2026-05-19 – Tag 1: Besuch des Restaurants Tablafina im Hotel

2026-05-19 – Tag 1: Besuch des Restaurants Tablafina im Hotel

Reiseepisode

2026-05-19 – Tag 1: Besuch des Restaurants Tablafina im Hotel

Tag 1 · 2026-05-19

Der erste Abend beginnt mit einer dieser kleinen Hotelfallen, die sich nicht wie eine Falle anfühlen, solange die Beleuchtung warm genug ist. Das Tablafina, klein und fein an das NH Hotel Calderon angeschlossen, lädt nicht mit großem Pathos ein, sondern mit der stillen Gewissheit, dass man hier schon irgendwie etwas findet. Wenn man schon mal da ist, kann man ja auch was aussuchen. Der Menüzettel wirkt dabei fast wie ein freundlicher Befehl aus dem Halbdunkel: einfach von allem etwas, nichts geht über Tapas Style.

Carlexander ließ den Blick über die geordnete Seite gleiten, als würde sich in den Spalten eine bessere Welt verbergen. Briemma meinte nur trocken: „Wenigstens muss man hier keine Entscheidung für das ganze Leben treffen.“ Das klang vernünftig genug, also wurde bestellt, was nach Abwechslung roch und nach Küche, die sich nicht wichtig nehmen musste. Genau diese Mischung hat oft die besseren Abende im Gepäck, auch wenn sie sich zunächst wie bloße Organisation tarnt.

Der Espresso kam als kleines, dunkles Finale, sauber auf dem Teller, mit dem Löffel daneben und einem Zuckerpäckchen, das demonstrativ so tat, als gehöre alles zu einer besseren Ordnung. Wohlverdient, hieß es still, und genau so schmeckte er auch: nicht spektakulär, aber notwendig. Carlexander hob die Tasse leicht an und murmelte: „Jetzt sind wir offiziell im Teil des Abends angekommen, in dem die Vernunft weniger laut wird.“ Briemma nickte, schon halb bei ihrem eigenen Frieden mit dem Tag.

Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Dessert auf dem Teller
Dessert auf dem Teller
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Reiseszene mit zwei Katerfiguren
Reiseszene mit zwei Katerfiguren
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch

Zum Dessert lag dann dieses süß klebrige Schokonougat da, als hätte sich jemand vorgenommen, das Wort Nachklang wörtlich zu nehmen. Ein kleiner, dunkler Abschluss auf dem Teller, der nichts erklären musste und gerade deshalb Wirkung hatte. Süß, zäh, ein bisschen übergriffig auf die angenehme Art. „Sehr nett von der Küche, uns den Ernst des Tages so diskret zu verkleben“, sagte Briemma. Carlexander schob die Brille zurecht und antwortete: „Das ist nicht Dessert. Das ist ein diplomatischer Friedensschluss.“

Draußen über der Terrasse wurde Barcelona stiller, dunkler und schließlich so ruhig, dass selbst der Himmel nur noch aus einem schmalen Mond und verstreuten Lichtern bestand. Der Abend schloss sich nicht spektakulär, sondern mit jener weiten, milden Ruhe, die man erst bemerkt, wenn man schon fast aufsteht. Über dem Wasser lag diese letzte Helligkeit, die nicht mehr Tag und noch nicht ganz Nacht ist. Das passt erstaunlich gut zu einem ersten Reisetag, der sich erst sortieren musste und dann doch etwas sehr Gelassenes fand.

Später blieb von der Stadt nur noch die Nachtansicht, die sich von oben besser aushalten ließ als von unten. Briemma war nach dem langen Tag bereits seelig weggeschlummert, als hätte sie den vernünftigen Teil des Abends einfach vorgezogen. Carlexander hingegen bewunderte die Skyline bei Nacht mit der Gravität eines Katers, der sich weigert, dem Schlaf recht zu geben. „Du schaust schon wieder, als würdest du die Stadt erziehen wollen“, murmelte Briemma im Halbschlaf. „Nein“, sagte er. „Ich prüfe nur, ob sie sich benimmt.“

Die Flasche Mas Doix LEs Crestes 2024 stand schließlich im Licht wie ein kleines, ernst gemeintes Versprechen. Intensives Kirschrot, rote Früchte, ein Hauch Eiche, dazu Frische und Struktur – die Art von Wein, die nicht laut wird und deshalb genau ins Haus passt. Sehr angenehm und lecker, traf unseren Geschmack, und man merkte schnell, dass die Tafel an diesem Abend nicht auf große Gesten aus war, sondern auf gutes Gleichgewicht. Carlexander hob das Glas und sagte knapp: „Cheers.“ Briemma lächelte nur, was bei ihr ungefähr dasselbe war wie ein ausformuliertes Einverständnis.

Am Ende wurde dann doch noch tapasausgiebig zugeschlagen, mit Sardinen, die sich als die besten öligen Sardinen bisher in Erinnerung drängten, und mit dieser zufriedenen Geräuschkulisse, die entsteht, wenn niemand mehr so tut, als würde er nur probieren. Tapas, Tapas, Tapas, Schmatz – der Abend hatte seinen eigenen, leicht salzigen Kommentar gefunden. Die Teller leerten sich, die Form blieb elegant, und das war vermutlich das eigentliche Geheimnis dieses kleinen Restaurants: Es nahm den Hunger ernst, aber nie sich selbst.

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