2025-04-15 – Tag 8: Kaffee und Gebäck zum Frühstück

Reiseepisode

2025-04-15 – Tag 8: Kaffee und Gebäck zum Frühstück

Tag 8 · 2025-04-15 · Valencia

Valencia begann für Carlexander mit einem Espresso vor Containerterminals und Lagerhäusern. Das Glas stand gegen den bewölkten Himmel, dahinter lag der Hafen in jener ruhigen Betriebsamkeit, die aus der Entfernung fast erholsam wirkt. Carlexander betrachtete den Kaffee mit müder Würde. Für ein Frühstück war er übersichtlich, für eine erste Lagebesprechung jedoch vollkommen ausreichend.

Am Kai lag die Mein Schiff Relax, groß genug, um zwischen Hafenanlagen und modernen Gebäuden mit Balkonen kaum übersehen zu werden. Briemma hielt ihren eleganten Gehstock neben sich und sah erst zum Schiff, dann zum Espresso. „Und das Gebäck?“ fragte sie. „Noch in der Planungsphase“, sagte Carlexander. Damit war der organisatorische Zustand des Morgens präzise beschrieben.

Vom Hafen führte der Blick in das Stadtzentrum, wo Valencia seine Fassaden nicht in einer einheitlichen Reihenfolge präsentierte. Zuerst fiel ein klassisches weißes Gebäude mit einem reich verzierten Holzbalkon und einer ebenso sorgfältig gerahmten Fensterpartie auf. Carlexander blieb kurz stehen. Solche Balkone wirkten, als hätten sie schon lange vor der heutigen Reise beschlossen, der Straße eine gewisse Form zu geben.

Die Plaza de Toros erschien unter bewölktem Himmel deutlich nüchterner. Bauhindernisse standen im Vordergrund, während Menschen an der Straßenkreuzung und am Gebäude vorbeigingen. Dahinter wartete bereits die gelbe Fassade der Estació del Nord mit ihrem großen Uhrenturm; Baugerüste, Verkehrszeichen und wartende Passanten verhinderten zuverlässig jede Ansichtskartenruhe. Briemma nannte das „eine Stadt bei der Arbeit“.

Wenig später bestimmten Sandstein, eine dunkle Tür und ein markanter Turm den Weg. Vor dem historischen Gebäude stand ein Mann auf der Straße, klein im Verhältnis zur Fassade. Carlexander sah nach oben und korrigierte unauffällig die rote Brille. Türme verlangen diese Bewegung, obwohl sie keinerlei Rücksicht auf Nacken oder Reiseplanung nehmen.

An der gotischen Kathedrale wurde es belebter. Menschen gingen über den Platz, andere blieben stehen und betrachteten Turm und Architektur. Lampenpfosten gliederten die Szene, ohne ihr wirklich Ordnung aufzuzwingen. „Du könntest auch einfach schauen“, sagte Briemma. Carlexander nickte und schaute weiter, nun offiziell ohne Analyse.

Die weitere Bewegung durch Valencia wirkte wie eine schnelle Folge städtischer Gegenentwürfe. Hinter einem Metallzaun stand ein großes verlassenes Backsteingebäude; davor reihten sich weiße Pflanzkübel mit grünen Sträuchern auf. Eine Person in heller Jacke ging daran vorbei. Die Kübel gaben sich gepflegt, das Gebäude hielt sich aus dieser Entwicklung offenbar heraus.

Danach übernahm eine auffällige Metallskulptur das Bild. Bürogebäude, geparkte Autos, Straßenlaternen und der Verkehr bildeten den sachlichen Hintergrund für eine Form, die keine Erklärung mitlieferte. Carlexander betrachtete sie länger als geplant. „Du suchst eine Gebrauchsanweisung“, bemerkte Briemma. „Nur eine belastbare Zuständigkeit“, sagte er.

An der breiten Straße folgte ein futuristisches Gebäude mit charakteristischer Dachform, begleitet von Beton, Straßenlaternen und mehrstöckigen Wohnhäusern unter klarem blauem Himmel. Kurz darauf wechselte die Stadt wieder ins klassische Fach: Ein mächtiger roter Backsteinbau mit vielen Fenstern, teilweise geschlossenen Rollos, stand hinter einer gepflegten Hecke. Parkplätze lagen davor, als müsse selbst monumentale Architektur irgendwo ihre Alltagsseite unterbringen.

