Carlexander Backt Pflaumenkuchen

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Tag 1 von 1

Eventbericht

Carlexander Backt Pflaumenkuchen

  

Zwetschgenkuchen oder die kontrollierte Eskalation einer Küche

Es begann mit anderthalb Kilo Pflaumen und der grundsätzlich vernünftigen Idee, daraus einen Kuchen zu machen. Eine jener Tätigkeiten, die in Rezepten gern mit Zeitangaben wie „20 Minuten Vorbereitung“ versehen werden und dabei unterschlagen, dass offenbar eine zweite Person unsichtbar hinter einem steht und benutzte Schüsseln, Messer, Bretter und klebrige Arbeitsflächen unmittelbar nach ihrer Entstehung aus der Realität entfernt.

In unserer Küche heißt diese zweite Person Briemma.

Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits beschlossen, dass es ein Hefekuchen werden sollte. Saftig. Mit ordentlich Pflaumen. Vielleicht Marzipan. Auf jeden Fall Hagelzucker. Also ein Backvorhaben mit klarer strategischer Ausrichtung und noch geringfügig ungeklärter operativer Umsetzung.

„Du hast Teig am Schrank.“

Briemma stand hinter mir, einen Lappen in der Hand und diesen besonderen Gesichtsausdruck im Gesicht, mit dem sie normalerweise Situationen quittiert, die sie bereits verstanden hat, während ich noch an ihrer theoretischen Einordnung arbeite.

„Das ist unvermeidbarer Prozessverlust.“

„Das ist Hefeteig.“

Auf dem iPad am Rand der Arbeitsplatte wartete Sokrates. Ich hatte ihn bereits mit den wesentlichen Fragen der modernen Backkunst beschäftigt: Ei-Ersatz? Bei welcher Temperatur soll der Teig gehen? Marzipan? Hagelzucker unter die Pflaumen oder drauf? Und irgendwann sogar mit der Frage, ob die Pflaumen besser in Fischgrät oder Rosette auf den Kuchen gehören.

Sokrates nahm das alles mit jener digitalen Ruhe hin, die besonders leicht fällt, wenn man selbst weder einen Teig kneten noch anderthalb Kilo Pflaumen entsteinen muss.

Während die Küchenmaschine den Hefeteig bearbeitete, begann ich mit den Zwetschgen.

Zumindest war das der Plan.

Ich nahm eine Zwetschge, ein Messer und begann mit jener vorsichtigen Entschlossenheit zu schneiden, die normalerweise Menschen entwickeln, wenn sie zum ersten Mal einen Sprengsatz entschärfen. Nach einigen Versuchen lagen vor mir mehrere unterschiedlich große Fruchtteile, ein Kern und wenig, das darauf schließen ließ, dass hier später einmal ein ordentlich belegter Kuchen entstehen sollte.

Briemma sah mir eine Weile zu.

Dann seufzte sie.

Es war kein dramatisches Seufzen. Eher das sachliche Geräusch eines Menschen, der soeben akzeptiert hat, dass Delegation in diesem Fall keine Zeitersparnis bringt.

„Gib her.“

Sie nahm Messer und Zwetschgen und übernahm.

Ich wechselte daraufhin in eine stärker strategisch ausgerichtete Funktion.

Was zunächst nach einer überschaubaren Menge Obst ausgesehen hatte, entwickelte sich nach dem Entsteinen zu zwei bemerkenswert gut gefüllten Schüsseln. Die Arbeitsplatte wurde kleiner. Die Zahl benutzter Gegenstände größer.

Briemma schnitt.

Ich organisierte.

Briemma wischte.

Ich suchte das Marzipan.

Und tatsächlich fand ich es.

Das Marzipan hatte allerdings bereits eine längere persönliche Geschichte hinter sich. Die Verpackung verriet ein Mindesthaltbarkeitsdatum, das ausreichend weit in der Vergangenheit lag, um die Frage nach seiner Verwendung nicht mehr ausschließlich kulinarisch erscheinen zu lassen.

Also konsultierte ich Sokrates.

Auf dem iPad erschien nach kurzer Prüfung seine Empfehlung: lieber nicht mehr verwenden.

