Tafelspitz mit Meerrettich Sauce

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Carlexander kocht

Tafelspitz mit Meerrettich Sauce

Heute kochen wir leckeren Tafelspitz mit Meerrettich Sauce. Der Plan klingt verdächtig vernünftig: Aus dem Rezept soll am Ende genau das werden, was oben draufsteht.

Für kleinere Hindernisse und gepflegten Schabernack bleibt ausdrücklich Platz. Wir halten uns trotzdem an die bestätigten Schritte.

Den Auftakt bildeten ein Glasbehälter mit Lorbeerblättern und eine erstaunlich hartnäckige Frage: Waren die trockenen Blätter echte Geschmacksträger oder gut organisierte Placebos? Carlexander vertagte die Antwort und widmete sich zunächst dem Original Tafelspitz mit Meerrettichsauce.

Er röstete die Zwiebeln und gab sie mit dem Tafelspitz in zwei bis drei Liter Flüssigkeit. Der Herd bot zehn Stufen, doch die brauchbare Zone zwischen Überschäumen und stillem Wasser blieb schmal. Auf dem Display meldete sich Sokrates mit einem knappen Hinweis: „Simmern erfordert Beobachtung.“ Während die bräunliche Brühe leicht schäumte, hielt Carlexander die Temperatur mit jenem Fingerspitzengefühl, das Bedienungsanleitungen gern verschwiegen.

Eine Suppe kocht in einer metallenen Pfanne

In der nächsten kurzen Bestandsprüfung rückte der durchsichtige Glasbehälter wieder in den Mittelpunkt. Neben den trockenen Blättern stand das Schild „Lorbeer-Blätter“, und auf der glänzenden Herdplatte lag ein Esslöffel beim Power-Symbol bereit.

Carlexander betrachtete diese ordentliche Anordnung mit angemessener Skepsis. Ob man Lorbeer tatsächlich herausschmeckte oder lediglich erwartete, ihn herauszuschmecken, ließ sich weiterhin nicht überzeugend beantworten. Für den Versuch kamen die Blätter trotzdem zum Einsatz; eine kulinarische Streitfrage durfte schließlich nicht an mangelndem Material scheitern.

In einem durchsichtigen Glasbehälter liegen trockene Lorbeerblätter

Danach simmerte der Tafelspitz insgesamt zwei Stunden weiter. Carlexander schöpfte das Fett ab und gab Pfefferkörner sowie Lorbeer in die Brühe, in der weiterhin Zwiebelringe schwammen.

Die ursprüngliche Wahl des Topfes erwies sich allerdings als zu optimistisch. „Die Kapazitätsplanung war ambitioniert“, stellte Carlexander fest und schüttete den Inhalt in ein größeres Gefäß um. Damit war die Sache praktisch gelöst, auch wenn sie organisatorisch durchaus das Format einer kleinen Küchenreform besaß.

Eine Brühe kocht in einer Pfanne, in der Zwiebelringe, Lorbeerblätter

Mit dem größeren Topf gewann der Ablauf wieder erfreulich viel Platz. Carlexander schnitt das Gemüse an diesem Tag ohne fremde Hilfe klein und behandelte schon diesen Fortschritt als eine respektable Zwischenbilanz.

Weiße Gemüsewürfel, rote Karottenscheiben und grüne Bestandteile kamen zusammen. Die Vorbereitung blieb übersichtlich, und genau diese Art von Ordnung entsprach Carlexanders Vorstellung einer komfortablen Küche.

Anschließend füllte er das Gemüse ebenfalls in den größeren Topf um. Dort kochte es dreißig Minuten mit, während die Brühe klar blieb und leicht dampfte.

Zwischen Karotten, Lauch und Zwiebeln lag das Fleisch nun gut untergebracht in der Flüssigkeit. Nach dem knappen Fehlstart mit dem kleineren Gefäß wirkte der neue Topf beinahe großzügig dimensioniert, was Carlexander als stillen Erfolg der nachträglichen Planung verbuchte.

Während das Gemüse weicher wurde und sich mit der Brühe verband, blieb Zeit für einen erneuten Gedanken an den Lorbeer. Ob er geschmacklich den entscheidenden Unterschied machte, war weiterhin offen; zuverlässig mitgekocht hatte er jedenfalls.

Während das Gemüse seine dreißig Minuten absolvierte, begann Carlexander parallel mit der Meerrettichsauce. Die Aufgabenteilung zwischen Pfanne und Topf verlangte Aufmerksamkeit, wirkte nach dem Gefäßwechsel aber beinahe routiniert.

Zunächst kochte er die Mehlschwitze mit 300 Millilitern Brühe und 200 Millilitern Sahne auf. Ein spiralförmiger Rührer hielt die gelbliche, leicht köchelnde Masse in Bewegung, während die rote Anzeige der Kochplatte den technischen Teil der Veranstaltung übernahm.

Mit zunehmender Bindung wurde die Sauce cremig. Carlexander rührte weiter und beobachtete die Konsistenz genau, denn bei einer Meerrettichsauce lag zwischen angenehm sämig und sehr entschlossen nur ein schmaler Bereich.

Schließlich kamen vier Esslöffel Meerrettich hinzu. Damit erhielt die Sauce ihre vorgesehene Würze, und die parallele Küchenlogistik aus Gemüse, Brühe und Mehlschwitze fand wieder zu einem gemeinsamen Ablauf.

Nach dem langen Simmern kam der Tafelspitz auf das Holzbrett. Messer und Gabel lagen bereit, und die ersten Schnitte legten die deutlich sichtbaren Schichten und Fasern des Fleisches frei.

Das Ergebnis fiel erfreulich eindeutig aus. Der Tafelspitz war butterzart und innen leicht rosa, genau jene Kombination, für die sich zwei Stunden Geduld samt Topfwechsel lohnten.

Carlexander schnitt weitere Scheiben und prüfte den Stand der Dinge mit genussfreudiger Gründlichkeit. Das Fleisch gab dem Messer leicht nach, sodass seine anfängliche Temperaturdebatte rückblickend fast wie sorgfältige Vorbereitung wirkte.

Auf dem Brett lagen schließlich mehrere Scheiben, ergänzt durch einen Kräuterzweig. Nach Herdstufen, Schaum, Lorbeerfrage und Gefäßkorrektur durfte Carlexander zufrieden feststellen, dass der praktische Teil der Unternehmung sehr ordentlich ausgegangen war.

Zum Essen kam eine Scheibe Tafelspitz auf den roten Teller und wurde mit der cremigen Meerrettichsauce bedeckt. Auch die Brötchen gerieten in die Sauce, was ihrer Bestimmung an diesem Abend ausgesprochen entgegenkam.

Briemma schmeckte der Tafelspitz ebenfalls sehr gut, und damit erhielt Carlexanders Küchenplanung ihre angenehmste Bestätigung. Zum Abschluss standen Pfanne und Topf für den ganzen Verlauf: In der Pfanne war die Sauce gelungen, im Topf der butterzarte Tafelspitz – und die Lorbeerblätter behielten ihr kleines Geheimnis.

Serviertes Gericht auf dem Tisch

Zutaten

  • ein Kilogramm Tafelspitz (1 kg Tafelspitz)
  • ein Stück Knollensellerie (250 g Knollensellerie)
  • ein paar rote Karotten (3–4 Karotten)
  • Zwiebeln rösten (1 Zwiebel)
  • ein Bund Lauch (1 Stück Lauch)
  • Lorbeerblätter ist küchenseitig eingeplant – mehr Bürokratie braucht es heute nicht. (2 Lorbeerblätter)
  • Pfefferkörner bleibt griffbereit – mehr Bürokratie braucht es heute nicht. (6–8 Pfefferkörner)
  • Salz sorgt für Klarheit im Geschmack (Salz)
  • Wasser bildet die Basis für den Kochprozess. (ca. 1,5–2 l Wasser)
  • Semmelknödel vervollständigen das Menü (Semmelknödel)
  • Petersilie, Liebstöckl und Meerrettich runden die Gewürzpalette ab. (Petersilie, Liebstöckl, Meerrettich)
  • Sahne verleiht der Sauce die nötige Cremigkeit (200 ml Sahne)
  • Die klare Brühe sorgt für die passende Bindung (150 ml Tafelspitz-Brühe)
  • Meerrettich aus dem Glas gibt der Sauce ihre Schärfe (2–3 EL Meerrettich aus dem Glas, alternativ frisch gerieben)
  • Rheinischer Geschmackswürfel auf Butterbasis liefert die Fettgrundlage (1 EL Rheinischer Geschmackswürfel (Butter))
  • Mehl bindet die Flüssigkeit zur cremigen Basis (1 EL Mehl)
  • Zitronensaft spendet einen sauren Akzent für Frische (1 TL Zitronensaft)
  • weißer Pfeffer rundet das Aroma ab (weißer Pfeffer)
  • Eine Prise Zucker mildert die Säure (1 kleine Prise Zucker)
Rezeptposter: 2026 09 25 Tafelspitz
KI-generiertes Zutatenposter

Arbeitsschritte

  1. Die Zwiebeln ohne Fett bräunen (Zwiebel halbieren und die Schnittflächen in einem großen Topf ohne Fett kräftig bräunen.)
  2. Wasser Lorbeer und Pfefferkörner dazugeben und aufkochen (Wasser, Lorbeer und Pfefferkörner dazugeben und aufkochen.)
  3. Fettdeckel nach oben, Hitze runter (Tafelspitz mit Fettdeckel nach oben einlegen. Hitze sofort reduzieren.)
  4. Etwa 1½–2 Stunden nur sanft ziehen lassen, nicht sprudelnd kochen. (Etwa 1½–2 Stunden nur sanft ziehen lassen, nicht sprudelnd kochen.)
  5. Sellerie und Karotten in Stücke schneiden und für die letzten dreißig bis vierzig Minuten mitgaren. (Sellerie und Karotten in Stücke schneiden und für die letzten 30–40 Minuten mitgaren.)
  6. Die Brühe erst kurz vor Ende kräftig salzen, damit das Fleisch zart bleibt. (Brühe erst gegen Ende kräftiger mit Salz abschmecken.)
  7. Das Fleisch aus dem Sud nehmen und gegen die Faser in feine Scheiben schneiden. (Fleisch herausnehmen und gegen die Faser in dünne Scheiben schneiden.)
  8. Butter schmelzen, Mehl einrühren und kurz anschwitzen (Butter schmelzen, Mehl einrühren und etwa 1 Minute anschwitzen.)
  9. Die heiße Brühe nach und nach in die Mehlschwitze rühren (Nach und nach die heiße Tafelspitz-Brühe einrühren.)
  10. Sahne dazugeben und einige Minuten sanft köcheln lassen. (Sahne dazugeben und 5–7 Minuten sanft köcheln lassen.)
  11. Topf von der Herdplatte nehmen, damit die Hitze nachlässt, und den frischen Meerrettich einrühren (Topf von der Hitze nehmen und Meerrettich einrühren.)
  12. Mit Zitronensaft, Salz und Pfeffer abschmecken (Mit Zitronensaft, Salz, Pfeffer und optional etwas Zucker abschmecken.)
  13. Nochmal nachschärfen falls der Meerrettich nicht mehr zwickt (Meerrettich danach bei Bedarf noch einmal nachschärfen.)
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2026 09 06 Mediterane Tomatensuppe Aus Dem Backofen

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Tag 1 von 1

Carlexander kocht

2026 09 06 Mediterane Tomatensuppe Aus Dem Backofen

Der September stand für uns in diesem Jahr fest unter dem Zeichen des Tomateneinschlages, was die Gartenarbeit betraf.

Wir hatten uns vorgenommen, die reifen Früchte zu ernten, bevor ein kühlerer Windzug die Saison abrupt beenden würde. Carlexander hatte bereits im Vorfeld eine Bestandsaufnahme der möglichen Erntemengen durchgeführt und kam zu dem Schluss, dass unsere Vorratskammern noch Kapazitäten für mindestens drei weitere Kilo Gemüse aufwiesen.

Während Briemma sich durch das Beet bewegte und dabei die flinken Taubenschwänzchen beobachtete, die sie gern als Kolibris des Nordens bezeichnete, kontrollierte Carlexander das Gewicht der ersten Partie. Die Waage zeigte 1204 Gramm an, was er als akzeptables Ausgangsvolumen für eine erste Lagebeurteilung einstufte. Es war eine solide Basis, auf der man aufbauen konnte.

„Das ist ein sehr präzises Ergebnis“, kommentierte Carlexander trocken, während er die geschnittenen Reste neben der Waage musterte. „Die Varianz liegt innerhalb tolerierbarer Grenzen.“ Briemma lachte leise und wischte sich eine Tomatensauce von der Schneideplatte, bevor sie den nächsten Korb füllte. Sie fand die organisatorische Herangehensweise ihres Partners amüsant, solange er dabei half, die üppige Ernte schnell genug zu verarbeiten.

Der erste Akt der kulinarischen Planung war abgehakt, die Tomaten hatten ihren Platz gefunden, und nun stand das eigentliche Drama an. Carlexander betrachtete die beiden Knoblauchknollen auf der abgenutzten Arbeitsfläche mit der Ernsthaftigkeit eines Generalstabschefs vor einer entscheidenden Offensive. Eine der Knollen lag bereits geschält da, bereit für den Einsatz, während die andere noch in ihrer papierenen Hülle verharrte, als wolle sie sich vor dem unvermeidlichen Schicksal schützen.

