2026-05-24 – Tag 6: Abendessen im Med Yacht

2026-05-24 – Tag 6: Abendessen im Med Yacht

Reiseepisode

2026-05-24 – Tag 6: Abendessen im Med Yacht

Tag 6 · 2026-05-24

Der Abend begann unschuldig mit einem Korb voller Brot und Gebäck, als hätte jemand beschlossen, die Lage mit Kruste zu beruhigen. Nach dem Tag auf der Explora I wirkte dieses Buffet wie ein stilles Versprechen, dass wenigstens die Basis stimmen würde. Ich nahm es mit der üblichen Vorsicht eines Katers, der gelernt hat, dass erste Eindrücke am Tisch oft höflicher sind als die zweite Hälfte des Menüs.

Doch schon der Blick auf den Tisch machte mich misstrauisch. Das Messer lag dort mit einer solchen Gesichtsblässe, dass es eher nach Verwaltungsakt als nach Werkzeug aussah. Briemma hob eine Braue, musterte die Klinge und sagte trocken: „Das ist nicht vielversprechend.“ Ich nickte. „Es hat leider auch nicht gerade an einem guten Tag begonnen.“

Als der Gang vor uns stand, war klar, dass das Beste an diesem Abend die Komposition auf dem Teller und nicht die Spannung im Raum werden würde. Ich hielt das Messer in der Hand, prüfte es noch einmal und musste eingestehen, dass es auch bei näherer Betrachtung eher stumpf wirkte und seine besten Tage hinter sich hatte. Zwei weitere mussten her, bis endlich ein scharfes auftauchte, und selbst das fühlte sich schon leicht peinlich an. Die Art von Peinlichkeit, die nicht laut ist, aber sehr zuverlässig am Tisch sitzen bleibt.

Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Dessert auf dem Teller
Dessert auf dem Teller
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Blick über das Meer
Blick über das Meer
Digitale Projektion im Dinner Raum
Digitale Projektion im Dinner Raum

Briemmas Pulpo dagegen war hervorragend. Das war einer jener seltenen Momente, in denen sich das Meer auf dem Teller mit einer gewissen Würde meldet. Sie schob den Teller ein Stück näher an mich heran, als wollte sie sagen: „Siehst du, es kann also doch.“ Ich sah es. Und ich gönnte es ihr mit jener Mischung aus Respekt und Neid, die nur bei wirklich gelungenem Essen entsteht.

Mein erstes Filet hingegen war leider durchgebraten und weit entfernt von dem bevorzugten Medium Rare. Es lag da wie eine verpasste Gelegenheit mit perfekter Kontur. Ich sagte nur: „Nun gut.“ Briemma sah mich von der Seite an und antwortete: „Nun gut ist kein Kompliment.“ Sie hatte recht, wie so oft. Immerhin war die Gesprächslage noch besser als die Garstufe.

Das zweite Filet machte dann endlich, was es sollte: auf den Punkt richtig und lecker. Es war beinahe rührend, wie schnell sich die Stimmung am Tisch veränderte, sobald etwas nicht gegen einen arbeitete. Dazu kam der Blick über das Wasser, der dem Abend seine maritime Gelassenheit zurückgab. Plötzlich wirkte das Ganze fast wieder wie ein Premium-Abend statt wie eine kleine Prüfung in mehreren Akten.

Bei den Austern war die Richtung sowieso klarer. Sie standen da wie eine Einladung mit Schale, und wir nahmen sie gern an. Dass wir wohl etwas zu eilig in den Emporium Market gegangen waren, um sie zu ergattern, blieb der charmante Teil der Geschichte; der peinliche Teil folgte prompt, als Anthony und der Küchenchef uns fanden, um sich für das Messer- und Filet-Desaster zu entschuldigen. Wir nahmen die Entschuldigung an, auch wenn sie später noch einmal erwähnt wurde, was ihr einen leicht hartnäckigen Nachhall gab.

