2026-05-19 – Tag 1: Abflug ab Düsseldorf und Checkin NH Hotel Calderon
Reiseepisode
2026-05-19 – Tag 1: Abflug ab Düsseldorf und Checkin NH Hotel Calderon
Tag 1 · 2026-05-19
Um vier Uhr morgens hat die Welt noch diese beleidigte Ruhe, in der selbst ein Taxi vermutlich erst einmal die Augen aufschlagen muss. Carlexander stand mit gepacktem Blick und höflicher Verzweiflung am Rand des Tages, als man ihn versetzt hatte und kurzerhand Plan B bestellen musste. Briemma sah das mit jener stillen Überlegenheit, die nur Katzen beherrschen, wenn sie schon längst verstanden haben, dass Organisation oft vor allem ein Gerücht ist. „Also doch der Notruf des Reiseglücks“, murmelte Carlexander. „Wenn das Glück schläft, klingeln wir es eben wach“, sagte Briemma trocken. Und tatsächlich: Das lokale Taxiunternehmen Gauels, dessen Chef persönlich den Schlaf abgebrochen hatte, rettete den Auftakt mit einer Art nächtlicher Professionalität, die fast schon wieder verdächtig war.
Am Flughafen kam die Erleichterung dann nur in kleinen Portionen, fast wie ein Service, der sich ebenfalls verspäten wollte. Gerade so eingetroffen, drängte sich alles in dieses schmale Fenster zwischen „noch nicht verloren“ und „besser nicht darüber reden“. Der Koffer- Drop-Off war an diesem Morgen kein Komfortmerkmal, sondern reine Schadensbegrenzung mit freundlichem Gesicht. Last Minute hatte man sich anders vorgestellt, aber wenigstens musste niemand ausgerufen werden, was im Grunde schon als kleine Form von Würde durchging. Carlexander zupfte die Brille zurecht und meinte: „Ich hätte gern ein Abenteuer mit mehr Puffer.“ Briemma hob nur eine Braue. „Puffer ist für Menschen mit Freizeit.“
Im Flugzeug selbst wurde die Welt dann auf ihre stillere Version reduziert: Luft, Abstand, Blick nach draußen. Unter uns lagen die Berge in dunklem Grün, mit Tälern, Schatten und den weit entfernten Schneekuppen, die das Ganze größer wirken ließen, als es jede Bordansage je könnte. Zwei Heißluftballons schwebten winzig über der Landschaft, als hätten sie sich heimlich in die falsche Geschichte verirrt. Carlexander sah lange hinunter und sagte dann: „Immerhin bewegt sich hier etwas mit Stil.“ Briemma nickte knapp. „Und ohne Boarding-Drama.“
Später auf dem Tablett vor Carlexander stand eine kleine, fast absurde Feierlichkeit des Reisens: Tomatensaft im Pappbecher, Franz Josef Rauch in der Flasche, Salz, Pfeffer, ein Snickers und Wasser daneben. Luxus Snack über den Wolken, hieß das wohl, oder wenigstens eine sehr entschlossene Interpretation davon. Früher war mehr Business Class, hätte man sagen können, aber Carlexander fand auch an dieser bescheidenen Kombination noch etwas Trostreiches. „Das ist also Premium mit Bodenhaftung“, sagte er. Briemma probierte den Anblick und antwortete: „Wer fliegt, sollte keine aristokratischen Ansprüche an das Tablett stellen.“












Unterdessen lag Barcelona schon als Hafenbild in der Ferne und wirkte mit seinen Kreuzfahrtschiffen, der breiten Wasserfläche und den in Dunst gehüllten Hügeln wie ein Ort, der genau weiß, wie man Ankunft inszeniert. Die großen Schiffe lagen nebeneinander, als hätten sie sich gegenseitig Platz gemacht für die richtige Menge Fernweh. Carlexander betrachtete die Küste und meinte: „Das ist also das maritime Versprechen der Reise.“ Briemma sah auf die Stadt, die sich unter den Wolken duckte, und sagte: „Oder ihre sehr teure Fußnote.“ Es war kein lauter Hafen, eher einer mit Haltung.
Als dann auf dem Bildschirm die Wetterlage für Barcelona erschien, wurde selbst das Wetter zum kleinen Organisationskommentar: 17 Grad, meist bewölkt, später nur teilweise Sonne, leichter Wind. Nichts Dramatisches, nichts, was sich für große Heldensätze eignen würde. Gerade deshalb passte es so gut zu diesem Tag. Carlexander las die Prognose und sagte: „Also freundlich, aber nicht aufdringlich.“ Briemma antwortete: „Wie ein Gastgeber mit guter Erziehung.“ So nüchtern konnte Reiseplanung auch sein, wenn man ihr nur lange genug beim Denken zusah.
