2025-04-08 – Tag 1: Anreise aus Düsseldorf Flughafen am sehr frühen morgen

Reiseepisode

2025-04-08 – Tag 1: Anreise aus Düsseldorf Flughafen am sehr frühen morgen

Tag 1 · 2025-04-08 · Palma de Mallorca

Der erste Reisetag begann am Düsseldorfer Flughafen zu einer Uhrzeit, zu der selbst die Rollkoffer noch gedämpft klangen. Am Gate war es sehr ruhig, die Sitzreihen warteten beinahe ordentlicher als ihre Passagiere. Carlexander blickte durch seine rote Brille auf die Abfluganzeige und versuchte, darin bereits einen Erfolg zu erkennen. Briemma stellte ihren Gehstock neben sich ab. „Wir sind da“, sagte sie. Für diesen frühen Morgen war das zunächst Leistung genug.

Das Flughafenfrühstück folgte der bekannten Regel, dass Preis und Genuss in Terminals getrennte Wege gehen dürfen. Das Franzbrötchen schmeckte morgens um fünf abgelagert, der Kaffee nach geröstetem irgendwas. Carlexander prüfte beides mit der müden Würde eines Katers, der eine Reklamation erwägt, aber noch nicht über die notwendige Betriebstemperatur verfügt. „Teuer ist immerhin eine klare Qualitätsaussage“, bemerkte Briemma. Sie sagte nicht, welche Qualität gemeint war.

Nach dem Start änderte sich die Lage gründlich. Unter goldenem Himmel lagen schneebedeckte Alpen, ihre Gipfel in einer langen Reihe, darüber ein sanfter Übergang von Orange zu Blau. Die Aufnahme wirkte wie ein Sonnenuntergang, obwohl der Reisetag gerade erst begonnen hatte und die innere Uhr ohnehin keine verlässliche Auskunft mehr gab. Danach übernahmen Licht und Wolken das Programm. Es war beruhigend, still und deutlich überzeugender als das Frühstück.

Beim Anflug auf Palma de Mallorca wurde aus der Landschaft langsam ein Ziel. Küste, Hafen und die ersten großen Schiffe rückten ins Blickfeld, während Carlexander noch versuchte, Flugmodus, Ortszeit und Reiseplanung miteinander zu versöhnen. Briemma sah hinaus und ließ ihn rechnen. Manche Ankünfte gelingen am besten, wenn einer organisiert und der andere rechtzeitig aus dem Fenster schaut.

Im Hafen von Palma de Mallorca trafen mehrere Kreuzfahrtschiffe aufeinander, was aus der Luft und später vom Boden wie eine Versammlung sehr großer weißer Gebäude wirkte. Im Hintergrund lag die alte Mein Schiff 1, die vor Jahren verkauft wurde und nach Carlexanders Auffassung die einzig richtige Größe der Flotte besessen hatte. Dieser Satz fiel mit jener Bestimmtheit, die gewöhnlich nur bei Schiffsmaßen und Weinkarten auftritt. Briemma ließ ihn stehen.

Der TUI-Shuttlebus wartete bereits, und der Transfer zum Hafen verlief erstaunlich gut organisiert und ohne Gedränge. Gepäck, Gäste und Erwartungen fanden offenbar gleichzeitig ihren Platz. Carlexander registrierte diesen seltenen Vorgang mit sichtbarer Anerkennung. „Kein Durcheinander“, sagte er. „Mach bitte kein Audit daraus“, antwortete Briemma, bevor die Fahrt überhaupt richtig begonnen hatte.

Der Bus fuhr an der beeindruckenden Kathedrale von Palma de Mallorca vorbei. In den frühen Morgenstunden waren dort noch keine Menschenmassen zu sehen, sodass die Architektur für einen kurzen Moment ohne das übliche Gewimmel wirkte. Dann verlagerte sich der Blick wieder zum Hafen. Zwischen Straßen, Wasser und Schiffen wurde deutlich, dass die Reise jetzt nicht mehr nur aus Tickets, Gate und Handgepäck bestand.

Aus dem Busfenster tauchte schließlich die Mein Schiff Relax auf. Zuerst war sie ein großes Schiff, dann ein sehr großes Schiff und mit jeder Annäherung etwas, das die Bezeichnung „Monster des Meeres“ nachvollziehbar machte. Besonders der Bug stand in voller Pracht vor uns und wirkte durchaus furchteinflößend. Carlexander schwieg kurz. Briemma sah ihn an. „Dein Plan ist kleiner als das Schiff.“ Das war korrekt und deshalb nicht hilfreich.

An Bord bekam das Wort Frühstück eine zweite Chance. Auf einem Metalltisch standen Schinken, Salatrollen, Obst und verschiedene Desserts in Gläsern ordentlich bereit. Daneben gab es einen Teller mit gerolltem Brot, Lachsscheiben, Blinis, rotem Kaviar und einem Stück Fisch. Nach dem Düsseldorfer Franzbrötchen wirkte diese Auswahl nicht übertrieben, sondern wie eine sachliche Wiedergutmachung.

Das Buffet setzte mit Wassermelone, Ananas, Bananen und Beeren fort. Auf einem weiteren Teller lagen eine halbierte Feige, Brombeeren, Himbeeren und Blaubeeren neben zwei leicht gebräunten Pfannkuchen. Carlexander betrachtete die Auswahl mit neu erwachter Konzentration. Es war jene Art von Aufmerksamkeit, die bei ihm entweder einem technischen Problem oder einem gut bestückten Frühstück galt. Diesmal war die Lage erfreulicher.

Auf dem Tisch standen später ein Glas Roséwein und eine Tasse mit Blaubeer-Holundertee. Die Kombination ließ verschiedene Vorstellungen von Tagesbeginn friedlich nebeneinander bestehen. „Du nennst das Reiseplanung?“, fragte Briemma mit Blick auf den Rosé. Carlexander hob das Glas nur leicht an. Nach einem Kaffee, der nach geröstetem irgendwas geschmeckt hatte, war Zurückhaltung keine zwingende Tugend mehr.

Von der sonnigen Terrasse ging der Blick über den Hafen zu mehreren Kreuzfahrtschiffen. Drei Personen saßen dort entspannt zwischen Sesseln, Tischen und Pflanzen, während das Wasser die nötige Distanz zum Betrieb herstellte. Für einen Moment bestand die Reise nur aus Frühstück, Hafenblick und der angenehmen Erkenntnis, tatsächlich angekommen zu sein. Danach musste das neue Schiff erkundet werden, denn Größe erzeugt bei Carlexander zuverlässig Orientierungsbedarf.

Der Check-in-Bereich für die Suitengäste war leer. Das passte zum bislang bemerkenswert ruhigen Ablauf und ließ das Boarding fast verdächtig mühelos wirken. Draußen lag das große Kreuzfahrtschiff am Hafenbecken, seine roten und weißen Rettungsboote sauber aufgereiht. Im Vordergrund arbeiteten zwei Personen mit Werkzeugen am Boden. Während Gäste ankamen, wurde an der Hafenanlage weitergemacht; ein Schiffsbetrieb gönnt sich keinen feierlichen Stillstand.

Im Inneren öffnete sich eine moderne Lounge mit großem Panoramafenster zum Hafen beziehungsweise Meer. Sofas, Stühle mit Kissen, Tische, Pflanzen und ein weißer Klavierständer standen unter einer geometrisch gestalteten Decke, die dem Raum eine futuristische Wirkung gab. Carlexander nahm das Interieur als Hinweis darauf, dass Orientierung hier nicht allein mit Backbord und Steuerbord zu erledigen sein würde. Briemma wählte die pragmatischere Methode: erst hinsehen, dann weitergehen.

Zwischen den Aufnahmen des Ankommens blieb auch das Gepäck als nüchterner Gegenpol präsent: gepackte Koffer und Rucksäcke in einem Flughafenterminal neben einer Wand mit Schließfächern. Dieses Bild gehörte noch zur Anreise, obwohl wir längst am Schiff standen. Reisen verlaufen eben nicht nur geografisch, sondern auch in Stapeln, Schlaufen und Dingen, die jemand bis zur Kabine bringen muss. Carlexander prüfte vorsorglich, ob alles da war. Natürlich prüfte er zweimal.

Kaum an Bord, erschien das Tagesprogramm als gedruckte Form der Beruhigung. Eine Programmübersicht für den Dienstag, 8. April 2025, führte durch Aktivitäten und Informationen auf der Mein Schiff Relax im Hafen von Palma. Carlexander hielt das Blatt so aufmerksam, als könne eine sorgfältige Lektüre die Größe des Schiffes reduzieren. „Du kannst nicht alles gleichzeitig besuchen“, sagte Briemma. „Ich kann es zumindest markieren“, antwortete er.

Das Bordprogramm enthielt außerdem Wetterinformationen, eine Botschaft an die Gäste und den Hinweis auf Kapitän Tom Roth. Damit war der Tag offiziell eingeordnet: Palma de Mallorca, neues Schiff, zahlreiche Möglichkeiten und zwei Reisende, deren Energiehaushalt noch zwischen sehr frühem Flughafen und zweitem Frühstück vermittelte. Die Übersicht versprach Struktur. Ob das Schiff sich daran halten würde, blieb während des ersten Rundgangs zu prüfen.

Auf dem Pooldeck lagen Menschen in der Sonne, während im Hintergrund ein weiteres großes Schiff zu sehen war. Liegestühle, klarer blauer Himmel und die offene Deckfläche vermittelten bereits den späteren Bordalltag, obwohl für uns noch alles neu war. Im Pool Bistro arbeitete ein Koch in weißer Uniform hinter einer Serviertheke mit Edelstahlgeräten und bereitete Essen vor. Das Schiff war kaum betreten, und doch stellte sich erneut heraus, dass Versorgung hier ein eigenes Wegenetz besaß.

Unter einem großen weißen Sonnendach standen viele blaue Liegestühle, dahinter lag der Pool. Einige Menschen gingen über das Deck oder blieben stehen; mehrere trugen Jacken, was trotz Sonne auf kühlere Temperaturen hindeutete. Carlexander betrachtete die freien Plätze mit organisatorischem Interesse. Briemma setzte ihren Gehstock ruhig auf. „Wir müssen nicht jede Liege bewerten.“ Diese Information kam für seine beginnende Bestandsaufnahme rechtzeitig.

Weiter führte der Rundgang an der Eisbar vorbei, wo sich Menschen um den Stand versammelten oder durch den Bereich gingen. Tische, Stühle und Pflanzen gaben dem Ganzen mehr Aufenthaltscharakter als Durchgangsverkehr. Ein Schwingsessel mit Blick über Meer und klaren Himmel demonstrierte anschließend, wie Entspannung technisch gedacht werden kann; im Hintergrund war eine runde Wasserinstallation zu sehen. Carlexander erkannte darin sofort ein mögliches Beobachtungszentrum. Briemma nannte es schlicht einen Sitzplatz.

Zum Abschluss dieses ersten Rundgangs zeigte sich die Mein Schiff Relax noch einmal majestätisch im Hafen. Dahinter und daneben lagen weitere große Schiffe und Fähren, darunter ein Schiff der Balearia; moderne Gebäude und Berge rahmten den Hafen von Palma de Mallorca. Am Morgen hatten wir noch an einem stillen Gate in Düsseldorf gesessen, jetzt standen wir auf einem Schiff, dessen Bug aus der Nähe beinahe einschüchternd wirkte. Tag eins hatte damit seine Aufgabe erfüllt: ankommen, frühstücken, orientieren – und akzeptieren, dass Letzteres noch dauern würde.