Das war knapp, analytisch und bedauerlicherweise vernünftig.

Ich betrachtete das Marzipan noch einen Moment.

Briemma betrachtete mich.

„Nein.“

Damit war die zweite fachliche Einschätzung abgeschlossen.

Das Marzipan verließ das Projekt.

*Ich organisierte. Briemma wischte. Ich suchte das Marzipan

„Wo ist die Schüssel?“

„Welche?“

Das war eine berechtigte Gegenfrage. Inzwischen gab es mehrere.

Der Hefeteig kam aufs Blech und wurde ausgezogen. Ohne Marzipan. Dann begann der eigentlich meditative Teil des Projekts: Zwetschgen setzen. Reihe für Reihe, dicht an dicht, leicht überlappend.

Nach ungefähr einem Drittel des Blechs stellte sich heraus, dass anderthalb Kilo Zwetschgen nicht „viel Obst“ sind. Anderthalb Kilo Zwetschgen sind eine Bauaufgabe.

Ich setzte weiter.

Briemma betrachtete das entstehende Raster.

„Du weißt schon, dass das ein Kuchen wird und kein Fliesenleger-Meisterstück?“

„Es braucht Struktur.“

Sie seufzte und entfernte wortlos drei Zwetschgenkerne, einen Klecks Teig und etwas Mehl aus Bereichen der Küche, in denen diese Dinge nach meinem Verständnis eigentlich gar nicht gewesen waren.

Schließlich war das Blech vollständig belegt. Die Zwetschgen standen dicht nebeneinander, der Hagelzucker lag darüber und aus dem ambitionierten Hefeteig war eine ziemlich überzeugende Obstlandschaft geworden.

Für eine letzte Lagebesprechung aktivierte ich Sokrates.

„Mittlere oder untere Schiene?“

Auf dem iPad erschien seine knappe Empfehlung.

Dann verschwand das Blech im Ofen.

Zum ersten Mal seit Beginn des Projekts wurde es ruhig.

Briemma sah sich um.

Ich sah mich ebenfalls um.

Offenbar hatte während der Herstellung eines einzelnen Kuchens jemand heimlich eine zweite Mahlzeit zubereitet, drei Kindergeburtstage veranstaltet und anschließend versucht, sämtliche Beweise auf unserer Arbeitsplatte zu verteilen.

„Das räume ich gleich auf.“

Briemma hielt den Lappen hoch.

„Natürlich.“

Als der Kuchen wieder aus dem Ofen kam, waren aus den matten Zwetschgen glänzende, dunkelrote Früchte geworden. Der Saft war in den Hefeteig gezogen, die Ränder waren gebräunt und zwischen den Früchten lagen die hellen Stückchen des Hagelzuckers.

*Als der Kuchen wieder aus dem Ofen kam, waren aus den matten Zwetschgen glänzende, dunkelrote Früchte geworden

Spätestens beim Anschneiden erledigte sich dann auch die Frage, ob der Aufwand angemessen gewesen war.

Der Boden war kräftig und weich, darüber kamen sehr viele saftige, leicht säuerliche Zwetschgen. So viele, dass man sich die übliche Diskussion darüber sparen konnte, ob auf einem Zwetschgenkuchen eigentlich genug Obst liegt.

Ich nahm noch einen Bissen.

Briemma ebenfalls.

Auf dem iPad war Sokrates inzwischen wieder still.

„Gut“, sagte Briemma.

Ich nickte.

Eine angemessen nüchterne Bewertung für ein Projekt, das anderthalb Kilo Zwetschgen, eine Küchenmaschine, mehrere Schüsseln, einen verworfenen Block Marzipan, einen digitalen Rezeptberater und eine erhebliche Menge häuslicher Schadensbegrenzung benötigt hatte.

Die Küche war inzwischen wieder sauber.

Natürlich nicht durch mich.

*Ich nahm noch einen Bissen

Carlexanders Arbeitsprotokoll: Zwetschgenkuchen

Materialien:
– 1,5 kg Zwetschgen
– Hefeteig für ein Backblech
– Hagelzucker
– Backpapier
– Küchenmaschine
– Messer und Schneidebrett
– mehrere Schüsseln, offenbar mehr als geplant
– Backblech
– iPad mit Sokrates
– Lappen mit Briemma

Marzipan war ursprünglich vorgesehen, wurde aber wegen des deutlich überschrittenen Mindesthaltbarkeitsdatums nach Rücksprache mit Sokrates verworfen.

