Reiseepisode
2025-04-08 – Tag 1: nachdem mittagessen in der X View den Rundgang fortgesetzt
Tag 1 · 2025-04-08 · Palma de Mallorca
Nach dem Mittagessen in der X-View hätte der Tag ohne Weiteres in einen geordneten Nachmittag übergehen können. Stattdessen setzten Carlexander und Briemma den Rundgang über die neue Mein Schiff Relax fort. Das moderne Restaurant mit seinen eleganten Tischen, der zentralen Galerie und den großen Fenstern lieferte dafür einen angemessen ruhigen Ausgangspunkt. Draußen lag das Meer, drinnen herrschte jene aufgeräumte Eleganz, die einem freundlich mitteilt, dass Krümel hier nur vorübergehend geduldet werden.
Der Weg führte an einem offenen Treppenaufgang vorbei, hinauf zu einer zweiten Ebene mit Tischen, Gästen und einer Bar vor der Meeransicht. Carlexander betrachtete die verschiedenen Ebenen mit der Aufmerksamkeit eines Reisenden, der innerlich bereits Wege, Abkürzungen und mögliche Irrtümer katalogisierte. „Du kannst auch einfach der Treppe folgen“, sagte Briemma. Das war pragmatisch, korrekt und für Carlexanders beginnende Bordlogistik entsprechend unbefriedigend.
Kaum war das Mittagessen offiziell abgeschlossen, erschienen weitere Speisen hinter Glas: Gerichte auf weißen Tellern und in Schalen, sauber präsentiert und bereit für Menschen, deren Sättigungsgefühl offenbar nur eine unverbindliche Empfehlung war. Blaue Sessel, gemusterter Teppich, Holzboden und blau betonte Deckenbeleuchtung machten die nächste Lounge zu einem stillen Gegenentwurf. Danach folgte das Chalet mit Holzverkleidungen, großem Eichenfass, Getränken am Tresen und Gästen in Sesseln. Das Schiff wechselte seine Atmosphäre mit bemerkenswerter Geschwindigkeit, ohne dabei auch nur einen Meter kürzer zu werden.
Beim Burger-Service reichte ein Mitarbeiter hinter dem Schutzgitter Burger über den Tresen; Brötchen und Servietten lagen griffbereit. Zwei Burger mit Käse warteten auf einer Wärmeplatte, während im Hintergrund gearbeitet wurde. Gleich daneben setzte sich das kulinarische Angebot mit einem ausladenden Buffet-Tisch fort: Gerichte und frisches Obst in blauen Schalen, dazu leere Teller, Besteck und ein Mitarbeiter im Hintergrund. Carlexander prüfte die Lage mit professioneller Ernsthaftigkeit. Briemma sagte nur: „Wir haben gerade gegessen.“ Damit war die Lage nicht gelöst, aber eindeutig beschrieben.
Eine geschwungene Rolltreppe aus Metall, begleitet von einem transparenten Glasgeländer und runden Aussparungen in der Wand, brachte wieder Bewegung in den Rundgang. Sie wirkte fast zu elegant für die schlichte Aufgabe, Menschen von einer Ebene zur nächsten zu befördern. Schließlich öffnete sich der Blick am Heck auf das blaue Wasser. Hinter dem Schiff zogen sich die Linien des Rückwassers in die Ferne, darüber lag klarer Himmel, und an der Küste zeichneten sich entfernte Konturen ab. Nach all den Buffets, Bars und Sitzgruppen war diese Spur im Meer die knappste und überzeugendste Orientierung des Nachmittags.










Der weitere Rundgang begann noch einmal bei einem Restaurant, diesmal mit grauen Wänden, dunkelblauem Teppich und großen Fenstern zum Hafen von Palma de Mallorca. Elegante Tische und Stühle standen in einem großzügigen Raum, als warteten sie auf einen Betrieb, der seine Ordnung erst später verlieren würde. Carlexander mochte Räume, die auf den ersten Blick verständlich schienen. Briemma wusste aus Erfahrung, dass er spätestens am dritten Ausgang trotzdem einen Lageplan vermissen würde.