Der markante Turm einer großen Markthalle kündigte schließlich den nächsten Schwerpunkt an. Motorräder standen davor, Menschen gingen oder saßen auf den Plätzen, und Pflanzenbehälter sowie Laternen rahmten das Geschehen. Auf einem weiteren belebten Platz bewegten sich Menschen zwischen Bänken, Schildern und einem historischen Gebäude mit großen Fenstern. Die Stadt war nun endgültig vom Vorbeifahren ins genauere Hinsehen übergegangen.

Vor dem Eingang eines historischen Gebäudes stand ein Bild auf einer Staffelei. Die kunstvoll gestaltete Fassade, die Tür und die Balkone mit schmiedeeisernen Geländern machten aus dem Eingang bereits eine kleine Ausstellung vor der Ausstellung. Carlexander blieb auf höflicher Betrachtungsdistanz. Briemma entschied mit einem kurzen Blick, dass die Fassade ihre eigene Konkurrenz problemlos aushielt.

Die steinerne Kathedrale mit reich verzierter Front, großem Portal, Fenstern und Hauptturm stand dagegen frei unter blauem Himmel mit wenigen Wolken. Von dort wurde der Weg schmaler. Gelbliche Fassaden rückten zusammen, Balkone und Fensterläden säumten die enge Gasse, und einige Pflanzen standen über dem Pfad. Briemmas Gehstock setzte auf dem Weg einen ruhigen Takt, dem Carlexander ohne Einwand folgte.

In den historischen Gassen trafen gotische Architektur und modernere Straßenränder ohne größere Zeremonie aufeinander. Ein Fahrrad, Schilder und Graffiti gehörten ebenso zum Blick wie das gotische Gebäude im Hintergrund. Valencia erklärte seine Zeitschichten nicht; es stellte sie nebeneinander und überließ den Rest den Vorbeigehenden. Das war Carlexander sympathisch, weil es keine Rückfragen vorsah.

Die nächste gotische Kirche zeigte Maßwerkfenster und ein Wappen über der gepflasterten Straße, während Menschen an der Fassade vorbeigingen. Kurz darauf stand ein weiteres großes Kirchengebäude unter klarem blauem Himmel. Sein Rundfenster, die Backsteinfassade, Säulen und Pilaster wirkten strenger als das bewegte Straßenbild davor. Briemma sah hinauf und sagte: „Immerhin ohne Gerüst.“ Carlexander wertete das als seltene städtebauliche Entlastung.

Vor einer gotischen Fassade standen Orangenbäume mit reifen Früchten, dahinter sammelten sich Menschen zur Besichtigung. Das kräftige Orange setzte einen einfachen, beinahe unverschämt wirksamen Kontrast zum historischen Stein. Carlexander verzichtete auf eine Deutung. Nach mehreren Türmen, Fenstern und Fassaden war die bloße Feststellung, dass Orangen gut sichtbar waren, angenehm ausreichend.

Auf einem gepflasterten Platz setzte sich das historische Stadtbild fort. Eine große Kirche stand im Vordergrund, Menschen gingen vorbei, und zwischen den weiteren Gebäuden waren Palmen zu sehen. Die Bewegung führte nun in Richtung Markt, wo Architektur nicht nur betrachtet, sondern von Stimmen, Waren und täglichen Wegen in Anspruch genommen wurde. Der Vormittag bekam damit einen praktischeren Ton.

Die Gebäckfrage des Frühstücks beantwortete sich verspätet, aber überzeugend: Hinter Glas lagen Churros im siedenden Öl, umgeben von Mehlspuren und Krümeln. Carlexander sah dem Braten mit ernster Aufmerksamkeit zu. „Planungsphase abgeschlossen?“ fragte Briemma. „Mit erheblicher Verzögerung“, sagte er. Sie ließ diese Formulierung gelten, weil das Ergebnis wichtiger aussah als der Prozess.

In der Markthalle folgten Nüsse und Trockenfrüchte, sorgfältig an einem betreuten Stand angeboten, während Kunden schauten und einkauften. Daneben wechselten Fleischwaren, Obst und Gemüse einander ab. Menschen gingen durch die Gänge, Händler arbeiteten an ihren Ständen, und über allem lagen Metallträger und Holzplatten des historischen Hallendachs. Selbst der hexagonal gemusterte Boden trug seinen Teil zur geordneten Geschäftigkeit bei.