*Carlexanders Arbeitsprotokoll: Zwetschgenkuchen Materialien: 1,5 kg Zwetschgen Hefeteig für ein Backblech Hagelzucker Backpapier Küchenmaschine Messer

Arbeitsschritte:

1) Hefeteig vorbereiten und von der Küchenmaschine kneten lassen.
2) Teig gehen lassen.
3) Zwetschgen waschen, halbieren und entsteinen.
4) Nach ersten unbeholfenen Schneideversuchen akzeptieren, dass Briemma diesen Arbeitsschritt übernimmt.
5) Altes Marzipan finden, Sokrates konsultieren und anschließend nicht verwenden.
6) Hefeteig auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech verteilen.
7) Zwetschgen dicht, leicht überlappend und möglichst ordentlich auf den Teig setzen. Das ist Kuchenbelegen, auch wenn Briemma gewisse Ähnlichkeiten mit Fliesenarbeiten erkennt.
8) Hagelzucker über die belegten Zwetschgen streuen.
9) Kuchen backen, bis der Hefeteig gebräunt und die Zwetschgen weich und saftig sind.
10) Anschneiden und feststellen, dass anderthalb Kilo Zwetschgen eine durchaus angemessene Menge Obst darstellen.
11) Küche aufräumen.

Punkt 11 wurde erfolgreich an Briemma delegiert.

*Arbeitsschritte: Hefeteig vorbereiten und von der Küchenmaschine kneten lassen

Tom Jones in der LANXESS Arena Köln

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Tag 1 von 1

Eventbericht

Tom Jones in der LANXESS Arena Köln

Am Dienstagmittag begann die Fahrt nach Köln Deutz mit einer ungewöhnlich gründlichen Umfahrung der A4. Wegen einer gefühlt jahrzehntelangen Baustelle und der dazugehörigen …

Am Dienstagmittag begann die Fahrt nach Köln Deutz mit einer ungewöhnlich gründlichen Umfahrung der A4. Wegen einer gefühlt jahrzehntelangen Baustelle und der dazugehörigene Vollsperrung führte der Weg über Land und anschließend durch das Einbahnstraßenchaos der Innenstadt. Carlexander behandelte die Anreise als Lagebesprechung, während Briemma längst erkannt hatte, dass vor allem Geduld weiterhalf.

Schließlich erreichten sie das Parkhaus und das Hotel Stadtpalais, dessen Eingangsschild nüchtern und eindeutig den Weg wies. Diese Zurückhaltung wirkte wie gepflegtes Understatement, sobald man die Geschichte des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Bads kannte. Nach der Verkehrsprüfung genügte allerdings schon ein klar ausgeschilderter Eingang als erster kleiner Reiseerfolg.

Am Empfang setzte das Haus auf moderne Gestaltung und eine gute alte Zwei-Schritt-Verifikation auf dem Tablett. Ein Mitarbeiter betreute den formellen Ablauf hinter dem Tresen, während ein digitales Display für das Moulin-Rouge-Musical warb. „Analog mit Bildschirmbegleitung“, bilanzierte Carlexander, und Briemma erwiderte: „Hauptsache, wir kamen aufs Zimmer.“

Schon im Parkhaus grüßten zwei Hennes-Figuren vor einer Stadionkulisse, eine im roten Trikot mit Schal und die andere vollständig vergoldet. Köln hatte damit früh und unmissverständlich geklärt, welcher Verein keinesfalls übersehen werden sollte. Carlexander nahm die lokale Markenführung anerkennend zur Kenntnis, während Briemma den weiteren Weg im Blick behielt.

Nach dem Check-in bezogen sie ihr modern eingerichtetes Zimmer und machten sich wegen der Hitze erst einmal frisch. Das ordentlich gemachte Doppelbett mit grauer Decke und weißen Kissen stand im Mittelpunkt, daneben warteten Fernseher und eine kleine Sitzgruppe. Ein Architekturmotiv an der neutral gehaltenen Wand passte zur sachlichen Ordnung des Hauses.

