2026-05-22 – Tag 4: Mittagessen an Bord vor Porto Cervo

2026-05-22 – Tag 4: Mittagessen an Bord vor Porto Cervo

Reiseepisode

2026-05-22 – Tag 4: Mittagessen an Bord vor Porto Cervo

Tag 4 · 2026-05-22

Zurück am Mittag an Bord aus Porto Cervo, führt der Weg nicht in ein großes Spektakel, sondern erst einmal in diese stille, etwas zu elegante Wartezone, in der selbst die Luft geschniegelt wirkt. Das Licht hängt sauber unter der dunklen Decke, die Bänke sehen aus, als hätten sie ihre Meinung längst für sich behalten, und die Welt wartet kurz mit. Hafentage an Bord haben eben ihre eigene Logik: Man kommt zurück, will eigentlich nur essen, und findet sich in einer Kulisse wieder, die so tut, als wäre sie gerade erst für eine wichtige Besprechung vorbereitet worden.

Unten draußen liegt das Schiff dann ganz anders da: offen, sonnig, fast lässig, obwohl man ihm die Disziplin des Premiumsegments doch noch anmerkt. Auf dem Deck ist es ruhig genug, um den kleinen Bordsport der Liegenreservierer fast als stilles Ritual zu erkennen. Carlexander betrachtet das mit jener müden Würde, die nur ein Kater aufbringen kann, wenn er merkt, dass Menschen selbst am Meer nicht aufhören, Besitz mit Handtuch zu markieren. Briemma zieht die Augenbraue minimal hoch. „Sehr maritim“, sagt sie trocken. „Und erstaunlich früh besetzt.“

Im Emporium Marketplace wirkt das Buffet wie ein sorgfältig sortiertes Argument gegen Eile. Vor den Pizza-Stationen liegt bereits einiges hinter den Glasscheiben, als hätte der Mittag schon seine erste Runde hinter sich. Da sind die unterschiedlichen Böden, die letzten Stücke, die sauber aus der Reihe gefallen sind, und diese stille Professionalität eines Selbstbedienungsformats, das gern locker wirkt, aber in Wahrheit jede Bewegung des Gastes einkalkuliert. Carlexander bleibt kurz stehen, mustert die Auswahl und sagt: „Der Mensch liebt den Eindruck von Freiheit, solange das Schild noch lesbar bleibt.“

Wartebereich am Flughafen
Wartebereich am Flughafen
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Schale mit Suppe auf dem Tisch
Schale mit Suppe auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Sushi auf dem Teller
Sushi auf dem Teller
Sushi auf dem Teller
Sushi auf dem Teller
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Dessert auf dem Teller
Dessert auf dem Teller
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant

Ein paar Schritte weiter stehen die beiden goldbraunen Hähnchen wie die höfische Antwort auf den schnellen Hunger. Herb-Crusted Free Range Chicken Rotisserie, ordentlich beschriftet, ordentlich angerichtet, ordentlich verführerisch. Die Kerze der kulinarischen Vernunft brennt hier hell, aber nicht unaufdringlich; das Rosmarinblättchen spielt den stillen Akzent. Briemma nimmt die Information mit jener Gelassenheit auf, die bei Buffetarchitektur das höchste Lob ist. „Das ist wenigstens ehrlich“, sagt sie. „Roast und Absicht. Mehr braucht es manchmal nicht.“

Daneben wird es japanisch, oder zumindest so japanisch, wie ein internationales Bordrestaurant es mit sauberem Gewissen vertreten kann: Udon Dashi Broth, Prawns & Vegetable Tempura. Die Tempura liegen leicht und knusprig im warmen Licht, während die Kupferkessel im Hintergrund so tun, als wüssten sie mehr über Ruhe als alle Gäste zusammen. Es ist einer dieser Momente, in denen das Buffet nicht laut werden muss, um zu zeigen, dass es sich Mühe gibt. Carlexander nickt anerkennend. „Garnelen mit Brothintergrund“, murmelt er. „Das ist fast schon Literatur.“

Dann landet das Thema am Tisch, ohne großes Zeremoniell, aber mit der nötigen Präzision. Für Carlexander kommen Garnelen mit Udon und Misobrühe, eine Schale, die mehr nach gelassener Konzentration als nach Hast aussieht. Die Nudeln liegen dort, als hätten sie verstanden, dass man auf See nicht nur von Meerblick leben kann. Der Dampf ist subtil, die Farben ruhig, und für einen Moment hat selbst der Kater keinen Einwand. „Nicht übel“, sagt er nach dem ersten Blick. „Misobrühe hat wenigstens Haltung.“

