2025-04-08 – Tag 1: Nach dem Rundgang am Vormittag ist die Juniorsuite freigegeben

Reiseepisode

2025-04-08 – Tag 1: Nach dem Rundgang am Vormittag ist die Juniorsuite freigegeben

Tag 1 · 2025-04-08 · Palma de Mallorca

Nach dem Rundgang am Vormittag kam die Nachricht, auf die müde Reisende mit erstaunlicher Aufnahmefähigkeit reagieren: Die Juniorsuite war freigegeben und bezugsfertig. Vom Schiff aus lag Palma de Mallorca hell unter klarem Himmel. Über dem Hafenwasser erhob sich die gotische Kathedrale, dahinter zeichneten sich Berge ab, während zwei Segelboote vor dieser durchaus selbstbewussten Kulisse unterwegs waren. Carlexander sah hinüber und sagte: „Das ist wenigstens eine Aussicht, die keine Einweisung braucht.“ Briemma hielt das für einen vorübergehenden Zustand.

Vom Balkon der Juniorsuite setzte sich der weite Blick über ruhiges Meer und Hafen fort; in der Entfernung lag ein weiteres großes Kreuzfahrtschiff. Innen fiel der Vergleich mit der Mein Schiff 7 allerdings nüchterner aus. Die Suite wirkte kleiner, der Durchgang am Schminktisch war enger, und der Sitzbereich am Fenster fehlte. Bett, Schreibtisch, Stühle und das große Fenster waren ordentlich arrangiert, nur eben auf weniger selbstverständlicher Fläche. Dafür war das Badezimmer größer. Briemma prüfte beides und fasste zusammen: „Man hat den Platz offenbar umverteilt.“

Auf dem Tisch wartete die Begrüßung in mehreren Schokoladenformaten. Kleine Pralinen lagen auf einem weißen Teller, rund, gestreift und teilweise mit cremiger Füllung. Daneben gab es einen transparenten Beutel mit verschiedenfarbigen Bonbons und einer weißen Schokoladenrose. Nach Rundgang und frühem Reisetag war das kein dekoratives Detail, sondern eine vernünftige Maßnahme. Carlexander nahm die Qualitätskontrolle ernst. Briemma sagte nur: „Frischmachen war zuerst geplant.“ Der Plan verlor knapp, aber eindeutig.

Zwischen Karte und Brief lagen die Informationen zur Taufreise bereit. Der Lageplan zeigte unter anderem das Cruise Terminal, das Public Infield und weitere Bereiche am Hafen; zugleich lenkte er den Blick bereits auf das Konzert am nächsten Tag. Hinzu kam eine Geburtstagskarte aus der Mein-Schiff-Flotte, unterzeichnet vom Kapitän und vom General Manager. Carlexander studierte den Plan mit jener Konzentration, die andere für komplizierte Verträge reservieren. „Du kannst morgen auch einfach den Schildern folgen“, bemerkte Briemma. Das war sachlich richtig und organisatorisch unbefriedigend.

Der Minikühlschrank ergänzte die Bestandsaufnahme mit Flaschenwasser, Bier, Cola-Dosen und kleinen Spirituosenflaschen. Alles stand praktisch und ordentlich, was Carlexander sichtbar beruhigte. Damit war die Juniorsuite nicht nur freigegeben, sondern tatsächlich bezugsfertig: Aussicht vorhanden, Unterlagen sortiert, Getränke gekühlt und die Begrüßungsschokolade bereits einer ersten Prüfung unterzogen. Der Vormittag hatte aus Orientierung langsam Aufenthalt gemacht. Nur die Koffer fehlten noch, doch auch dieses letzte Stück Anreise war bereits unterwegs.