Carlexanders anschließende Qualitätskontrolle brachte ein erfreuliches Ergebnis mit einer kleinen Versorgungslücke. Die Klimaanlage funktionierte, und auch der Kühlschrank kühlte zuverlässig, doch eine Minibar fehlte. „Technik vorhanden, Inhalt vertagt“, urteilte er, worauf Briemma trocken sagte: „Dann bleibt mehr Platz.“

Auch das helle Badezimmer erfüllte mit Glasdusche, Waschbecken auf Holzsockel, Spiegel und Handtuchhaltern weitgehend die Erwartungen. Bei der angekündigten Barrierefreiheit geriet die Planung allerdings an eine Stufe. Briemma berücksichtigte das Hindernis mit ihrem Gehstock, und Carlexander vermerkte den Punkt ohne daraus eine Regierungskrise zu machen.

Vom Fenster aus blieb die Arena hinter dichtem Grün und einem Baum teilweise verborgen. Das passte gut, denn dank der funktionierenden Klimaanlage musste das Fenster bei der Hitze ohnehin nicht geöffnet werden. Nach der chaotischen Fahrt erwies sich ein kühles Zimmer als überzeugender als jede vollständig freie Aussicht.

Beim anschließenden Rundgang entdeckten Carlexander und Briemma, wie viele Kunstgegenstände und Gemälde das Hotel beherbergte. Ein gelbes Schild mit der Aufschrift „Stadt Köln“ saß vor abstrakten pinken und schwarzen Strichen und verband Amtsdeutsch mit urbaner Gestaltung. Carlexander prüfte die Kombination einen Moment länger, als für reine Orientierung nötig gewesen wäre.

Weitere Rätsel warteten auf Podesten in einem ruhigen Ausstellungsbereich. Eine menschenähnliche Skulptur aus Metallteilen und ein Tiermodell standen vor einer abstrakten Wandmalerei, wobei sich der Müllmann mit Hennes als mögliche Deutung anbot. „Eindeutig genug für Köln“, meinte Carlexander, und Briemma ließ diese kunsthistorische Kurzprüfung freundlich gelten.

Danach führte der Rundgang in das Restaurant, das in das alte Hallenbad eingebettet war. Das hohe Gewölbe, große Fenster, Holztische, rote Polsterbänke und Mosaikfliesen machten die Geschichte des Kaiser-Wilhelm-Bads greifbar, während Gäste an den Tischen saßen. Carlexander fand, dass historische Bausubstanz mit Bewirtung grundsätzlich eine sehr vernünftige Verbindung einging.

Im modernen Foyer setzte sich die ungewöhnliche Sammlung mit einer gotischen Säule vor großen Fenstern fort. Dabei handelte es sich um eine Originalspitze des Kölner Doms, die zwischen Stadtansicht und zeitgenössischer Architektur erstaunlich selbstverständlich wirkte. Briemma nahm den Fund gelassen zur Kenntnis, während Carlexander dem Hotel nun endgültig eine überdurchschnittliche Ausstattungsdichte bescheinigte.

Nach dem Frischmachen wechselten sie über die Straße zur direkt gegenüberliegenden LANXESS Arena. Die kurze Entfernung machte den Weg trotz der Hitze angenehm überschaubar, während Autos am von Bäumen gesäumten Eingangsbereich vorbeifuhren. Nach der Umleitung am Mittag fühlte sich ein Ziel in Gehweite beinahe luxuriös an.

Bis zur Öffnung blieb noch Zeit, die Arena von außen zu erkunden. Einige besonders ungeduldige Gäste hielten den Türstehern ihre VIP-Zettel entgegen und hofften wegen der Hitze auf früheren Einlass. Doch 18:30 Uhr blieb 18:30 Uhr, und die Organisation zeigte sich in diesem Punkt beneidenswert unbeirrbar.

