260605 Graf Belderbusch

Schon beim Anblick von Schloss Miel mit dem vorgelagerten Golfplatz stellt sich ein Gefühl von gediegener Eleganz ein – das Gelände zu nächtlicher Stunde eher ruhig, doch die Reihung der Golfcarts vor dem repräsentativen, hellgelb gestrichenen Gebäude wirkt, als wären hier die Türen zu allerlei stillen Gesellschaften und gepflegten Sonntagsrunden nur einen Flügelschlag entfernt.

0 Schloss Miel mit Golfplatz

Der Weg führt uns weiter in den Hof des Nebengebäudes, ins Restaurant Graf Belderbusch, das mit seinem grob gepflasterten Boden und den schlichten weißen Markisen ein wenig vom Pomp des Haupthauses ablenkt – fast so, als wollte man hier den rustikalen Charme des Landlebens aufrechterhalten, ohne ganz auf die Anmutung eines feinen Hauses zu verzichten. Die wenigen sichtbaren Gäste am regennassen Nachmittag scheinen von der feuchten Kühle eher unbeeindruckt, und die sorgfältige Anordnung der Rattanstühle hat das letzte Wort gegen allzu wilden Charme.

1 Restaurant Graf Belderbusch im Nebengebäude

Im Innern öffnet sich dann ein warmes, einladendes Bild: Holzvertäfelungen, Balken und ein heller Holzboden harmonieren mit gemusterten Polstersesseln und gediegen eingedeckten Tischen, die mit kleinen Blümchen und sorgfältig gefalteten Servietten eine wohltuende Ruhe ausstrahlen. Hier wendet sich der Blick gerne dem Tresen zu, an dem der Service die Ausstrahlung einer gut geölten Mannschaft hat, auch wenn es drinnen erwartungsgemäß recht still bleibt.

2 Gastroraum im Graf Belderbusch

Unser Platz am Tisch entpuppt sich als vornehm und bequem zugleich – ein rustikales, dunkles Holz mit einem kleinen Blumenstrauß gelb-weißer Blüten und warmem Kerzenlicht trotz trübem Wetter. Die Sets aus unregelmäßig gehämmertem Silber wirken vintage, haben aber nichts Staubiges, stattdessen eine robuste Eleganz. Carlexander zieht seine rote Brille zurecht und mustert den Nachbarteller-Grundstock: ordentlich bereitete Teller, austeilender Service, und eine Atmosphäre mit französischem Fluss statt hektischem Stadtrummel.

3 Fein gedeckter Tisch im Graf Belderbusch

Wir beugen uns der Karte mit frühlingshafter Spargel-Kompetenz. Die Auswahl offeriert alles von Spargelsüppchen, das nach cremig und samtig duftet, bis hin zu Varianten mit Lachs oder argentinischem Rumpsteak – das klingt mehr nach kulinarischem Jonglieren als nach Experimentierfreude, und das ist gut so. Nebenbei merkt man, dass Briemma die präzise Anordnung der Preise tagt – trotz leichter Regentropfen auf der Karte, die dem Papier eine gewisse Nutzungsrestauranz verleiht.

3 Gute Auswahl der Spargelkarte

Die Vorspeise zeigt sich als kleines Kunstwerk: scharfe Garnelen auf einem Bett von gebratener Zucchini, serviert in einer weißen, dreieckigen Schale. Sorgsam drapiert ist der Teller von einer cremigen, aber leichten Sauce begleitet, die mit viel Zurückhaltung ein wenig Schärfe verspricht. Ein cleverer Begleiter dazu scheint das Bitburger 0.0 mit Zitronenaroma – sozusagen ein alkoholfreier Sommerschluck mit einem Hauch von Herbheit.

4 Leckere Vorspeise spicy Garnelen mit Zucchini

Das Hauptgericht bringt eine unerwartete Souveränität ins Spiel: ein Cordon Bleu vom Eifelschwein, knusprig und golden, gesellt sich zum Kartoffel-Gurkensalat, der mit Radieschen und frischen Kräutern leise den Frühling einläutet. Auf dem Nebenteller grüßt dann der Spargel – weiß und grün, rustikal und doch fein, flambiert mit einem Herbensoße-Tupfer und ergänzt durch einen kleinen grünen Pfeffer, der eine verbindende Note zwischen Herzhaftem und Frischem schafft.

5 Cordon Bleu vom Eifelschwein an Kartoffel Gurkensalat mit Etra Spargel

Zwischen all den Koeffizienten landet auch die Auswahl an Schinken: zart und dünn aufgerollt, von feinem Parma- bis zu Rosmarinhonigschinken, die ihre Süße eher im Hintergrund lassen und lieber das Salz in den Vordergrund stellen. Der frische, grüne Blattsalat daneben wirkt fast wie eine Aufforderung zur Ausgewogenheit – und Briemma tippt trocken an: „Hier sorgt man für Gegengewicht, nicht nur für Geschmacksexplosionen.“

6 Auswahl an Schinken zum Bornheimer Spargel

Für eine gewisse Standhaftigkeit am Tisch sorgt schließlich das Roastbeef: saftig, mit rosa Kern, umspielt von einer Handvoll bratkartoffelähnlicher Beilagen und einem frischen Salat mit Tomaten – klassisch und perfekt. Dazu gesellt sich eine leichte Sauce, die mit Kräutern punktet, ohne viel Aufhebens zu veranstalten. Carlexander nimmt einen Schluck Wasser, schaut kurz zu Briemma und meint trocken: „Ein Teller, der kein Drama will und sich trotzdem glänzend präsentiert.“

7 Ordentliche Portion Roastbeef mit frischem Salat

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