2026-05-22 – Tag 4: Abendessen im Marble und Show mit Jon Michaels

2026-05-22 – Tag 4: Abendessen im Marble und Show mit Jon Michaels

Reiseepisode

2026-05-22 – Tag 4: Abendessen im Marble und Show mit Jon Michaels

Tag 4 · 2026-05-22

Der Abend begann nicht mit Glanz, sondern mit einer Speisekarte. MARBLE & CO. lag vor uns wie ein kleines Versprechen in Schwarz und Weiß, fein sortiert in Starters, Soups und den üblichen Kategorien, die einem einreden wollen, die Welt sei geordnet. Carlexander hielt die Seiten mit der roten Brille schon bei den Steaks an, als hätte er dort persönlich eine vertraute Schwäche entdeckt. Briemma las nur kurz mit diesem Blick, der sagt: Man muss nicht alles kommentieren, um es zu verstehen.

Dann kam das erste, was man an so einem Abend offenbar tun soll: das Warten in Form von Perfektion. Eine Schale mit Suppe stand auf dem Tisch, daneben die Art von stiller Eleganz, die in einem Fine-Dining-Restaurant immer so wirkt, als würde gleich etwas Wichtiges passieren. Carlexander beugte sich leicht vor, schnupperte und murmelte: „Das ist also der Auftakt.“ Briemma antwortete trocken: „Wenn schon Auftakt, dann bitte mit Haltung.“

Der nächste Gang setzte die Stimmung fort, nur mit mehr Ernst und weniger Gerede. Die perfekt angerichteten Austern mit Lachs lagen in der Schale wie ein Beweis dafür, dass Zurückhaltung eine ebenso große Kunst sein kann wie Überfluss. Nichts war laut, alles war präzise, und genau das machte es so überzeugend. Carlexander nickte anerkennend, was bei ihm ungefähr so viel Begeisterung bedeutet wie bei anderen ein Applaus. „Das ist schon sehr ordentlich“, sagte er. Briemma hob eine Braue: „Ordentlich ist bei manchen Küchen das höchste erreichbare Gefühl.“

Schale mit Suppe auf dem Tisch
Schale mit Suppe auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Dessert auf dem Teller
Dessert auf dem Teller
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Bühnenauftritt mit Publikum
Bühnenauftritt mit Publikum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum

Später wurde es fleischiger und damit, ganz im Sinne des Abends, auch moralisch etwas einfacher. Der Schweinebauch kam als glänzende, wohlerzogene Versuchung auf den Tisch, und die Hafenstimmung draußen im Hintergrund erinnerte daran, dass man hier zwar dinierte, aber der Wasserblick trotzdem mitserviert wurde. Das hatte etwas angenehm Unaufgeregtes: gutes Essen, stilles Wasser, ein Schiff irgendwo dazwischen und die Erkenntnis, dass Eleganz manchmal einfach nur gutes Timing ist. Carlexander sah hinaus und sagte: „Meerblick ist immer dann am besten, wenn der Teller ihn nicht stört.“

Bei der Aubrac für die Lady wurde die Sache dann klassischer, schwerer und ein wenig stolzer. Das Stück Fleisch lag dunkel gebraten auf dem Teller, dazu die kleine Schale mit Sauce, ein paar farbige Akzente und diese gepflegte Zurückhaltung, die sich nur in guten Häusern so unangestrengt gibt. Briemma betrachtete den Teller einen Moment lang und meinte: „Wenn etwas so souverän aussieht, muss man ihm nicht mehr viel erklären.“ Carlexander murmelte nur: „Genau mein Problem mit Menschen und Köchen.“

Die Side Dishes waren dann die stillen Nebenrollen, ohne die das Ganze ein wenig zu nobel geordnet, aber auch deutlich weniger reizvoll gewesen wäre. In den kleinen Schalen lagen Gemüse, Cremes und Beilagen, als würde die Küche nebenbei noch beweisen wollen, dass sie auch im Kleingedruckten noch sauber arbeitet. Der Kater zeigte auf die Auswahl und sagte mit der ihm eigenen Trockenheit: „Auch die Nebendarsteller können hier noch Hauptrolle spielen.“ Briemma nickte. „Das ist ja das Problem mit gutem Service. Er nimmt sich nicht wichtig, bis man merkt, dass er alles trägt.“

Mit dem Sirloin für den Kater wurde es dann endgültig persönlich. Das Fleisch war perfekt medium rare, der Schnitt zeigte genau das richtige Maß an Nachgiebigkeit, und Carlexander schaute darauf mit der Andacht eines Mannes, der in Steakfragen wenig Ironie übrig hat. Er sagte schließlich: „Von den Systemküchen auf den Schiffen kann sich mancher Koch eine Scheibe abschneiden.“ Briemma, die das höflich genug fand, um es fast als Lob durchgehen zu lassen, antwortete nur: „Fast ist hier ein erstaunlich großzügiges Wort.“