2025-04-08 – Tag 1: nachdem mittagessen in der X View den Rundgang fortgesetzt

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2025-04-08 – Tag 1: nachdem mittagessen in der X View den Rundgang fortgesetzt

Tag 1 · 2025-04-08 · Palma de Mallorca

Nach dem Mittagessen in der X-View hätte der Tag ohne Weiteres in einen geordneten Nachmittag übergehen können. Stattdessen setzten Carlexander und Briemma den Rundgang über die neue Mein Schiff Relax fort. Das moderne Restaurant mit seinen eleganten Tischen, der zentralen Galerie und den großen Fenstern lieferte dafür einen angemessen ruhigen Ausgangspunkt. Draußen lag das Meer, drinnen herrschte jene aufgeräumte Eleganz, die einem freundlich mitteilt, dass Krümel hier nur vorübergehend geduldet werden.

Der Weg führte an einem offenen Treppenaufgang vorbei, hinauf zu einer zweiten Ebene mit Tischen, Gästen und einer Bar vor der Meeransicht. Carlexander betrachtete die verschiedenen Ebenen mit der Aufmerksamkeit eines Reisenden, der innerlich bereits Wege, Abkürzungen und mögliche Irrtümer katalogisierte. „Du kannst auch einfach der Treppe folgen“, sagte Briemma. Das war pragmatisch, korrekt und für Carlexanders beginnende Bordlogistik entsprechend unbefriedigend.

Kaum war das Mittagessen offiziell abgeschlossen, erschienen weitere Speisen hinter Glas: Gerichte auf weißen Tellern und in Schalen, sauber präsentiert und bereit für Menschen, deren Sättigungsgefühl offenbar nur eine unverbindliche Empfehlung war. Blaue Sessel, gemusterter Teppich, Holzboden und blau betonte Deckenbeleuchtung machten die nächste Lounge zu einem stillen Gegenentwurf. Danach folgte das Chalet mit Holzverkleidungen, großem Eichenfass, Getränken am Tresen und Gästen in Sesseln. Das Schiff wechselte seine Atmosphäre mit bemerkenswerter Geschwindigkeit, ohne dabei auch nur einen Meter kürzer zu werden.

Beim Burger-Service reichte ein Mitarbeiter hinter dem Schutzgitter Burger über den Tresen; Brötchen und Servietten lagen griffbereit. Zwei Burger mit Käse warteten auf einer Wärmeplatte, während im Hintergrund gearbeitet wurde. Gleich daneben setzte sich das kulinarische Angebot mit einem ausladenden Buffet-Tisch fort: Gerichte und frisches Obst in blauen Schalen, dazu leere Teller, Besteck und ein Mitarbeiter im Hintergrund. Carlexander prüfte die Lage mit professioneller Ernsthaftigkeit. Briemma sagte nur: „Wir haben gerade gegessen.“ Damit war die Lage nicht gelöst, aber eindeutig beschrieben.

Eine geschwungene Rolltreppe aus Metall, begleitet von einem transparenten Glasgeländer und runden Aussparungen in der Wand, brachte wieder Bewegung in den Rundgang. Sie wirkte fast zu elegant für die schlichte Aufgabe, Menschen von einer Ebene zur nächsten zu befördern. Schließlich öffnete sich der Blick am Heck auf das blaue Wasser. Hinter dem Schiff zogen sich die Linien des Rückwassers in die Ferne, darüber lag klarer Himmel, und an der Küste zeichneten sich entfernte Konturen ab. Nach all den Buffets, Bars und Sitzgruppen war diese Spur im Meer die knappste und überzeugendste Orientierung des Nachmittags.

Der weitere Rundgang begann noch einmal bei einem Restaurant, diesmal mit grauen Wänden, dunkelblauem Teppich und großen Fenstern zum Hafen von Palma de Mallorca. Elegante Tische und Stühle standen in einem großzügigen Raum, als warteten sie auf einen Betrieb, der seine Ordnung erst später verlieren würde. Carlexander mochte Räume, die auf den ersten Blick verständlich schienen. Briemma wusste aus Erfahrung, dass er spätestens am dritten Ausgang trotzdem einen Lageplan vermissen würde.

Wenige Schritte später wurde die Gestaltung deutlich lauter. Eine farbige Wandmalerei zeigte den stilisierten Nudelwagen „Mr. Noodles“ und eine Fernsehszene mit dem Schriftzug „FUGU mit TIM RAUE“. Im Café folgte ein Graffiti mit Affenfigur, Sonnenbrille, Lippen und abstrakten Elementen; daneben stand eine Tischkarte auf einem kleinen Metalltisch. Das war weniger zurückhaltend als die blauen Sessel zuvor, aber wenigstens bestand keine Gefahr, diesen Bereich mit irgendeinem anderen an Bord zu verwechseln.

Vor einer Burger-Menütafel standen Schalen mit verschiedenen Obstsorten, ein Arrangement zwischen Vernunft und Verhandlungsspielraum. Noch deutlicher wurde das Gestaltungskonzept beim farbenfrohen Tuk-Tuk auf hexagonalen Bodenfliesen. Durch die großen Fenster war Wasser zu sehen, während Menschen an Tischen saßen und aßen. Carlexander betrachtete das Fahrzeug einen Moment länger als nötig. „Nein“, sagte Briemma ruhig, gestützt auf ihren eleganten Gehstock, „das steht nicht für den Transfer zum Heck bereit.“

Auch die Pralinen machten keinen Versuch, beiläufig zu wirken. Verschiedene Sorten lagen auf Tellern in einer Vitrine, begleitet von kleinen Informationskarten, damit die Auswahl wenigstens den Anschein eines sachlichen Vorgangs behielt. Danach zog der Blick wieder hinaus: über das Meer zur gotischen Kathedrale von Palma de Mallorca, mit Bergen unter leicht bewölktem Himmel im Hintergrund. Zwischen Schokolade und Stadtansicht bekam der Rundgang damit genau die Pause, die er brauchte.

Am Heck wurde aus dem Erkunden schließlich ein Warten auf den Abend. Ein gehaltenes Weinglas stand vor dem Meer, in der Ferne war ein Kreuzfahrtschiff zu erkennen. Carlexander übernahm die Betrachtung mit jener müden Würde, die bei ihm gelegentlich mit sorgfältiger Getränkebeobachtung zusammenfiel. Hinter dem Schiff zog sich die Spur durch das Wasser; an der zurückliegenden Küste waren Gebäude und Berge am Horizont zu sehen. „Jetzt kontrollierst du vermutlich den Kurs“, sagte Briemma. „Nur die Perspektive“, sagte Carlexander, was ausreichend ungenau war, um als Antwort zu gelten.

Zum Abschluss wartete noch die Reiseroute in Kartenform. Die westliche Mittelmeerregion war mit Palma de Mallorca, Barcelona und Valencia dargestellt, ergänzt durch Ansichten der Orte, eine Illustration der Mein Schiff Relax und einen kleinen Informationszettel zu Lospreisen. Nach einem Tag voller Ebenen, Restaurants und unerwartet strategisch platzierter Speisen wirkte die Karte beinahe beruhigend: Linien, Namen, Ziele. Genau die Art von Übersicht, bei der Carlexander sofort näher trat.

Briemma ließ ihm diesen Moment organisatorischer Zuversicht. Der erste Reisetag hatte inzwischen genügend Material geliefert: Ankunft, Orientierung, ein ausgedehntes Mittagessen, weitere Bordwege und schließlich der Abend am Heck. Mehr musste die Karte noch nicht erklären. Für heute genügte es, zu wissen, wo die Reise begonnen hatte und dass selbst ein gründlicher Rundgang auf diesem Schiff offenbar nur eine vorläufige Bestandsaufnahme war.

Karte des Mittelmeers mit Reiseplakat

2025-04-08 – Tag 1: Der Abend leitet die Taufreise luxuriös ein

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2025-04-08 – Tag 1: Der Abend leitet die Taufreise luxuriös ein

Tag 1 · 2025-04-08 · Palma de Mallorca

Nach Ankunft, Orientierung und den ersten ausgedehnten Bordwegen war der Tag längst umfangreich genug, doch die Mein Schiff Relax hatte für den Abend noch eine eigene Dramaturgie vorgesehen. Im FUGU, dem Fine-Dining-Restaurant von Tim Raue, lag ein violetter Katalog mit goldener Schrift auf dem weiß karierten Tisch. Er sah weniger nach Speisekarte als nach verbindlicher Ankündigung aus. Carlexander rückte die rote Brille zurecht. „Das wird offenbar kein stilles Abendbrot.“ Briemma betrachtete den Katalog und sagte: „Deine Sorge kommt angenehm früh.“

Zur Karte gehörte eine Eintrittskarte, womit das Abendessen offiziell den Charakter einer Veranstaltung annahm. Der erste Menüabschnitt hieß „Unter Wasser – Japanisches Meer“ und führte Spicy Tuna, Hamachi-Sashimi und geflämmte Lachs-Nigiri auf. Danach folgte „Kalligrafie“ mit Pilz-Trüffel-Sud sowie Gyoza mit Jakobsmuschel und Schweinebauch. Ingwersaft, Ponzu-Dashi, Wasabi-Frischkäsecreme und Nussbutter machten schon beim Lesen klar, dass hier niemand wegen eines beiläufigen Snacks Platz genommen hatte.

Die weiteren Gänge bewegten sich zwischen Izakaya, Kintsugi und japanischem Kirschblütenfest. Knuspriges Maishuhn, geschmorte Backe vom Wagyrind und ein Sorbet von der Kirsche standen neben den jeweiligen Weinempfehlungen in jener selbstbewussten Ordnung, die jede Rückfrage wie einen kleinen Formfehler wirken lässt. Carlexander las die Getränkebegleitung gründlicher als nötig. Briemma bemerkte das sofort. „Du kannst das Menü nicht durch Kontrolle in Rotwein verwandeln.“ Das war sachlich richtig und deshalb nur begrenzt hilfreich.

Das Willkommensblatt erklärte die asiatische Küche zur Leidenschaft, verwies auf Inspirationen aus Tokio, Bangkok und Hongkong und kündigte fünf Gänge, abgestimmte Getränke sowie visuelle Projektionen an. Damit war der Rahmen gesetzt: Das FUGU wollte nicht nur servieren, sondern einen kompletten Abend inszenieren. Die Präsentation erreichte bereits vor dem ersten Teller zehn von zehn Punkten. Carlexander akzeptierte diese frühe Wertung mit der müden Würde eines Reisenden, der ahnte, dass nun sowohl der Gaumen als auch die Decke beschäftigt werden würden.

Der runde Tisch war mit gefalteten Servietten, Metallbesteck, Gläsern und roten Blütenblättern feierlich vorbereitet. Nichts daran wirkte zufällig, nicht einmal die Abstände zwischen den Gegenständen. Briemmas eleganter Gehstock stand unaufdringlich bei ihr, während Carlexander die Anordnung betrachtete, als müsse er später einen Prüfbericht abgeben. „Sehr romantisch“, sagte Briemma. „Und sehr symmetrisch“, ergänzte Carlexander. Damit waren ihre jeweiligen Zuständigkeiten für den Abend geklärt.

