Reiseepisode
2025-04-11 – Tag 4: Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Tag 4 · 2025-04-11 · Tanger
Der Weg durch Tanger führte schließlich zurück an den Hafen, wo die Mein Schiff Relax am Kai lag: mehrere Decks, große Fenster, moderne Linien und Valletta als Heimathafen. Vom Wasser aus wirkte sie weniger wie eine Unterkunft als wie eine eigene, sorgfältig festgemachte Stadt. Carlexander betrachtete das Schiff mit müder Zufriedenheit. „Immerhin steht es noch da.“ Briemma hob knapp die Augenbrauen. „Das war im Reiseplan vermutlich vorgesehen.“
An Bord setzte sich der Tag ohne große Unterbrechung am Buffet fort. Früchte und kleine Snacks standen links bereit, während Gäste an runden Holztischen zwischen hellgrauen Stühlen saßen. Auf Carlexanders Teller landeten verschiedene Sushisorten, begleitet von Orangensaft und Roséwein, eine Kombination, die keine nähere Rechtfertigung verlangte. Briemma hielt sich an Wassermelone, Kiwi, Maracuja, Ananas, Granatapfel und eine Dattel. Nach Märkten, Wegen und Hafenblicken war das keine neue Tagesphase, sondern eine geordnete Zwischenlandung.




Am Abend begann die nächste Runde zunächst auffallend vernünftig. Äpfel, Birnen, Nüsse und Trockenfrüchte standen am Buffet, bewacht von einem dekorativen Hundeschild mit der Versicherung „I am calm and relaxed“. Carlexander erkannte darin weniger eine Beschreibung als eine betriebliche Zielvorgabe. Danach lag die beige Høfde-Speisekarte mit goldener Schrift und gezeichneten Gräsern neben dem beschrifteten Holztablett. Eine weitere Karte fragte „Was bedeutet Glück?“ und erklärte das skandinavisch inspirierte Konzept mit Bezug auf Nordlichter. „Eine kurze Frage für ein langes Menü“, sagte Briemma.
Die praktische Antwort kam in Form einer Flasche Penfolds Bin 2 Shiraz Mataro von 2020, die am Tisch geöffnet wurde. Neben Wasser- und Weinglas verfolgte Carlexander den Vorgang mit jener Konzentration, die er sonst nur Fahrplänen und fragwürdigen Abläufen widmete. „Du kontrollierst nicht den Wein“, sagte Briemma. „Ich beobachte nur.“ Zunächst erschien eine cremige rote Suppe mit kleinen Kräutern, danach die als Zwiebelsuppe angekündigte Schale mit Brot, Butter und etwas Salat. Carlexanders trockenes Urteil blieb bestehen: Im Surf n Turf auf der Mein Schiff 7 hatte sie ihm besser geschmeckt.
Dann wurde das Abendessen deutlich fleischbetonter. Ein zentral angerichtetes Gericht mit Sauce und Salat stand neben der bereits halb geleerten Rotweinflasche, während an den Tischen im Hintergrund weitergegessen wurde. Es folgte ein gegrilltes Steak unter roter Sauce mit einem Stück Salat. Das Lammsteak auf dem weißen Teller war innen rosa, außen leicht gebräunt und von brauner Sauce umgeben. Die Teller wechselten, der Wein blieb als ruhiger roter Bezugspunkt erhalten. Carlexander nannte das konsequente Menüführung; Briemma ließ diese Formulierung aus Höflichkeit stehen.
Zwischendurch rückte der gedeckte Tisch selbst in den Mittelpunkt: Serviette, Besteck, Gläser, Pfeffermühle und Blumenstrauß, dahinter das Meer und weitere Gäste. Der Blick nach draußen erinnerte daran, dass dieses Abendessen nicht irgendwo stattfand, sondern an Bord vor Tanger. Anschließend kam ein Lammriemchen auf cremigem Gemüsebett mit dekorativer Sauce, begleitet von einem Glas Rotwein; auch ein Teelichthalter war am Tisch zu sehen. Nach dem langen Tag war das präzise angerichtet, ohne so zu tun, als müsse ein Teller die Reise erklären.
Zum Abschluss erschien ein Eisbecher mit cremiger Füllung und kräftiger Schokoladensoße, ergänzt durch gebratene Früchte und eine grüne Blattdekoration. Damit endete der Tag weder mit einer großen Erkenntnis noch mit einer weiteren Route, sondern mit einem Löffel und der berechtigten Frage, ob noch Platz sei. Carlexander prüfte die Lage kurz. „Organisatorisch ja.“ Briemma lehnte sich ruhig an ihren Gehstock. „Dann ist ja alles geklärt.“ Draußen blieb der Hafen, drinnen blieb nur noch das Dessert.