„Das ist kein Gemüse“, meinte er trocken und richtete sein Fell etwas auf, um die Würde des Moments zu unterstreichen. „Das ist eine strategische Reserve von Aromastoffen, die mit Bedacht einzusetzen ist.“ Briemma, die bereits das Messer in der Hand hielt, musterte ihn über den Rand ihrer Brille hinweg. Sie wusste genau, dass diese feierliche Einstufung meist dem Versuch geschuldet war, die nachfolgenden Tränen nicht als Schwäche, sondern als taktische Nebelwand zu interpretieren.

Dann kamen die Zwiebeln dran. Auf der weißen Schneideplatte warteten bereits halbierte weiße und rote Zwiebeln. Die roten waren in feine Scheiben geschnitten, ein Kunstwerk aus purpurroten Ringen, während die weißen noch ihre ursprüngliche Form bewahrten, unbewusst von dem Schicksal, das sie erwartete. Ein Messer lag oben rechts, scharf und geduldig.

Carlexander nahm den Griff. Der Schnitt fiel sauber, doch die chemische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Fast augenblicklich verengten sich seine Augen zu schmalen Schlitzen, und ein feines Zittern durchlief seine Schnauze. „Eine kleine Lagebesprechung der Atemwege“, murmelte er, während er versuchte, den Luftstrom so zu steuern, dass die ätzenden Dämpfe ihn nicht direkt trafen. Briemma lachte leise, ohne ihre Arbeit zu unterbrechen. Für sie war das Zwiebelschneiden ein alltäglicher Prozess; für Carlexander eine Prüfung der Nerven und des Komfortanspruchs.

Als der letzte Schnitt fiel und die Zwiebelhüllen umherstreuten wie kleine Fahnen der Kapitulation, atmete er tief durch. Die Tränen in den Augen waren kein Zeichen von Trauer, sondern das natürliche Tributgeld für eine wohlgeschmeckte Suppe. Briemma wischte ihm sanft mit einem Tuch über die Nase. „Nächste Mal“, sagte sie mit liebevoller Ironie, „kannst du ja mal die Tomaten abschneiden. Die weinen wenigstens nicht.“ Carlexander nickte ernsthaft. Das war ein Vorschlag, der in die operative Planung des nächsten Tages aufgenommen werden musste.

Die operative Bestandsaufnahme der Wurzelgemüse-Front verlief zügig. Carlexander beobachtete, wie die beiden Ochsenherztomaten ihre rote Pracht zur Schau stellten, während Briemma mit methodischer Ruhe die Karotten in Angriff nahm. Auf der weißen Schneideplatte lag das erste Opfer: eine Karotte, deren Schale bereits entfernt war und nun in gelben Streifen daneben ruhte. Die zweite wartete geduldig auf ihren Schälvorgang.

„Eine präzise Schälarbeit ist das Fundament jeder stabilen Suppenlogistik“, meinte Carlexander, während er die geometrische Perfektion der geschälten Wurzel bewunderte. Briemma legte den Schäler beiseite und nickte knapp. Sie wusste, dass ihre Gegenüber gerne kleine Handgriffe zu strategischen Meilensteinen aufwertete, aber sie widersprach nicht. Die Karotten lagen nun bereit, sauber und ordentlich, ein gutes Omen für den weiteren Ablauf. Dann folgte der Lauch. Auf dem Küchenbrett stapelten sich die frisch geschnittenen Stangen, einige behielten noch ihre charakteristische Spiralform bei, als würden sie sich weigern, vollständig flach zu werden. Das Messer lag daneben, ein Symbol für beendete Arbeit. Carlexander notierte mental die Konsistenz: knackig, grün-weiß gestreift, ideal für eine mediterrane Note.

Neben dem Lauch warteten die feinen aromatischen Komponenten. Auf einer weiteren Schneideplatte lagen kleine, würfelförmige Stücke von Stangensellerie, präzise geschnitten, und daneben eine größere Menge fein gehackter Blätter. Das Messer mit der scharfen Klinge ruhte teilweise über dem Haufen, als ob es stolz auf seine Leistung wäre. Briemma prüfte die Größe der Würfel; sie waren einheitlich klein, perfekt für eine gleichmäßige Verteilung im Topf.

Der letzte Akzent kam von den Kräutern. Auf einer weißen Schale lag ein Bündel frischer Aromen: Rosmarin, Thymian und Oregano. Die Blätter waren grün und sichtbar feucht, ein Zeichen für ihre Frische aus dem Garten. Carlexander schnupperte vorsichtig. Der Duft war herb und klar, keine künstliche Note. „Das ist der Unterschied zwischen Kochbuch und Realität“, sagte er trocken.

Briemma lächelte. „Oder zwischen Planen und Schneiden.“ Sie sammelte die Kräuter ein, bereit für den nächsten Schritt. Die Zutaten lagen nun alle sortiert vor: Karotten, Lauch, Sellerie, Kräuter. Eine bunte, aber geordnete Vorstufe zur Suppe. Carlexander befand die Vorbereitungsphase als abgeschlossen und wartete auf den Einsatz des Ofens.”

Die operative Planung für den Mittagsschlaf hatte einen kleinen, aber entscheidenden Störfaktor: die Küche. Carlexander stand vor der Aufgabe, eine mediterrane Tomatensuppe zu konzipieren, was in seiner Wahrnehmung weniger wie Kochen und mehr wie logistische Disposition wirkte. Die Zutaten lagen bereit, ordentlich aufgereiht, als würde sich ein kleines Heer zum Marsch rüsten. Er bewertete die Situation mit der üblichen Ernsthaftigkeit, die er nur solchen Dingen zuteilwerden ließ, die direkt seinen Komfort betrafen.

Briemma beobachtete das Spektakel aus sicherer Distanz, während sie sich um die Vorbereitung kümmerte. Es begann bei den Ochsenherztomaten, die auf der Küchenwaage ihre Würde bewahrten, bevor sie in würfelförmige Unterwürfigkeit gebracht wurden. Dazu kamen Jalapeños und Knoblauchscheiben, eine Kombination, die Carlexander als „gewagte Aromenfront“ einstufte, Briemma jedoch einfach als „lecker“ bezeichnete.

Die eigentliche Herausforderung stellte sich jedoch in der Frage nach dem geeigneten Gefäß. Ein kleiner Topf war für die Masse an Gemüse nicht ausreichend; es bedurfte eines Behälters, der dem Umfang des Projekts gerecht wurde. Carlexander inspizierte den großen, dunklen Bräter mit einer Mischung aus Skepsis und Befriedigung. Er war kantinengroß, was für zwei Katzen zwar übertrieben wirkte, aber strategische Reserven schuf.

„Das ist doch eine Art militärischer Nachschubkontainer“, kommentierte Carlexander trocken und streifte mit der Pfote am Rand des Bräters entlang. „Wir kochen hier nicht, wir verwalten Volumen.“ Briemma schob die restlichen Zutaten – Karotten, Lauch und Kräuter – nach, ohne sich von der Rhetorik irritieren zu lassen. „Es ist ein Topf“, sagte sie kurz. „Und er sieht aus, als würde er alles aufnehmen können, was wir ihm zumuten.“ Carlexander nickte anerkennend. Die Logistik war gesichert, die Farben im Topf waren leuchtend und der Geruch versprach etwas, das weit über bloße Sättigung hinausging.

Der Backofen hatte seine Arbeit getan, und nun stand der Topf auf dem Herd, ein kochendes Meer aus roten, grünen und orangefarbenen Stücken. Die mediterrane Suppe blubberte leise, ein Aroma, das nach Sonne, Erde und Geduld roch. Carlexander betrachtete die siedende Masse mit der ernsten Miene eines Mannes, der eine komplexe chemische Reaktion überwacht, auch wenn es sich lediglich um Gemüse handelte. Die grünen Paprikastücke tanzten unbeholfen zwischen den weichen Karotten und den zerfallenden Tomaten, ein chaotisches, aber appetitliches Bild.

Briemma lehnte am Küchentisch und beobachtete, wie Carlexander den Löffel durch die Soße fuhr, um die Konsistenz zu prüfen. Er nickte zufrieden, als würde er eine wichtige strategische Entscheidung bestätigen. Die Suppe sah aus, als hätte sie genau das richtige Maß an Würze und Fruchtigkeit erreichte. Es war kein exaktes Rezept, das hier ablief, sondern ein Gefühlsdiktat, das Carlexander gerne als ‘intuitive Logistik’ bezeichnete.

„Die Viskosität ist akzeptabel“, murmelte er, obwohl es eher um den Geschmack ging. Briemma rollte die Augen, ein leichtes Lächelten spielte um ihre Schnauze. Sie kannte diesen Tonfall gut: Wenn Carlexander etwas als ‘akzeptabel’ bewertete, war er tatsächlich begeistert. Er rührte noch einmal sorgfältig um, sicherzustellen, dass keine Karotte übersehen wurde.

Dann folgte der nächste Schritt: das Servieren. Die heiße Masse wurde in einen weißen Teller geschöpft, wo die Tomaten ihre braunen, karamellisierten Stellen zeigten. Ein paar Zweige Rosmarin, ebenfalls leicht geröstet und knusprig trocken, wurden kunstvoll darauf gelegt. Es sah nicht perfekt aus wie im Kochbuch, aber es wirkte authentisch und einladend.

Carlexander stellte eine Silbergabel bereit und trat einen Schritt zurück, um das Ergebnis zu begutachten. Die braunen Flecken auf den Tomaten zeugten von der Hitze des Ofens, die Rosmarinnadeln gaben dem Ganzen eine rustikale Note. Briemma nickte anerkennend. Es war kein Michelin-Stern-Gericht, aber es war warm, einfach und genau das, was man an einem solchen Tag brauchte. Der Duft im Raum wurde dichter, ein Versprechen auf einen gemütlichen Abend.

Die finale Inspektion fiel nüchtern, aber präzise aus. Carlexander betrachtete die Schale mit der orangefarbenen Tomatensuppe, die auf dem roten Tischtuch stand, und notierte sich mental den Stand der Dinge. Das Ergebnis war fast perfekt, eine Bewertung, die er nur ungern sprach, weil sie implizierte, dass ein sardisches Muttermodell als Referenzgröße diente.

Das Ergebnis ist fast perfekt

Briemma nickte anerkennend, während sie den silbernen Löffel in der Suppe beiseite schob. Das dunkle, knusprige Brot lag daneben bereit, eine logische Ergänzung für das Herzhaft-Duett. Sie fand die organisatorische Einordnung des Essens zwar etwas übertrieben, aber den Geschmack konnte sie nicht bestreiten. Der Duft war herb und fruchtig, genau wie es sich bei einer mediterranen Kasserole gehört.

Zutaten

Rezeptposter: 2026 09 06 Mediterane Tomatensuppe Aus Dem Backofen
KI-generiertes Zutatenposter
  • Tomaten aus dem eigenen Garten (1,5 kg Tomaten)
  • rote Paprika schneiden (ca. 230 g rote Paprika)
  • Möhren schälen (2 Möhren)
  • Eine Zwiebel wird geschält (1 große Zwiebel)
  • Staudensellerie stehen bereit – die Küchenlogistik ist informiert. (2 Stangen Staudensellerie)
  • Knoblauchzehen schälen (5 Knoblauchzehen)
  • Olivenöl in die Pfanne geben (3 EL Olivenöl)
  • Salz nach Geschmack (ca. 1½ TL Salz)
  • schwarzer Pfeffer zum Abschmecken (schwarzer Pfeffer)
  • Oregano oder Majoran einstreuen (1½ TL Oregano oder Majoran)
  • Eine Prise Tomatenmark (1–1½ EL Tomatenmark)
  • Gemüse- oder Hühnerbrühe stehen bereit – die Küchenlogistik ist informiert. (zunächst 450 ml Gemüse- oder Hühnerbrühe)
  • Sahne oder Frischkäse für die Cremigkeit (optional 75–150 ml Sahne oder ca. 1½ EL Frischkäse)
  • Basilikum erst zum Schluss hinzugeben, damit der Geschmack nicht verblasst (Basilikum zum Schluss)