Auch am Club-Eingang West mit seiner Glasfront, dem Eventimcard-Schriftzug und den Reklametafeln änderte der Logenstatus nichts an der Uhrzeit. Carlexander betrachtete die Lage mit höflicher Resignation und sagte: „VIP endet offenbar an der Minute.“ Briemma antwortete: „Dann warten wir eben bis zur richtigen.“

Als der Einlass begann, gelangten sie am Club-Eingang entspannt an der großen Warteschlange vorbei in die Arena. Auf mehreren Ebenen bewegten sich Besucher durch die Halle, blieben in kleinen Gruppen stehen und orientierten sich an den Veranstaltungsplakaten. Die Last-Minute-Tickets erwiesen sich mit einer Loge direkt schräg zur Bühne als beeindruckend gute Wahl, und nach dem Konzert erlaubte der geleerte Saal mit Tom Jones auf dem großen Bildschirm noch einen letzten freien Blick auf diese Lage.

Von der Loge aus lagen die Sitzreihen und die Bühne bequem im Blick. Bis zum Veranstaltungsbeginn stand ein reich gedecktes kaltes und warmes Büfett bereit und versprach einen genussvollen Abend. Carlexander erkannte sofort, dass sich Bühne und Versorgung hier ohne unnötige Wege verbinden ließen.

Das kalte Büfett überzeugte mit Würstchen, Oliven, Salat und kleinen Dessertgläsern. Die Auswahl wirkte einladend und bot genügend Abwechslung für eine erste Runde. Briemma erfasste den praktischen Vorteil schneller, während Carlexander noch die optimale Reihenfolge plante.

Zur Vorspeise kamen Salami, Schinken, ein Brotscheibchen, kleine Salatschälchen und Samosas auf den Teller. Die Samosas erwiesen sich als besonders lecker und sorgten für einen erfreulichen kleinen Erwartungsbruch. Neben dem Serviettenständer mit Arena-Schriftzug fiel selbst Carlexanders kulinarische Lageanalyse angenehm kurz aus.

Bei der Hauptspeise ließen Kartoffelgratin, sautiertes Gemüse, Ravioli und Hühnchen in heller Soße nicht locker. Carlexander genoss die Zusammenstellung trotz seiner Laktoseintoleranz und vertrug sie ohne Schwierigkeiten. Das Glas Wasser daneben erfüllte dabei seine Rolle weit weniger aufregend, aber zuverlässig.

Zum Abschluss wartete eine cremige Mousse mit Mangospiegel im klaren Glas. Ihre orangefarbene Oberfläche passte zu einem Nachtisch, der weder großen Vortrag noch zusätzliche Erklärung benötigte. Briemma genoss ihn ruhig, und Carlexander erklärte die kulinarische Prüfung innerlich für bestanden.

Ein weiterer Vorteil der Loge lag in der verlässlichen Getränkeversorgung. Für Briemma stand eine Flasche Prosecco bereit, während Carlexander sich dem Primitivo widmete. Zwischen den Reihen leerer Gläser warteten außerdem Flaschenöffner und alles Nötige für einen zügigen Service.

Der junge Rotwein brachte Frucht, Würze und genügend Haltung mit, ohne ein Kellerdrama zu verlangen. Carlexander nannte ihn unkompliziert, was bei ihm bereits als belastbares Lob galt. Briemma fand vor allem erfreulich, dass schnell eingeschenkt wurde.

So begleitete der Primitivo den Weg zwischen Büfett und Bühne zuverlässig, während Briemma ihren Prosecco genoss. „Versorgungslage stabil“, stellte Carlexander fest. „Dann trink, bevor du sie neu bewertest“, erwiderte Briemma liebevoll trocken.

Mit Wein, Prosecco und der Aussicht auf den Konzertbeginn kehrte angenehme Ruhe in den Ablauf ein. Die chaotische Anreise lag nun weit genug zurück, um bereits als Anekdote durchzugehen. Carlexander lehnte sich zufrieden zurück, denn sogar seine Komfortbilanz fiel inzwischen eindeutig positiv aus.

Ein Vorteil der Loge ist die Getränkeversorgung

Während sich die Plätze weiter füllten, begann die Band mit Aufbau und Soundcheck. Auf dem großen Bildschirm stand „Come Gather Round“, während Instrumente, Technik und arbeitende Personen die letzten Vorbereitungen erkennen ließen. Carlexander verfolgte die geübten Abläufe aufmerksam, und Briemma genoss die Erwartung vor den ersten richtigen Tönen.