Danach ließ der Abend kurz nach, bevor er seinen nächsten Trick auspackte. Statt sich in allzu viel Kulinarik zu verlieren, landeten wir wieder beim Blick aufs Wasser und bei dem großen Schiff, das draußen im Hafen lag, als müsse es selbst noch einmal prüfen, ob es ordentlich geparkt hatte. Der Übergang vom Tisch zum Fenster war dabei so ruhig, dass man fast glauben konnte, der ganze Abend würde einfach dort bleiben, zwischen Glas, Licht und einer gewissen maritimen Müdigkeit. Carlexander sah hinaus und sagte nur: „Ein Schiff, das stillsteht, hat wenigstens gute Manieren.“

Im Restaurant selbst saßen die Gäste bereits in ihrer ganz eigenen, weichen Logik aus Gesprächen, Getränken und dem gepflegten Versuch, einen Abend nicht zu schnell enden zu lassen. Später schloss sich für uns der Kreis in der Crema Bar mit Abdi und zwei Espressi, als wäre das die selbstverständlichste Fortsetzung der Welt. Carlexander hob die Tasse leicht an und sagte: „Ein Abschluss des Abendessens, wie er im Lehrbuch steht.“ Briemma lächelte knapp. „Dann haben wir wenigstens heute ein Lehrbuch.“

Für einen kurzen Moment ging es zurück in die Suite, nur um sich frisch zu machen, was auf See offenbar bedeutet, sich in eine kleine Zwischenwelt aus Zeitdruck und höflicher Eile zu begeben. Dort warteten Macarons als Aufmerksamkeit auf uns, ordentlich arrangiert und so freundlich, dass man sie fast nicht mit offenem Mund annehmen wollte. Doch genau das war der Plan: jeweils eins im Mund, umgezogen, und schon ging es weiter in die Abendshow. Carlexander blickte auf die kleinen Stücke und sagte: „Das ist ja fast schon Organisation mit Zuckerüberzug.“ Briemma nickte. „Und erstaunlich effizient.“

Vor der Show empfingen uns Snacks und Cocktails, sauber platziert in diesem gedämpften Licht, das allem eine etwas wichtigere Temperatur verleiht. Die Drinks standen bereit, die kleinen Schalen auch, und alles wirkte so, als wäre es genau für den Moment gebaut, in dem man schon im Übergang ist, aber noch nicht ganz angekommen. Carlexander nahm das mit der Gelassenheit eines Katers, der weiß, dass der Abend jetzt noch einen zweiten Anlauf bekommt. „Erst essen, dann schauen, dann wieder tun, als wäre das alles ganz spontan gewesen“, meinte er. Briemma lächelte knapp. „Das ist in der gehobenen Form meistens der ganze Trick.“

Martin empfing die Gäste in der Abendshow mit jener freundlichen Sicherheit, die einen Raum sofort weniger fremd wirken lässt. Dann wurde es auf der Bühne dunkler, die Aufmerksamkeit konzentrierter, und der Auftritt von Jon Michaels zog den Abend in eine andere Liga. Der großartige Improvisationspianist spielte nicht einfach nur, er demonstrierte mit jeder Bewegung, was möglich wird, wenn Übung, Wille und Begabung sich nicht ständig gegenseitig im Weg stehen. Carlexander hörte still zu und sagte schließlich nur: „Das ist der Teil der Reise, an dem man aufhört, über das Dessert nachzudenken.“ Briemma antwortete leise: „Und anfängt, die Musik ernst zu nehmen.“

Im dunklen Raum mit der Projektion und dem Namen, der so viel größer wirkte als ein gewöhnlicher Programmpunkt, lag schließlich das eigentliche Highlight der gesamten Reise. Jon Michaels spielte mit einer Selbstverständlichkeit, die nicht laut sein musste, um Meisterschaft zu zeigen, und gerade darin lag die Wirkung: Er machte hörbar, dass Talent ohne Disziplin nur ein hübscher Verdacht bleibt. Seine Musik hatte etwas Inspirierendes, fast Entwaffnendes, als würde sie einen kurz daran erinnern, dass man mit genug Übung und viel Durchsetzungswille tatsächlich erstaunlich weit kommen kann. Carlexander saß sehr still, was bei ihm bereits ein Kompliment ist, und Briemma sagte nur: „Nun, das war dann wohl der elegante Beweis.“

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