Reiseepisode
2025-04-12 – Tag 5: Reisebus im Transferbereich
Tag 5 · 2025-04-12 · Gibraltar
Tag fünf begann in Gibraltar mit jener besonderen Form des Reisens, bei der man zunächst sitzt und darauf vertraut, dass irgendjemand weiß, wohin es weitergeht. Im Reisebus des Transferbereichs füllten Jacken, T-Shirts und geduldige Körper die Sitzbänke; ein Smartphone lieferte seinem Besitzer vermutlich mehr Gewissheit als die allgemeine Lage. Carlexander rückte seine rote Brille zurecht und betrachtete die Reihen mit müder Würde. „Wir sind also im Ablauf“, sagte er. Briemma nickte. „Zumindest sitzen wir schon einmal in Fahrtrichtung.“
Die nächsten Aufnahmen wirkten wie ein nüchternes Protokoll wechselnder Transportmittel. Eine saubere Rückbank mit grau gemusterten Sitzbezügen lag im Blickfeld, dahinter ein Stück Boden mit weißer Streifenmarkierung. Kein Panorama, keine große Geste, nur die beruhigende Erkenntnis, dass auch ein Transfer aus Polstern, Markierungen und kurzen Wartezeiten besteht. Carlexander versuchte, darin ein System zu erkennen. Briemma stellte ihren Gehstock ruhig neben sich und sagte: „Du darfst auch einfach einsteigen, ohne den Prozess zu auditieren.“
Dann stand ein Koffer neben einem gepolsterten Sitz in einem Zugwagen. Von einer reisenden Person waren nur orangefarbene Hosen und schwarze Schuhe zu sehen, was für diese Etappe völlig genügte: Gepäck, Platz, Bewegung. Die Bildfolge aus Bus, Auto und Zug erzählte weniger von einzelnen Wegen als vom Zustand des Unterwegsseins. Alles hatte einen Sitzplatz, nur der Tag selbst noch nicht. Carlexander nahm das als leise Aufforderung, die Kontrolle vorübergehend dem Fahrplan zu überlassen.



Am Affenfelsen änderte sich die Perspektive. Ein Affe stand auf einem steinernen Weg an der Brüstung; dahinter öffneten sich grüne Landschaft und Hafen. Der Transferbereich mit seinen Sitzbezügen war plötzlich weit genug entfernt, um fast vernünftig zu wirken. Carlexander blieb beim Blick über die Umgebung stehen, während Briemma den Weg mit gelassener Aufmerksamkeit nahm. „Er sieht aus, als hätte er hier Zuständigkeit“, sagte Carlexander. „Dann frag ihn nicht nach einem Ablaufplan“, erwiderte Briemma.
Der Regen oder die unmittelbare Nässe hatte auf dem Fell eines kleineren Affen einen deutlichen Glanz hinterlassen. Auf dem gepflasterten Weg nahe dem Geländer suchte oder fraß er etwas, während dahinter das Meer lag. Wenig später weitete sich der Blick über den Hafen von Gibraltar: zahlreiche Schiffe im Wasser, Industriegebäude, Wohnhäuser und das urbane Gefüge zwischen Küste und Bergen. Der Ort präsentierte sich nicht als Postkarte, sondern als Arbeitslandschaft mit Aussicht – eine Kombination, die Carlexander grundsätzlich glaubwürdig fand.
Ein weiterer Affe saß auf einem Steinblock am Meer und hielt etwas in den Pfoten, das wie ein Blatt aussah. Andere hatten bereits die besseren Aussichtspunkte auf den Mauern besetzt. Von dort blickten sie über Schiffe, Boote und Gebäude des Hafens, später auch über Hochhäuser und niedrigere Wohnblocks der Hafenstadt. Ihre Ruhe hatte nichts Feierliches; sie wirkte eher wie die selbstverständliche Gelassenheit von Ortskundigen. Carlexander beobachtete sie lange. Briemma sagte nur: „Du erkennst dich wieder.“
Vor einem Geländer saß schließlich ein Affenbaby auf dem Steinboden. Das Fell war nass, das Meer lag dahinter, und die Szene blieb trotz der geringen Größe des Tieres erstaunlich sachlich: sitzen, schauen, abwarten. Briemma blieb ruhig, ohne aus dem Moment mehr zu machen, als auf dem Bild zu sehen war. Carlexander verzichtete ebenfalls auf eine Theorie. Nach Busreihen, Rückbänken und Gepäckplätzen war das bereits ein bemerkenswerter Fortschritt.
Die letzte Aussicht ordnete Gibraltar noch einmal aus der Höhe. Im Hafen lagen zahlreiche Schiffe, moderne Gebäude säumten das Wasser, und ein Parkplatz voller Autos setzte die kleinteilige Logik des Transferbereichs unten fort. Darüber hing eine bewölkte Atmosphäre, die Konturen blieben dennoch klar. So endete diese Etappe zwischen Verkehrsmitteln, Steinwegen und Hafenblicken: nicht mit einer großen Erkenntnis, sondern mit einem brauchbaren Überblick. Für Carlexander war das beinahe dasselbe. Briemma wusste es besser und ließ ihn in dem Glauben.