Über den Tischen zogen sich leuchtende Linien durch die Decke, an den Wänden wechselten digitale Landschaftsbilder, und das Restaurant sank zeitweise in blaues Licht. Laserstrahlen liefen durch den dunklen Raum, ohne die Gespräche an den runden Tischen zu verdrängen. Später erschien auf einer großen Projektionsfläche ein Feuerwerk. Die festliche Wirkung kam zuverlässig zustande, obwohl draußen dafür nichts geschehen musste. Das Ambiente war modern, aufwendig und erstaunlich geschlossen; ein Restaurant, das seine Beleuchtung nicht als Zubehör, sondern als eigenen Gang behandelte.

Zwischen dünnen Lichtstreifen, Kerzenprojektionen und wechselnden Wandbildern veränderte sich der Raum immer wieder. Mal wirkte er wie eine Bar, mal wie eine Veranstaltungshalle, dann wieder wie ein klassisches Bordrestaurant mit warmem Licht, langen Tafeln und traditionellen Kunstmotiven im Hintergrund. Die Gäste unterhielten sich, schauten auf die Projektionen oder warteten auf den nächsten Einsatz aus Küche und Inszenierung. Das alles blieb gehoben, aber nicht steif. Atmosphäre und Ambiente: topp, ohne dass Carlexander dafür eine Tabellenkalkulation öffnen musste.

Gerade dieser Wechsel machte den Abend angenehm unberechenbar. Die runden Tische hielten die Gesellschaft zusammen, während Feuerwerk, Kerzen und Landschaften an den Wänden ihre eigenen kurzen Auftritte bekamen. Briemma nahm das ruhig hin; Carlexander beobachtete jedes neue Lichtbild mit jener leichten Überforderung, die bei ihm als konzentrierte Aufmerksamkeit durchgeht. „Man könnte auch einfach essen“, sagte er. „Das tun wir doch“, erwiderte Briemma. „Nur offenbar mit Begleitprogramm für sämtliche Sinne.“

Dann begann die eigentliche Folge der Teller. Ein kleiner Auftakt mit Nori, Cashewnüssen und gelben Blättern oder Schoten lag auf dekorativem Porzellan; daneben setzte ein gelber Blütenknospen im violetten Becher einen stillen Farbakzent. Es folgten weißer Reis mit rotem Gemüse und dunkler Garnitur sowie eine rote Suppe mit Tofublöcken und dunklen Kräutern oder Gemüsestücken. Das violette Licht veränderte die Farben kräftig, doch nicht die grundsätzliche Aufgabe des Abends: aufmerksam probieren und möglichst nicht jeden Teller wie ein Beweisstück behandeln.

Die asiatische Fusionsküche funktionierte besonders dort, wo Säure, Schärfe und feine Texturen klar blieben. Schwieriger wurde es, sobald ein gutbürgerlicher Hauch zu deutlich durch die Komposition zog. Zwei gefüllte Teigtaschen lagen in dunkler Sauce auf blau-weißem Porzellan, umgeben von Gläsern und roten Blütenblättern. Ein weiteres Gericht zeigte eine knusprige Kruste in cremiger Sauce, ergänzt durch eine Zitronenscheibe und eine Blüte. Die Präsentation blieb durchgehend präzise; geschmacklich landete der Abend bei soliden sieben von zehn Punkten.

Andere Teller arbeiteten mit roter Sauce, einem grünen Blatt und einem orangefarbenen Element, während eine dekorative Schale gekochte grünliche Erdnüsse trug. Das Kirschdessert setzte anschließend deutlich stärker auf Wirkung: eine zentrale Schokoladenbasis, cremige Blütenformen, frische Kirschen und eine rote Blütenverzierung auf floralem Porzellan. Das war üppig, kontrolliert und ohne Zweifel fotobereit. Briemma betrachtete Carlexanders sorgfältige Bestandsaufnahme. „Du darfst es auch essen.“ Er nickte. „Ich wollte nur sicherstellen, dass die Architektur vollständig dokumentiert ist.“

Beim Trinken wurde Carlexanders Urteil strenger. Mineralwasser stand neben einer Flasche Waterkant Flut, anschließend wurden zwei Flaschen Dreissigacker Nanami, eine Flasche Monkuzaï und schließlich Senchō mit dem Hinweis „Hanami by Tim Raue“ präsentiert. Ein roséfarbenes Glas kam ebenfalls zum Einsatz. Carlexander ist kein Weißweintrinker; entsprechend half ihm die ambitionierte Begleitung nur eingeschränkt. Noch schwerer wog, dass unterschiedliche Weine aus denselben Gläsern getrunken wurden. Vier von zehn Punkten, entschied er, und sah dabei aus, als sei eine internationale Norm verletzt worden.

„Es sind Gläser, keine Systemlandschaft“, sagte Briemma ruhig. Carlexander widersprach nicht, was bei ihm als deutlicher Protest gelten darf. Drei teilweise gefüllte Gläser standen im violetten Nachtlicht zwischen roten Blütenblättern und fassten das Problem optisch schöner zusammen, als er es sprachlich gekonnt hätte. Zum Abschluss erschien noch Kaffee auf einem floral dekorierten Teller, mit Milch und kleinen Zuckerwürfeln im Getränk. Nach fünf Gängen, Weinpräsentationen und wechselnden Farben war das fast schon der nüchterne Teil des Abends.

Zwischen den Gängen verlagerte sich die Aufmerksamkeit regelmäßig von den Tellern zur Inszenierung. In der farbig beleuchteten Halle stand ein Sänger auf der Bühne, während das Publikum an Tischen mit Getränken saß. Danach übernahmen digitale Bildwelten: eine traditionell gekleidete Figur vor Bergen und Bäumen, ein animierter Samurai vor abstrakten Farben und ein leuchtendes Torii-Tor im dunklen Raum. Das FUGU behandelte Wartezeit offenbar nicht als Lücke, sondern als Fläche, die zuverlässig bespielt werden musste.

Weitere Projektionen zeigten traditionelle Architektur mit rotem Dach, blühende Bäume und eine Figur im orangefarbenen Gewand. Der Raum veränderte sich damit erneut, ohne dass Carlexander und Briemma ihre Plätze verlassen mussten. Schließlich erschien eine dunkle Theaterszene mit einer Figur auf einem zentralen Podest und dem sitzenden Publikum davor. Briemma folgte dem Wechsel gelassen. Carlexander wirkte, als müsse er gleichzeitig Restaurantkritik, Bühnenbeobachtung und Reiseprotokoll führen. „Du könntest einfach schauen“, sagte sie. „Ich schaue strukturiert“, antwortete er.

Die Inszenierung war technisch sichtbar, aber nicht kühl. Licht, Bühne und Projektionen begleiteten das Menü, statt nur dekorativ im Hintergrund zu laufen. Nicht jedes Bild brauchte eine tiefere Deutung; manches sorgte schlicht dafür, dass der Blick zwischen zwei Tellern nicht auf dem eigenen Glasbestand liegen blieb. Für Carlexander war das vermutlich Absicht. Für Briemma war es ein gut organisierter Abend. Und für das Restaurant war es der Beweis, dass Fine Dining an Bord auch als fortlaufende Aufführung funktionieren kann.

Zum späteren Teil des Abends erschienen kurze Texte auf den Projektionsflächen. Zweimal wurde eine Drachenpassage mit stilisierten Schweifen gezeigt, anschließend folgte eine Tafel über die Geisha und ihren Fächer. Die Bilder waren deutlich mythologisch gestaltet, doch Carlexander beließ es bei der sachlichen Feststellung, dass nun auch die Lyrik einen eigenen Gang erhalten hatte. Briemma las mit. „Du musst das nicht bewerten.“ Carlexander sah zur Projektion. „Dann hätte man keine Zahlen im Menü ankündigen dürfen.“

Greifbarer wurde die Tafel über Kintsugi: Zerbrochenes wird mit Gold verbunden und gerade durch die sichtbaren Bruchstellen neu gestaltet. Goldene Fragmente im dunklen Raum unterstützten die Erklärung. Danach folgte ein Text über Familie, weiß auf schwarzem Hintergrund. Die Projektionen verlangten keine Diskussion und bekamen auch keine lange. Sie ordneten Begriffe, Bilder und Gerichte zu einer thematischen Linie, während an den Tischen weiter gegessen, getrunken und zugeschaut wurde.

Auch das Meer erhielt ein kurzes Gedicht, gefolgt von fallenden Kirschblüten und einer Kalligrafie-Projektion über Pinselstrich, Tinte und stilles Papier. Die Formulierungen waren deutlich feierlicher als Carlexanders gewöhnlicher Reisebericht. Er nahm sie trotzdem aufmerksam zur Kenntnis, schon weil der erste Reisetag nun endgültig bewiesen hatte, dass an Bord selbst ein Abendessen mehrere Erzählebenen besitzen konnte. Briemma fasste es pragmatischer zusammen: „Gutes Licht, interessante Teller, schwieriger Wein.“ Mehr Präzision war an diesem Punkt kaum erforderlich.

So leitete der Abend in Palma de Mallorca die Taufreise luxuriös ein: mit einer Präsentation von zehn Punkten, einem ausgezeichneten Ambiente, einem Essen von sieben und einer Weinbegleitung von vier Punkten. Die Mein Schiff Relax hatte aus fünf Gängen ein visuelles Programm gemacht und damit den ohnehin langen ersten Tag noch einmal erweitert. Carlexander verließ das FUGU nicht vollständig überzeugt, aber gründlich versorgt mit Beobachtungen. Briemma war zufrieden genug, ihn nicht an die Gläserfrage zu erinnern. Für einen Reiseauftakt war das nahezu harmonisch.

2025-04-08 – Tag 1: Nach dem Rundgang am Vormittag ist die Juniorsuite freigegeben

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2025-04-08 – Tag 1: Nach dem Rundgang am Vormittag ist die Juniorsuite freigegeben

Tag 1 · 2025-04-08 · Palma de Mallorca

Nach dem Rundgang am Vormittag kam die Nachricht, auf die müde Reisende mit erstaunlicher Aufnahmefähigkeit reagieren: Die Juniorsuite war freigegeben und bezugsfertig. Vom Schiff aus lag Palma de Mallorca hell unter klarem Himmel. Über dem Hafenwasser erhob sich die gotische Kathedrale, dahinter zeichneten sich Berge ab, während zwei Segelboote vor dieser durchaus selbstbewussten Kulisse unterwegs waren. Carlexander sah hinüber und sagte: „Das ist wenigstens eine Aussicht, die keine Einweisung braucht.“ Briemma hielt das für einen vorübergehenden Zustand.

Vom Balkon der Juniorsuite setzte sich der weite Blick über ruhiges Meer und Hafen fort; in der Entfernung lag ein weiteres großes Kreuzfahrtschiff. Innen fiel der Vergleich mit der Mein Schiff 7 allerdings nüchterner aus. Die Suite wirkte kleiner, der Durchgang am Schminktisch war enger, und der Sitzbereich am Fenster fehlte. Bett, Schreibtisch, Stühle und das große Fenster waren ordentlich arrangiert, nur eben auf weniger selbstverständlicher Fläche. Dafür war das Badezimmer größer. Briemma prüfte beides und fasste zusammen: „Man hat den Platz offenbar umverteilt.“

Auf dem Tisch wartete die Begrüßung in mehreren Schokoladenformaten. Kleine Pralinen lagen auf einem weißen Teller, rund, gestreift und teilweise mit cremiger Füllung. Daneben gab es einen transparenten Beutel mit verschiedenfarbigen Bonbons und einer weißen Schokoladenrose. Nach Rundgang und frühem Reisetag war das kein dekoratives Detail, sondern eine vernünftige Maßnahme. Carlexander nahm die Qualitätskontrolle ernst. Briemma sagte nur: „Frischmachen war zuerst geplant.“ Der Plan verlor knapp, aber eindeutig.