Arbeitsschritte

  1. Vorher Backofen vorheizen, dann schneidet sich das Gemüse nicht so lange kalt. (Backofen auf 210 °C Umluft vorheizen.)
  2. Tomaten grob vierteln, Paprika entkernen und in große Stücke schneiden, Möhren in etwa 1 cm dicke Scheiben schneiden… (Tomaten grob vierteln, Paprika entkernen und in große Stücke schneiden, Möhren in etwa 1 cm dicke Scheiben schneiden, Zwiebel grob achteln, Sellerie in Stücke schneiden, Knoblauch schälen und ganz lassen.)
  3. Das Gemüse auf ein tiefes Backblech oder in eine große Auflaufform geben, ohne es zu dicht übereinander zu stapeln. (Gemüse auf ein tiefes Backblech oder in eine große Auflaufform geben, möglichst nicht zu dicht übereinander stapeln.)
  4. Olivenöl, Salz, Pfeffer und Oregano oder Majoran dazu geben und alles gut vermengen. (3 EL Olivenöl, Salz, Pfeffer und Oregano/Majoran darübergeben und gründlich vermengen.)
  5. Tomatenmark in kleinen Klecksen auf dem Gemüse verteilen; nicht komplett unterrühren. (Tomatenmark in kleinen Klecksen auf dem Gemüse verteilen; nicht komplett unterrühren.)
  6. Gemüse mittlere Hitze rösten (Gemüse auf mittlerer Schiene zunächst 30 Minuten rösten.)
  7. Gemüse wenden und bis zu braunen Rändern weiter rösten (Nach 30 Minuten Gemüse vorsichtig wenden bzw. durchmischen und weitere 10–20 Minuten rösten, bis Paprika, Zwiebel und Tomaten an mehreren Stellen deutlich gebräunte Ränder haben.)
  8. Alles in den Topf geben. (Das komplette Gemüse einschließlich des entstandenen Safts in einen großen Topf geben.)
  9. Brühe hinzugeben (Zunächst 450 ml Brühe zugeben.)
  10. Suppe sehr fein pürieren. (Suppe sehr fein pürieren.)
  11. Die Suppe köchelt noch ein paar Minuten vor sich hin (Suppe nochmals 5–10 Minuten sanft köcheln lassen.)
  12. Salz und Pfeffer zum Abschmecken. (Abschmecken mit Salz und Pfeffer.)
  13. Frisches Basilikum am Ende einrühren (Frisches Basilikum kurz vor dem Servieren einrühren oder darübergeben.)
  14. Salz prüfen und falls nötig in kleinen Schritten nachsalzen (Salz prüfen und falls nötig in kleinen Schritten nachsalzen.)
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2026 08 31 Kalbsfilet in Salbeibutter auf Reginette Mafalde

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Tag 1 von 1

Carlexander kocht

2026 08 31 Kalbsfilet in Salbeibutter auf Reginette Mafalde

Mit der Zucchini auf der weißen Schneideplatte begann der Abend ausgesprochen übersichtlich. Carlexander nahm das Messer, die bereits gehackten Stücke und die frischen Kräuter …

Mit der Zucchini auf der weißen Schneideplatte begann der Abend ausgesprochen übersichtlich. Carlexander nahm das Messer, die bereits gehackten Stücke und die frischen Kräuter zum Anlass für eine sorgfältige Bestandsaufnahme.

Briemma kannte den Unterschied zwischen Gemüsevorbereitung und Großprojekt, ließ ihm aber seinen würdevollen Auftakt. Während Carlexander die Zucchini zerkleinerte, räumte sie seufzend den ersten freien Platz für alles ein, was noch folgen würde.

Eine Gurke liegt auf einer weißen Schneideplatte neben einem Messer

Anschließend bauten beide das Mise en place auf wie echte Köche, allerdings mit mehr Geschirr als zwingend erforderlich. Drei Schalen standen dafür auf der glatten schwarzen Kochplatte bereit.

Carlexander verteilte die Fleischwürfel, die geschnittene Zucchini sowie Kräuter, Zwiebeln und Knoblauch sauber auf die einzelnen Schalen. „Sehr ordentlich“, sagte er. „Vor allem sehr viel zum Spülen“, erwiderte Briemma und begann bereits aufzuräumen.

Drei Schalen mit frisch geschnittenen Zutaten stehen auf einer Kochplatte

Am Herd kam zuerst das Kalbsfleisch in die Edelstahl Pfanne. Im Olivenöl bekam es rasch braune Bratstellen, denn die Temperatur war zunächst deutlich zu hoch geraten.

Der kräftige Dampf lieferte die operative Rückmeldung schneller als jedes Thermometer. Carlexander regelte nach und stellte die Fleischstücke anschließend beiseite.

„War das so geplant?“, fragte Briemma. „Die Bräunung auf jeden Fall“, sagte Carlexander, während sie mit einem Seufzen die nächsten benutzten Schalen einsammelte.

Danach kamen die klein geschnittenen Schalotten mit einem stattlichen Stück Butter in die Pfanne. Der rheinische Geschmackswürfel, genannt Butter, schmolz schäumend zwischen den Bratrückständen und machte aus der kleinen Hitzepanne eine brauchbare Grundlage.

Schließlich rührte Carlexander Zucchini, Zwiebeln und Salbeiblätter zusammen. Die Holzgabel blieb griffbereit, während nebenan bereits der Topf auf der Kochplatte stand und Briemma den Arbeitsstand zwischen Herd und Spüle praktisch zusammenhielt.

Für den nächsten Abschnitt kamen die originalen Tre-Mulini-Reginette-Mafalde zum Einsatz, welche die Nachbarin aus Tirol vom Lidl mitgebracht hatte. Die 500-Gramm-Packung enthielt Pasta aus hundert Prozent italienischem Hartweizen, auf Bronze gezogen.

Nun widmete sich Carlexander der Portionsfrage mit der gebotenen Genauigkeit. Als großzügiger Vergleichswert galt eine normale Kumpelportion von etwa 300 Gramm, während für Briemma und ihn zusammen 180 Gramm reichen sollten.

Die digitale Waage beendete die Kalkulation bei 175 Gramm. Das lag fünf Gramm unter dem Plan und reichte dennoch als zwei Portionen, weshalb Carlexander das Ergebnis ohne weitere Nachverhandlung akzeptierte.

„Du darfst sie jetzt auch kochen“, sagte Briemma. Der Hinweis kam passend, denn das Wasser war wieder einmal viel zu spät aufgesetzt worden.

Im zu kleinen Edelstahltopf drängten sich die welligen Mafalde im kochenden Wasser und ließen es schließlich überkochen. Carlexander half mit dem hölzernen Stäbchen nach, während Briemma seufzend die Folgen auf der Kochfläche beseitigte; die Küchenlogistik blieb damit verlässlich arbeitsteilig.

Zum Abschluss fanden Mafalde, Kalbsfilet und grünes Zucchinigemüse gemeinsam auf den roten Teller. Dazu öffneten sie einen guten Primitivo, der ihnen in Neustadt empfohlen worden war, und füllten das Glas neben der Flasche mit dem angebrochenen Korken.

Carlexander betrachtete das fertige Essen als erfreulichen Beleg dafür, dass auch ein leicht chaotischer Ablauf zu einem ordentlichen Ergebnis führte. Briemma ersparte ihm eine ausführliche Schlussbilanz und genoss lieber Pasta und Wein. So endete das Küchenabenteuer warm, zufrieden und vor allem mit genau dem Essen, um das sich der ganze Aufwand gedreht hatte.

Serviertes Gericht auf dem Tisch

Zutaten

Rezeptposter: 2026 08 31 Kalbsfilet in Salbeibutter auf Reginette Mafalde
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  • Das Kalbsfilet war die Basis für unsere operative Essensplanung. (300gr Kalbsfilet)
  • Die digitale Waage bestätigte die Portionslogistik. (180gr Reginette Mafalda Nudeln)
  • Die Zucchini als strategischer Startpunkt (1 Zucchini)
  • Frische Salbeiblätter als aromatischer Akzent (8 blätter frischen Salbei)
  • Der rheinische Geschmackswürfel schmolz zwischen den Bratrückständen und rettete die operative Grundlage (Butter)
  • Das neutrale Öl ist ein organisatorischer Kompromiss, den wir hier nicht brauchen. Olivenöl liefert genug Geschmackstiefe für das Fleisch. (etwas neutrales Öl)
  • Eine einzige Knoblauchzehe für die gesamte Produktion ist zwar knauserig, aber im Rahmen der operativen Toleranzgrenzen akzeptabel. (1 Knoblauchzehe)
  • Salz als strategischer Abschluss der Geschmacksarchitektur (Salz)
  • Schwarzer Pfeffer als finale Qualitätskontrolle (schwarzer Pfeffer)

Arbeitsschritte

  1. Das Kalbsfilet aus dem Kühlschrank befreien, in Würfel schneiden und für die erste operative Stufe bereitstellen (Kalbsfilet aus dem Kühlschrank nehmen und schneiden.)
  2. Die operative Bestandsaufnahme war abgeschlossen, die Zucchini zerkleinert und das Mise en place stand bereit. Ein würdevoller Auftakt für den Abend. (Zucchini schneiden, Salbei waschen/trocknen, Knoblauch andrücken.)
  3. Ein voluminöserer Topf hätte die hydraulische Überlastung verhindert (Größeren Topf mit Nudelwasser aufsetzen.)
  4. Die operative Bestandsaufnahme der Zucchini ist abgeschlossen, nun folgt die eigentliche Wertschöpfung am Herd. (Pfanne erhitzen, Zucchini mit wenig Öl 5–7 Minuten kräftig braten. Herausnehmen und warmhalten.)
  5. Salz ins Wasser streuen und die Mafalde folgen lassen (Nudelwasser salzen. Nudeln hineingeben.)
  6. Kalbsmedaillons trocken tupfen und salzen (Kalbsmedaillons trocken tupfen und salzen.)
  7. Kalb kräftig anbraten bis die Bräunung sitzt (Kalb in die heiße Pfanne geben: ungefähr 2 Minuten pro Seite kräftig anbraten.)
  8. Hitze dämpfen, Butter hinzufügen und das Kalb noch zwei bis drei Minuten nachziehen lassen. (Hitze reduzieren, etwas Butter dazugeben und Kalb noch 2–3 Minuten nachziehen lassen.)
  9. Fünf Minuten Ruhepause für das Kalb abgedeckt veranlasst (Kalb herausnehmen und abgedeckt 5 Minuten ruhen lassen.)
  10. Das Butteraroma ist gesichert, die operative Grundlage steht (Butter in die Pfanne geben, Salbei und Knoblauch hinein und 2–3 Minuten leicht bräunen.)
  11. Das zurückgehaltene Kochwasser ist der entscheidende Feuchtespeicher für die finale Konsistenz (Nudeln abgießen, vorher etwa 100 ml Nudelwasser auffangen.)
  12. Ein Schuss Nudelwasser in die Salbeibutter, dann kurz kräftig durchschwenken (Nudeln mit einem Schuss Nudelwasser in die Salbeibutter geben und 1–2 Minuten kräftig durchschwenken.)
  13. Sorgfältig unterheben, salzen und pfeffern für eine saubere Geschmacksbilanz (Zucchini unterheben, mit Salz und schwarzem Pfeffer abschmecken.)
  14. Der Fleischsaft gehört in die Butter (Kalbsfilet prüfen und eventuell noch austretenden Fleischsaft zur Salbeibutter geben.)
  15. Das Finale stand an. Mafalde, Kalb und Zucchini trafen sich auf dem roten Teller, flankiert von Primitivo aus Neustadt. Ein ordentlicher Abschluss für einen chaotischen Prozess. (Anrichten und servieren.)
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Eventbericht: Alfa Romeo, Autobahn und Aachener Abenteuer

Eventbericht

Eventbericht: Alfa Romeo, Autobahn und Aachener Abenteuer

Alles begann mit einem unerwarteten Brand der alten Bella GT, die während einer Reparatur in der Werkstatt brannte. Damit schrumpfte der übliche Abstand zwischen Unglück, Autosuche und Abholung auf weniger als zwei Wochen.

Bei der Durchsicht der Angebote erwiesen sich Hybrid- und Elektrofahrzeuge inzwischen als erstaunlich teuer. Umso deutlicher stach eine neue Alfa Romeo Giulia hervor, die fast zum halben Preis angeboten wurde, weil der ursprüngliche Käufer vom Vertrag zurücktrat.

Carlexander wertete das als seltene Verbindung von Stil und vernünftiger Kalkulation, während Briemma die Zahlen prüfte und zustimmte. So fand sich früher als gedacht ein würdiger Ersatz für die geliebte Bella GT und zugleich ein neues Beispiel für jene unperfekte Perfektion, für die Alfa Romeo bei uns stand.

Termin zum Abholen des Babys, Alfa Romeo Giulia in Aachen

Mit dem fest eingetragenen Abholtermin zwischen 15 und 16 Uhr begann die Hinfahrt in bester Vorfreude auf das neue Baby. Freie Fahrt blieb dabei eine hübsche historische Vorstellung, die deutsche Autobahnen offenbar nur noch aus Erzählungen kannten.

Auf unserer Spur überholten sich Lastwagen kilometerlang, während die Gegenrichtung nach einem Unfall vollständig gesperrt war. Carlexander erklärte das Elefantenrennen innerlich zur ersten Lagebesprechung des Tages.

„Das Ziel steht immerhin fest“, sagte er. Briemma antwortete trocken: „Und wir fahren in die richtige Richtung.“

Elefanten Rennen auf der Autobahn

Im Autohaus in Aachen wartete schließlich die Giulia, die wir ungesehen gekauft hatten. Das Vertrauen kam nicht von ungefähr, denn eine Giulia von 2016 begleitete uns bereits über Jahre.

Das Autohaus Kohl präsentierte die neue Bella Macchina so sorgfältig, dass Carlexander seine Prüfung mit sichtlichem Vergnügen aufnahm. Schon die Front bestätigte, dass der schnelle Kauf keine ästhetische Notlösung gewesen war.