Weitere Gänge zeigten Obstschalen, Gemüseboxen und Fleischwarenregale unter den Metallkonstruktionen. Schilder begleiteten das Angebot, Kunden prüften Waren, Verkäufer bedienten sie. Schließlich stand ein umfangreiches Sortiment aus Schinken, Würsten und rohem Fleisch mit Preisschildern in den Auslagen. Briemma ging ruhig voraus; Carlexander folgte und musste einsehen, dass dieser Markt auch ohne seinen Kontrollreflex funktionierte.

Unter dem historischen Dach begann der Fischbereich mit langen Reihen von Frischfischständen. Durch große Fenster fiel natürliches Licht auf die Auslagen, während Menschen zwischen den Ständen gingen und das Angebot betrachteten. Die Metallkonstruktion über ihnen gab der Halle eine klare Linie; darunter blieb alles in Bewegung. Der Markt war kein Schauraum, sondern ein Arbeitsort mit sehr ansehnlichen Ergebnissen.

Garnelen und Krabben lagen auf Eis, versehen mit spanischen Preisschildern. Gleich daneben wurde das Sortiment größer: Hummer, Krabben, Muscheln und weitere Garnelen füllten einen Eisblock. Carlexander las die Preise mit dem konzentrierten Ausdruck eines Katers, der eine Entscheidung vorbereitete. Briemma betrachtete derweil die Ware. Ihre Methode war erkennbar näher am eigentlichen Gegenstand.

Auf einem Metalltisch lagen Hummer, Garnelen und Krabben; daneben war das Schild „BUEY DE MAR Y RIO“ zu sehen. Die Auslagen wechselten von Stand zu Stand nur in den Einzelheiten, doch gerade diese Einzelheiten hielten den Blick fest. Eis, Schalen, Preisschilder und die sorgfältige Anordnung machten aus der Fülle keine Unordnung, sondern eine sehr direkte Form von Auswahl.

Bei Austern und Seeigeln auf Eis verlangsamte sich der Rundgang. Im Hintergrund setzten sich die weiteren Meeresfrüchtestände fort, doch hier wurde aus dem allgemeinen Marktbesuch eine konkrete Möglichkeit. Carlexander sah zu Briemma. „Das ist vermutlich keine Planabweichung“, sagte er. „Nein“, antwortete sie, „das ist der Teil, für den man überhaupt plant.“

Am Ende wurden zwei frische Österrische Austern serviert, jeweils geöffnet und mit einer Zitronenscheibe versehen. Nach Hafen, Fassaden, Kirchen, Gassen und Markthalle war das ein bemerkenswert knapper Abschluss: zwei Schalen, zwei Zitronenstücke und keine weitere städtische Großform. Carlexander begrüßte diese Übersichtlichkeit ausdrücklich.

Briemma stellte ihren Gehstock ruhig neben sich und betrachtete die Austern. Der Tag hatte mit einem kleinen Espresso vor großen Hafenanlagen begonnen und endete in dieser Episode mit einer kleinen Portion aus einem großen Marktangebot. „Kaffee und Gebäck zum Frühstück“, sagte sie. „Und eine gewisse Ausweitung des Programms“, ergänzte Carlexander. Valencia hatte dafür genügend Material geliefert.

2025-04-16 – Tag 9: Kathedrale am Meer mit Bergen im Hintergrund

Reiseepisode

2025-04-16 – Tag 9: Kathedrale am Meer mit Bergen im Hintergrund

Tag 9 · 2025-04-16 · Palma de Mallorca

Am Hafen von Palma de Mallorca bekam der neunte Reisetag noch einmal eine großzügige Perspektive. Über dem Meer erhob sich die gotische Kathedrale, dahinter lagen die Berge unter blauem Himmel, während vorne ein Segelboot durch das Bild zog. Carlexander betrachtete die Abstufung aus Wasser, Architektur und Höhenzug mit der müden Würde eines Reisenden, der wusste, dass seine eigene Bildordnung später deutlich weniger souverän aussehen würde. „Das ist erfreulich eindeutig“, sagte er. Briemma hob nur leicht den Gehstock. „Warte das nächste Foto ab.“

Schon der zweite Blick verschob die Gewichte. Nun rückten Hafen und dichte Bebauung stärker ins Bild, die Kathedrale stand eingebunden in die Stadt, und über den Bergen lag ein bewölkter Himmel. Ein Segelboot und die Wasserlinie hielten immerhin die Verbindung zum ersten Motiv. Es war dieselbe Umgebung, aber keine Wiederholung: einmal große Kulisse am Meer, einmal historische Architektur als Teil eines dicht besetzten Stadtrands.