Zwischen Karte und Brief lagen die Informationen zur Taufreise bereit. Der Lageplan zeigte unter anderem das Cruise Terminal, das Public Infield und weitere Bereiche am Hafen; zugleich lenkte er den Blick bereits auf das Konzert am nächsten Tag. Hinzu kam eine Geburtstagskarte aus der Mein-Schiff-Flotte, unterzeichnet vom Kapitän und vom General Manager. Carlexander studierte den Plan mit jener Konzentration, die andere für komplizierte Verträge reservieren. „Du kannst morgen auch einfach den Schildern folgen“, bemerkte Briemma. Das war sachlich richtig und organisatorisch unbefriedigend.

Der Minikühlschrank ergänzte die Bestandsaufnahme mit Flaschenwasser, Bier, Cola-Dosen und kleinen Spirituosenflaschen. Alles stand praktisch und ordentlich, was Carlexander sichtbar beruhigte. Damit war die Juniorsuite nicht nur freigegeben, sondern tatsächlich bezugsfertig: Aussicht vorhanden, Unterlagen sortiert, Getränke gekühlt und die Begrüßungsschokolade bereits einer ersten Prüfung unterzogen. Der Vormittag hatte aus Orientierung langsam Aufenthalt gemacht. Nur die Koffer fehlten noch, doch auch dieses letzte Stück Anreise war bereits unterwegs.

Wenig später standen sie vor der Tür: ein brauner und ein roter Koffer, beide sorgfältig in transparenten Kunststoff gehüllt und mit Versandetiketten versehen. Tefralog hatte das Gepäck vorgeschickt, und nun war es pünktlich angekommen. Nach Flughafen, Transfer, Boarding und Rundgang wirkte diese Zuverlässigkeit fast verdächtig elegant. Carlexander betrachtete die Verpackung und nickte anerkennend. „Mein Vertrauen in Prozesse erholt sich“, sagte er. Briemma erwiderte: „Pack erst aus. Dann sehen wir weiter.“

Mit den Koffern war die Juniorsuite endgültig bezogen, zumindest nach den üblichen Maßstäben des Reisens: Das Gepäck war da, die Schokolade nicht mehr vollständig und der Lageplan bereits wichtiger genommen worden, als es zwingend nötig gewesen wäre. Für ausführliches Sortieren blieb dennoch kein Anlass. Das Mittagessen in der X View wartete, und nach einem langen ersten Vormittag war das die überzeugendere Form der Tagesplanung.

Sorgsam verpackt durch Tefralog, die koffer sind da

Die X View war hell, modern und durch große Fenster zum Hafen geöffnet. Runde Tische, Stühle und bereits eingedecktes Geschirr standen vor einem langgezogenen Buffet unter Glasregalen. Nach den engeren Wegen der Juniorsuite bekam der Blick hier wieder mehr Raum. Draußen blieb Palma de Mallorca präsent, drinnen begann die schwierigere Aufgabe, aus einer umfangreichen Auswahl ein Mittagessen zu machen. Carlexander betrachtete das Buffet mit müder Würde. Briemma nahm einen Teller. Damit war die Rollenverteilung geklärt.

An der Auslage standen Schalen mit Obst und verschiedene Dessertbecher bereit. Gleich daneben führte die Auswahl weiter zu Sushi: Maki-Rollen, ein Stück mit Avocado und Reis sowie Sushi mit Garnele, begleitet von Ingwer und Sojasauce. Es war jene Art Buffet, bei der aus „nur eine Kleinigkeit“ zuverlässig mehrere kleine Entscheidungen werden. Carlexander versuchte, eine kulinarische Reihenfolge zu erkennen. Briemma begann einfach dort, wo sie gerade stand. Auch das erwies sich als belastbares Verfahren.

Drei kleine weiße Teller zeigten, dass das Mittagessen sich nicht auf große Portionen verlassen musste. Serviert wurden ein rundes Käsebällchen mit Tomatensauce, eine dunkle Schokoladenkugel in Rotwein und ein goldbraun frittierter Knödel. Danach folgte eine klare, dunkelbraune Hühnersuppe mit einem großen Knödel und grünen Kräutern. Die Präsentation war sorgfältig, die Größen blieben überschaubar, und genau deshalb konnte man sich mit wissenschaftlich klingender Begründung durch mehrere Varianten arbeiten.

Auf dem Holztisch stand ein Glas mit Eiswürfeln und Limettenscheibe vor der geöffneten Getränkekarte. Softdrinks, Weißwein, Schaumweine und Longdrinks waren sauber in Kategorien geordnet, was Carlexanders Aufmerksamkeit unverhältnismäßig lange band. In der Nähe kündigte eine Tafel das „Tages Gericht“ an, darunter Tapas, Suppen und Pastaspezialitäten. Eine weitere Menütafel führte Vorspeisen, Fischsuppen, Hauptgerichte und vegetarische Optionen auf. „Du musst nicht das gesamte System verstehen“, sagte Briemma. Carlexander blätterte weiter. „Das System hat angefangen.“

Draußen bot die Terrasse Holzboden, weiße Stühle, gedeckte Tische und freien Blick auf das Meer; weitere Gäste hatten den Platz bereits für sich entdeckt. Damit endete dieser Abschnitt des ersten Tages dort, wo Reisen meist am angenehmsten wird: zwischen angekommenem Gepäck, einem bezogenen Zimmer und der Erkenntnis, dass man nicht jede Menütafel vollständig auswerten muss. Die Juniorsuite war eingerichtet, das morgige Konzert auf dem Lageplan vermerkt und das Mittagessen ausführlich genug geraten. Für einen Vormittag in Palma de Mallorca war das eine bemerkenswert vollständige Bilanz.

2025-04-09 – Tag 2: stimmungsvolle Tänzer und Einstimmung auf das Taufkonzert

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2025-04-09 – Tag 2: stimmungsvolle Tänzer und Einstimmung auf das Taufkonzert

Tag 2 · 2025-04-09 · Málaga

Der zweite Reisetag in Málaga hatte seine größte Lautstärke noch vor sich. Bevor Carlexander und Briemma das Konzertgelände betraten, führte der Weg noch einmal am Buffet vorbei. Vegane Currywurst, Pommes frites und weitere vegetarische Gerichte standen in warmen Schalen bereit. Carlexander betrachtete die Auswahl durch seine rote Brille mit jener Sorgfalt, die andere Reisende gewöhnlich erst bei der Kabinenrechnung entwickeln.

Daneben warteten Fleischbällchen, Chili Carne und Käsekreiner in weißen Schalen, während hinter dem Buffet weiter zubereitet wurde. Briemma stützte sich ruhig auf ihren eleganten Gehstock und ließ Carlexander zwischen den Angeboten abwägen. „Du planst das Essen wie einen Landgang“, sagte sie. Carlexander nahm einen Teller und erklärte die Sache damit für organisatorisch abgeschlossen.

Am Abend bekam die Veranstaltung ihren offiziellen Ton. Auf der Bühne hielt eine Frau ein Dokument in der Hand, zwei Männer standen neben ihr, und aus dem erwarteten Konzert wurde zunächst eine TUI-Cruises-Zeremonie. Carlexander hörte aufmerksam zu, obwohl seine Haltung verriet, dass er musikalische Programmpunkte für grundsätzlich weniger erklärungsbedürftig hielt. Briemma blieb pragmatisch: „Wer vorne steht, muss offenbar erst beweisen, dass er berechtigt dort steht.“

Dann weitete sich das Bild zur großen Festivalbühne. Ein Musiker wandte sich singend oder sprechend an das Publikum, weitere Musiker warteten im Hintergrund, und aus der förmlichen Einstimmung wurde allmählich ein Konzertabend. Die VIP-Tickets brachten Carlexander und Briemma weit nach vorn in die erste Reihe. Nähe zur Bühne ist ein Privileg, das zugleich zuverlässig zeigt, wie groß Lautsprecher aus unmittelbarer Perspektive wirken.

Ein Sänger im weißen Oberteil stand am Mikrofon, flankiert von zwei Tänzerinnen; Gitarre und Saxophon ergänzten den Auftritt. Die Tänzerinnen gaben der Musik Bewegung, ohne dass die Bühne unruhig wirkte. Später verdichteten farbige Strahler die Nacht, und im Vordergrund reagierten die Zuschauer sichtbar auf die Show. Carlexander gab den Versuch auf, den Ablauf noch in einzelne Programmpunkte zu zerlegen.

Mit einem Musiker im roten Oberteil, weiteren Instrumentalisten und Tänzerinnen gewann die Live-Performance nochmals an Tempo. Schließlich füllten Sänger, Musiker und farbige Bühnenlichter gemeinsam die Szene. Das angekündigte Taufkonzert mit Robbie Williams war nun keine ferne Aussicht mehr, sondern der bestimmende Teil des Abends. „Dein Zeitplan hält“, sagte Briemma. „Nur die Veranstaltung hält sich nicht daran.“ Carlexander nahm das als zutreffende Zusammenfassung.

Schon das Betreten des Eventgeländes im Hafen von Málaga hatte gezeigt, dass dieser Abend größer angelegt war als ein gewöhnlicher Auftritt. Ein Kreuzfahrtschiff lag am Dock, Menschen sammelten sich um einen blauen Pavillon, und zwischen Brücke und Gebäude mit Balkonen führte der Besucherstrom zur Bühne. Dank der VIP-Tickets mussten Carlexander und Briemma nicht lange rätseln, welche Richtung vorgesehen war. Die erste Reihe war als Ziel überzeugend genug.

Zwei Figuren in roten Kostümen standen auf Stelzen vor der Bühne und überragten das Publikum mit professioneller Gelassenheit. Dahinter zeigte ein riesiger Bühnenbildschirm einen Gitarristen, während die Zuschauer dichter zusammenrückten. Briemma betrachtete die Stelzen, dann ihren Gehstock. „Man kann Mobilität auch unnötig ehrgeizig lösen“, sagte sie. Carlexander widersprach nicht, weil die Beweislage mehrere Meter hoch war.

Zur Festivalordnung gehörte auch die Verpflegung. Ein Hot-Dog-Stand stand mit Blick auf das Kreuzfahrtschiff bereit, eine Person bediente den Wagen, andere Besucher gingen vorbei. Wenige Schritte weiter versammelte sich das Publikum auf einem roten Teppich im Hafenbereich. Über der Menge flog ein Hubschrauber, der dem ohnehin aufmerksamkeitsstarken Gelände eine weitere Blickrichtung hinzufügte.

Vor der großen Bühne lagen Koffer und Geräte für Licht und Ton bereit; eine Person hielt ein Getränk, eine weitere stand am roten Teppich. Auf der Bühne kündigte die große Anzeige unmissverständlich das Konzert an, während Besucher ihre Aufnahmen machten. Der Aufbau wirkte inzwischen nicht mehr wie die Konstruktion vom Morgen, sondern wie ein Gelände, das genau wusste, wie viele Augen sich bald auf einen einzigen Punkt richten würden.

Als der Hubschrauber über der Menschenmenge und dem Kreuzfahrtschiff erschien, gingen zahlreiche Blicke und Kameras nach oben. Carlexander blieb bei der Bühne, Briemma beobachtete den Wechsel der allgemeinen Aufmerksamkeit. „Rahmenprogramm“, sagte sie knapp. Es war tatsächlich reichlich davon vorhanden: Stelzenfiguren, roter Teppich, Verpflegung, Großbild und Luftshow arbeiteten gemeinsam daran, die Zeit bis zum Hauptprogramm möglichst ereignislos aussehen zu lassen.