Auch das Heck bestand die Begutachtung ohne jede Nachverhandlung. „Der Hintern ist ein Traum“, stellte Carlexander knapp fest, und Briemma ließ diese fachlich hinreichend präzise Einschätzung gelten.

Der Perla-Lunare-Lack kam im hellen Ausstellungssalon besonders gut zur Geltung. Von vorn wirkte die Giulia ebenso perfekt, während der schwarze Alfa Romeo SUV im Hintergrund für diesen Termin geduldig die Nebenrolle übernahm.

Briemma fasste das Ergebnis der ausführlichen Rundumschau praktisch zusammen: „Dann war die Entscheidung richtig.“ Carlexander hatte dagegen bereits den deutlich umfangreicheren Prüfbericht im Kopf, dessen Kurzfassung ebenfalls Zustimmung lautete.

Die Übergabe verlief dank Herrn Falkowski erstaunlich unkompliziert. Innerhalb der letzten Woche hatte er entscheidend dazu beigetragen, dass die neue Bella Macchina so schnell bereitstand.

Schlüssel, Scheckheft und Dokumente lagen geordnet zur Abnahme bereit. Carlexander widmete dem Vorgang jene Aufmerksamkeit, die ein neues Auto und eine saubere Organisationsstruktur gleichermaßen verdienten.

Nur die Registrierung sorgte für einen kleinen technischen Zwischenruf, weil die Alfa-Software mit einer .org-Domain nichts anfangen konnte. „Eine begrenzte digitale Weltoffenheit“, bemerkte Carlexander, worauf Briemma erwiderte: „Oder schlicht ein fehlendes Update.“

Nach der Bürokratie überzeugten auch die Details der Felge mit schwarzem Lack, silbernen Akzenten und rotem Alfa-Romeo-Bremssattel. Carlexander erklärte den Look für unglaublich, und Briemma fand an dieser Lageanalyse ausnahmsweise nichts zu kürzen.

Im Innenraum setzte sich die vertraute Ordnung der früheren Giulia fort. Das aufgeräumte Armaturenbrett, das digitale Display, die grauen Ledersitze und das sportliche Lenkrad machten den Wechsel angenehm vertraut.

Nach der Übergabe blieb genügend Aufmerksamkeit für die glänzenden Einzelheiten. Carlexander betrachtete Embleme und Lack mit der Gründlichkeit eines Genießers, der seinen guten Geschmack gern noch einmal bestätigt bekam.

Auf der Motorhaube setzte das Alfa-Romeo-Emblem mit Rot, Grün und Silber den erwarteten Akzent. Briemma erkannte darin vor allem einen weiteren Beleg dafür, dass die Bella Macchina auch im Detail hielt, was ihr Gesamtauftritt versprach.

Der silberne Giulia-Schriftzug reflektierte das Licht neben dem Rot der Rückleuchte, während Wassertröpfchen auf dem Lack und das rote Q4-Emblem weitere kleine Akzente setzten. „Der Glanz ist jedenfalls einsatzbereit“, sagte Briemma.

Mit dem verchromten Veloce-Schriftzug war Carlexanders Rundgang vollständig. Nun durfte die neue Giulia beweisen, dass sie außerordentlich gut aussah und uns ebenso ordentlich nach Hause brachte.

Der erste Tankstopp lieferte prompt den finanziellen Realitätsabgleich zur italienischen Eleganz. Carlexander nahm die Zahlen als Einladung zu einer etwas größeren Lagebesprechung.

Bei 222,9 Cent pro Liter summierten sich 49,75 Liter auf 110,89 Euro. „Uff, der erste Tankschock zeigt Wirkung“, sagte Carlexander, und Briemma ließ den Betrag für sich sprechen.

Die Rechnung blieb dennoch nachvollziehbar, denn durch das günstige Angebot hätten wir sehr viel fahren müssen, um den Mehrpreis eines Elektrofahrzeugs auszugleichen. Für die meiste Zeit im Homeoffice reichte diese nüchterne Bilanz, auch wenn der Tankzettel keine besondere Bescheidenheit erkennen ließ.

Auf der Rückfahrt machte das Technologiepaket der Vollausstattung die Reise erstaunlich entspannt. Tempomat, Automatik, Abstandswarner und Spurhaltung erledigten ihre Aufgaben so überzeugend, dass Carlexander sie umgehend zum wünschenswerten Standard erklärte und Briemma die entspannte Fahrt genoss.

Zu Hause stand die Giulia schließlich vor dem Backsteinhaus und ließ ihren Perla-Lunare-Lack auf dem gepflasterten Hof glänzen. Briemma war mit der erfolgreichen Heimkehr zufrieden, während Carlexander feststellte, dass das neue Baby nun genau dort angekommen war, wo es hingehörte.

Am Abend kündigten Donner und ferne Blitze ein kräftiges Gewitter an. Damit erhielt der ohnehin ereignisreiche Abholtag noch eine unerwartet aufwendige Schlussbeleuchtung.

Die neue Bella Macchina stand vor dem Wohnviertel, während der Himmel für kurze Augenblicke roségolden aufleuchtete. Ihr Perla-Lunare-Lack passte so gut dazu, dass selbst Carlexanders Hang zur großen Inszenierung kaum nachhelfen musste.

„Ein angemessener Abschluss“, sagte Carlexander. Briemma antwortete freundlich trocken: „Für eine Autoabholung durchaus großzügig.“

In der Entfernung zuckten weitere Blitze und ließen den Wagen immer wieder kurz aufstrahlen. Das Gewitter übernahm damit zuverlässig den festlichen Teil, ohne dass dafür noch organisatorischer Aufwand nötig wurde.

Carlexander erklärte die Lage schließlich für besichtigt, geordnet und erfolgreich abgeschlossen, während Briemma den langen Tag mit ihm zufrieden ausklingen ließ. Was mit einem Brand begann, endete im grandiosen Blitzfinale.

Geburtstagsessen von Briemma bei Vinci

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Tag 1 von 1

Eventbericht

Geburtstagsessen von Briemma bei Vinci

Zum Geburtstag von Briemma fuhren wir mit Mutti und dem Hausfreund ins lokale Fine-Dining-Restaurant mit sardischer Küche in Bedburg. Vinci war für diesen Anlass genau die richtige Wahl. Es war ein Traum und immer wieder gern.

Schon beim Eintreten wirkte das klassische Ambiente mit Holzverkleidungen, Bar und warmer Beleuchtung angenehm vertraut. Briemma fühlte sich sofort heimisch, und Carlexander erklärte die Platzwahl innerlich bereits für genehmigt. Sein Sinn für Komfort brauchte erfreulich wenig Überzeugungsarbeit.

Man fühlt sich richtig heimisch

Am gedeckten Tisch sorgten rote Rosen und die passende Dekoration dafür, dass Briemmas Geburtstag seinen gebührenden Rahmen bekam. Eine Flasche Roséwein wartete ebenfalls in der Runde. Mutti prüfte kurz ihren Lippie und zeigte sich mit der festlichen Lage ausgesprochen zufrieden.

Vinci begrüßte uns herzlich und kannte unsere Gewohnheiten längst. Auch seine Frau, die Köchin Valeria, kam zur Begrüßung und herzte uns. Diese Herzlichkeit galt ebenso den anderen Gästen, denn bei Vinci war jede und jeder willkommen.

Mutti strahlte und sagte: „Hörst du, hier wird man ja richtig aufgenommen.“ Carlexander schenkte ihrem ersten „Hörst du“ die kontrollierte Aufmerksamkeit, die ein Familienabend verlangte. Briemma freute sich schlicht darüber, wieder hier zu sein.

Fabio musste nicht erst nach unseren Getränkewünschen fragen. Er brachte Prosecco für die Damen und roten Portwein für die Herren. „Der Ablauf war vorbildlich vorbereitet“, stellte Carlexander fest, worauf Briemma trocken erwiderte: „Er kennt uns einfach.“

Mit Olivenöl und Balsamico, Oliven und herrlich softem Brot kam der erste Gruß aus der Küche. Dazu gehörte eine Olivenölteller mit Balsamico, die mit Oliven, Blütenblättern und dunkler Sauce fein angerichtet war. Der Abend nahm damit ohne unnötige Umwege Fahrt auf.

Carlexander tauchte sein Brot mit der Ernsthaftigkeit eines geprüften Verfahrens in das Olivenöl. „Die Grundlage war belastbar“, urteilte er knapp. Briemma probierte längst und antwortete: „Dann kannst du jetzt auch essen.“

Mit dem obligatorischen Olivenöl und Balsamico

Danach kamen die Guillardeau-Austern auf Eis, begleitet von Salat, Zitrone und kleinen Zwiebelwürfeln. Mutti war in die glitschigen Dinger regelrecht vernarrt. Carlexander genoss schweigend, was bei ihm als besonders überzeugende Bewertung galt.

Briemma rümpfte dagegen die Nase und ließ ihre Begeisterung in überschaubaren Grenzen. Mutti wandte sich unverdrossen den Austern zu, während ihr Lippie auch diese kulinarische Herausforderung tadellos überstand. Carlexander sah keinen Anlass, die friedliche Verteilung der Vorlieben neu zu verhandeln.

Mutti ist richtig vernarrt in die glitschigen Dinger, Guillardeu Austern

Bei den Vorspeisen bekam Mutti ihre immer wieder gern bestellte Jakobsmuschel. Sie war gegrillt, cremig gefüllt und mit Kräutern und Parmesan angerichtet. Mutti widmete ihr sofort jene Aufmerksamkeit, die sie sonst längeren Familiengeschichten vorbehielt.

Auch die Garnelenpfanne mit Kräutern und Knoblauch gehörte zu den bewährten Freuden des Hauses. Carlexander betrachtete die Auswahl kurz wie eine umfangreiche Tagesordnung. Dann gab er die organisatorische Zurückhaltung auf und genoss.

Briemma machte sich freudig über das Octopus-Carpaccio mit Salat, Tomatenwürfeln, grünem Pfeffer und Zitrone her. Das klassische Rindercarpaccio mit Rucola und Parmesan überzeugte ebenfalls wie bei jedem Besuch. „Die Reihenfolge war also geklärt“, bemerkte Carlexander, obwohl Briemma sie längst praktisch umgesetzt hatte.

Von Muttis Jakobsmuschel blieb bald nur das leere Gehäuse mit wenigen Kräutern und einem kleinen Rest Sauce zurück. „Leider aufgegessen“, stellte Briemma fest. Mutti nahm das als Kompliment an die Küche und keineswegs als Grund zur Klage.

Beim Hauptgang blieb Mutti klassisch und wählte den Lachs mit Kartoffeln, Bohnen und Spinat. Die üppige Sauce veranlasste sie allerdings zu einer sofortigen Mengenprüfung. „Wer soll das alles essen, und glauben die, wir sind verhungert?“, fragte sie freundlich in die Runde.

Für unseren Freund, kam Zander mit Nudeln und einem kleinen Salat. Kräuter, Petersilie und rote Chili begleiteten den Fisch. Carlexander nahm die Kombination anerkennend zur Kenntnis, ohne daraus eine weitere Sitzung zu machen.

Er selbst bevorzugte die Riesengarnele, selbstverständlich vom Grill. Kartoffeln, grüner Spargel, Erbsen, Paprika, Zitrone und Salat vervollständigten seinen Teller. „Natürlich vom Grill“, sagte Carlexander mit der Zufriedenheit eines Katers, dessen zentrale Forderung erfüllt worden war.

Briemma stürzte sich derweil auf ihre Tagliatelle mit Trüffelcreme. Die cremige Sauce und die feinen Trüffelstreifen beanspruchten ihre volle Aufmerksamkeit. Carlexander erkannte rechtzeitig, dass jede Analyse dieses Gerichts bereits an Briemmas Appetit scheiterte.

Nach den Hauptspeisen wurde es kurz ruhig, bevor ein italienisches Geburtstagsständchen durch das Restaurant schallte. Fabio brachte den Nachtisch mit einem kleinen Fischfeuerwerk, und die Gastgeber gratulierten herzlich. Briemma fand das ausgesprochen lieb und wäre vor Verlegenheit dennoch am liebsten im Boden versunken.

Sie sah Carlexander an und fragte: „Da bist du doch wieder schuld!“ Fabio sprang sofort ein und erklärte: „Nein, das kommt vom Herzen aus der Küche.“ Carlexander nahm die Entlastung mit würdevoller Unschuld entgegen.

Dann wird es kurz ruhig und peinlich für Briemma

Anschließend fielen Mutti und Briemma gemeinsam über das Krokant-Parfait her. Der Freund des Hauses widmete sich dem Tiramisu mit Beeren und Minze. Die Verteilung der Nachspeisen funktionierte damit ähnlich zuverlässig wie Fabios Getränkeservice.

Carlexander vernaschte das Affogato al Limoncello. Die cremige Nachspeise mit Früchten und Minze traf seinen Sinn für ein gepflegtes Finale. Er behandelte jeden Löffel mit jener Konzentration, die er sonst nur wichtigen Lagebesprechungen gönnte.

Bald war auch vom Krokant-Parfait kaum noch etwas übrig. Ein paar Blaubeeren, Minzblätter und Saucenreste markierten das erfreuliche Ende der Angelegenheit. Briemma und Mutti brauchten dafür weder Strategiepapier noch Nachbesprechung.