Wenig später standen sie vor der Tür: ein brauner und ein roter Koffer, beide sorgfältig in transparenten Kunststoff gehüllt und mit Versandetiketten versehen. Tefralog hatte das Gepäck vorgeschickt, und nun war es pünktlich angekommen. Nach Flughafen, Transfer, Boarding und Rundgang wirkte diese Zuverlässigkeit fast verdächtig elegant. Carlexander betrachtete die Verpackung und nickte anerkennend. „Mein Vertrauen in Prozesse erholt sich“, sagte er. Briemma erwiderte: „Pack erst aus. Dann sehen wir weiter.“

Mit den Koffern war die Juniorsuite endgültig bezogen, zumindest nach den üblichen Maßstäben des Reisens: Das Gepäck war da, die Schokolade nicht mehr vollständig und der Lageplan bereits wichtiger genommen worden, als es zwingend nötig gewesen wäre. Für ausführliches Sortieren blieb dennoch kein Anlass. Das Mittagessen in der X View wartete, und nach einem langen ersten Vormittag war das die überzeugendere Form der Tagesplanung.

Sorgsam verpackt durch Tefralog, die koffer sind da

Die X View war hell, modern und durch große Fenster zum Hafen geöffnet. Runde Tische, Stühle und bereits eingedecktes Geschirr standen vor einem langgezogenen Buffet unter Glasregalen. Nach den engeren Wegen der Juniorsuite bekam der Blick hier wieder mehr Raum. Draußen blieb Palma de Mallorca präsent, drinnen begann die schwierigere Aufgabe, aus einer umfangreichen Auswahl ein Mittagessen zu machen. Carlexander betrachtete das Buffet mit müder Würde. Briemma nahm einen Teller. Damit war die Rollenverteilung geklärt.

An der Auslage standen Schalen mit Obst und verschiedene Dessertbecher bereit. Gleich daneben führte die Auswahl weiter zu Sushi: Maki-Rollen, ein Stück mit Avocado und Reis sowie Sushi mit Garnele, begleitet von Ingwer und Sojasauce. Es war jene Art Buffet, bei der aus „nur eine Kleinigkeit“ zuverlässig mehrere kleine Entscheidungen werden. Carlexander versuchte, eine kulinarische Reihenfolge zu erkennen. Briemma begann einfach dort, wo sie gerade stand. Auch das erwies sich als belastbares Verfahren.

Drei kleine weiße Teller zeigten, dass das Mittagessen sich nicht auf große Portionen verlassen musste. Serviert wurden ein rundes Käsebällchen mit Tomatensauce, eine dunkle Schokoladenkugel in Rotwein und ein goldbraun frittierter Knödel. Danach folgte eine klare, dunkelbraune Hühnersuppe mit einem großen Knödel und grünen Kräutern. Die Präsentation war sorgfältig, die Größen blieben überschaubar, und genau deshalb konnte man sich mit wissenschaftlich klingender Begründung durch mehrere Varianten arbeiten.

Auf dem Holztisch stand ein Glas mit Eiswürfeln und Limettenscheibe vor der geöffneten Getränkekarte. Softdrinks, Weißwein, Schaumweine und Longdrinks waren sauber in Kategorien geordnet, was Carlexanders Aufmerksamkeit unverhältnismäßig lange band. In der Nähe kündigte eine Tafel das „Tages Gericht“ an, darunter Tapas, Suppen und Pastaspezialitäten. Eine weitere Menütafel führte Vorspeisen, Fischsuppen, Hauptgerichte und vegetarische Optionen auf. „Du musst nicht das gesamte System verstehen“, sagte Briemma. Carlexander blätterte weiter. „Das System hat angefangen.“

Draußen bot die Terrasse Holzboden, weiße Stühle, gedeckte Tische und freien Blick auf das Meer; weitere Gäste hatten den Platz bereits für sich entdeckt. Damit endete dieser Abschnitt des ersten Tages dort, wo Reisen meist am angenehmsten wird: zwischen angekommenem Gepäck, einem bezogenen Zimmer und der Erkenntnis, dass man nicht jede Menütafel vollständig auswerten muss. Die Juniorsuite war eingerichtet, das morgige Konzert auf dem Lageplan vermerkt und das Mittagessen ausführlich genug geraten. Für einen Vormittag in Palma de Mallorca war das eine bemerkenswert vollständige Bilanz.