Zur Eröffnungszeremonie trat zunächst ein Sänger im hellen Anzug ans Mikrofon. Hinter der Freiluftbühne waren Hügel mit vereinzelten Gebäuden zu erkennen, während das Publikum nach vorn blickte. Der musikalische Auftakt hielt die Stimmung in Bewegung, ohne den offiziellen Anlass zu verdecken. Carlexander schätzte diese Form der Überleitung: Niemand musste so tun, als sei eine Rede bereits ein Konzert.

Danach standen zwei Personen auf der Bühne, groß für das Publikum übertragen. Es folgten die formellen Vorstellungen, darunter die Direktorin und die Kapitäne der drei Schiffe. Auf dem großen Bühnenbild erschienen mehrere Beteiligte und ihre Funktionen. Briemma hörte ruhig zu. Carlexander versuchte kurz, die Reihenfolge zu ordnen, bis Briemma bemerkte: „Sie werden alle vorgestellt. Du darfst entspannen.“

Mit der Taufpatin Giuliana Rizzo erreichte die Zeremonie ihren vorgesehenen Höhepunkt. Die Champagnerflasche zerschellte am Bug, und aus den Ansprachen wurde der eigentliche Taufmoment der Mein Schiff Relax. Der offizielle Teil war damit nicht bloß angekündigt, sondern vollzogen. Vor der Bühne blieb kaum Zeit für feierliche Nachbetrachtungen, denn der Konzertabend wartete bereits auf seine nächste Lautstärke.

Zwischen Zeremonie und Konzert bewegte sich ein mobiler Bierwagen durch den Hafenbereich. Ein Verkäufer im grünen T-Shirt bediente einen Kunden am mit „Cervezaman“ beschrifteten Wagen; dahinter blieben Menschen und das Kreuzfahrtschiff sichtbar. Das mobile Bier löste ein Problem, das viele Veranstaltungen erst durch lange Schlangen erzeugen. Carlexander erkannte darin einen seltenen Fall gelungener Reiseorganisation.

Briemma sah ihn bereits rechnen, wie oft der Wagen wohl dieselbe Runde fahren würde. „Du musst keine Route dafür erstellen“, sagte sie. Carlexander bestritt, eine solche Absicht gehabt zu haben, allerdings mit etwas zu langer Verzögerung. Der Wagen zog weiter, während sich das Publikum wieder zur Bühne orientierte und der Abend endgültig in das Hauptprogramm überging.

Verkaufswagen mit Cerveza am Hafen

Später war das Konzert auch an Bord zu verfolgen: Eine Bühnenansicht mit Mikrofonen und einer Person in der Mitte brachte das Geschehen zu den dort versammelten Zuschauern. Damit reichte die Veranstaltung über das eigentliche Gelände hinaus. Carlexander stellte fest, dass man der Musik an diesem Abend kaum versehentlich entkommen konnte. Briemma hielt das nicht für einen Mangel, sondern für eine präzise Beschreibung des Veranstaltungskonzepts.

Zum Abschluss lag das große Kreuzfahrtschiff blau beleuchtet in der Nacht. Auf den Decks standen Menschen, darüber zeichneten sich Balkone, Fenster und die gestaffelte Struktur des Schiffes ab. Nach Buffet, Stelzenfiguren, rotem Teppich, Hubschrauber, Taufe und Konzert war Málaga für diesen Tag keineswegs leise geworden. Carlexander und Briemma ließen den Blick über das beleuchtete Schiff gehen. Der zweite Reisetag hatte seine angekündigte Lautstärke erreicht und dabei erstaunlich wenig ungenutzt gelassen.

2025-04-10 – Tag 3: Kirche im Stadtviertel

Reiseepisode

2025-04-10 – Tag 3: Kirche im Stadtviertel

Tag 3 · 2025-04-10 · Málaga

Málaga begann an diesem dritten Reisetag nicht mit einer großen Sehenswürdigkeit, sondern mit einer gepflasterten Straße zwischen historischen Häusern. Straßencafés hatten Tische und Stühle aufgestellt, Pflanzenkästen grenzten die Wege ab, und im Hintergrund behauptete sich eine rot gefasste Kirche zwischen mehrstöckigen Gebäuden. Carlexander blieb stehen und betrachtete die Fassade mit der roten Brille eines Reisenden, der bereits ahnte, dass der geplante Rundgang länger werden würde. Briemma setzte ihren Gehstock ruhig auf das Pflaster. „Du wolltest doch nur kurz schauen“, sagte sie.

Von der Straße führte der Weg in einen Park, wo mehrere Vögel über den grünen Rasen liefen und Palmen den Hintergrund bestimmten. Ein grüner Papagei bewegte sich zwischen kleineren Vögeln, während ein klassisches Gartenhaus hinter einem schmiedeeisernen Zaun lag. Alte Bäume, Pflanzen und Steine gaben dem Gelände eine gepflegte Ruhe, ohne daraus eine feierliche Angelegenheit zu machen. Carlexander versuchte, Kirche, Vögel und Gartenhaus gedanklich zu einer sinnvollen Route zu ordnen. Málaga zeigte sich davon unbeeindruckt.

Weiter im Park stand eine Büste auf ihrem Denkmal zwischen hohen Palmen und grünen Sträuchern. Der Himmel war bewölkt, was der Szene ein gedämpftes Licht gab und die Statue noch unbeweglicher wirken ließ, als Statuen ohnehin wirken. Briemma betrachtete sie kurz und ging weiter. Carlexander blieb einen Moment länger stehen, weil Denkmäler den angenehmen Eindruck vermitteln, jemand habe an dieser Stelle wenigstens einmal Ordnung geschaffen.

Ein breiter Schotterpfad führte zwischen Hecken, Laternenpfählen, Palmen und weiteren tropischen Pflanzen hindurch. Danach wurde der Bewuchs dichter: Tannen standen über trockenem Gras, im Hintergrund waren Bänke und einige Menschen zu sehen. Der Wechsel von Palmen zu Tannen erfolgte ohne Erklärung und offenbar auch ohne Zuständigkeitsdebatte. „Ein vielseitiger Park“, sagte Carlexander. „Oder ein Park ohne deinen Kontrollreflex“, erwiderte Briemma.

Zwischen üppigem Grün fiel eine einzelne Blume im Vordergrund auf, dahinter standen erneut Palmen. Schließlich saß ein grüner Papagei ruhig auf einem Ast und verschwand farblich beinahe im dichten Laub. Carlexander sah nach oben, der Papagei zurück, und keiner von beiden hielt eine Stellungnahme für erforderlich. Briemma nutzte die Pause, um das Tempo des Spaziergangs neu festzulegen. Das war praktisch, denn ihr Gehstock und nicht Carlexanders Reiseplanung bestimmte hier den vernünftigen Rhythmus.

Am Hafen änderte sich die Kulisse deutlich. Ein großes historisches Segelschiff lag mit mehreren Masten am Kai, während Menschen das Schiff besichtigten und sich unter einem weißen Informationszelt sammelten. Nach den stillen Wegen des Parks wirkte das alte Schiff wie ein sehr aufwendiger Hinweis darauf, dass Reisen früher noch mehr Seil und deutlich weniger Komfort verlangte. Carlexander musterte die Takelage mit müder Anerkennung.

Briemma blieb neben ihm stehen und betrachtete das Treiben am Kai. „Du würdest zuerst einen Ablaufplan für die Masten verlangen“, sagte sie. Carlexander widersprach nicht, denn die Zahl der Leinen machte eine gewisse organisatorische Vorsicht nachvollziehbar. Sie schlossen sich der Besichtigung nicht weiter an, sondern nahmen das Schiff als markanten Übergang zwischen Hafen und Stadt. Málaga hatte für den Rundgang noch genügend andere Richtungen vorgesehen.

Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen

Ein detaillierter Stadtplan von Málaga versprach Orientierung und markierte Museen, Monumente sowie historische Gebäude in mehreren Sprachen. Carlexander studierte die Kategorien mit sichtlicher Erleichterung, während Briemma bereits auf die Stadt blickte. Bald stand die Kathedrale mit ihrer großen Fassade, den Türmen und dem Eingangstor vor ihnen; Besucher saßen, standen in Gruppen oder bewegten sich über den Platz. Die Karte erklärte das Ziel, aber nicht die vielen kleinen Umwege, die eine Altstadt grundsätzlich zwischen Ausgangspunkt und Sehenswürdigkeit legt.

Ein Stadtgarten mit gepflegtem Rasen, zwei markanten Säulen und Menschen auf einer Bank brachte eine kurze ruhigere Passage. Danach erschien die Kathedralenfassade noch einmal aus größerer Nähe, diesmal mit einem kunstvoll verzierten Eisengitter vor dem Eingang und blauem Himmel darüber. Carlexander betrachtete die Architektur, Briemma die Wegführung. „Beeindruckend“, sagte er. „Und immer noch nicht das Ende des Rundgangs“, stellte sie fest.

Die Straßen lieferten anschließend eine eigentümlich zuverlässige Mischung aus Andacht und Handel. Körbe mit Kräutertees wie Té de Málaga und Té Jazmín standen neben weiteren Kräutern und Gewürzen, wenig später hing an einer Fassade das Schild des Restaurants La Mafia neben dem Eingang eines Juweliergeschäfts. Eine reich verzierte gotische Kirchenfassade mit Türmen und großem Rosettenfenster führte zurück zum eigentlichen Thema des Buckets. Am Gittertor der Iglesia del Sagrado Corazón de Jesús informierte ein Plakat über die Eröffnung am 12. Mai 1920, den neogotischen Stil und die Architekten Fernando Guerrero Strachan und Manuel Rivera Vera.

Die nächste Folge war weniger streng kuratiert: zahlreiche bunte Entenfiguren in Regalen, eine farbige Mosaikfassade mit Menschen davor und dahinter ein Turm mit Kreuz. Ein historischer Steinturm mit mehreren Ebenen und Balkonen setzte die architektonische Linie fort, bevor die belebte Fußgängerzone wieder Geschäfte, Passanten und Reisegepäck in den Vordergrund rückte. Carlexander nahm jede Fassade gewissenhaft zur Kenntnis. Briemma bemerkte trocken, dass eine vollständige Erfassung sämtlicher Balkone nicht zum offiziellen Tagesprogramm gehöre.

Ein runder Platz mit einem Beet aus roten und dunklen Pflanzen öffnete den Weg zur nächsten belebten Straße, auf der Menschen gingen, stehen blieben oder miteinander sprachen. Vor der Alcazaba bewegten sich Besucher an Treppen und historischen Mauern; dahinter lagen die steinernen Sitzreihen und die Holzbühne des römischen Theaters vor einer alten Festungsmauer. Eine Holzplatte mit eingravierten lateinischen Schriftzeichen setzte den historischen Akzent fort. Den Schlusspunkt des Stadtrundgangs bildete eine Bronzeskulptur: eine große Hand mit einer Taube, ruhig auf einem Podest vor den Geschäften.