Die Aufmerksamkeit der Mannschaft war dabei fast schon das eigentliche Dessert des Abends. Während die Teller wechselten, wurde der Ton immer freundlicher, fast zu freundlich für eine Szene, die eigentlich mit einem stumpfen Messer begonnen hatte. Briemma meinte leise: „Service ist auch eine Form von Reparatur.“ Ich murmelte: „Wenn schon, dann wenigstens eine gründliche.“

Dann kamen die kleinen Meeresdetails, auf die man sich bei solchen Abenden immer wieder verlässt: Kabbenscherenfleisch, sorgfältig angerichtet, beinahe demonstrativ unaufgeregt. Es war ein Teller, der nicht laut werden musste, um Eindruck zu machen. Ich stellte fest, dass selbst nach einem holprigen Start noch ein ruhiger, präziser Gang möglich war. Das Dessert hatte später keine schwierige Aufgabe mehr, nur noch die Pflicht, den Abend würdig zu schließen.

Die Küche schien inzwischen den Takt wiedergefunden zu haben, und die kleinen Teller auf dem Weg dorthin wirkten wie Antworten auf eine Frage, die sich der Abend anfangs selbst gestellt hatte. Ich betrachtete die Platten, die Kompositionen, die silbrigen Ränder, und dachte daran, wie schnell ein Restaurant zwischen Verlegenheit und Souveränität umschalten kann. Oder zumindest versuchen kann, es elegant aussehen zu lassen.

Am Ende blieb dieses Gefühl von gut gemeinter Wiedergutmachung, das in der Praxis oft mehr zählt als jede perfekte Theorie. Wir waren etwas zu eilig gewesen, die Küche hatte an einer Stelle danebengegriffen, und danach wurde erstaunlich engagiert nachgebessert. Es war uns peinlich, ja. Aber die Entschuldigung war angenommen, und das hat in solchen Abenden bekanntlich eine eigene, ziemlich ernste Schönheit.

Der Nachtisch kam schließlich fast schon wie eine höfliche Verbeugung daher. Auf dem Teller war nichts laut, nichts überladen, nichts, was sich in den Vordergrund drängte. Genau das machte ihn passend für einen Abend, der nach all seinen kleinen Unsauberkeiten lieber einen leisen Abschluss als ein großes Finale brauchte. Briemma tippte mit dem Gehstock leicht gegen den Stuhl und sagte: „Jetzt ist es wieder ordentlich.“ Ich musste lächeln.

Bevor wir wieder in die Abendshow gingen, machten wir noch unseren Rundgang über Deck im Abendrot. Der Hafenblick mit den Kreuzfahrtschiffen lag ruhig unter dem letzten Licht, als hätte jemand die Szene absichtlich gedimmt. Es war ein wohltuender Wechsel nach dem Tischdrama: draußen keine Messer, keine Erklärungen, nur Luft, Wasser und dieses maritime Schweigen, das auf einem Schiff immer ein wenig teurer wirkt als an Land.

Später weit draußen über dem Meer zog das Schiff seine helle Spur durchs Dunkel, und der Abend bekam endgültig die Form einer Reise statt eines Menüs. Der Horizont war ruhig, fast großzügig, und die Bewegung des Schiffs wirkte wie eine knappe, verlässliche Korrektur zum ganzen Rest. Carlexander, also ich, betrachtete die Wake und dachte: Manche Dinge laufen nicht gut an, aber irgendwann findet selbst ein Abend wieder Kurs.

Und dann kam noch dieser seltsame Moment der digitalen Projektion im Dinner Room, während wir auf den Liegen den schnarchenden Gästen beim Silent Kino zusahen. Das hatte etwas unfreiwillig Komisches, fast als würde der Abend sich selbst kommentieren. Auf der Leinwand wurde etwas Dramatisches gesprochen, im Raum selbst herrschte eine ganz andere Wahrheit: die der ruhigen Körper, der offenen Augen und des leicht ungläubigen Blicks auf die menschliche Fähigkeit, überall einzunicken, solange nur das Deck bequem genug ist.

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