Kurzentschlossener Besuch bei Christofs in Kaster

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Eventbericht

Kurzentschlossener Besuch bei Christofs in Kaster

Der Kurzentschluss führte Carlexander und Briemma zu einem entspannten Abendessen nach Bedburg-Kaster. Weil die schöne Altstadt eigentlich für Autos gesperrt war, parkten sie außerhalb der ehemaligen Stadtmauern. Zwischen Bäumen und geparkten Wagen stand eine Frau im floralen Kleid, während Carlexander den regelkonformen Auftakt zufrieden zur Kenntnis nahm.

Von dort gingen sie durch das historische Backsteintor mit seinem spitzen Dach und der Statue in der Mitte. Hinter dem Durchgang setzte sich der Weg über Pflaster fort, und Fachwerkhäuser begleiteten den Eintritt in den alten Ortskern. Carlexander wertete das Tor als erfreulich eindeutige Wegweisung, die sogar ohne Lageplan funktionierte.

Unter den alten Bäumen rückten die bemerkenswerten Backsteingebäude bald in den Vordergrund. Ihre kräftigen Mauern, die vielen Fenster und das große Eingangstor passten angenehm zum gemächlichen Weg durch den Ort. Briemma betrachtete die Anlage und sagte trocken: „Die Häuser standen schon richtig, bevor du sie geprüft hast.“

Am historischen Torhaus trafen Kreuzigungsgruppe und Vogelwetterfahne auf eine weniger historische Reihe von drei geparkten Autos. Das ausgesprochene Parkverbot beeindruckte offenbar nicht jeden, und die schönen Häuser mussten sich ihren Auftritt mit den Wagen teilen. „Die Architektur bestand die Prüfung, die Parkplatzordnung beantragte Nachbesserung“, fasste Carlexander die Lage zusammen.

Auf dem weiteren Weg erreichten sie den ehemaligen Gasthof zum ‚Alten Haus‘, in dem Christof inzwischen sein Restaurant betrieb. Die Backsteinfassade, die grünen Fensterläden und der große Eingang fügten sich stimmig in die Altstadt ein. Unter dem blau-schwarzen Sonnenschirmdach unterhielten sich Gäste, während Carlexander die klare Beschilderung ausdrücklich billigte.

Drinnen empfingen sie Holzverkleidungen, eine grüne Wand und ein großes abstraktes Kunstwerk. Die Tische waren mit Geschirr und Blumen für die Essenszeit vorbereitet, ohne dass die Einrichtung überladen wirkte. Briemma fand die Mischung urig, schlicht und gemütlich, womit die wesentlichen Fragen für sie bereits beantwortet waren.

Beim Weitergehen fiel der Holzboden ebenso angenehm auf wie der klassische Barbereich mit Theke und Regalen. Eine Tafel kündigte die ausgewogene Tageskarte an und erhöhte damit zugleich die Zahl der möglichen Entscheidungen. Carlexander trat näher und urteilte knapp: „Lesbar und übersichtlich, das senkt das Betriebsrisiko.“

So gelang der Wechsel von den alten Mauern draußen zur warmen Schlichtheit des Restaurants ohne großes Zeremoniell. Carlexander genoss die Ordnung, Briemma die Gemütlichkeit, und beide richteten ihre Aufmerksamkeit nun auf das Abendessen. Der bisherige Verlauf durfte damit als ausgesprochen vielversprechend gelten.

Die Speisekarten wurden alle paar Wochen aktualisiert, sodass selbst ein kurzer Besuch eine neue Auswahl bereithielt. Vorspeisen, Suppen, Preise sowie vegetarische und vegane Kennzeichnungen verlangten einen genaueren Blick. Carlexander studierte das Angebot mit jener Konzentration, die bei ihm gewöhnlich eine etwas größere Vorstandsvorlage erwarten ließ.

Bei den Vorspeisen schwankte er zwischen dem Pfifferlingschaumsüppchen und dem Thunfisch-Tatar. Briemma hatte sich bereits für das Tatar entschieden und beendete damit einen Teil seiner Lagebesprechung. „Dann nehme ich das Süppchen“, erklärte Carlexander, als hätte er gerade eine besonders ausgewogene Ressourcenteilung beschlossen.

Die Hauptgerichte machten die Entscheidung allerdings wieder schwieriger. Eigentlich hatte Carlexander die Entenbrust vorgesehen, doch schließlich wählte er die Leber „Berliner Art“. Sein ursprünglicher Plan hielt also ungefähr bis zur Tageskarte, was Briemma mit freundlicher Gelassenheit hinnahm.