Zurück an Bord der Mein Schiff Relax wurde der Hafen wieder zur Aussicht statt zur Wegstrecke. Im Salon standen blaue und beige Sessel und Couchen um niedrige Tische, hinter den großen Fenstern lag das Containerterminal. Nach Pflaster, Parkwegen und Treppen hatte selbst Carlexander nichts gegen eine sitzende Form der Ortsbeobachtung einzuwenden. Briemma wählte einen Platz, stellte ihren Gehstock griffbereit ab und erklärte damit den Rundgang ohne weitere Abstimmung für beendet.

Auf der Terrasse stand ein Glas Rosé auf dem Tisch, dahinter lagen weiße Stühle, Hafen und Meer. Carlexander betrachtete die Farbe mit jener Sorgfalt, die er bei Stadtplänen und Weingläsern gleichermaßen für sachlich geboten hielt. „Jetzt kommt die Analyse“, sagte Briemma. „Nur eine Beobachtung“, antwortete er. Der Unterschied war klein, aber für Carlexander offenbar von grundsätzlicher Bedeutung.

Kaffee und Tee folgten auf einem Marmortisch, begleitet von drei kleinen Schalen mit Snacks. Später lag eine Sushi-Auswahl mit Lachs- und Garnelennigiri, Gurke, Garnelen und einer Schale Sojasauce bereit. Der Nachmittag wechselte damit von historischer Architektur zu übersichtlichen Portionen, was Carlexander als erfreulich klare Struktur empfand. Briemma ließ diese Einschätzung gelten, weil sie ausnahmsweise keine Auswirkungen auf den weiteren Weg hatte.

Am Abend lag das Taufmenü vor ihnen. Auf dem Blatt standen unter anderem Ceviche, Tiroler Steinpilzcremesuppe und Nougat-Mandel-Tarte; angegeben waren 59 Euro pro Person. Carlexander las das Angebot mit konzentrierter Ruhe, als müsse er zwischen mehreren strategischen Möglichkeiten entscheiden. Briemma sah kurz über das Blatt. „Es ist ein Menü, kein Maßnahmenkatalog“, sagte sie.

Serviert wurden unter anderem Garnelen mit Zitronenscheiben und Petersilie sowie drei cremige Portionen mit Salat auf einem zweiten Teller. Nach dem langen Rundgang durch Málaga hatte das Essen den Vorzug, nicht mehr erlaufen werden zu müssen. Carlexander würdigte die klare Anordnung auf den Tellern, Briemma den Umstand, dass nun niemand mehr eine Abkürzung vorschlug. Damit endete der kulinarische Teil des Tages angenehm unspektakulär.

Später lag der Poolbereich des Kreuzfahrtschiffs unter blauer Beleuchtung. Stufen, Geländer und Pflanzenkübel zeichneten sich in der modernen Architektur ab, während es rund um das Wasser ruhig geworden war. Der Tag hatte mit einer Kirche zwischen Stadthäusern begonnen und über Parkwege, Hafen, Kathedralen, Plätze und historische Mauern zurück an Bord geführt. Carlexander hielt diese Reihenfolge im Nachhinein für durchaus schlüssig.

Briemma sah über den beleuchteten Bereich und stützte sich ruhig auf ihren Gehstock. „Morgen planst du wieder weniger“, sagte sie. Carlexander schwieg mit jener müden Würde, die gewöhnlich bedeutete, dass er innerlich bereits eine Route entwarf. Für diesen Abend blieb es jedoch bei der Aussicht und der Feststellung, dass Málaga genügend Eindrücke geliefert hatte. Mehr Ordnung musste der Tag nicht mehr bekommen.

2025-04-11 – Tag 4: Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen

Reiseepisode

2025-04-11 – Tag 4: Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen

Tag 4 · 2025-04-11 · Tanger

Der Weg durch Tanger führte schließlich zurück an den Hafen, wo die Mein Schiff Relax am Kai lag: mehrere Decks, große Fenster, moderne Linien und Valletta als Heimathafen. Vom Wasser aus wirkte sie weniger wie eine Unterkunft als wie eine eigene, sorgfältig festgemachte Stadt. Carlexander betrachtete das Schiff mit müder Zufriedenheit. „Immerhin steht es noch da.“ Briemma hob knapp die Augenbrauen. „Das war im Reiseplan vermutlich vorgesehen.“

An Bord setzte sich der Tag ohne große Unterbrechung am Buffet fort. Früchte und kleine Snacks standen links bereit, während Gäste an runden Holztischen zwischen hellgrauen Stühlen saßen. Auf Carlexanders Teller landeten verschiedene Sushisorten, begleitet von Orangensaft und Roséwein, eine Kombination, die keine nähere Rechtfertigung verlangte. Briemma hielt sich an Wassermelone, Kiwi, Maracuja, Ananas, Granatapfel und eine Dattel. Nach Märkten, Wegen und Hafenblicken war das keine neue Tagesphase, sondern eine geordnete Zwischenlandung.

Am Abend begann die nächste Runde zunächst auffallend vernünftig. Äpfel, Birnen, Nüsse und Trockenfrüchte standen am Buffet, bewacht von einem dekorativen Hundeschild mit der Versicherung „I am calm and relaxed“. Carlexander erkannte darin weniger eine Beschreibung als eine betriebliche Zielvorgabe. Danach lag die beige Høfde-Speisekarte mit goldener Schrift und gezeichneten Gräsern neben dem beschrifteten Holztablett. Eine weitere Karte fragte „Was bedeutet Glück?“ und erklärte das skandinavisch inspirierte Konzept mit Bezug auf Nordlichter. „Eine kurze Frage für ein langes Menü“, sagte Briemma.

Die praktische Antwort kam in Form einer Flasche Penfolds Bin 2 Shiraz Mataro von 2020, die am Tisch geöffnet wurde. Neben Wasser- und Weinglas verfolgte Carlexander den Vorgang mit jener Konzentration, die er sonst nur Fahrplänen und fragwürdigen Abläufen widmete. „Du kontrollierst nicht den Wein“, sagte Briemma. „Ich beobachte nur.“ Zunächst erschien eine cremige rote Suppe mit kleinen Kräutern, danach die als Zwiebelsuppe angekündigte Schale mit Brot, Butter und etwas Salat. Carlexanders trockenes Urteil blieb bestehen: Im Surf n Turf auf der Mein Schiff 7 hatte sie ihm besser geschmeckt.

Dann wurde das Abendessen deutlich fleischbetonter. Ein zentral angerichtetes Gericht mit Sauce und Salat stand neben der bereits halb geleerten Rotweinflasche, während an den Tischen im Hintergrund weitergegessen wurde. Es folgte ein gegrilltes Steak unter roter Sauce mit einem Stück Salat. Das Lammsteak auf dem weißen Teller war innen rosa, außen leicht gebräunt und von brauner Sauce umgeben. Die Teller wechselten, der Wein blieb als ruhiger roter Bezugspunkt erhalten. Carlexander nannte das konsequente Menüführung; Briemma ließ diese Formulierung aus Höflichkeit stehen.

Zwischendurch rückte der gedeckte Tisch selbst in den Mittelpunkt: Serviette, Besteck, Gläser, Pfeffermühle und Blumenstrauß, dahinter das Meer und weitere Gäste. Der Blick nach draußen erinnerte daran, dass dieses Abendessen nicht irgendwo stattfand, sondern an Bord vor Tanger. Anschließend kam ein Lammriemchen auf cremigem Gemüsebett mit dekorativer Sauce, begleitet von einem Glas Rotwein; auch ein Teelichthalter war am Tisch zu sehen. Nach dem langen Tag war das präzise angerichtet, ohne so zu tun, als müsse ein Teller die Reise erklären.

Zum Abschluss erschien ein Eisbecher mit cremiger Füllung und kräftiger Schokoladensoße, ergänzt durch gebratene Früchte und eine grüne Blattdekoration. Damit endete der Tag weder mit einer großen Erkenntnis noch mit einer weiteren Route, sondern mit einem Löffel und der berechtigten Frage, ob noch Platz sei. Carlexander prüfte die Lage kurz. „Organisatorisch ja.“ Briemma lehnte sich ruhig an ihren Gehstock. „Dann ist ja alles geklärt.“ Draußen blieb der Hafen, drinnen blieb nur noch das Dessert.

2025-04-14 – Tag 7: Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen

Reiseepisode

2025-04-14 – Tag 7: Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen

Tag 7 · 2025-04-14 · Barcelona

Barcelona trat an diesem siebten Reisetag zunächst als Hafen auf: viel Wasser, klare Linien und Schiffe, die bereits durch ihre Größe jede weitere Erklärung ablehnten. Direkt am Kai lag die Explora II, dunkelblau mit rotem Streifen, ihre Decks in langen Fensterreihen übereinandergestapelt. Weitere Schiffe standen dahinter unter klarem blauem Himmel. Carlexander betrachtete das geordnete Nebeneinander mit jener müden Anerkennung, die er sonst nur gut sortierten Weinkarten entgegenbrachte.

Aus der zweiten Perspektive rückte die Explora II noch deutlicher in den Vordergrund, während sich dahinter das offene Meer ausbreitete. Das Schiff lag ruhig im Hafen, als habe es seinen Platz schon lange vor allen anderen reserviert. „Du prüfst die Abstände“, sagte Briemma. „Nur aus nautischem Interesse“, erwiderte Carlexander. Briemma ließ das gelten, allerdings in genau dem Tonfall, mit dem sie normalerweise seine organisatorischen Ausreden archivierte.

Der Blick wanderte weiter über Wasser und Anlegebrücken zur Skyline von Barcelona. Zwischen modernen Gebäuden war das W-Hotel zu erkennen, davor lagen Yachten und die nüchterne Infrastruktur eines Hafens, der nicht eigens für Reiseprosa gebaut worden war. Gerade das machte ihn angenehm konkret. Keine Kulisse, sondern ein Arbeitsraum mit Aussicht, in dem jedes Schiff seinen Platz beanspruchte und trotzdem genügend Wasser zwischen den Zuständigkeiten blieb.

Am Kai folgte ein Schiff von Viking Cruises, über mehrere Decks mit Fenstern und Balkonen versehen; die sichtbaren Rettungsboote setzten zwischen all den geraden Linien praktische Farbakzente. Danach dominierte die Costa Toscana das Bild, weiß und am Heck mit blauen und roten Akzenten. Weitere Schiffe und Gebäude im Hintergrund machten deutlich, wie belebt der Hafen war. Carlexander schwieg kurz. Bei dieser Größenordnung wirkte selbst sein Bedürfnis nach vollständiger Übersicht erfreulich aussichtslos.

Zwischen den Hafenansichten schob sich an Bord bereits die kulinarische Tagesordnung ins Bild. Auf modernen Tellern und in Schalen standen Suppen, Salate und Fleischgerichte sorgfältig präsentiert, während das Menü die Auswahl in Vorspeise, Suppe, Hauptgericht und Dessert zerlegte. Pochierter Seeteufel, Hähnchen-Pistazien-Pâté und marmoriertes Himbeer-Mousse klangen nach einer Planung, die keine spontane Unentschlossenheit vorsah. „Du kannst trotzdem nur ein Gericht gleichzeitig essen“, bemerkte Briemma. Carlexander nannte das eine unnötig frühe Einschränkung.

Den weitesten Überblick lieferte schließlich der Kapitänsblick auf den Hafen. Vorne verlief eine Brücke, dahinter lagen mehrere Schiffe, moderne Gebäude und die Küste von Barcelona. Aus dieser Perspektive wirkte der Hafen zugleich dicht belegt und präzise organisiert, also ungefähr so, wie Carlexander seine Reiseunterlagen gern gesehen hätte. Nur das Wasser hielt sich nicht an Tabellen. Briemma stand ruhig neben ihm und betrachtete die Stadtlandschaft, während der Hafen seine Bewegungen ohne jede Rücksprache fortsetzte.