Carlexander versuchte kurz, beide Ansichten nach Licht, Blickwinkel und architektonischer Wirkung zu sortieren. Briemma ließ ihn gewähren, bis aus einem Reiseeindruck beinahe ein Ablagesystem geworden war. „Du könntest auch einfach hinschauen“, sagte sie. Das tat er dann. Die Kathedrale blieb stehen, die Berge ebenfalls, und der Hafen kam auch ohne seine methodische Unterstützung zurecht.

Der Übergang vom Hafen zum Essen war weniger feierlich, aber äußerst wirksam. Zuerst kam eine cremige Fischsuppe, sorgfältig mit Krabbenklüften und frischem Dill angerichtet. Der Teller wirkte präzise, ohne den Eindruck zu erwecken, man müsse vor dem ersten Löffel eine Bedienungsanleitung lesen. Nach Stein, Wasser und Bergen war das eine überschaubare Anordnung, und Carlexander begegnete ihr mit jener Konzentration, die bei ihm gelegentlich für kulturelles Interesse gehalten wurde.

Danach folgte das Lobster Dinner: Hummerzehen auf einem runden weißen Teller, daneben grünes Gemüse in einem kleinen Topf und eine gebackene Kartoffel in einer Schale. Im Hintergrund standen Wasser, Wein und Brot bereit. Carlexanders Blick blieb einen Moment am gefüllten Weinglas hängen. „Rein zur Einordnung“, sagte er. Briemma antwortete ruhig: „Natürlich. Flüssige Dokumentation.“ Damit war das Thema ausreichend gewürdigt.

Das nächste Gericht verzichtete ebenfalls auf Zurückhaltung. Ein Steak lag auf einem Oktopusarm, darunter cremiges Risotto; warme Farben und eine betont genaue Präsentation machten aus drei kräftigen Bestandteilen eine bemerkenswert geordnete Konstruktion. Carlexander betrachtete sie kurz von oben, als ließe sich klären, welcher Teil hier organisatorisch die Führung übernommen hatte. Briemma begann bereits zu essen. Pragmatismus ist auch deshalb effizient, weil er selten auf ein abschließendes Diagramm wartet.

Zum Schluss erschien ein Dessert auf einem großen Teller: Schokoladensoße, eine cremige Masse im Zentrum und dekorative Blätter und Kräuter ringsum. Glas, Löffel und Gabel hielten sich am Rand bereit, während die Anrichtung noch einmal zeigte, wie viel Präzision auf einer begrenzten Fläche möglich ist. Der Tag hatte damit den Weg von monumentaler Architektur zu sorgfältig gesetzten Dessertdetails genommen. Beides stand fest an seinem Platz; nur bei einem davon war vorgesehen, dass dieser Zustand nicht lange anhielt.

Später lag der Hafen unter einem dunkelblauen Nachthimmel. Die Promenade war beleuchtet, dahinter zeichneten Gebäude- und Straßenlichter das städtische Ufer nach; einzelne Sterne waren ebenfalls sichtbar. Nach den konzentrierten Tellern wirkte die Szene weiter und ruhiger, ohne leer zu sein. Carlexander und Briemma blickten über das Hafenbecken, während die Lichter eine Ordnung behaupteten, die tagsüber zwischen Wasserlinie, Bebauung und Verkehr weniger deutlich gewesen war.

Entlang der Küste setzte sich die beleuchtete Stadt fort. Ihre Spiegelungen standen auf dem ruhigen Wasser, bis ein vorbeifahrendes Boot Bewegung in die Fläche brachte. „Da geht deine Ordnung“, sagte Briemma. Carlexander sah dem Boot nach. „Sie war ohnehin nur vorläufig.“ Das war für seine Verhältnisse eine bemerkenswert entspannte Einschätzung und vermutlich der passende Zustand für einen Abend, an dem nichts mehr kategorisiert werden musste.

