2025-04-09 – Tag 2: Ankunft in Malaga

Reiseepisode

2025-04-09 – Tag 2: Ankunft in Malaga

Tag 2 · 2025-04-09 · Málaga

Der zweite Reisetag begann mit Málaga am Horizont und einer Frage, die an Bord offenbar längst beantwortet war: Wie viel Inszenierung verträgt ein Frühstück? Ziemlich viel. Zwischen Cracker-Verpackungen stand ein Käsebild mit Sternen und blau-grauem Hintergrund, darauf ein stilisierter Sänger samt Mikrofon – als Robbie Williams angekündigt und damit bereits deutlich näher am Abendprogramm als Carlexander. Er betrachtete das Werk mit müder Anerkennung. „Andere schnitzen Blumen.“ Briemma nickte. „Blumen haben selten ein Konzert.“

Von der Käsekunst führte der Weg zur Wokstation, wo offene Schalen mit Fleisch und frischem Gemüse bereitstanden und ein Koch im Hintergrund die Bestellungen zubereitete. Hier war die Lage weniger symbolisch und dafür erheblich praktischer. Carlexander prüfte die Auswahl mit jener Konzentration, die er sonst nur Reiseunterlagen entgegenbrachte. Briemma ließ den Blick über die Schalen wandern. „Du musst das Gemüse nicht inventarisieren.“ – „Ich orientiere mich“, sagte Carlexander. An Bord war das ein vielseitig verwendbarer Begriff.

Am Ende stand ein Teller mit geschmorten Garnelen in würziger Soße, dazu rote Paprika, Zwiebeln und weiteres Gemüse. Der Übergang vom Frühstück zum Mittagssnack war damit nicht exakt geklärt, aber überzeugend angerichtet. Briemma nahm das gelassen hin, während Carlexander noch versuchte, die Mahlzeit zeitlich einzuordnen. Reisen auf einem Kreuzfahrtschiff folgt schließlich einer eigenen Uhr: Entscheidend ist weniger, wie spät es ist, sondern ob gerade etwas serviert wird.

Draußen lag das Meer unter klarem Himmel, die Sonne nahe am Horizont. Hinter dem Schiff zog sich eine helle Fahrspur durch das Wasser und machte sichtbar, dass die Ankunft in Málaga nicht aus Stillstand bestand, sondern aus langsamer Annäherung. Carlexander sah hinaus, noch angenehm beschäftigt vom Essen. Briemma stand ruhig neben ihm. Das Licht war klar, das Meer weit, und für einige Minuten musste niemand entscheiden, ob noch ein weiterer Gang vernünftig wäre.

Dann tauchte ein großes Schiff von Virgin Voyages auf, rot und weiß, mit vielen Decks und Fensterreihen. Kurz darauf folgte das Schiff mit dem Namen „Sonnenschein“, auf dessen Decks sich Passagiere bewegten; dahinter lagen Meer und Berge. Die Begegnungen wirkten wie ein morgendliches Defilee großer schwimmender Häuser. Carlexander beobachtete die Abstände mit professionell wirkender Aufmerksamkeit. „Du steuerst keines davon“, erinnerte Briemma ihn. Das entspannte die Lage nur bedingt.

Mit dem Hafen wurde das Bild dichter. Ein Kreuzfahrtschiff lag am Kai, während Menschen auf einer Brücke ihre Handys hoben und fotografierten. Türkisfarbenes Wasser, klarer blauer Himmel, Pier und grüne Hügel rückten nacheinander ins Blickfeld. Die Schiffe lagen ruhig, doch auf den Decks und an den Aussichtspunkten war Bewegung. Málaga empfing seine Gäste nicht mit großer Geste, sondern mit Sonne, Wasser und erstaunlich vielen gleichzeitig ausgestreckten Armen samt Telefon.

Besonders deutlich zeigte sich die Begegnung der Schwesterschiffe an der „Mein Schiff 7“. Menschen hatten sich auf den Decks versammelt, die Aufschrift „Unvergesslich Wohlfühlen“ war ebenso zu erkennen wie Gebäude und ein Leuchtturm im Hintergrund. Aus einer weiteren Perspektive lag die „Mein Schiff 7“ festgemacht am Kai, umgeben von anderen Schiffen und Hafengebäuden. Carlexander las den Slogan. Briemma sah zu den vollen Decks. „Das Wohlfühlen ist heute offenbar gemeinschaftlich organisiert.“

Zwischen all den Schiffen erschien schließlich ein Kellner auf dem sonnigen Schiffsdeck, einen Teller mit Brötchen und Snacks in der Hand. Im Hintergrund gingen Passagiere am Geländer entlang oder standen im Gespräch zusammen. Es war der passende Nachsatz zum ausgedehnten Frühstück: Selbst wenn der Hafen bereits die ganze Aufmerksamkeit beanspruchte, blieb die Versorgung zuverlässig in Bewegung. Carlexander sah dem Teller nach. Briemma hob nur leicht die Augenbrauen. Damit war auch diese organisatorische Frage abschließend behandelt.

Vom Schiff aus war außerdem zu sehen, dass der Hafen bereits am Abend arbeitete. Vor dem klaren blauen Wasser standen Teile eines großen Bühnenaufbaus, dazwischen Lkw, Zelte und Container. Touristische Kulisse und technische Vorbereitung lagen ohne Übergang nebeneinander. Wo später das Konzert stattfinden sollte, wurde noch getragen, gestellt und eingerichtet. Carlexander betrachtete den Aufbau mit wachsendem Interesse. „Jetzt bitte keine Ablaufplanung“, sagte Briemma. „Ich wollte nur die Lage verstehen.“ – „Natürlich.“

Der weitere Blick zeigte den Hafen von Málaga, die Küstenstadt und Berge im Hintergrund. Das große Gebäude mit der Aufschrift „Puerto de Málaga“ gab dem Ort die nötige Eindeutigkeit; daneben blieb die entstehende Bühne sichtbar. Am Morgen war sie noch Konstruktion, am Abend sollte sie Konzertgelände sein. Für Carlexander und Briemma genügte zunächst die Aussicht vom Schiff: angekommen, versorgt und rechtzeitig darüber informiert, dass dieser Tag seine größte Lautstärke noch vor sich hatte.