Einige Riffs wanderten probeweise durch die Arena und kündigten den Abend weit wirksamer an als jede weitere Lagebesprechung. Die Technik stand bereit, das Publikum saß in den vorderen Reihen, und auf der Bühne griff ein Arbeitsschritt in den nächsten. „Das läuft“, sagte Briemma, womit Carlexanders ausführlichere Einschätzung bereits vollständig zusammengefasst war.

Die Band startet mit Soundcheck und Aufbau

Zum Beginn war die Arena zwar nicht vollständig ausverkauft, wirkte aber bereits gut gefüllt. Auf mehreren Ebenen saß ein zahlreiches Publikum, und selbst während des Anfangs kamen weitere Besucher hinzu. Die stetige Bewegung verlieh dem Saal eine lebhafte, erwartungsvolle Energie.

Dann begann Tom Jones zu singen, und seine klare Stimme trug mühelos durch die Halle. Mit 86 Jahren merkte man ihm sein Alter durchaus an, doch im Gesang spielte es kaum eine Rolle. Briemma sagte nur: „Unglaublich klar“, und Carlexander nickte ausnahmsweise ohne ergänzenden Bericht.

Die Band mit Gitarrist und Schlagzeuger gab den Liedern einen kraftvollen Rahmen, während farbige Lichter und Nahaufnahmen auf der großen Leinwand den Auftritt begleiteten. Bei „What’s New Pussycat?“ traf der Titel selbstverständlich auf besondere fachliche Aufmerksamkeit. Carlexander kommentierte knapp mit „Miau“, und Briemmas Schmunzeln fiel ebenso kurz wie eindeutig aus.

Zwischen bekannten Standards wie „Delilah“, „Sexbomb“ und „It’s Not Unusual“ fanden auch weniger bekannte Stücke ihren Platz. Gerade diese Mischung aus Vertrautem und Überraschendem hielt den Abend abwechslungsreich. Die blaue Beleuchtung gab den ruhigeren Passagen einen konzentrierten Rahmen, ohne die Energie des Konzerts zu bremsen.

Carlexander genoss das Programm zunehmend ohne organisatorische Nebenrechnung. Briemma hatte längst erkannt, dass Tom Jones die Arena mit Stimme und Präsenz sicher trug. Aus dem Last-Minute-Entschluss war damit ein rundum gelungener Konzertabend geworden.

Nach fast zwei Stunden Vollgas führte Tom Jones das Konzert in ein grandioses Finale. Er erzählte dabei von einem Gespräch mit Elvis über die Frage, wer der größte Entertainer gewesen sei, und Elvis’ Antwort führte zu Chuck Berrys „Go, Johnny, Go!“. Tom Jones spielte den Titel anschließend selbst und setzte damit einen glänzenden Schlusspunkt.

Band, Gitarren, Schlagzeug und die riesige Projektion hielten die Energie bis zu den letzten Akkorden hoch. Carlexander erklärte die Produktion für einwandfrei, während Briemma den Erfolg praktischer zusammenfasste: „Der Abend hielt, was er versprach.“ Mehr Analyse brauchte dieses Finale tatsächlich nicht.

Story Kontextprofil: travel

Am nächsten Morgen verbanden sie den Check-out mit einem letzten Rundgang durch die Erinnerungen an Alfred Biolek. Eine Wandgalerie mit gerahmten Fotos und zwei kleinen Statuen führte durch verschiedene Begegnungen und Auftritte, darunter auch eine Person im gelben Anzug. Carlexander betrachtete die Sammlung mit derselben Sorgfalt, die er sonst Weinetiketten widmete.

Daneben erinnerte Bio’s Bar mit drei Regalen voller Flaschen, Gläsern, Kassensystem und weiteren Barutensilien an gastfreundliche Abende. Die Theke fügte sich ganz selbstverständlich in die Geschichte des Hauses ein. Briemma ließ Carlexander genügend Zeit für einen letzten prüfenden Blick, begrenzte diese Großzügigkeit aber auf ein vernünftiges Maß.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt ein gerahmtes, Alfred gewidmetes Schreiben mit der Überschrift „Python“. Darunter standen die Namen Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Michael Palin und Terry Jones. Selbst Monty Python war hier zu Gast gewesen, womit das Hotel seine Unterhaltungsbilanz noch einmal deutlich aufwertete.