Das Hotelzimmer nahm die Ankunft dann mit jener stillen Selbstverständlichkeit auf, die gute Räume haben, wenn sie nicht behaupten, mehr zu sein als sie sind. Das Bett lag ordentlich und weiß im Zentrum, die rote Sitzgelegenheit setzte einen einzigen entschiedenen Akzent, als hätte jemand dem Raum gesagt, er brauche wenigstens ein bisschen Charakter. Carlexander trat ein, sah das alles an und schwieg einen Moment. „Nett“, sagte er schließlich, was bei ihm ungefähr einem kleinen Festakt entspricht. Briemma strich den Blick über das Gepflegte und Ruhige und meinte: „Ein Zimmer, das sich nicht aufdrängt. Das ist selten genug, um fast luxuriös zu wirken.“
Im Bad ging es genauso weiter: klare Linien, Glas, dunkle Wand, weißes Handtuchheizteil, alles sauber und modern, als hätte man die Müdigkeit des Tages bereits wegdesignt. Es war ein Raum für das rasche Wiederzusammensetzen, nicht für große Posen. Carlexander blickte in den Spiegelrand, als wolle er prüfen, ob der Tag ihm schon etwas von der Würde abverlangt habe. „Zum Frischmachen reicht es“, sagte er. Briemma nickte auf den kühlen Stein und den leeren Glanz hin. „Mehr verlangt ein guter erster Reisetag ja auch nicht. Vor allem nicht nach vier Uhr morgens.“
Der Koffer stand schließlich vor der Kabinentür, als hätte er beschlossen, den Rest des Tages einfach vor dem Zimmer zu warten statt darin. Daneben lag die stille Gewissheit, dass Reisen immer auch aus kleinen Übergaben besteht: von Hand zu Hand, von Ort zu Ort, von Mühe zu Unterkunft. Carlexander sah den Koffer an und sagte: „Ich mag Gepäck, das sich nützlich verhält.“ Briemma erwiderte: „Warte nur, bis es wieder abholt werden will.“ Es war ein Bild von Ankunft, aber auch eines von provisorischer Ordnung, und genau darin lag seine Wahrheit.
Ein offener Schrank mit Safe und den restlichen Hotelutensilien setzte diese Wahrheit fort, nur ohne jede Romantik. Hier wurde nicht erzählt, hier wurde verstaut. Der dunkle Safe saß im Schrank wie ein kleiner, unbestechlicher Beamter, darunter die Tasche mit dem unschuldig klingenden Namen, der so tut, als sei jedes Haus ein kuratierter Lebensstil. Carlexander musterte das Fach und sagte: „Sicherheit ist also auch nur ein Möbelstück mit Meinung.“ Briemma lächelte schmal. „Solange die Meinung verschlossen bleibt, ist mir das recht.“
Oben auf der Terrasse öffnete sich Barcelona dann mit einer anderen Geste: nicht als Hotelkulisse, sondern als Stadt aus Dächern, Türmen und Altertum, mit der markanten Kuppel und der Statue darüber, die den Blick sofort festhielten. Der Himmel war freundlich genug, um das Ganze nicht zu weichzuzeichnen. Carlexander blieb am Geländer stehen und sagte leise: „Jetzt wird es endlich nach Barcelona aussehen.“ Briemma stützte sich leicht auf den Gehstock und antwortete: „Und wir dürfen dabei so tun, als hätten wir das von Anfang an gelassen geplant.“ Frisch machen oder nonchalant restaurieren, um durch die Stadt zu schlendern – beides klang plötzlich vernünftig.
Als die Aussicht noch weiter aufging, wurde das Nebeneinander von alt und neu in Barcelona deutlicher: historische Fassaden, moderne Terrassen, das große Dachbild der Stadt und in der Ferne die spitzen Türme, die fast schon so taten, als gehörten sie zur nächsten Etappe eines sehr langen Gedächtnisses. Dieser Blick war kein Endpunkt, eher eine höfliche Einladung. Carlexander sah hinüber und sagte: „Man könnte bleiben und alles von oben erklären.“ Briemma schüttelte den Kopf. „Oder man geht hinunter und sieht, ob die Stadt unten genauso gut vorbereitet ist.“ So oder so war dies der Moment, an dem der erste Reisetag endgültig in den zweiten überging.





































































































