Danach kam der Espresso frisch aus dem Siebträger in weißen Tassen an den Tisch. Sein kräftiger Duft leitete die ruhige Schlussrunde ein. „Guter Abschluss“, sagte Briemma, und Carlexander nickte ohne ergänzende Analyse.

Satt und glücklich lehnten sich alle zurück und genossen den Espresso. Mutti zog bei dieser passend unpassenden Gelegenheit noch einmal ihren Lippie nach. Carlexander richtete seine rote Brille und ließ den gelungenen Abend einfach gelten.

Zum Digestif brachte Fabio Grappa für die Damen und Limoncello für die Herren. Damit blieb auch der letzte Getränkegang angenehm vertraut. Carlexander wertete diese Verteilung als sauber organisiertes Schlussprotokoll.

Die Flasche Grappa Moscato von Terre Antiche machte bei Mutti und Briemma die Runde. Carlexander nahm seinen Limoncello mit gebührender Zufriedenheit entgegen. „Der Abschluss war strategisch überzeugend“, sagte er, und Briemma erwiderte: „Trink ihn einfach.“

Die gesellige Runde blieb noch bei den Gläsern beisammen. „Hörst du, das war aber schön“, stellte Mutti fest. Briemma stimmte ihr zu, bevor aus der Feststellung noch ein ausführlicher Rückblick werden konnte.

Die Lichterkette am Fenster und der letzte Rest im Glas gaben dem Abend einen gemütlichen Rahmen. Nach all den Vorspeisen, Hauptgerichten und Nachspeisen herrschte jene zufriedene Ruhe, die ein gutes Geburtstagsessen verdiente. Carlexander verzichtete sogar auf eine abschließende Bewertung der Portionsfolge.

So endete Briemmas Geburtstag bei Vinci als schöner und würdiger Abend in geselliger Runde. Die herzliche Begrüßung, das vertraute Essen und die liebe Überraschung aus der Küche passten wunderbar zusammen. Wir gingen satt und glücklich auseinander und wussten wieder, warum wir so gern hierherkamen.

Kurzentschlossener Besuch bei Christofs in Kaster

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Tag 1 von 1

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Kurzentschlossener Besuch bei Christofs in Kaster

Der Kurzentschluss führte Carlexander und Briemma zu einem entspannten Abendessen nach Bedburg-Kaster. Weil die schöne Altstadt eigentlich für Autos gesperrt war, parkten sie außerhalb der ehemaligen Stadtmauern. Zwischen Bäumen und geparkten Wagen stand eine Frau im floralen Kleid, während Carlexander den regelkonformen Auftakt zufrieden zur Kenntnis nahm.

Von dort gingen sie durch das historische Backsteintor mit seinem spitzen Dach und der Statue in der Mitte. Hinter dem Durchgang setzte sich der Weg über Pflaster fort, und Fachwerkhäuser begleiteten den Eintritt in den alten Ortskern. Carlexander wertete das Tor als erfreulich eindeutige Wegweisung, die sogar ohne Lageplan funktionierte.

Unter den alten Bäumen rückten die bemerkenswerten Backsteingebäude bald in den Vordergrund. Ihre kräftigen Mauern, die vielen Fenster und das große Eingangstor passten angenehm zum gemächlichen Weg durch den Ort. Briemma betrachtete die Anlage und sagte trocken: „Die Häuser standen schon richtig, bevor du sie geprüft hast.“

Am historischen Torhaus trafen Kreuzigungsgruppe und Vogelwetterfahne auf eine weniger historische Reihe von drei geparkten Autos. Das ausgesprochene Parkverbot beeindruckte offenbar nicht jeden, und die schönen Häuser mussten sich ihren Auftritt mit den Wagen teilen. „Die Architektur bestand die Prüfung, die Parkplatzordnung beantragte Nachbesserung“, fasste Carlexander die Lage zusammen.

Auf dem weiteren Weg erreichten sie den ehemaligen Gasthof zum ‚Alten Haus‘, in dem Christof inzwischen sein Restaurant betrieb. Die Backsteinfassade, die grünen Fensterläden und der große Eingang fügten sich stimmig in die Altstadt ein. Unter dem blau-schwarzen Sonnenschirmdach unterhielten sich Gäste, während Carlexander die klare Beschilderung ausdrücklich billigte.

Drinnen empfingen sie Holzverkleidungen, eine grüne Wand und ein großes abstraktes Kunstwerk. Die Tische waren mit Geschirr und Blumen für die Essenszeit vorbereitet, ohne dass die Einrichtung überladen wirkte. Briemma fand die Mischung urig, schlicht und gemütlich, womit die wesentlichen Fragen für sie bereits beantwortet waren.

Beim Weitergehen fiel der Holzboden ebenso angenehm auf wie der klassische Barbereich mit Theke und Regalen. Eine Tafel kündigte die ausgewogene Tageskarte an und erhöhte damit zugleich die Zahl der möglichen Entscheidungen. Carlexander trat näher und urteilte knapp: „Lesbar und übersichtlich, das senkt das Betriebsrisiko.“

So gelang der Wechsel von den alten Mauern draußen zur warmen Schlichtheit des Restaurants ohne großes Zeremoniell. Carlexander genoss die Ordnung, Briemma die Gemütlichkeit, und beide richteten ihre Aufmerksamkeit nun auf das Abendessen. Der bisherige Verlauf durfte damit als ausgesprochen vielversprechend gelten.

Die Speisekarten wurden alle paar Wochen aktualisiert, sodass selbst ein kurzer Besuch eine neue Auswahl bereithielt. Vorspeisen, Suppen, Preise sowie vegetarische und vegane Kennzeichnungen verlangten einen genaueren Blick. Carlexander studierte das Angebot mit jener Konzentration, die bei ihm gewöhnlich eine etwas größere Vorstandsvorlage erwarten ließ.

Bei den Vorspeisen schwankte er zwischen dem Pfifferlingschaumsüppchen und dem Thunfisch-Tatar. Briemma hatte sich bereits für das Tatar entschieden und beendete damit einen Teil seiner Lagebesprechung. „Dann nehme ich das Süppchen“, erklärte Carlexander, als hätte er gerade eine besonders ausgewogene Ressourcenteilung beschlossen.

Die Hauptgerichte machten die Entscheidung allerdings wieder schwieriger. Eigentlich hatte Carlexander die Entenbrust vorgesehen, doch schließlich wählte er die Leber „Berliner Art“. Sein ursprünglicher Plan hielt also ungefähr bis zur Tageskarte, was Briemma mit freundlicher Gelassenheit hinnahm.

Auch Briemma brauchte angesichts der Vielfalt einen Moment, bevor ihre Wahl feststand. Mit ihrem Blumenband saß sie über der Karte und entschied sich schließlich für das Wiener Schnitzel. „Siehst du“, sagte sie trocken, „man kann eine Karte auch ohne Ausschusssitzung bewältigen.“

Als Vorspeise erhielt Carlexander sein Pfifferlingschaumsüppchen mit Baguette auf einem Holzbrett. Die warme, schaumige Suppe entsprach genau der komfortbewussten Entscheidung, die er zuvor so gründlich vorbereitet hatte. Das Baguette sorgte dabei für die passende Begleitung, ohne eine weitere Abstimmung zu verlangen.

Für Briemma lag ein kleines Löffelchen zum Probieren bereit. Sie kostete von der Suppe, während Carlexander den Erfolg seiner Wahl genoss. „Die Entscheidung war hervorragend“, stellte er fest, und Briemma erwiderte: „Die Suppe auch.“

Zum Besteck auf dem Holztisch kam ein alkoholfreies Radler im Selbstbau. Diese kleine Eigenleistung passte erstaunlich gut zu einem Abend, an dem selbst die Getränkefrage noch einen praktischen Handgriff verlangte. Carlexander behandelte die Mischung dennoch nicht als Krise, sondern als überschaubare Nebenaufgabe.

Briemmas Thunfisch-Tatar wurde mit Wakamesalat, Brot und grünen Erbsen serviert. Carlexander wollte ebenfalls probieren, doch Briemma war schneller und der Käsechip bereits verschwunden. Sein Blick verriet eine kurze Bestandsaufnahme, während sie den Vorsprung ohne weitere Erklärung genoss.

Mit den Hauptgerichten setzte sich der erfreuliche Verlauf fort. Briemmas Wiener Schnitzel kam mit Pommes, Zitrone und einer Schüssel Gurkensalat. Die Portion war großzügig genug, um jede vorherige Kartenlektüre nachträglich zu rechtfertigen.

Besonders der Gurkensalat mit Kräutern erwies sich als ausgesprochen lecker. Seine frische Begleitung passte gut zum Schnitzel und zu den Pommes. Briemma brauchte dafür keine längere Bewertung, denn ein zufriedenes Urteil durfte gelegentlich angenehm kurz ausfallen.

Carlexander erhielt die Leber „Berliner Art“ mit Apfel und Kräutern auf Kartoffelpüree. Der Portweinjus verband die kräftigen und süßlichen Bestandteile ausgewogen miteinander. Schon nach dem ersten Eindruck stand für ihn fest: „Ein Träumchen.“

Gerade bei Leber konnte die Küche leicht zwischen trocken und deutlich zu roh geraten. Hier war sie auf den Punkt gegart, zart und sehr lecker. Carlexander nahm diesen Erfolg mit jener Würde entgegen, die er sonst für besonders gelungene organisatorische Abläufe reservierte.

Neben der angeschnittenen Leber gehörten auch gebratene Äpfelstückchen und Kartoffelpüree zu den Details des Hauptgangs. In der braunen Sauce mit Zwiebeln und Kräutern wirkten sie kräftig und sorgfältig angerichtet. Briemma ließ Carlexander seine kulinarische Lagebesprechung diesmal aus gutem Grund ohne Korrektur beenden.

Vom Wiener Schnitzel blieben schließlich Pommes, Zitrone und ein Teil der Portion übrig, die mit einem Zwinkern „für den Hund“ eingepackt wurden. Ausgerechnet während der entspannten Auszeit erschien außerdem der Chef mit seiner Familie im Restaurant. Weil das Verhältnis sehr gut war, blieb die Begegnung erfreulich unkompliziert und ersparte allen Beteiligten peinliche Momente.

Später ließ sich tatsächlich ein ruhiger und netter Hund am Nebentisch nieder. Carlexander hatte seine Allergietablette nicht dabei, weshalb sie auf den Nachtisch verzichteten und den Abend vernünftig abrundeten. Der kurzentschlossene Besuch endete damit etwas früher als kulinarisch denkbar, aber rundum gelungen, entspannt und mit sorgfältig verpacktem Reiseproviant.

Reste des Wiener Schnitzel mit Pommes

Carlexander Backt Pflaumenkuchen

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Tag 1 von 1

Eventbericht

Carlexander Backt Pflaumenkuchen

  

Zwetschgenkuchen oder die kontrollierte Eskalation einer Küche

Es begann mit anderthalb Kilo Pflaumen und der grundsätzlich vernünftigen Idee, daraus einen Kuchen zu machen. Eine jener Tätigkeiten, die in Rezepten gern mit Zeitangaben wie „20 Minuten Vorbereitung“ versehen werden und dabei unterschlagen, dass offenbar eine zweite Person unsichtbar hinter einem steht und benutzte Schüsseln, Messer, Bretter und klebrige Arbeitsflächen unmittelbar nach ihrer Entstehung aus der Realität entfernt.

In unserer Küche heißt diese zweite Person Briemma.

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits beschlossen, dass es ein Hefekuchen werden sollte. Saftig. Mit ordentlich Pflaumen. Vielleicht Marzipan. Auf jeden Fall Hagelzucker. Also ein Backvorhaben mit klarer strategischer Ausrichtung und noch geringfügig ungeklärter operativer Umsetzung.

„Du hast Teig am Schrank.“

Briemma stand hinter mir, einen Lappen in der Hand und diesen besonderen Gesichtsausdruck im Gesicht, mit dem sie normalerweise Situationen quittiert, die sie bereits verstanden hat, während ich noch an ihrer theoretischen Einordnung arbeite.

„Das ist unvermeidbarer Prozessverlust.“

„Das ist Hefeteig.“

Auf dem iPad am Rand der Arbeitsplatte wartete Sokrates. Ich hatte ihn bereits mit den wesentlichen Fragen der modernen Backkunst beschäftigt: Ei-Ersatz? Bei welcher Temperatur soll der Teig gehen? Marzipan? Hagelzucker unter die Pflaumen oder drauf? Und irgendwann sogar mit der Frage, ob die Pflaumen besser in Fischgrät oder Rosette auf den Kuchen gehören.

Sokrates nahm das alles mit jener digitalen Ruhe hin, die besonders leicht fällt, wenn man selbst weder einen Teig kneten noch anderthalb Kilo Pflaumen entsteinen muss.

Während die Küchenmaschine den Hefeteig bearbeitete, begann ich mit den Zwetschgen.

Zumindest war das der Plan.

