2026-05-24 – Tag 6: Mittagstisch, Helios Pool und Bar

2026-05-24 – Tag 6: Mittagstisch, Helios Pool und Bar

Reiseepisode

2026-05-24 – Tag 6: Mittagstisch, Helios Pool und Bar

Tag 6 · 2026-05-24

Mittags auf einem Hafentag hat selbst ein Schiff die Gewohnheit, sich kurz zusammenzufalten. Im Gang war es still, die glänzenden Flächen der Anlage wirkten beinahe zu aufgeräumt für ein Gebäude, das den halben Ozean mit dem Anspruch auf Eleganz verbindet. Carlexander sah sich um, als suche er den Sinn hinter den Linien aus Licht und Holz, und Briemma setzte ihren Stock mit jener Ruhe auf, die andeutet, dass sie schon längst verstanden hat, was hier läuft: nichts Eiliges. „Mittags ist es immer noch leer“, murmelte er. Sie nickte nur. Auf Hafentagen scheint selbst der Service den Atem anzuhalten, als wolle man niemandem beim Stillsein in die Quere kommen.

Dann kam das Essen, und damit die kleine Rückkehr zur Vernunft, die man auf Reisen manchmal für Luxus hält. Neben Sushi gab es auch sehr leckere Pizze, und Carlexander betrachtete die servierte Platte mit der ernsten Miene eines Katers, der gelernt hat, dass gute Teigware nicht diskutiert, sondern gegessen wird. Briemma hatte sich für Pesto-Nudeln entschieden, ein Gericht, das so unspektakulär klingt, bis man merkt, wie sehr es einen Abend retten kann. „Das ist erstaunlich ordentlich“, sagte sie, was bei ihr fast schon ein Lob ist. Carlexander hob eine Braue hinter der roten Brille. „Auf See ist Ordnung oft nur eine Frage des richtigen Tellers.“

Später zog es uns an die Bar, wo die Kälte auf Eis lag und die Flaschen in Reih und Glied standen, als hätte jemand das Wort Feierabend noch nicht ganz aus dem Vokabular gestrichen. Auf dem Buffet oder an der Station mit den Speisen wirkte alles professionell und glatt, aber der eigentliche Magnet war ein anderes Detail: der Espresso Martini, der sich dank Jon Michaels am Helios Pool wiederholt bemerkbar machte. Ein Getränk, das so tut, als wäre es eine beiläufige Entscheidung, und dann doch den Takt des restlichen Tages verändert. Carlexander schaute auf die beschlagenen Gläser und sagte trocken: „Das ist also die maritime Lösung für müde gute Laune.“

Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Kabinen oder Zimmeransicht
Kabinen oder Zimmeransicht

Die Runde ging weiter, wie solche Tage eben weitergehen, wenn niemand die Uhr ernst nimmt. Die Pesto-Nudeln für Briemma waren noch ein zweites Mal Thema, weil gute Pasta an Bord selten einfach nur Pasta ist, sondern immer auch ein kleines Bekenntnis zur praktischen Seite des Lebens. Briemma ließ den Blick über den Tisch gleiten und meinte: „Man sollte den leisen Dingen an Bord mehr Vertrauen schenken.“ Carlexander sah auf den Teller, der inzwischen nur noch die Erinnerung an eine Mahlzeit trug, und musste widerwillig zustimmen. Es war genau die Art von Mittagessen, die nicht laut sein will und gerade deshalb bleibt.

Draußen zeigte sich das Schiff dann von seiner besten Seite, also ruhig und ein wenig großspurig, ohne es nötig zu haben. Vom Deck aus lag das Wasser offen, und gleich daneben stand ein weiteres Kreuzfahrtschiff so nah, dass man die Nachbarschaft nicht mehr übersehen konnte. Für einen Moment wirkte es, als hätten sich zwei sehr teure Gedanken auf dem Meer begegnet. Die Liegen davor blieben leer, was an Hafentagen offenbar zum guten Ton gehört. Carlexander musterte die Szene und sagte: „Wenn selbst die Nachbarschaft aus Schiffen besteht, ist es schwer, sich wichtig zu fühlen.“ Briemma lächelte kaum sichtbar. Das war vermutlich ihr Urteil über die Lage.

Am Helios Pool lernte man dann Jon Michaels persönlich kennen, und damit bekam der Nachmittag eine angenehm unaufdringliche Form von Gastlichkeit. Er mixte, reichte, lächelte, als sei das alles Teil eines eingespielten Systems, das niemanden drängt und doch alles möglich macht. Der Espresso Martini erschien wieder, diesmal mit jener Selbstverständlichkeit, die nur gute Bars und sehr gut organisierte Tage besitzen. Carlexander nahm das Glas entgegen, als prüfe er ein diplomatisches Dokument. „Immer wieder mal“, sagte Jon Michaels, und genau so klang es auch: wie ein kleines Angebot an die Geduld des Tages.

Später am Pooldeck war es tatsächlich so leer, wie man es an einem Hafentag erwarten durfte. Der eingebaute Liegeplatz, die blaue Flasche von „BURJ AL ARAB“ und das dunkle Getränk daneben wirkten fast wie eine stille Anordnung für Leute, die gern ungestört warten. Carlexander bemerkte die Leere mit einem Blick, der zwischen Erleichterung und professioneller Skepsis schwankte. „Sagte ich schon, dass es leer ist an Hafentagen?“ fragte er. Briemma hob den Glasrand leicht an, als wäre das die einzige angemessene Reaktion auf einen Ort, der nicht laut werden will. Manche Luxusorte verkaufen keine Betriebsamkeit, sondern die Kunst, sie zu vermeiden.

Der Espresso Martini fand später noch einen Weg mit auf die Suite, was auf einem Schiff ungefähr so selbstverständlich ist wie die Tatsache, dass man einen Abend nicht einfach in derselben Kleidung beginnt wie den Nachmittag. Carlexander lehnte sich zurück und betrachtete das Glas mit der Ruhe eines Mannes, der längst begriffen hat, dass gute Tage eine tragbare Form brauchen. „Da findet man immer ein Plätzchen dafür“, sagte Briemma, und sie meinte damit ebenso das Getränk wie den ganzen Tag. Mitnehmen, umziehen, sammeln, weitergehen – die Reihenfolge wirkt banal, aber an Bord ist sie oft schon die halbe Eleganz.

Zurück auf der Suite wurde dann die erste Schmutzwäsche vorbereitet und dem Service überlassen, als wäre das eine kleine, private Übergabe an die unsichtbare Organisation, die so ein Schiff überhaupt erst möglich macht. Auf dem Tisch lagen die Dinge ordentlich nebeneinander; nichts davon war dramatisch, und gerade deshalb hatte es Gewicht. Frisch gestärkt und umgezogen ging es anschließend zum Abendessen in den Med Yacht Club. Carlexander schloss die rote Brille kurz zwischen Daumen und Zeigefinger und sagte: „Ein Tag, der mit leerem Deck beginnt und mit Wäsche endet, ist wahrscheinlich trotzdem ein guter.“ Briemma nahm den Gehstock auf, richtete sich auf und antwortete trocken: „Solange das Abendessen den Rest erledigt.“

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