Wenige Schritte später wurde die Gestaltung deutlich lauter. Eine farbige Wandmalerei zeigte den stilisierten Nudelwagen „Mr. Noodles“ und eine Fernsehszene mit dem Schriftzug „FUGU mit TIM RAUE“. Im Café folgte ein Graffiti mit Affenfigur, Sonnenbrille, Lippen und abstrakten Elementen; daneben stand eine Tischkarte auf einem kleinen Metalltisch. Das war weniger zurückhaltend als die blauen Sessel zuvor, aber wenigstens bestand keine Gefahr, diesen Bereich mit irgendeinem anderen an Bord zu verwechseln.
Vor einer Burger-Menütafel standen Schalen mit verschiedenen Obstsorten, ein Arrangement zwischen Vernunft und Verhandlungsspielraum. Noch deutlicher wurde das Gestaltungskonzept beim farbenfrohen Tuk-Tuk auf hexagonalen Bodenfliesen. Durch die großen Fenster war Wasser zu sehen, während Menschen an Tischen saßen und aßen. Carlexander betrachtete das Fahrzeug einen Moment länger als nötig. „Nein“, sagte Briemma ruhig, gestützt auf ihren eleganten Gehstock, „das steht nicht für den Transfer zum Heck bereit.“
Auch die Pralinen machten keinen Versuch, beiläufig zu wirken. Verschiedene Sorten lagen auf Tellern in einer Vitrine, begleitet von kleinen Informationskarten, damit die Auswahl wenigstens den Anschein eines sachlichen Vorgangs behielt. Danach zog der Blick wieder hinaus: über das Meer zur gotischen Kathedrale von Palma de Mallorca, mit Bergen unter leicht bewölktem Himmel im Hintergrund. Zwischen Schokolade und Stadtansicht bekam der Rundgang damit genau die Pause, die er brauchte.
Am Heck wurde aus dem Erkunden schließlich ein Warten auf den Abend. Ein gehaltenes Weinglas stand vor dem Meer, in der Ferne war ein Kreuzfahrtschiff zu erkennen. Carlexander übernahm die Betrachtung mit jener müden Würde, die bei ihm gelegentlich mit sorgfältiger Getränkebeobachtung zusammenfiel. Hinter dem Schiff zog sich die Spur durch das Wasser; an der zurückliegenden Küste waren Gebäude und Berge am Horizont zu sehen. „Jetzt kontrollierst du vermutlich den Kurs“, sagte Briemma. „Nur die Perspektive“, sagte Carlexander, was ausreichend ungenau war, um als Antwort zu gelten.









Zum Abschluss wartete noch die Reiseroute in Kartenform. Die westliche Mittelmeerregion war mit Palma de Mallorca, Barcelona und Valencia dargestellt, ergänzt durch Ansichten der Orte, eine Illustration der Mein Schiff Relax und einen kleinen Informationszettel zu Lospreisen. Nach einem Tag voller Ebenen, Restaurants und unerwartet strategisch platzierter Speisen wirkte die Karte beinahe beruhigend: Linien, Namen, Ziele. Genau die Art von Übersicht, bei der Carlexander sofort näher trat.
Briemma ließ ihm diesen Moment organisatorischer Zuversicht. Der erste Reisetag hatte inzwischen genügend Material geliefert: Ankunft, Orientierung, ein ausgedehntes Mittagessen, weitere Bordwege und schließlich der Abend am Heck. Mehr musste die Karte noch nicht erklären. Für heute genügte es, zu wissen, wo die Reise begonnen hatte und dass selbst ein gründlicher Rundgang auf diesem Schiff offenbar nur eine vorläufige Bestandsaufnahme war.