Im letzten Blick lagen zahlreiche Yachten still an ihren Anlegern. Über dem beleuchteten Hafenbecken erhob sich ein Hügel; darauf hob sich ein angestrahltes, historisch wirkendes Gebäude von der Dunkelheit ab, ohne dass es näher bestimmt werden musste. Straßen- und Gebäudelichter zogen sich durch die Umgebung, dahinter blieben die Berge als dunkle Begrenzung. So endete Palma nicht mit einer großen Erklärung, sondern mit Wasser, Licht und festgemachten Booten. Carlexander ließ es dabei bewenden. Briemma ebenfalls, was die Sache endgültig machte.

2025-04-16 – Tag 9: Mittag in Palma de Mallorca

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2025-04-16 – Tag 9: Mittag in Palma de Mallorca

Tag 9 · 2025-04-16 · Palma de Mallorca

Palma begann für Carlexander und Briemma mit jener Ansicht, die keinen weiteren Zuständigkeitsnachweis braucht: La Seu erhob sich hinter Steinmauer und Wassergraben, davor Promenaden, junge Bäume und Menschen, die gingen, saßen oder den Vormittag ohne erkennbare Eile verwalteten. Mit jedem Schritt wechselte die Kathedrale ihre Kontur; einmal dominierten Turm und gotisches Dach, dann der angrenzende Palast mit Arkaden und Zinnen. Auf der gepflasterten Promenade stand ein Tourist im weißen T-Shirt mit der Aufschrift „THE END“. „Das wäre früh“, sagte Briemma. Carlexander hielt es vorsichtshalber nur für eine textile Meinungsäußerung.

Hinter der großen Kulisse wurde Palma kleinteiliger. Ein klassisches Gebäude mit Säulen und Bögen bekam durch die Palme im Vordergrund beinahe Konkurrenz, während wenige Straßen weiter eine goldfarbene Bitcoin-Münze zwischen Anhänger und blau besetztem Ring in einer Schmuckauslage lag. Carlexander betrachtete die Kombination aus Kryptowährung und Schutzkapsel mit professioneller Skepsis. Gelbe Fassaden, Balkone und Fensterläden führten weiter durch die Altstadt; selbst ein Schild des Hard Rock Cafe Mallorca fügte sich dort ein, als hätte es einen historischen Antrag gestellt. Im Gewürzschaufenster hingen rote Chilis und Knoblauch über sauber gereihten Dosen.

Ein schwarz-weißes Wandgemälde zeigte einen Mann, umringt von drei Kindern, unmittelbar neben einem Straßenpfeiler voller Aufkleber. Kurz darauf lag die Basilika de Sant Miquel im Strom der Altstadtstraße, an der Menschen vorbeigingen, stehen blieben und miteinander sprachen. Palma hielt sakrale Steinarchitektur und Straßenbilder ohne Übergangsmoderation nebeneinander: Auf einem geschlossenen Metalltor erschien Tupac Shakur mit Tränenspur unter dem großen Schriftzug „TUPAC“. Wenig später versammelten sich Passanten mit Kameras um eine rostige Motorradstatue samt Figur. „Ein konsequenter Rundgang“, sagte Briemma. „Nur das Thema wechselt alle dreißig Meter.“

Zwischendurch öffnete sich die Stadt wieder zum Hafen. Über dem Meer lag Palma als breite Häuserfläche, aus der La Seu deutlich herausragte; ein alter Steinturm stand zwischen Palmen und modernen Gebäuden unter inzwischen bewölktem Himmel. Im Hafen lagen ein großes Kreuzfahrtschiff und ein kleineres Schiff ruhig am Anleger. Danach führte der Weg erneut an schweren Steinbauten vorbei, begleitet von Besuchern und erhobenen Mobiltelefonen. Die reich verzierte Kathedralfassade mit Rosettenfenster, Skulpturen, Säulen und Portal verlangte einen längeren Blick, bevor eine enge Gasse aus Sandsteinfassaden, Balkonen und Fensterläden das Blickfeld wieder auf Fußgängermaß reduzierte.

Vor einem gotischen Gebäude wehten drei Flaggen zwischen Säulen und Zinnen; am sonnigen Rathaus gingen Menschen vorbei oder saßen auf den Stufen. Gleich danach zeigte ein Haus im Stil des Modernisme farbige Mosaiken und kunstvolle Balkone, mit einem historischen Lampenpfosten davor. Palma wirkte hier nicht wie eine ordentlich sortierte Epoche, sondern wie ein gut belegtes Archiv, in dem jede Straße eine andere Mappe öffnete. Am Ende dieses Abschnitts hingen erneut getrocknete Chilis an Holzleisten, diesmal mit kleinen Papieretiketten. Carlexander sah darin ein verlässliches Leitsystem. Briemma sah darin Gewürze. Beides brachte sie zur Markthalle.