Ich nahm eine Zwetschge, ein Messer und begann mit jener vorsichtigen Entschlossenheit zu schneiden, die normalerweise Menschen entwickeln, wenn sie zum ersten Mal einen Sprengsatz entschärfen. Nach einigen Versuchen lagen vor mir mehrere unterschiedlich große Fruchtteile, ein Kern und wenig, das darauf schließen ließ, dass hier später einmal ein ordentlich belegter Kuchen entstehen sollte.

Briemma sah mir eine Weile zu.

Dann seufzte sie.

Es war kein dramatisches Seufzen. Eher das sachliche Geräusch eines Menschen, der soeben akzeptiert hat, dass Delegation in diesem Fall keine Zeitersparnis bringt.

„Gib her.“

Sie nahm Messer und Zwetschgen und übernahm.

Ich wechselte daraufhin in eine stärker strategisch ausgerichtete Funktion.

Was zunächst nach einer überschaubaren Menge Obst ausgesehen hatte, entwickelte sich nach dem Entsteinen zu zwei bemerkenswert gut gefüllten Schüsseln. Die Arbeitsplatte wurde kleiner. Die Zahl benutzter Gegenstände größer.

Briemma schnitt.

Ich organisierte.

Briemma wischte.

Ich suchte das Marzipan.

Und tatsächlich fand ich es.

Das Marzipan hatte allerdings bereits eine längere persönliche Geschichte hinter sich. Die Verpackung verriet ein Mindesthaltbarkeitsdatum, das ausreichend weit in der Vergangenheit lag, um die Frage nach seiner Verwendung nicht mehr ausschließlich kulinarisch erscheinen zu lassen.

Also konsultierte ich Sokrates.

Auf dem iPad erschien nach kurzer Prüfung seine Empfehlung: lieber nicht mehr verwenden.

Das war knapp, analytisch und bedauerlicherweise vernünftig.

Ich betrachtete das Marzipan noch einen Moment.

Briemma betrachtete mich.

„Nein.“

Damit war die zweite fachliche Einschätzung abgeschlossen.

Das Marzipan verließ das Projekt.

*Ich organisierte. Briemma wischte. Ich suchte das Marzipan

„Wo ist die Schüssel?“

„Welche?“

Das war eine berechtigte Gegenfrage. Inzwischen gab es mehrere.

Der Hefeteig kam aufs Blech und wurde ausgezogen. Ohne Marzipan. Dann begann der eigentlich meditative Teil des Projekts: Zwetschgen setzen. Reihe für Reihe, dicht an dicht, leicht überlappend.

Nach ungefähr einem Drittel des Blechs stellte sich heraus, dass anderthalb Kilo Zwetschgen nicht „viel Obst“ sind. Anderthalb Kilo Zwetschgen sind eine Bauaufgabe.

Ich setzte weiter.

Briemma betrachtete das entstehende Raster.

„Du weißt schon, dass das ein Kuchen wird und kein Fliesenleger-Meisterstück?“

„Es braucht Struktur.“

Sie seufzte und entfernte wortlos drei Zwetschgenkerne, einen Klecks Teig und etwas Mehl aus Bereichen der Küche, in denen diese Dinge nach meinem Verständnis eigentlich gar nicht gewesen waren.

Schließlich war das Blech vollständig belegt. Die Zwetschgen standen dicht nebeneinander, der Hagelzucker lag darüber und aus dem ambitionierten Hefeteig war eine ziemlich überzeugende Obstlandschaft geworden.

Für eine letzte Lagebesprechung aktivierte ich Sokrates.

„Mittlere oder untere Schiene?“

Auf dem iPad erschien seine knappe Empfehlung.

Dann verschwand das Blech im Ofen.

Zum ersten Mal seit Beginn des Projekts wurde es ruhig.

Briemma sah sich um.

Ich sah mich ebenfalls um.

Offenbar hatte während der Herstellung eines einzelnen Kuchens jemand heimlich eine zweite Mahlzeit zubereitet, drei Kindergeburtstage veranstaltet und anschließend versucht, sämtliche Beweise auf unserer Arbeitsplatte zu verteilen.

„Das räume ich gleich auf.“

Briemma hielt den Lappen hoch.

„Natürlich.“

Als der Kuchen wieder aus dem Ofen kam, waren aus den matten Zwetschgen glänzende, dunkelrote Früchte geworden. Der Saft war in den Hefeteig gezogen, die Ränder waren gebräunt und zwischen den Früchten lagen die hellen Stückchen des Hagelzuckers.

*Als der Kuchen wieder aus dem Ofen kam, waren aus den matten Zwetschgen glänzende, dunkelrote Früchte geworden

Spätestens beim Anschneiden erledigte sich dann auch die Frage, ob der Aufwand angemessen gewesen war.

Der Boden war kräftig und weich, darüber kamen sehr viele saftige, leicht säuerliche Zwetschgen. So viele, dass man sich die übliche Diskussion darüber sparen konnte, ob auf einem Zwetschgenkuchen eigentlich genug Obst liegt.

Ich nahm noch einen Bissen.

Briemma ebenfalls.

Auf dem iPad war Sokrates inzwischen wieder still.

„Gut“, sagte Briemma.

Ich nickte.

Eine angemessen nüchterne Bewertung für ein Projekt, das anderthalb Kilo Zwetschgen, eine Küchenmaschine, mehrere Schüsseln, einen verworfenen Block Marzipan, einen digitalen Rezeptberater und eine erhebliche Menge häuslicher Schadensbegrenzung benötigt hatte.

Die Küche war inzwischen wieder sauber.

Natürlich nicht durch mich.

*Ich nahm noch einen Bissen

Carlexanders Arbeitsprotokoll: Zwetschgenkuchen

Materialien:
– 1,5 kg Zwetschgen
– Hefeteig für ein Backblech
– Hagelzucker
– Backpapier
– Küchenmaschine
– Messer und Schneidebrett
– mehrere Schüsseln, offenbar mehr als geplant
– Backblech
– iPad mit Sokrates
– Lappen mit Briemma

Marzipan war ursprünglich vorgesehen, wurde aber wegen des deutlich überschrittenen Mindesthaltbarkeitsdatums nach Rücksprache mit Sokrates verworfen.

*Carlexanders Arbeitsprotokoll: Zwetschgenkuchen Materialien: 1,5 kg Zwetschgen Hefeteig für ein Backblech Hagelzucker Backpapier Küchenmaschine Messer

Arbeitsschritte:

1) Hefeteig vorbereiten und von der Küchenmaschine kneten lassen.
2) Teig gehen lassen.
3) Zwetschgen waschen, halbieren und entsteinen.
4) Nach ersten unbeholfenen Schneideversuchen akzeptieren, dass Briemma diesen Arbeitsschritt übernimmt.
5) Altes Marzipan finden, Sokrates konsultieren und anschließend nicht verwenden.
6) Hefeteig auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech verteilen.
7) Zwetschgen dicht, leicht überlappend und möglichst ordentlich auf den Teig setzen. Das ist Kuchenbelegen, auch wenn Briemma gewisse Ähnlichkeiten mit Fliesenarbeiten erkennt.
8) Hagelzucker über die belegten Zwetschgen streuen.
9) Kuchen backen, bis der Hefeteig gebräunt und die Zwetschgen weich und saftig sind.
10) Anschneiden und feststellen, dass anderthalb Kilo Zwetschgen eine durchaus angemessene Menge Obst darstellen.
11) Küche aufräumen.

Punkt 11 wurde erfolgreich an Briemma delegiert.

*Arbeitsschritte: Hefeteig vorbereiten und von der Küchenmaschine kneten lassen

2025-04-08 – Tag 1: Anreise aus Düsseldorf Flughafen am sehr frühen morgen

Reiseepisode

2025-04-08 – Tag 1: Anreise aus Düsseldorf Flughafen am sehr frühen morgen

Tag 1 · 2025-04-08 · Palma de Mallorca

Der erste Reisetag begann am Düsseldorfer Flughafen zu einer Uhrzeit, zu der selbst die Rollkoffer noch gedämpft klangen. Am Gate war es sehr ruhig, die Sitzreihen warteten beinahe ordentlicher als ihre Passagiere. Carlexander blickte durch seine rote Brille auf die Abfluganzeige und versuchte, darin bereits einen Erfolg zu erkennen. Briemma stellte ihren Gehstock neben sich ab. „Wir sind da“, sagte sie. Für diesen frühen Morgen war das zunächst Leistung genug.

Das Flughafenfrühstück folgte der bekannten Regel, dass Preis und Genuss in Terminals getrennte Wege gehen dürfen. Das Franzbrötchen schmeckte morgens um fünf abgelagert, der Kaffee nach geröstetem irgendwas. Carlexander prüfte beides mit der müden Würde eines Katers, der eine Reklamation erwägt, aber noch nicht über die notwendige Betriebstemperatur verfügt. „Teuer ist immerhin eine klare Qualitätsaussage“, bemerkte Briemma. Sie sagte nicht, welche Qualität gemeint war.

Nach dem Start änderte sich die Lage gründlich. Unter goldenem Himmel lagen schneebedeckte Alpen, ihre Gipfel in einer langen Reihe, darüber ein sanfter Übergang von Orange zu Blau. Die Aufnahme wirkte wie ein Sonnenuntergang, obwohl der Reisetag gerade erst begonnen hatte und die innere Uhr ohnehin keine verlässliche Auskunft mehr gab. Danach übernahmen Licht und Wolken das Programm. Es war beruhigend, still und deutlich überzeugender als das Frühstück.

Beim Anflug auf Palma de Mallorca wurde aus der Landschaft langsam ein Ziel. Küste, Hafen und die ersten großen Schiffe rückten ins Blickfeld, während Carlexander noch versuchte, Flugmodus, Ortszeit und Reiseplanung miteinander zu versöhnen. Briemma sah hinaus und ließ ihn rechnen. Manche Ankünfte gelingen am besten, wenn einer organisiert und der andere rechtzeitig aus dem Fenster schaut.

Im Hafen von Palma de Mallorca trafen mehrere Kreuzfahrtschiffe aufeinander, was aus der Luft und später vom Boden wie eine Versammlung sehr großer weißer Gebäude wirkte. Im Hintergrund lag die alte Mein Schiff 1, die vor Jahren verkauft wurde und nach Carlexanders Auffassung die einzig richtige Größe der Flotte besessen hatte. Dieser Satz fiel mit jener Bestimmtheit, die gewöhnlich nur bei Schiffsmaßen und Weinkarten auftritt. Briemma ließ ihn stehen.

Der TUI-Shuttlebus wartete bereits, und der Transfer zum Hafen verlief erstaunlich gut organisiert und ohne Gedränge. Gepäck, Gäste und Erwartungen fanden offenbar gleichzeitig ihren Platz. Carlexander registrierte diesen seltenen Vorgang mit sichtbarer Anerkennung. „Kein Durcheinander“, sagte er. „Mach bitte kein Audit daraus“, antwortete Briemma, bevor die Fahrt überhaupt richtig begonnen hatte.

Der Bus fuhr an der beeindruckenden Kathedrale von Palma de Mallorca vorbei. In den frühen Morgenstunden waren dort noch keine Menschenmassen zu sehen, sodass die Architektur für einen kurzen Moment ohne das übliche Gewimmel wirkte. Dann verlagerte sich der Blick wieder zum Hafen. Zwischen Straßen, Wasser und Schiffen wurde deutlich, dass die Reise jetzt nicht mehr nur aus Tickets, Gate und Handgepäck bestand.

Aus dem Busfenster tauchte schließlich die Mein Schiff Relax auf. Zuerst war sie ein großes Schiff, dann ein sehr großes Schiff und mit jeder Annäherung etwas, das die Bezeichnung „Monster des Meeres“ nachvollziehbar machte. Besonders der Bug stand in voller Pracht vor uns und wirkte durchaus furchteinflößend. Carlexander schwieg kurz. Briemma sah ihn an. „Dein Plan ist kleiner als das Schiff.“ Das war korrekt und deshalb nicht hilfreich.

An Bord bekam das Wort Frühstück eine zweite Chance. Auf einem Metalltisch standen Schinken, Salatrollen, Obst und verschiedene Desserts in Gläsern ordentlich bereit. Daneben gab es einen Teller mit gerolltem Brot, Lachsscheiben, Blinis, rotem Kaviar und einem Stück Fisch. Nach dem Düsseldorfer Franzbrötchen wirkte diese Auswahl nicht übertrieben, sondern wie eine sachliche Wiedergutmachung.

Das Buffet setzte mit Wassermelone, Ananas, Bananen und Beeren fort. Auf einem weiteren Teller lagen eine halbierte Feige, Brombeeren, Himbeeren und Blaubeeren neben zwei leicht gebräunten Pfannkuchen. Carlexander betrachtete die Auswahl mit neu erwachter Konzentration. Es war jene Art von Aufmerksamkeit, die bei ihm entweder einem technischen Problem oder einem gut bestückten Frühstück galt. Diesmal war die Lage erfreulicher.

Auf dem Tisch standen später ein Glas Roséwein und eine Tasse mit Blaubeer-Holundertee. Die Kombination ließ verschiedene Vorstellungen von Tagesbeginn friedlich nebeneinander bestehen. „Du nennst das Reiseplanung?“, fragte Briemma mit Blick auf den Rosé. Carlexander hob das Glas nur leicht an. Nach einem Kaffee, der nach geröstetem irgendwas geschmeckt hatte, war Zurückhaltung keine zwingende Tugend mehr.