Während der Check-out weiterlief, rundeten Galerie, Bar und Schreiben den Aufenthalt freundlich ab. „Eine gute Adresse hatte offenbar schon damals Reichweite“, bemerkte Carlexander. Briemma antwortete: „Und wir geben jetzt pünktlich den Schlüssel ab.“

Vor der Abreise unterzogen sie das Frühstück im Restaurant des Kaiser-Wilhelm-Bads noch einer gründlichen Qualitätsstichprobe. Am Büfett warteten Salami, Schinken, geräucherter Lachs, Gurkenscheiben in Gläsern und verschiedene Saucen. Carlexander erkannte darin eine Aufgabe, die Sorgfalt und einen ausreichend großen Teller verlangte.

Sein ordentliches Katerfrühstück bestand aus Eierspeise, Schinkenstreifen, geräuchertem Lachs und belegter Paprika. Eine Tasse Kaffee stand auf dem Untersetzer bereit, begleitet von Salz, Pfeffer, Milchkanne, Thermoskanne und einem Blumenarrangement. Briemma frühstückte in Ruhe, während Carlexander den Kaffee als wirksamen Beitrag zur Wiederherstellung der Reisebereitschaft einstufte.

Beim Frühstück ließ sich zugleich erkennen, wie schick das alte KWB renoviert worden war. Hohe Decken, runde dekorative Leuchten, blaue und grüne Mosaikfliesen sowie die Fensterreihe verbanden die historische Substanz mit einem eleganten neuen Auftritt. Das nüchterne Eingangsschild vom Vortag wirkte im Rückblick damit noch konsequenter zurückhaltend.

Auch das Restaurant selbst überzeugte mit Holztischen, Stühlen, dunklem Marmor und warmen Pendelleuchten. Die Gestaltung blieb gemütlich und elegant, ohne dem Frühstück die Schau zu stehlen. Carlexander beendete die Qualitätsprüfung zufrieden, und Briemma stellte fest, dass der Kaffee weiterhin heiß geblieben war.

So chaotisch die Hinfahrt begonnen hatte, so zäh startete auch die Rückfahrt durch die verstopften Straßen. Ein alter Mercedes-Benz-Omnibus rollte durch den Verkehr, während im Hintergrund ein großes Banner für „Odyssee“ warb. Der Titel passte auffällig gut zur bisherigen Beziehung zwischen Auto und Stadtverkehr.

Beim Anblick des Busses gewannen öffentliche Verkehrsmittel plötzlich deutlich an Überzeugungskraft. „Der fährt immerhin“, sagte Briemma. Carlexander musste einräumen, dass dies gegenüber der gesperrten A4 bereits ein messbarer Vorteil war.

Wenig später glitt eine gelbe Seilbahnkabine mit Vogel-Logo durch den klaren Himmel. Hoch über dem Verkehr wirkte diese Art der Fortbewegung fröhlich, ruhig und ausgesprochen frei von Einbahnstraßen. Carlexander nahm die Alternative sofort in seine künftige Mobilitätsplanung auf.

Weitere Kabinen bewegten sich an einem Mast entlang über Straße und Bäume hinweg. Der Anblick brachte sie auf die Idee, den Kölner Zoo einmal als eigenes Event einzuplanen und dabei vielleicht gleich die Seilbahn zu berücksichtigen. Briemma hielt diesen Vorschlag für deutlich praktischer als einen neuen Versuch, die Stadt mit dem Auto zu beeindrucken.

Am Ende blieben drei belastbare Erkenntnisse: Tom Jones trug mit 86 Jahren noch immer eine Arena, eine gute Loge verband Bühne und Büfett erstaunlich vernünftig, und beim nächsten Besuch verdiente das Auto eine Pause. Köln gewann dieses Spiel durch bloßes Stehenbleiben. Carlexander akzeptierte das Ergebnis mit gut gepflegter Würde, während Briemma den Zoo bereits als erfreulich konkrete nächste Idee gelten ließ.