Vor dem Markt lag noch ein Kircheninneres auf dem Weg: gewölbte Decke, Fresken, Holzaltäre und ein prächtiger Altar, flankiert von Christusfiguren und betrachtet von Besuchern. Danach änderte sich die Form der Andacht merklich. Geräucherte Schinkenhälften hingen an Metallbügeln über einem Schild mit der Aufschrift „Ecologico“, während eine lange Theke Sushi-Rollen, Nigiri und weitere japanische Speisen zeigte; zwei Personen arbeiteten dahinter an der Zubereitung. Gleich daneben lagen Garnelen, Krabben und Tintenfische auf Eis, versehen mit roten Preisschildern. Palma hatte den Übergang vom Altar zur Auslage erstaunlich nüchtern organisiert.

Die Fleischstände folgten mit verschiedenen Zuschnitten, Schildern und Kundschaft, die entweder kaufte oder prüfend betrachtete. Geräucherte Würste hingen an Haken über einer gefüllten Vitrine, während an einem anderen Stand Käse im Vordergrund und ein großes Stück Schinken auf einem Holzbrett lagen. Carlexander versuchte kurz, das Angebot nach Produktgruppen zu erfassen. „Du musst hier nichts inventarisieren“, sagte Briemma. Also gingen sie weiter zu mallorquinischen Oliven, die offen am Stand angeboten wurden, und zu einem Olivenladen, in dessen Schaufenster verschiedene Sorten und Snacks lagen, während eine Mitarbeiterin hinter der Theke stand.

Im Fischbereich wurde die Markthalle lauter und unmittelbarer. Große Tintenfische, Muscheln und Krabben lagen auf Eis; Kunden und Verkäufer sprachen über die Auslagen hinweg, andere Besucher zogen mit Einkaufskörben durch die Gänge. Dazwischen stand eine Bäckereivitrine voller Torten, Brötchen, Kekse und weiterem Gebäck, jedes Stück mit sichtbarem Preis versehen. Dann wieder Fisch: ein Thunfischkopf im Eisbehälter, dahinter weitere Fischteile und Kräuter, anschließend zwei große Fische auf einem Eisblock, die Mäuler geöffnet. Briemma betrachtete sie kurz. „Die wirken ähnlich überrascht wie du.“ Carlexander widersprach nicht.

Das Austernmenü brachte wieder Ordnung in die Sache. Fine de Claire, Speciale de Claire und Galician standen mit Preisen auf dem Blatt, ergänzt durch Varianten mit Flamme, Shiso-Mango-Vinaigrette sowie Maracuja, grünem Anis und rosa Pfeffer. Auf dem roten Tisch lagen die geöffneten Austern mit Zitronenscheiben; daneben standen ein Glas Wein und eine Flasche Sauce. Ein weiterer Blick zeigte den Teller noch einmal aus der Nähe, bevor ein Kühlschrank mit frischen Austern und Champagnerflaschen unter dem Schriftzug „HUITRES AIME“ die Produktkette vollständig machte. Carlexander nannte das Informationsbeschaffung. Briemma nannte es Mittagessen.

Der Rückblick auf das Frühstück wirkte dagegen beinahe diszipliniert: Croissant mit Butter, dazu Erdbeeren, Ananas, Kiwi, Drachenfrucht und Rambutan. „So lob ich mir das Frühstück“, sagte Carlexander mit der müden Würde eines Katers, der wenige Stunden später vor Austernkarten stand. Weil am Wechseltag der Passagiere die Decks sehr voll waren, hatten Carlexander und Briemma den ruhigeren Platz auf dem Balkon gewählt. Die moderne Sonnenliege auf der Holzterrasse und der kleine Beistelltisch lieferten dafür alles Nötige. Briemma stellte ihren Gehstock neben sich ab. Manchmal bestand gute Reiseplanung vor allem darin, nicht dort zu sein, wo gerade alle waren.