Von der sonnigen Terrasse ging der Blick über den Hafen zu mehreren Kreuzfahrtschiffen. Drei Personen saßen dort entspannt zwischen Sesseln, Tischen und Pflanzen, während das Wasser die nötige Distanz zum Betrieb herstellte. Für einen Moment bestand die Reise nur aus Frühstück, Hafenblick und der angenehmen Erkenntnis, tatsächlich angekommen zu sein. Danach musste das neue Schiff erkundet werden, denn Größe erzeugt bei Carlexander zuverlässig Orientierungsbedarf.

Der Check-in-Bereich für die Suitengäste war leer. Das passte zum bislang bemerkenswert ruhigen Ablauf und ließ das Boarding fast verdächtig mühelos wirken. Draußen lag das große Kreuzfahrtschiff am Hafenbecken, seine roten und weißen Rettungsboote sauber aufgereiht. Im Vordergrund arbeiteten zwei Personen mit Werkzeugen am Boden. Während Gäste ankamen, wurde an der Hafenanlage weitergemacht; ein Schiffsbetrieb gönnt sich keinen feierlichen Stillstand.

Im Inneren öffnete sich eine moderne Lounge mit großem Panoramafenster zum Hafen beziehungsweise Meer. Sofas, Stühle mit Kissen, Tische, Pflanzen und ein weißer Klavierständer standen unter einer geometrisch gestalteten Decke, die dem Raum eine futuristische Wirkung gab. Carlexander nahm das Interieur als Hinweis darauf, dass Orientierung hier nicht allein mit Backbord und Steuerbord zu erledigen sein würde. Briemma wählte die pragmatischere Methode: erst hinsehen, dann weitergehen.

Zwischen den Aufnahmen des Ankommens blieb auch das Gepäck als nüchterner Gegenpol präsent: gepackte Koffer und Rucksäcke in einem Flughafenterminal neben einer Wand mit Schließfächern. Dieses Bild gehörte noch zur Anreise, obwohl wir längst am Schiff standen. Reisen verlaufen eben nicht nur geografisch, sondern auch in Stapeln, Schlaufen und Dingen, die jemand bis zur Kabine bringen muss. Carlexander prüfte vorsorglich, ob alles da war. Natürlich prüfte er zweimal.

Kaum an Bord, erschien das Tagesprogramm als gedruckte Form der Beruhigung. Eine Programmübersicht für den Dienstag, 8. April 2025, führte durch Aktivitäten und Informationen auf der Mein Schiff Relax im Hafen von Palma. Carlexander hielt das Blatt so aufmerksam, als könne eine sorgfältige Lektüre die Größe des Schiffes reduzieren. „Du kannst nicht alles gleichzeitig besuchen“, sagte Briemma. „Ich kann es zumindest markieren“, antwortete er.

Das Bordprogramm enthielt außerdem Wetterinformationen, eine Botschaft an die Gäste und den Hinweis auf Kapitän Tom Roth. Damit war der Tag offiziell eingeordnet: Palma de Mallorca, neues Schiff, zahlreiche Möglichkeiten und zwei Reisende, deren Energiehaushalt noch zwischen sehr frühem Flughafen und zweitem Frühstück vermittelte. Die Übersicht versprach Struktur. Ob das Schiff sich daran halten würde, blieb während des ersten Rundgangs zu prüfen.

Auf dem Pooldeck lagen Menschen in der Sonne, während im Hintergrund ein weiteres großes Schiff zu sehen war. Liegestühle, klarer blauer Himmel und die offene Deckfläche vermittelten bereits den späteren Bordalltag, obwohl für uns noch alles neu war. Im Pool Bistro arbeitete ein Koch in weißer Uniform hinter einer Serviertheke mit Edelstahlgeräten und bereitete Essen vor. Das Schiff war kaum betreten, und doch stellte sich erneut heraus, dass Versorgung hier ein eigenes Wegenetz besaß.

Unter einem großen weißen Sonnendach standen viele blaue Liegestühle, dahinter lag der Pool. Einige Menschen gingen über das Deck oder blieben stehen; mehrere trugen Jacken, was trotz Sonne auf kühlere Temperaturen hindeutete. Carlexander betrachtete die freien Plätze mit organisatorischem Interesse. Briemma setzte ihren Gehstock ruhig auf. „Wir müssen nicht jede Liege bewerten.“ Diese Information kam für seine beginnende Bestandsaufnahme rechtzeitig.

Weiter führte der Rundgang an der Eisbar vorbei, wo sich Menschen um den Stand versammelten oder durch den Bereich gingen. Tische, Stühle und Pflanzen gaben dem Ganzen mehr Aufenthaltscharakter als Durchgangsverkehr. Ein Schwingsessel mit Blick über Meer und klaren Himmel demonstrierte anschließend, wie Entspannung technisch gedacht werden kann; im Hintergrund war eine runde Wasserinstallation zu sehen. Carlexander erkannte darin sofort ein mögliches Beobachtungszentrum. Briemma nannte es schlicht einen Sitzplatz.

Zum Abschluss dieses ersten Rundgangs zeigte sich die Mein Schiff Relax noch einmal majestätisch im Hafen. Dahinter und daneben lagen weitere große Schiffe und Fähren, darunter ein Schiff der Balearia; moderne Gebäude und Berge rahmten den Hafen von Palma de Mallorca. Am Morgen hatten wir noch an einem stillen Gate in Düsseldorf gesessen, jetzt standen wir auf einem Schiff, dessen Bug aus der Nähe beinahe einschüchternd wirkte. Tag eins hatte damit seine Aufgabe erfüllt: ankommen, frühstücken, orientieren – und akzeptieren, dass Letzteres noch dauern würde.

2025-04-08 – Tag 1: nachdem mittagessen in der X View den Rundgang fortgesetzt

Reiseepisode

2025-04-08 – Tag 1: nachdem mittagessen in der X View den Rundgang fortgesetzt

Tag 1 · 2025-04-08 · Palma de Mallorca

Nach dem Mittagessen in der X-View hätte der Tag ohne Weiteres in einen geordneten Nachmittag übergehen können. Stattdessen setzten Carlexander und Briemma den Rundgang über die neue Mein Schiff Relax fort. Das moderne Restaurant mit seinen eleganten Tischen, der zentralen Galerie und den großen Fenstern lieferte dafür einen angemessen ruhigen Ausgangspunkt. Draußen lag das Meer, drinnen herrschte jene aufgeräumte Eleganz, die einem freundlich mitteilt, dass Krümel hier nur vorübergehend geduldet werden.

Der Weg führte an einem offenen Treppenaufgang vorbei, hinauf zu einer zweiten Ebene mit Tischen, Gästen und einer Bar vor der Meeransicht. Carlexander betrachtete die verschiedenen Ebenen mit der Aufmerksamkeit eines Reisenden, der innerlich bereits Wege, Abkürzungen und mögliche Irrtümer katalogisierte. „Du kannst auch einfach der Treppe folgen“, sagte Briemma. Das war pragmatisch, korrekt und für Carlexanders beginnende Bordlogistik entsprechend unbefriedigend.

Kaum war das Mittagessen offiziell abgeschlossen, erschienen weitere Speisen hinter Glas: Gerichte auf weißen Tellern und in Schalen, sauber präsentiert und bereit für Menschen, deren Sättigungsgefühl offenbar nur eine unverbindliche Empfehlung war. Blaue Sessel, gemusterter Teppich, Holzboden und blau betonte Deckenbeleuchtung machten die nächste Lounge zu einem stillen Gegenentwurf. Danach folgte das Chalet mit Holzverkleidungen, großem Eichenfass, Getränken am Tresen und Gästen in Sesseln. Das Schiff wechselte seine Atmosphäre mit bemerkenswerter Geschwindigkeit, ohne dabei auch nur einen Meter kürzer zu werden.

Beim Burger-Service reichte ein Mitarbeiter hinter dem Schutzgitter Burger über den Tresen; Brötchen und Servietten lagen griffbereit. Zwei Burger mit Käse warteten auf einer Wärmeplatte, während im Hintergrund gearbeitet wurde. Gleich daneben setzte sich das kulinarische Angebot mit einem ausladenden Buffet-Tisch fort: Gerichte und frisches Obst in blauen Schalen, dazu leere Teller, Besteck und ein Mitarbeiter im Hintergrund. Carlexander prüfte die Lage mit professioneller Ernsthaftigkeit. Briemma sagte nur: „Wir haben gerade gegessen.“ Damit war die Lage nicht gelöst, aber eindeutig beschrieben.

Eine geschwungene Rolltreppe aus Metall, begleitet von einem transparenten Glasgeländer und runden Aussparungen in der Wand, brachte wieder Bewegung in den Rundgang. Sie wirkte fast zu elegant für die schlichte Aufgabe, Menschen von einer Ebene zur nächsten zu befördern. Schließlich öffnete sich der Blick am Heck auf das blaue Wasser. Hinter dem Schiff zogen sich die Linien des Rückwassers in die Ferne, darüber lag klarer Himmel, und an der Küste zeichneten sich entfernte Konturen ab. Nach all den Buffets, Bars und Sitzgruppen war diese Spur im Meer die knappste und überzeugendste Orientierung des Nachmittags.

Der weitere Rundgang begann noch einmal bei einem Restaurant, diesmal mit grauen Wänden, dunkelblauem Teppich und großen Fenstern zum Hafen von Palma de Mallorca. Elegante Tische und Stühle standen in einem großzügigen Raum, als warteten sie auf einen Betrieb, der seine Ordnung erst später verlieren würde. Carlexander mochte Räume, die auf den ersten Blick verständlich schienen. Briemma wusste aus Erfahrung, dass er spätestens am dritten Ausgang trotzdem einen Lageplan vermissen würde.

Wenige Schritte später wurde die Gestaltung deutlich lauter. Eine farbige Wandmalerei zeigte den stilisierten Nudelwagen „Mr. Noodles“ und eine Fernsehszene mit dem Schriftzug „FUGU mit TIM RAUE“. Im Café folgte ein Graffiti mit Affenfigur, Sonnenbrille, Lippen und abstrakten Elementen; daneben stand eine Tischkarte auf einem kleinen Metalltisch. Das war weniger zurückhaltend als die blauen Sessel zuvor, aber wenigstens bestand keine Gefahr, diesen Bereich mit irgendeinem anderen an Bord zu verwechseln.

Vor einer Burger-Menütafel standen Schalen mit verschiedenen Obstsorten, ein Arrangement zwischen Vernunft und Verhandlungsspielraum. Noch deutlicher wurde das Gestaltungskonzept beim farbenfrohen Tuk-Tuk auf hexagonalen Bodenfliesen. Durch die großen Fenster war Wasser zu sehen, während Menschen an Tischen saßen und aßen. Carlexander betrachtete das Fahrzeug einen Moment länger als nötig. „Nein“, sagte Briemma ruhig, gestützt auf ihren eleganten Gehstock, „das steht nicht für den Transfer zum Heck bereit.“

Auch die Pralinen machten keinen Versuch, beiläufig zu wirken. Verschiedene Sorten lagen auf Tellern in einer Vitrine, begleitet von kleinen Informationskarten, damit die Auswahl wenigstens den Anschein eines sachlichen Vorgangs behielt. Danach zog der Blick wieder hinaus: über das Meer zur gotischen Kathedrale von Palma de Mallorca, mit Bergen unter leicht bewölktem Himmel im Hintergrund. Zwischen Schokolade und Stadtansicht bekam der Rundgang damit genau die Pause, die er brauchte.

Am Heck wurde aus dem Erkunden schließlich ein Warten auf den Abend. Ein gehaltenes Weinglas stand vor dem Meer, in der Ferne war ein Kreuzfahrtschiff zu erkennen. Carlexander übernahm die Betrachtung mit jener müden Würde, die bei ihm gelegentlich mit sorgfältiger Getränkebeobachtung zusammenfiel. Hinter dem Schiff zog sich die Spur durch das Wasser; an der zurückliegenden Küste waren Gebäude und Berge am Horizont zu sehen. „Jetzt kontrollierst du vermutlich den Kurs“, sagte Briemma. „Nur die Perspektive“, sagte Carlexander, was ausreichend ungenau war, um als Antwort zu gelten.

Zum Abschluss wartete noch die Reiseroute in Kartenform. Die westliche Mittelmeerregion war mit Palma de Mallorca, Barcelona und Valencia dargestellt, ergänzt durch Ansichten der Orte, eine Illustration der Mein Schiff Relax und einen kleinen Informationszettel zu Lospreisen. Nach einem Tag voller Ebenen, Restaurants und unerwartet strategisch platzierter Speisen wirkte die Karte beinahe beruhigend: Linien, Namen, Ziele. Genau die Art von Übersicht, bei der Carlexander sofort näher trat.

Briemma ließ ihm diesen Moment organisatorischer Zuversicht. Der erste Reisetag hatte inzwischen genügend Material geliefert: Ankunft, Orientierung, ein ausgedehntes Mittagessen, weitere Bordwege und schließlich der Abend am Heck. Mehr musste die Karte noch nicht erklären. Für heute genügte es, zu wissen, wo die Reise begonnen hatte und dass selbst ein gründlicher Rundgang auf diesem Schiff offenbar nur eine vorläufige Bestandsaufnahme war.