Beim Abendessen in der X Coast begann die Bildfolge ausgerechnet mit Schokolade. Am Dessertbuffet lagen eine quadratische Tafel und eine längliche Schokoladenkreation auf getrennten Tellern; weitere Gerichte waren im Hintergrund zu erkennen. Kurz darauf wurde die Reihenfolge wieder konventioneller: Auf dem Holztisch stand ein Metallschälchen mit verschiedenen Brotteilen, daneben Besteck, Butterdöschen und die stille Gewissheit, dass Brot jede anspruchsvolle Menüdramaturgie zuverlässig erdet.

Auf einem dunklen Teller folgte cremiger Fisch, umgeben von dünnen gelben Kartoffelscheiben und feinen Garnituren aus gehobelten Karotten und kleinen Blütenblättern. Ein Blick in die Kochszene zeigte dunkle Brühe mit kleinen Gemüsewürfeln, darunter Karotte; Luftblasen bewegten die Oberfläche. Danach kamen Käsebällchen in roter Sauce auf einer Schicht Reis mit gelben und orangefarbenen Gemüsestücken. Carlexander betrachtete die Abfolge aufmerksam. Briemma nannte es vorsorglich „Essen“ und verhinderte damit eine ausführliche Systemanalyse.

Das Wiener Schnitzel erhielt gleich zwei Perspektiven, was bei seiner Größe nicht unangemessen war. Zunächst lag die dünne, knusprige Platte auf einem grauen Teller, begleitet von Zitronenscheibe, frischen Kräutern, rotem Chutney und einer cremigen Sauce. Die nähere Ansicht zeigte noch einmal die goldbraune Kruste und das angeschnittene, cremige Innere. Hier verzichtete Carlexander auf Kommentare zur Präsentation. Es gibt Gerichte, bei denen analytische Zurückhaltung als besondere Form des Respekts gelten darf.

Auf dem Tisch standen später Weingläser zwischen Brot und Butterdosen, während die ruhige Gestaltung des Restaurants den Blick nicht vom Wesentlichen abzulenken versuchte. „Jetzt kommt dein Fachgebiet“, sagte Briemma. Carlexander korrigierte sie nicht. Zum Abschluss wurde Käsekuchen mit Schokoladenüberzug und Puderzucker serviert, dazu drei Schalen Erdbeersauce. Ein Stück ruhte bereits auf dem Löffel, womit die Diskussion über eine angemessene Verteilung praktisch beendet war.

Der Abend fand seinen ruhigen Schlusspunkt in der Lounge. Sessel und Sofas in warmen Farbtönen standen um niedrige Tische, große Fenster öffneten den Blick auf das Meer. Nach Schiffen, Hafenlinien, Menüentscheidungen und mehreren sorgfältig angerichteten Tellern war das eine wohltuend einfache Anordnung. Carlexander sah hinaus, Briemma nahm neben ihm Platz. Barcelona blieb jenseits der Scheiben als Hafenlandschaft präsent, und für diesen Tag genügte es, einmal nichts weiter sortieren zu müssen.

2025-04-14 – Tag 7: Plaça d’Espanya mit Architektur und Passanten

Reiseepisode

2025-04-14 – Tag 7: Plaça d'Espanya mit Architektur und Passanten

Tag 7 · 2025-04-14 · Barcelona

Barcelona begann an diesem siebten Reisetag nicht mit einer vorsichtigen Annäherung, sondern mit der Plaça d’Espanya in voller städtischer Betriebslautstärke. Passanten überquerten den Platz, Motorräder zogen vorbei, ein Taxi ordnete sich in den Verkehr ein, und zwischen moderneren Bürogebäuden behauptete sich die markante Architektur. Dahinter lag eine bewaldete Hügellandschaft, als hätte die Stadt vorsorglich einen ruhigeren Hintergrund bestellt. Carlexander sah über seine rote Brille hinweg. „Übersichtlich“, sagte er. Briemma betrachtete den Verkehr. „Für Barcelona vermutlich.“

Die Brunnenanlage mit ihren Säulen und Skulpturen wirkte deutlich repräsentativer, als es der Verkehr ringsum vermuten ließ. Lampen, Figuren und steinerne Details standen vor modernen Gebäuden, die sich mit sachlicher Zurückhaltung im Hintergrund hielten. Der Kontrast funktionierte erstaunlich gut: vorne historische Geste, hinten Gegenwart mit Fensterraster. Carlexander versuchte kurz, Blickachsen und Baustile innerlich zu sortieren. Der Platz zeigte keinerlei Interesse daran, sich auf nur eine Epoche festlegen zu lassen.

Auf dem weiteren Weg folgten historische Fassaden wie eine lose, aber sehr überzeugende Argumentationskette. Ein großes Gebäude zeigte Bogenfenster und ein Wappen über dem Eingang, während Menschen vorbeigingen und ein Auto die Straße passierte. Wenig später stand ein reich verziertes Gebäude mit markantem Turm zwischen Bäumen, gepflasterten Wegen und laufenden Passanten; ein Motorrad ergänzte die Szene um den üblichen Hinweis, dass Architektur in Barcelona selten ohne Verkehr betrachtet werden kann.

Alte Bäume verdeckten anschließend Teile eines weiteren Gebäudes mit Säulen, Balkonen und hohen Fenstern. Das war keine Störung, sondern eine brauchbare Erinnerung daran, dass eine Stadtansicht nicht verpflichtet ist, sich vollständig freizuräumen. Beim Casa Batlló änderte sich die Sprache der Fassade ohnehin: farbige Elemente, das charakteristische Dach und die ungewöhnlichen Formen zogen die Blicke der Besucher an. Sitzbänke und Pflanzenkübel gaben der Besichtigung etwas Alltägliches. „Das Gebäude hat keinen geraden Gedanken“, sagte Carlexander. „Dann versteht ihr euch“, erwiderte Briemma.

Danach wurde Barcelona kleiner, bunter und deutlich weniger ehrfürchtig. Auf einer Garagentür fuhr ein rotes Vintage-Auto als Wandgemälde durch eine gemalte Stadtlandschaft, ohne Benzin, Parkplatzsuche oder realistische Wartungskosten. Sonnenlicht fiel durch die Türöffnung und gab dem Motiv beinahe mehr Beweglichkeit, als ein stehendes Bild beanspruchen dürfte. Gleich daneben spielte eine blau-rosa Krabbenfigur mit großen Augen eine gelbe Gitarre auf einer braunen Tür, umgeben von Wellenlinien in Blau und Weiß. Die Stadt beherrschte offenbar auch die Abteilung für unerwartete Nebenmotive.

Der nächste Blick führte steil nach oben zur Sagrada Família. Aus der niedrigen Perspektive wirkten die drei sichtbaren Türme und die dicht gearbeiteten Fassadenelemente noch entschlossener, während der blaue Himmel mit wenigen Wolken einen ungewöhnlich aufgeräumten Hintergrund lieferte. Carlexander legte den Kopf zurück, bis seine müde Würde ergonomische Grenzen erreichte. „Das ist viel Architektur auf einmal.“ Briemma blieb pragmatisch. „Du musst sie nicht bis heute Abend vollständig verstehen.“

Im Souvenirshop stand dieselbe Idee schließlich im Kleinformat: ein detailliertes Modell der Sagrada Família mit ihren charakteristischen Türmen und Zinnen, umgeben von weiteren Souvenirs. Das Modell machte das Bauwerk handhabbarer, aber nicht unbedingt einfacher. Carlexander betrachtete die Miniatur mit jener Aufmerksamkeit, die er sonst Reiseplänen widmete. Briemma setzte ihren Gehstock ruhig auf. „Nein“, sagte sie. Mehr Planung war an dieser Stelle nicht erforderlich.

Die folgende Rundfahrt legte ihre Eindrücke nicht kleinlich nach Tageszeit ab, sondern spannte einen größeren Bogen durch Barcelona. Am Hafen lag ein großes Kreuzfahrtschiff vor Skyline und Wasserturm, während der Sonnenuntergang sanfte Wolken über das Wasser zog. Auch die Viking Jupiter war am Kai zu sehen, eingerahmt von modernen Stadtgebäuden. Zwischen Schiffsrümpfen, Kaimauern und Stadtansicht wurde deutlich, wie eng Barcelona Hafen und Häuser zusammenführt. Carlexander sah darin ein brauchbares System. Briemma nannte es schlicht eine Aussicht.

Vom Hafen wechselte der Blick wieder zu Stein, Grün und städtischen Kontrasten. Ein klassisches Gebäude zeigte ein markantes Eingangstor, reiche Verzierungen und Säulen; davor setzte eine moderne Skulptur einen betont anderen Akzent. Aus einem Park öffnete sich anschließend der Blick zwischen Bäumen mit spärlicher Blätterkrone auf moderne Hochhäuser. Ein weiterer Parkausschnitt brachte einen zentralen Brunnen, grünen Rasen und gepflegte Hecken ins Bild, während im Hintergrund ein blauer Wagen auf der Straße unterwegs war.

An einer Kreuzung stand das backsteinerne Gebäude mit der Aufschrift „Crivellorum“ unter blauem Himmel und weißen Wolken. Die Straße war fast leer, nur ein Passant ging vorbei; Verkehrszeichen und Lampenmast übernahmen den übrigen Dienst. Kurz darauf zeigte der Blick aus dem Busfenster die Arenas Barcelona hinter einer Baustelle mit Kränen, Bagger und Absperrungen. Moderne Hochhäuser standen dahinter und warteten offenbar geduldig auf den Abschluss der Arbeiten. „Barcelona baut an der Aussicht“, sagte Carlexander. „Immerhin ohne deinen Ablaufplan“, meinte Briemma.

Die Rundfahrt setzte das Wechselspiel aus Fassaden und Bäumen fort. Ein historisches Gebäude mit gotischen Fenstern stand ruhig zwischen alten Bäumen und geparkten Autos. Eine breitere Stadtstraße ordnete Grünflächen, Radweg, Parkstreifen und Verkehrsinsel beinahe mustergültig, während im Hintergrund erneut ein markantes historisches Gebäude erschien. Beim klassischen Theater mit seinen zwei Türmen und dem prächtigen Fassadenornament nahmen große Bäume einen Teil der Sicht ein. Barcelona zeigte seine Architektur nicht wie in einem Katalog, sondern portionsweise zwischen Ästen, Straßen und Bewegung.

Dann tauchte das rote Auto erneut auf, diesmal als frontal gemalter Mini-Cooper mit dem Kennzeichen „BEROK“ auf einer Wand. Von dieser urbanen Kunst führte die Bildfolge zurück zur Sagrada Família, nun mit sichtbaren Kränen und deutlichen Baustellenspuren. Ein weiterer Blick fing das Bauwerk als Spiegelung im klaren Wasser eines Teiches ein, umgeben von Bäumen und gepflegten Pflanzen. Schließlich ragten die Türme wieder direkt in den blauen Himmel. Selbst die Spiegelung konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier weiterhin gebaut wurde – eine bemerkenswert dauerhafte Form städtischer Zuversicht.