Die Markthalle verabschiedete sie nicht leise. Eine Person im schwarzen Koch-Outfit hielt eine Flamme an ein Gericht auf einem orangefarbenen Tablett, beobachtet von einer weiteren Person und mehreren Besuchern zwischen den Warenregalen. Danach führte der Weg wieder hinaus auf gepflasterte Straßen, über denen hohe Bäume Schatten warfen. Menschen gingen am Rand entlang oder blieben stehen, während traditionelle Gebäude den Hintergrund bildeten. Ein historisches Haus mit Steinfront, mehreren Balkonen und Holzläden stellte die gewohnte Ruhe wieder her. Carlexander fand das angemessen. Briemma meinte, er bevorzuge Fassaden grundsätzlich, solange sie nichts flambierten.

Auf dem Blumenmarkt lagen die Farben dichter beieinander als zuvor in den Straßen. Verpackte Sträuße standen in Papier und transparenter Folie, darunter rote Rosen, Lilien und Sonnenblumen; dahinter reihten sich weitere Pflanzen und Dekorationen. Auf dem gepflasterten Platz warteten Hortensien in Rosa, Blau und Lila ordentlich in Pappkartons. Es war kein stilles Arrangement, sondern sichtbar Verkaufsware in einer belebten Stadt. Carlexander betrachtete die präzise Anordnung mit Anerkennung. Briemma verzichtete auf einen Kommentar zu seinem Kontrollreflex. Die Blumen waren bereits ausreichend sortiert und benötigten keine zusätzliche Tabelle.

Wenige Schritte später wurde die Altstadt wieder schmal. Eine dichte grüne Rankpflanze bedeckte eine alte Mauer; davor stand ein hölzerner Pflanzkasten mit Steinen und kleinen Pflanzen in der gepflasterten Gasse. Ein eleganter Innenhof setzte diese ruhige Folge fort: kleiner Steinboden, Pflanzen in Töpfen und Körben, eine Holzbalkendecke und ein Treppenhaus im Hintergrund. Hier war keine sichtbare Handlung nötig. Die Architektur übernahm den Abschnitt selbst. Briemma ging mit ihrem eleganten Gehstock in gleichmäßigem Tempo weiter, während Carlexander den seltenen Zustand akzeptierte, dass ein Ort auch ohne seine Einordnung verständlich blieb.

Dann kamen die Brunnen. Zuerst stand einer mitten im Stadtbild, umgeben von Menschen, historischen Gebäuden, Balkonen und Palmen. Danach folgte ein rechteckiges Becken mit Fontänen in einer gepflegten Parkanlage zwischen Büschen, Bäumen und Blumenbeeten. Ein weiterer Blick verband sprudelndes Wasser und Bäume wieder mit der gotischen Kathedrale im Hintergrund. Neben einem Brunnen wartete außerdem eine Pferdekutsche mit Fahrer; auf einem gepflasterten Platz stand schließlich ein großes Panda-Maskottchen vor Steinmauer und Bäumen, während eine Person am Rand saß. Palma hatte damit auch den Bereich unerwarteter Reisebeobachtungen vollständig abgedeckt.

Zum Schluss öffnete sich der Blick noch einmal weit. Vor blauem Himmel und hellen Wolken stand die gotische Kathedrale über dem türkisfarbenen Meer, dahinter zeichneten sich Berge ab. Die letzte Küstenansicht nahm Hafen, ruhiges Wasser, Stadt und ein historisch wirkendes Gebäude zusammen, ohne das mögliche Bauwerk näher festzulegen. Carlexander sah zurück auf einen Mittag aus Steinportalen, Marktständen, Austern, Blumen, Brunnen und einem Panda, der keine weitere Erklärung angeboten hatte. „Hast du alles erfasst?“, fragte Briemma. „Nein“, sagte Carlexander. Für Palma war das vermutlich die realistischste Form eines Abschlusses.

2025-04-17 – Tag 10: Sonnenuntergang am Hafen

Reiseepisode

2025-04-17 – Tag 10: Sonnenuntergang am Hafen

Tag 10 · 2025-04-17 · Palma de Mallorca

Am zehnten Reisetag blieb in Palma de Mallorca noch dieser eine Blick über den Hafen. Vor der langen Mole lag ruhiges Wasser, dahinter standen Stadt und Berge unter einem klaren Himmel mit wenigen flauschigen Wolken. Die Sonne sank, ohne daraus eine Veranstaltung zu machen. Carlexander sah hinaus und bemühte sich um müde Würde, während sich Wehmut, eine kleine Tränendrüse und ein Lächeln erstaunlich problemlos denselben Moment teilten.