Karte des Mittelmeers mit Reiseplakat

2025-04-08 – Tag 1: Der Abend leitet die Taufreise luxuriös ein

Reiseepisode

2025-04-08 – Tag 1: Der Abend leitet die Taufreise luxuriös ein

Tag 1 · 2025-04-08 · Palma de Mallorca

Nach Ankunft, Orientierung und den ersten ausgedehnten Bordwegen war der Tag längst umfangreich genug, doch die Mein Schiff Relax hatte für den Abend noch eine eigene Dramaturgie vorgesehen. Im FUGU, dem Fine-Dining-Restaurant von Tim Raue, lag ein violetter Katalog mit goldener Schrift auf dem weiß karierten Tisch. Er sah weniger nach Speisekarte als nach verbindlicher Ankündigung aus. Carlexander rückte die rote Brille zurecht. „Das wird offenbar kein stilles Abendbrot.“ Briemma betrachtete den Katalog und sagte: „Deine Sorge kommt angenehm früh.“

Zur Karte gehörte eine Eintrittskarte, womit das Abendessen offiziell den Charakter einer Veranstaltung annahm. Der erste Menüabschnitt hieß „Unter Wasser – Japanisches Meer“ und führte Spicy Tuna, Hamachi-Sashimi und geflämmte Lachs-Nigiri auf. Danach folgte „Kalligrafie“ mit Pilz-Trüffel-Sud sowie Gyoza mit Jakobsmuschel und Schweinebauch. Ingwersaft, Ponzu-Dashi, Wasabi-Frischkäsecreme und Nussbutter machten schon beim Lesen klar, dass hier niemand wegen eines beiläufigen Snacks Platz genommen hatte.

Die weiteren Gänge bewegten sich zwischen Izakaya, Kintsugi und japanischem Kirschblütenfest. Knuspriges Maishuhn, geschmorte Backe vom Wagyrind und ein Sorbet von der Kirsche standen neben den jeweiligen Weinempfehlungen in jener selbstbewussten Ordnung, die jede Rückfrage wie einen kleinen Formfehler wirken lässt. Carlexander las die Getränkebegleitung gründlicher als nötig. Briemma bemerkte das sofort. „Du kannst das Menü nicht durch Kontrolle in Rotwein verwandeln.“ Das war sachlich richtig und deshalb nur begrenzt hilfreich.

Das Willkommensblatt erklärte die asiatische Küche zur Leidenschaft, verwies auf Inspirationen aus Tokio, Bangkok und Hongkong und kündigte fünf Gänge, abgestimmte Getränke sowie visuelle Projektionen an. Damit war der Rahmen gesetzt: Das FUGU wollte nicht nur servieren, sondern einen kompletten Abend inszenieren. Die Präsentation erreichte bereits vor dem ersten Teller zehn von zehn Punkten. Carlexander akzeptierte diese frühe Wertung mit der müden Würde eines Reisenden, der ahnte, dass nun sowohl der Gaumen als auch die Decke beschäftigt werden würden.

Der runde Tisch war mit gefalteten Servietten, Metallbesteck, Gläsern und roten Blütenblättern feierlich vorbereitet. Nichts daran wirkte zufällig, nicht einmal die Abstände zwischen den Gegenständen. Briemmas eleganter Gehstock stand unaufdringlich bei ihr, während Carlexander die Anordnung betrachtete, als müsse er später einen Prüfbericht abgeben. „Sehr romantisch“, sagte Briemma. „Und sehr symmetrisch“, ergänzte Carlexander. Damit waren ihre jeweiligen Zuständigkeiten für den Abend geklärt.

Über den Tischen zogen sich leuchtende Linien durch die Decke, an den Wänden wechselten digitale Landschaftsbilder, und das Restaurant sank zeitweise in blaues Licht. Laserstrahlen liefen durch den dunklen Raum, ohne die Gespräche an den runden Tischen zu verdrängen. Später erschien auf einer großen Projektionsfläche ein Feuerwerk. Die festliche Wirkung kam zuverlässig zustande, obwohl draußen dafür nichts geschehen musste. Das Ambiente war modern, aufwendig und erstaunlich geschlossen; ein Restaurant, das seine Beleuchtung nicht als Zubehör, sondern als eigenen Gang behandelte.

Zwischen dünnen Lichtstreifen, Kerzenprojektionen und wechselnden Wandbildern veränderte sich der Raum immer wieder. Mal wirkte er wie eine Bar, mal wie eine Veranstaltungshalle, dann wieder wie ein klassisches Bordrestaurant mit warmem Licht, langen Tafeln und traditionellen Kunstmotiven im Hintergrund. Die Gäste unterhielten sich, schauten auf die Projektionen oder warteten auf den nächsten Einsatz aus Küche und Inszenierung. Das alles blieb gehoben, aber nicht steif. Atmosphäre und Ambiente: topp, ohne dass Carlexander dafür eine Tabellenkalkulation öffnen musste.

Gerade dieser Wechsel machte den Abend angenehm unberechenbar. Die runden Tische hielten die Gesellschaft zusammen, während Feuerwerk, Kerzen und Landschaften an den Wänden ihre eigenen kurzen Auftritte bekamen. Briemma nahm das ruhig hin; Carlexander beobachtete jedes neue Lichtbild mit jener leichten Überforderung, die bei ihm als konzentrierte Aufmerksamkeit durchgeht. „Man könnte auch einfach essen“, sagte er. „Das tun wir doch“, erwiderte Briemma. „Nur offenbar mit Begleitprogramm für sämtliche Sinne.“

Dann begann die eigentliche Folge der Teller. Ein kleiner Auftakt mit Nori, Cashewnüssen und gelben Blättern oder Schoten lag auf dekorativem Porzellan; daneben setzte ein gelber Blütenknospen im violetten Becher einen stillen Farbakzent. Es folgten weißer Reis mit rotem Gemüse und dunkler Garnitur sowie eine rote Suppe mit Tofublöcken und dunklen Kräutern oder Gemüsestücken. Das violette Licht veränderte die Farben kräftig, doch nicht die grundsätzliche Aufgabe des Abends: aufmerksam probieren und möglichst nicht jeden Teller wie ein Beweisstück behandeln.

Die asiatische Fusionsküche funktionierte besonders dort, wo Säure, Schärfe und feine Texturen klar blieben. Schwieriger wurde es, sobald ein gutbürgerlicher Hauch zu deutlich durch die Komposition zog. Zwei gefüllte Teigtaschen lagen in dunkler Sauce auf blau-weißem Porzellan, umgeben von Gläsern und roten Blütenblättern. Ein weiteres Gericht zeigte eine knusprige Kruste in cremiger Sauce, ergänzt durch eine Zitronenscheibe und eine Blüte. Die Präsentation blieb durchgehend präzise; geschmacklich landete der Abend bei soliden sieben von zehn Punkten.

Andere Teller arbeiteten mit roter Sauce, einem grünen Blatt und einem orangefarbenen Element, während eine dekorative Schale gekochte grünliche Erdnüsse trug. Das Kirschdessert setzte anschließend deutlich stärker auf Wirkung: eine zentrale Schokoladenbasis, cremige Blütenformen, frische Kirschen und eine rote Blütenverzierung auf floralem Porzellan. Das war üppig, kontrolliert und ohne Zweifel fotobereit. Briemma betrachtete Carlexanders sorgfältige Bestandsaufnahme. „Du darfst es auch essen.“ Er nickte. „Ich wollte nur sicherstellen, dass die Architektur vollständig dokumentiert ist.“

Beim Trinken wurde Carlexanders Urteil strenger. Mineralwasser stand neben einer Flasche Waterkant Flut, anschließend wurden zwei Flaschen Dreissigacker Nanami, eine Flasche Monkuzaï und schließlich Senchō mit dem Hinweis „Hanami by Tim Raue“ präsentiert. Ein roséfarbenes Glas kam ebenfalls zum Einsatz. Carlexander ist kein Weißweintrinker; entsprechend half ihm die ambitionierte Begleitung nur eingeschränkt. Noch schwerer wog, dass unterschiedliche Weine aus denselben Gläsern getrunken wurden. Vier von zehn Punkten, entschied er, und sah dabei aus, als sei eine internationale Norm verletzt worden.

„Es sind Gläser, keine Systemlandschaft“, sagte Briemma ruhig. Carlexander widersprach nicht, was bei ihm als deutlicher Protest gelten darf. Drei teilweise gefüllte Gläser standen im violetten Nachtlicht zwischen roten Blütenblättern und fassten das Problem optisch schöner zusammen, als er es sprachlich gekonnt hätte. Zum Abschluss erschien noch Kaffee auf einem floral dekorierten Teller, mit Milch und kleinen Zuckerwürfeln im Getränk. Nach fünf Gängen, Weinpräsentationen und wechselnden Farben war das fast schon der nüchterne Teil des Abends.

Zwischen den Gängen verlagerte sich die Aufmerksamkeit regelmäßig von den Tellern zur Inszenierung. In der farbig beleuchteten Halle stand ein Sänger auf der Bühne, während das Publikum an Tischen mit Getränken saß. Danach übernahmen digitale Bildwelten: eine traditionell gekleidete Figur vor Bergen und Bäumen, ein animierter Samurai vor abstrakten Farben und ein leuchtendes Torii-Tor im dunklen Raum. Das FUGU behandelte Wartezeit offenbar nicht als Lücke, sondern als Fläche, die zuverlässig bespielt werden musste.

Weitere Projektionen zeigten traditionelle Architektur mit rotem Dach, blühende Bäume und eine Figur im orangefarbenen Gewand. Der Raum veränderte sich damit erneut, ohne dass Carlexander und Briemma ihre Plätze verlassen mussten. Schließlich erschien eine dunkle Theaterszene mit einer Figur auf einem zentralen Podest und dem sitzenden Publikum davor. Briemma folgte dem Wechsel gelassen. Carlexander wirkte, als müsse er gleichzeitig Restaurantkritik, Bühnenbeobachtung und Reiseprotokoll führen. „Du könntest einfach schauen“, sagte sie. „Ich schaue strukturiert“, antwortete er.

Die Inszenierung war technisch sichtbar, aber nicht kühl. Licht, Bühne und Projektionen begleiteten das Menü, statt nur dekorativ im Hintergrund zu laufen. Nicht jedes Bild brauchte eine tiefere Deutung; manches sorgte schlicht dafür, dass der Blick zwischen zwei Tellern nicht auf dem eigenen Glasbestand liegen blieb. Für Carlexander war das vermutlich Absicht. Für Briemma war es ein gut organisierter Abend. Und für das Restaurant war es der Beweis, dass Fine Dining an Bord auch als fortlaufende Aufführung funktionieren kann.

Zum späteren Teil des Abends erschienen kurze Texte auf den Projektionsflächen. Zweimal wurde eine Drachenpassage mit stilisierten Schweifen gezeigt, anschließend folgte eine Tafel über die Geisha und ihren Fächer. Die Bilder waren deutlich mythologisch gestaltet, doch Carlexander beließ es bei der sachlichen Feststellung, dass nun auch die Lyrik einen eigenen Gang erhalten hatte. Briemma las mit. „Du musst das nicht bewerten.“ Carlexander sah zur Projektion. „Dann hätte man keine Zahlen im Menü ankündigen dürfen.“

Greifbarer wurde die Tafel über Kintsugi: Zerbrochenes wird mit Gold verbunden und gerade durch die sichtbaren Bruchstellen neu gestaltet. Goldene Fragmente im dunklen Raum unterstützten die Erklärung. Danach folgte ein Text über Familie, weiß auf schwarzem Hintergrund. Die Projektionen verlangten keine Diskussion und bekamen auch keine lange. Sie ordneten Begriffe, Bilder und Gerichte zu einer thematischen Linie, während an den Tischen weiter gegessen, getrunken und zugeschaut wurde.

Auch das Meer erhielt ein kurzes Gedicht, gefolgt von fallenden Kirschblüten und einer Kalligrafie-Projektion über Pinselstrich, Tinte und stilles Papier. Die Formulierungen waren deutlich feierlicher als Carlexanders gewöhnlicher Reisebericht. Er nahm sie trotzdem aufmerksam zur Kenntnis, schon weil der erste Reisetag nun endgültig bewiesen hatte, dass an Bord selbst ein Abendessen mehrere Erzählebenen besitzen konnte. Briemma fasste es pragmatischer zusammen: „Gutes Licht, interessante Teller, schwieriger Wein.“ Mehr Präzision war an diesem Punkt kaum erforderlich.

So leitete der Abend in Palma de Mallorca die Taufreise luxuriös ein: mit einer Präsentation von zehn Punkten, einem ausgezeichneten Ambiente, einem Essen von sieben und einer Weinbegleitung von vier Punkten. Die Mein Schiff Relax hatte aus fünf Gängen ein visuelles Programm gemacht und damit den ohnehin langen ersten Tag noch einmal erweitert. Carlexander verließ das FUGU nicht vollständig überzeugt, aber gründlich versorgt mit Beobachtungen. Briemma war zufrieden genug, ihn nicht an die Gläserfrage zu erinnern. Für einen Reiseauftakt war das nahezu harmonisch.