Auch Briemma brauchte angesichts der Vielfalt einen Moment, bevor ihre Wahl feststand. Mit ihrem Blumenband saß sie über der Karte und entschied sich schließlich für das Wiener Schnitzel. „Siehst du“, sagte sie trocken, „man kann eine Karte auch ohne Ausschusssitzung bewältigen.“

Als Vorspeise erhielt Carlexander sein Pfifferlingschaumsüppchen mit Baguette auf einem Holzbrett. Die warme, schaumige Suppe entsprach genau der komfortbewussten Entscheidung, die er zuvor so gründlich vorbereitet hatte. Das Baguette sorgte dabei für die passende Begleitung, ohne eine weitere Abstimmung zu verlangen.

Für Briemma lag ein kleines Löffelchen zum Probieren bereit. Sie kostete von der Suppe, während Carlexander den Erfolg seiner Wahl genoss. „Die Entscheidung war hervorragend“, stellte er fest, und Briemma erwiderte: „Die Suppe auch.“

Zum Besteck auf dem Holztisch kam ein alkoholfreies Radler im Selbstbau. Diese kleine Eigenleistung passte erstaunlich gut zu einem Abend, an dem selbst die Getränkefrage noch einen praktischen Handgriff verlangte. Carlexander behandelte die Mischung dennoch nicht als Krise, sondern als überschaubare Nebenaufgabe.

Briemmas Thunfisch-Tatar wurde mit Wakamesalat, Brot und grünen Erbsen serviert. Carlexander wollte ebenfalls probieren, doch Briemma war schneller und der Käsechip bereits verschwunden. Sein Blick verriet eine kurze Bestandsaufnahme, während sie den Vorsprung ohne weitere Erklärung genoss.

Mit den Hauptgerichten setzte sich der erfreuliche Verlauf fort. Briemmas Wiener Schnitzel kam mit Pommes, Zitrone und einer Schüssel Gurkensalat. Die Portion war großzügig genug, um jede vorherige Kartenlektüre nachträglich zu rechtfertigen.

Besonders der Gurkensalat mit Kräutern erwies sich als ausgesprochen lecker. Seine frische Begleitung passte gut zum Schnitzel und zu den Pommes. Briemma brauchte dafür keine längere Bewertung, denn ein zufriedenes Urteil durfte gelegentlich angenehm kurz ausfallen.

Carlexander erhielt die Leber „Berliner Art“ mit Apfel und Kräutern auf Kartoffelpüree. Der Portweinjus verband die kräftigen und süßlichen Bestandteile ausgewogen miteinander. Schon nach dem ersten Eindruck stand für ihn fest: „Ein Träumchen.“

Gerade bei Leber konnte die Küche leicht zwischen trocken und deutlich zu roh geraten. Hier war sie auf den Punkt gegart, zart und sehr lecker. Carlexander nahm diesen Erfolg mit jener Würde entgegen, die er sonst für besonders gelungene organisatorische Abläufe reservierte.

Neben der angeschnittenen Leber gehörten auch gebratene Äpfelstückchen und Kartoffelpüree zu den Details des Hauptgangs. In der braunen Sauce mit Zwiebeln und Kräutern wirkten sie kräftig und sorgfältig angerichtet. Briemma ließ Carlexander seine kulinarische Lagebesprechung diesmal aus gutem Grund ohne Korrektur beenden.

Vom Wiener Schnitzel blieben schließlich Pommes, Zitrone und ein Teil der Portion übrig, die mit einem Zwinkern „für den Hund“ eingepackt wurden. Ausgerechnet während der entspannten Auszeit erschien außerdem der Chef mit seiner Familie im Restaurant. Weil das Verhältnis sehr gut war, blieb die Begegnung erfreulich unkompliziert und ersparte allen Beteiligten peinliche Momente.

Später ließ sich tatsächlich ein ruhiger und netter Hund am Nebentisch nieder. Carlexander hatte seine Allergietablette nicht dabei, weshalb sie auf den Nachtisch verzichteten und den Abend vernünftig abrundeten. Der kurzentschlossene Besuch endete damit etwas früher als kulinarisch denkbar, aber rundum gelungen, entspannt und mit sorgfältig verpacktem Reiseproviant.

Reste des Wiener Schnitzel mit Pommes

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