Briemma bekommt ihre Spicy Alfredo Spaghetti, und das Gericht wirkt genau so, wie es sein soll: cremig, leicht frech, mit genug Würze, um dem Mittag eine kleine Kurve zu geben. Die Pasta sitzt im Teller, als hätte sie sich bewusst gegen jede Form von Bescheidenheit entschieden. Briemma kostet, nickt und sagt nur: „Endlich etwas, das nicht so tut, als wäre Zurückhaltung eine Tugend.“ Carlexander sieht rüber und antwortet: „Ich finde es wohlerzogen, wenn Essen weiß, was es will.“

Nachdem die Hauptgänge ihren Platz gefunden haben, öffnet sich die Kühlstrecke wie eine weitere Etappe derselben Disziplin. Auf Eis liegen die Fische, glänzend und frisch, flankiert von Zitrone und dem feinen, fast ein wenig theatralischen Versprechen eines sehr sorgfältigen Buffets. Davor steht eine Reihe von Gläsern, als müsste auch der Durst hier erst ordentlich registriert werden. Der Raum bleibt dabei freundlich kühl, ohne distanziert zu werden. Es ist diese Art von Luxus, die nicht schreit, sondern sauber sortiert daliegt.

Am Sushi-Stand wird es dann doch einen Hauch lebendiger. Hinter dem Glas greifen Hände nach Rollen, daneben warten die verschiedenen Stücke so akkurat, als hätten sie ihre Aufgabe vorab in einer Besprechung abgestimmt. Die Szene hat Bewegung, aber keine Unruhe; eher das konzentrierte Treiben eines Ortes, an dem Menschen genau wissen, wofür sie anstehen. Briemma sieht kurz zu und sagt: „Das ist der freundlichste Stau des Tages.“ Carlexander nickt. „Zumindest klebt hier niemand mit Handgepäck an der Reling.“

Und am Sashimi geht kein Weg dran vorbei, wie jemand mit genügend Selbstrespekt für rohen Fisch und klaren Geschmacksverstand nüchtern feststellen würde. Die Stücke liegen ordentlich neben Sojasauce und Wasabi, nichts daran ist kompliziert, alles daran präzise. Der Teller wirkt fast streng, aber gerade das macht ihn überzeugend. Carlexander betrachtet die leuchtenden Scheiben einen Moment länger und sagt dann: „Das ist die Sorte Gericht, die keine Erklärung braucht. Nur Aufmerksamkeit.“ Briemma antwortet: „Und Respekt. Sonst wird es beleidigt.“

Im Frühstücks- und Brunchbereich des Buffets verschiebt sich die Stimmung noch einmal. Waffles, Crepes, Marmeladen in Reihen, dazu das ordentliche Werkzeug der Selbstbedienung: Hier endet der Mittag nicht in Müdigkeit, sondern in jener freundlichen Überladung, die ein Schiff in einen stillen Überfluss verwandeln kann. Es ist fast komisch, wie ernst man an Bord die süßen Optionen nimmt. Carlexander schaut auf die Gläser mit Konfitüre und meint: „Ein System, in dem Aprikose und Erdbeere nebeneinander leben, ist zumindest theoretisch zivilisiert.“

Doch kein Weg geht am Sorbet vorbei, und so bleibt am Ende noch dieser kleine Umweg in die Kühle des Desserts. Hinter dem Glas leuchten Blood Orange, Mango, Red Berries und Orange Mandarin so deutlich, als wollten sie selbst den Tagesablauf neu sortieren. Die Auswahl wirkt wie ein farbiger Schlussakkord, sauber temperiert und ohne großes Theater. Irgendwo hinter der Theke bewegt sich Personal, aber der eigentliche Star ist die stille Versuchung im Eis. Briemma lächelt knapp. „Ein ordentliches Finale“, sagt sie. „Auch wenn es sehr darauf drängt, dass man noch bleibt.“

Und natürlich bleibt man noch einen Augenblick länger, weil der Tag an Bord genau so funktioniert: erst das Gute, dann das Bessere, dann die süße Unvernunft zum Schluss. Draußen liegt das Wasser, drinnen die gepflegte Nachspeise, und alles zusammen ergibt diese ruhige, dunkle Premiumatmosphäre, in der selbst ein Mittagessen ein wenig nach Reise aussieht. Carlexander lehnt sich zurück, Briemma nimmt den letzten Löffel mit Stil, und für einen Moment ist Porto Cervo nur noch der Hafen, von dem man eben zurückgekommen ist. „Nicht schlecht für einen Hafentag“, sagt der Kater. Briemma nickt. „Und erstaunlich wenig Chaos. Fast verdächtig.“

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