„Ein angemessener Abschluss“, sagte Carlexander. Briemma stützte sich ruhig auf ihren eleganten Gehstock und sah ebenfalls zum Horizont. „Vor allem, weil die nächste Schiffsreise schon gebucht ist.“ Das half. Stars Del Mar wartete bereits im nächsten Monat, mit neuer Tour und voraussichtlich mehr Spaß. Abschied lässt sich deutlich sachlicher ertragen, wenn er im Kalender schon einen Nachfolger hat.

Die Ankunft am Flughafen verlief dank der Organisation von TUI erstaunlich unspektakulär. Es blieb sogar Zeit für einen schnöden, stinknormalen Hot Dog mit Pommes und Coca-Cola Zero. Wobei „normal“ angesichts von Ketchup, Mayonnaise, grünen Salsa-Pfützen und geriebenen Zwiebeln eine großzügige Einordnung war. „Du analysierst dein Essen“, stellte Briemma fest. Carlexander betrachtete das Brötchen. „Ich prüfe nur, ob es einen Plan verfolgt.“

Danach übernahm der Flughafen die Bildregie. Vor einem großen Hangar standen weitere Gebäude, Pflanzen und ein Helikopter auf dem Boden. Kurz darauf war die Maschine deutlicher vor der Hangarstruktur mit der Beschriftung „ALA 49“ zu sehen, dahinter weitere Gebäude und Bäume unter klarem blauem Himmel. Carlexander verfolgte die Szenerie mit jener Aufmerksamkeit, die er technischen Abläufen grundsätzlich entgegenbringt, auch wenn niemand um eine Bewertung gebeten hatte.

Das Flugfeld setzte die nüchterne Ordnung fort: markierte Linien auf dem Boden, eine kleine weiße Gebäudestruktur, Grünflächen und Bäume. Keine erkennbare Handlung, nur Infrastruktur, die wusste, wo sie hingehörte. „Beruhigend für dich“, sagte Briemma. Carlexander nickte. Nach mehreren Tagen auf See wirkte ein sauber markierter Verkehrsweg beinahe wie ein persönliches Entgegenkommen.

Mit zunehmender Höhe wurden aus einzelnen Gebäuden dicht bebaute Stadtflächen. Dahinter lagen grüne Felder, Wiesen und Berge, alles klar und sonnig zu erkennen. Straßen verbanden die Bereiche zu einem Muster, das von oben überzeugend geordnet aussah. Das ist eine besondere Stärke von Luftaufnahmen: Sie lassen selbst komplizierte Gegenden so erscheinen, als hätte irgendwann jemand den Überblick gehabt.

Dann rückte die Küste ins Bild. Das blaue Meer zog sich an den Gebäuden einer Küstenstadt entlang, während im Hintergrund Berge unter klarem Himmel standen. Wenig später öffnete sich die Perspektive auf einen weiteren Küstenabschnitt mit Hafenbereich, bewaldeten Hügeln und Bergen. Von oben wirkte alles ruhig, obwohl unten vermutlich weiterhin Wege, Abfahrten und kleine Alltagsentscheidungen abgearbeitet wurden.

Schließlich lag auch der Hafen noch einmal unter uns. Ein großes Kreuzfahrtschiff lag am Anleger, umgeben von Yachten und Booten; dahinter erstreckte sich die Stadtlandschaft mit Gebäuden und grünen Flächen. Die Mein Schiff Relax wurde damit vom Reiseort wieder zum Bestandteil einer größeren Ansicht. Carlexander sah hinunter. „Jetzt ist es wirklich vorbei.“ Briemma blieb pragmatisch: „Für diesen Monat.“

So endete die TUI Taufreise der Mein Schiff Relax nicht mit großer Geste, sondern mit einem Sonnenuntergang, einem bemerkenswert belegten Hot Dog und einem letzten Blick aus der Luft. Palma de Mallorca wurde kleiner, der Hafen blieb noch einen Moment sichtbar, und die nächste Reise stand bereits fest. Das war genug Wehmut für einen Tag und zugleich eine brauchbare Aussicht: Stars Del Mar im nächsten Monat. Neue Tour, mehr Spaß.