Am Arc de Triomf sammelte sich die Stadt noch einmal sichtbar um ein einzelnes Bauwerk. Unter klarem Himmel gingen zahlreiche Menschen über die breite Straße und zwischen den Lampenpfosten und Bäumen hindurch. Der Triumphbogen stand im Mittelpunkt, doch die Passanten machten aus dem Monument wieder einen benutzten Ort. Carlexander beobachtete die Menge mit kontrollierter Distanz. Briemma bewegte sich ruhig weiter. „Alle wollen dasselbe Foto“, stellte er fest. „Dann solltest du dich beeilen, bevor es knapp wird.“

Auf der nächsten Straße übernahmen Motorräder und Autos wieder die Bewegung, während ein historisches Gebäude hinter den Bäumen den architektonischen Hintergrund stellte. Danach erschien auf einem gepflasterten Platz eine moderne, röhrenförmige Struktur zwischen Bäumen und weiteren Gebäuden. Nach Türmen, Bögen, Skulpturen und Fassaden wirkte die Röhre beinahe sachlich, obwohl auch sie deutlich fotografiert werden wollte. Barcelona blieb damit konsequent: Selbst das Moderne bekam genug Raum, um neben dem Historischen nicht wie eine nachträgliche Fußnote auszusehen.

Am Ende dieses Abschnitts war die Stadt keineswegs erklärt, aber brauchbar umrundet. Die Plaça d’Espanya hatte den Auftakt mit Verkehr, Passanten und großer Geste geliefert; danach folgten Brunnen, Fassaden, Wandbilder, Baustellen, Parks und immer neue Perspektiven auf bekannte Bauwerke. Carlexander hätte das Material gern geordnet, gewichtet und vermutlich farblich markiert. Briemma setzte ihren Gehstock auf das Pflaster und ersparte ihm die Mühe. Barcelona funktionierte auch ohne abschließende Systematik – vermutlich sogar besser.

2025-04-14 – Tag 7: Klassisches Wohnhaus mit Balkonen

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2025-04-14 – Tag 7: Klassisches Wohnhaus mit Balkonen

Tag 7 · 2025-04-14 · Barcelona

Barcelona setzte den Rundgang dort fort, wo Carlexanders Ordnungssinn längst den Anschluss verloren hatte. Vor ihnen stand ein mehrstöckiges Wohnhaus mit weißer Fassade, rosa Akzenten und schmiedeeisernen Balkonen; manche Fenster waren geöffnet, andere geschlossen. Carlexander rückte seine rote Brille zurecht und betrachtete die feinen Gitterwerke wie ein System, dessen Regeln nur den Bewohnern bekannt waren. Briemma stellte ihren Gehstock ruhig auf das Pflaster. „Du musst nicht jeden Balkon verwalten.“ Gleich danach zog eine gotische Kirche mit Rosettenfenster, Skulpturen und schlanken Türmen den Blick nach oben.

Die Stadt wechselte ihre Maßstäbe ohne Vorwarnung. Auf die steinerne Kirchenfassade folgte eine Metzgereivitrine mit unterschiedlich gebratenen, geschnetzelten Fleischstücken, von heller Oberfläche bis zur dunklen Kruste. Carlexander nahm diesen Übergang mit müder Würde hin; Barcelona hielt offenbar wenig von thematisch sauberen Kapiteln. Wenig später stand wieder eine gotische Kathedrale im Blickfeld, mit markantem Turm, Straßenlaterne, Verkehrssignal, Zeitungskiosk und Bäumen. Menschen gingen vorüber, während über dem Stein ein klarer blauer Himmel mit einigen Wolken lag.

Vor einem historischen Gebäude mit Steinmauern und Balkonen schwebten Seifenblasen durch den Vordergrund. Menschen waren am unteren Bildrand zu sehen, doch für einen Moment beanspruchten die glänzenden Kugeln die gesamte Aufmerksamkeit. Carlexander sah ihnen nach, als erwartete er eine nachvollziehbare Flugbahn. „Lass es“, sagte Briemma. „Sie haben keinen Ablaufplan.“ Hinter dieser kleinen, beweglichen Unordnung warteten bereits die schmalen Gassen Barcelonas, historische Fassaden und ein überdachter Gang, der den Weg optisch noch enger zusammenzog.

Die nächste Straße öffnete sich wieder etwas und zeigte mehrstöckige Steinbauten mit Balkonen, Fenstern und antik wirkenden Laternen an Metallgestellen. Menschen gingen ruhig hindurch, während Carlexander und Briemma dem Verlauf der Altstadt folgten. Danach wurde die Passage erneut schmal: alte Steinbauten standen zu beiden Seiten, ein leerer Bürgersteig traf auf eine Fußgängerzone, dazu kamen ein Fahrradverbotsschild und Graffiti. Die als neblig beschriebene Ansicht wirkte weniger wie eine große Sehenswürdigkeit als wie jener Zwischenraum, in dem eine Stadt ihren Alltag ohne besondere Erklärung fortsetzt.

Ein klassischer Brunnen mit mehreren Skulpturen stand vor einem großen historischen Gebäude mit Balkonen und Säulen. Die Szene wirkte ruhig, doch der weitere Weg verdichtete sich rasch wieder zu hohen Wohnfassaden in Beige und Grau. Geschlossene Fenster und Jalousien wechselten einander ab; Kabel zogen sich an den Häusern entlang, aus einzelnen Fenstern hingen Pflanzen. Briemma ging gleichmäßig weiter, den eleganten Gehstock sicher gesetzt. Carlexander sah nach oben und stellte fest, dass selbst die Leitungen in diesen Gassen mehr Ortskenntnis besaßen als er.

Eine gotische Kirchenfassade aus Backstein brachte mit ihren großen Buntglasfenstern und der symmetrischen Anordnung kurzzeitig wieder Ordnung in die Ansicht. Gleich daneben erinnerte der Fleischladen mit seinem Schaufenster daran, dass Altstadtgeschichte auch aus sehr gegenwärtigem Appetit besteht. Schinken und Wurstwaren hingen an der Rückwand, über dem Eingang stand „MESTRE XARCUTER“. Danach führte der Weg durch eine Gasse mit Steinwänden, Holzbalkendecken, Graffiti und einem roten Tor. Ein Mann ging hindurch; im Hintergrund erschienen erneut alte Gebäude und Balkone.

Ein großes historisches Gebäude mit mehreren Stockwerken dominierte anschließend die belebte Stadtmitte, während Passanten an Straßenlaternen und weiteren Fassaden vorbeizogen. Vor einer gotischen Kirche stand eine Reiterstatue; über dem klaren blauen Himmel flog ein Vogel am oberen Bildrand vorbei. Die nächste enge Straße lag zwischen steinernen Gebäuden, und das Sonnenlicht warf deutliche Schatten auf den Weg. Menschen gingen ruhig weiter. Carlexander betrachtete die Abfolge aus Gasse, Platz und Monument. „Jetzt ergibt es fast ein Muster.“ Briemma hob nur leicht den Blick. „Das wird vorbeigehen.“

Vor der detaillierten Kathedralfassade sammelten sich zahlreiche Menschen, einige gingen durch den Eingang hinein oder kamen heraus. Eine weitere Perspektive zeigte markante Türme, spitze Dächer, gotische Fenster und Skulpturen unter bewölktem Himmel. Danach folgten Bronzefiguren an einer klassizistischen Fassade und eine Bronzetafel an einer Steinwand, in die Namen zum Gedenken an jene eingraviert waren, die ihr Leben für Gott, Vaterland und König geopfert hatten. Den Abschluss dieses Rundgangs bildete ein großes Gebäude mit Säulen, Fenstern sowie spanischen und katalanischen Flaggen auf dem Dach, während Menschen davor unterwegs waren oder in Gruppen standen.

Nach den engen Gassen bekam die Stadtlandschaft plötzlich wieder Weite. Ein markanter Turm trug die Seilbahn über das Umfeld, Palmen standen davor, und der klare Himmel ließ die Konstruktion deutlich hervortreten. Die Kabinen bewegten sich oberhalb der architektonischen Strukturen, während Carlexander ihren Weg mit jener Konzentration verfolgte, die er sonst für Fahrpläne reservierte. Hier genügte allerdings ein Blick nach oben: Der Verlauf war sichtbar, das Ziel blieb außerhalb des Bildes.

Briemma blieb neben ihm stehen und stützte sich auf ihren Gehstock. „Eine Strecke, zwei Richtungen, keine Diskussion“, sagte sie. Carlexander nickte anerkennend. Die Seilbahn hatte in wenigen Sekunden geschafft, woran Barcelona den ganzen Rundgang über kein Interesse gezeigt hatte: eine klar erkennbare Linie. Dann wandten sie sich wieder dem Weg zum Hafen zu, ohne daraus eine größere organisatorische Erkenntnis abzuleiten. Für einen Reisetag war bereits ausreichend analysiert worden.

Palmengestützte Seilbahn Tower

Die Bildfolge auf dem Weg zurück an Bord begann mit einem irritierenden Einschub: In einer als Flughafenhalle erfassten Szene bereitete ein Barista Ananaswasser vor. Leere Gläser standen ordentlich gestapelt auf einem Tisch, während eine große Karaffe gefüllt wurde. Carlexander hätte diese unerwartete Station gern sauber eingeordnet, doch Briemma ersparte ihm die Arbeit mit einem knappen „Weiter“. Der nächste Blick passte wieder eindeutig zur Route: Im Hafen von Barcelona lag ein großes Kreuzfahrtschiff zwischen weiteren Schiffen und Anlegestellen, dahinter zeichneten sich Gebäude der Stadt ab.

An Bord verlagerte sich die Aufmerksamkeit auf eine italienische Speisekarte mit Vorspeisen, Suppen, Pasta, Pizza, Gemüsegerichten und Desserts samt Preisen in Euro. Die Auswahl war umfangreich genug, um Carlexanders Entscheidungsfreude ernsthaft zu prüfen. Zuerst erschien cremiger Käse auf einem weißen Teller, umgeben von dunklem Sirup und begleitet von einem Cracker. Danach folgte eine cremige Tomatensuppe in weißer Schale, mit Kräutern bestreut; auf dem Unterteller lag ein Teelöffel. Briemma wartete ruhig, während Carlexander noch so tat, als folge die Bestellung einer Strategie.

Die weiteren Teller widersprachen jeder Absicht zur Zurückhaltung. Ein üppiger Blattsalat wurde von fein geschnittenem Schinken und Rucola begleitet, ein zweiter Rucolasalat von Lachsscheiben, Parmesan, Kapern, Oliven und cremiger Sauce. Darauf folgte eine goldbraun gebackene Pizza mit Tomatensoße, Mozzarella, schwarzen Oliven und Kapern. Schließlich stand eine Schüssel gerippter Pasta in cremiger Sauce bereit, ergänzt durch frischen Spinat und reichlich Parmesan. „Das ist keine Planung mehr“, sagte Briemma. Carlexander sah auf die Speisen. „Es ist eine belastbare Auswahl.“

Zum Schluss weitete sich die Auswahl noch einmal aus: Obst lag in Körben und Schalen, daneben standen Kuchen auf Tellern. Weitere Bereiche zeigten Desserts in Gläsern sowie Bananen, Ananas und Äpfel, ordentlich und einladend präsentiert. Eine Kühlschrankvitrine bot schließlich Eiscreme an, darunter Schoko, KiBa und Quark; ein Mitarbeiter war dahinter zu sehen. Nach Balkonen, Kirchen, Gassen, Monumenten und Hafen endete der Tag damit in einer Form von Vielfalt, die Carlexander nicht mehr sortieren musste. Briemma wählte pragmatisch, und Barcelona blieb draußen ebenso unabschließend, wie es sich den ganzen Rundgang über gezeigt hatte.