zelte und Container. Touristische Kulisse und technische Vorbereitung lagen ohne Übergang nebeneinander. Wo später das Konzert stattfinden sollte, wurde noch getragen, gestellt und eingerichtet. Carlexander betrachtete den Aufbau mit wachsendem Interesse. „Jetzt bitte keine Ablaufplanung“, sagte Briemma. „Ich wollte nur die Lage verstehen.“ – „Natürlich.“
Der weitere Blick zeigte den Hafen von Málaga, die Küstenstadt und Berge im Hintergrund. Das große Gebäude mit der Aufschrift „Puerto de Málaga“ gab dem Ort die nötige Eindeutigkeit; daneben blieb die entstehende Bühne sichtbar. Am Morgen war sie noch Konstruktion, am Abend sollte sie Konzertgelände sein. Für Carlexander und Briemma genügte zunächst die Aussicht vom Schiff: angekommen, versorgt und rechtzeitig darüber informiert, dass dieser Tag seine größte Lautstärke noch vor sich hatte.
13/14: Bühnenbau am Hafen14/14: Hafen von Málaga an einem sonnigen Tag