2026-05-19 – Tag 1: Abflug ab Düsseldorf und Checkin NH Hotel Calderon

2026-05-19 – Tag 1: Abflug ab Düsseldorf und Checkin NH Hotel Calderon

Reiseepisode

2026-05-19 – Tag 1: Abflug ab Düsseldorf und Checkin NH Hotel Calderon

Tag 1 · 2026-05-19

Um vier Uhr morgens hat die Welt noch diese beleidigte Ruhe, in der selbst ein Taxi vermutlich erst einmal die Augen aufschlagen muss. Carlexander stand mit gepacktem Blick und höflicher Verzweiflung am Rand des Tages, als man ihn versetzt hatte und kurzerhand Plan B bestellen musste. Briemma sah das mit jener stillen Überlegenheit, die nur Katzen beherrschen, wenn sie schon längst verstanden haben, dass Organisation oft vor allem ein Gerücht ist. „Also doch der Notruf des Reiseglücks“, murmelte Carlexander. „Wenn das Glück schläft, klingeln wir es eben wach“, sagte Briemma trocken. Und tatsächlich: Das lokale Taxiunternehmen Gauels, dessen Chef persönlich den Schlaf abgebrochen hatte, rettete den Auftakt mit einer Art nächtlicher Professionalität, die fast schon wieder verdächtig war.

Am Flughafen kam die Erleichterung dann nur in kleinen Portionen, fast wie ein Service, der sich ebenfalls verspäten wollte. Gerade so eingetroffen, drängte sich alles in dieses schmale Fenster zwischen „noch nicht verloren“ und „besser nicht darüber reden“. Der Koffer- Drop-Off war an diesem Morgen kein Komfortmerkmal, sondern reine Schadensbegrenzung mit freundlichem Gesicht. Last Minute hatte man sich anders vorgestellt, aber wenigstens musste niemand ausgerufen werden, was im Grunde schon als kleine Form von Würde durchging. Carlexander zupfte die Brille zurecht und meinte: „Ich hätte gern ein Abenteuer mit mehr Puffer.“ Briemma hob nur eine Braue. „Puffer ist für Menschen mit Freizeit.“

Im Flugzeug selbst wurde die Welt dann auf ihre stillere Version reduziert: Luft, Abstand, Blick nach draußen. Unter uns lagen die Berge in dunklem Grün, mit Tälern, Schatten und den weit entfernten Schneekuppen, die das Ganze größer wirken ließen, als es jede Bordansage je könnte. Zwei Heißluftballons schwebten winzig über der Landschaft, als hätten sie sich heimlich in die falsche Geschichte verirrt. Carlexander sah lange hinunter und sagte dann: „Immerhin bewegt sich hier etwas mit Stil.“ Briemma nickte knapp. „Und ohne Boarding-Drama.“

Später auf dem Tablett vor Carlexander stand eine kleine, fast absurde Feierlichkeit des Reisens: Tomatensaft im Pappbecher, Franz Josef Rauch in der Flasche, Salz, Pfeffer, ein Snickers und Wasser daneben. Luxus Snack über den Wolken, hieß das wohl, oder wenigstens eine sehr entschlossene Interpretation davon. Früher war mehr Business Class, hätte man sagen können, aber Carlexander fand auch an dieser bescheidenen Kombination noch etwas Trostreiches. „Das ist also Premium mit Bodenhaftung“, sagte er. Briemma probierte den Anblick und antwortete: „Wer fliegt, sollte keine aristokratischen Ansprüche an das Tablett stellen.“

Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Reiseszene im Flugzeug
Reiseszene im Flugzeug
Reiseszene im Flugzeug
Reiseszene im Flugzeug
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Kabinen oder Zimmeransicht
Kabinen oder Zimmeransicht
Modernes Bad in der Suite
Modernes Bad in der Suite
Koffer vor der Kabinentür
Koffer vor der Kabinentür
Kabinen oder Zimmeransicht
Kabinen oder Zimmeransicht
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant

Unterdessen lag Barcelona schon als Hafenbild in der Ferne und wirkte mit seinen Kreuzfahrtschiffen, der breiten Wasserfläche und den in Dunst gehüllten Hügeln wie ein Ort, der genau weiß, wie man Ankunft inszeniert. Die großen Schiffe lagen nebeneinander, als hätten sie sich gegenseitig Platz gemacht für die richtige Menge Fernweh. Carlexander betrachtete die Küste und meinte: „Das ist also das maritime Versprechen der Reise.“ Briemma sah auf die Stadt, die sich unter den Wolken duckte, und sagte: „Oder ihre sehr teure Fußnote.“ Es war kein lauter Hafen, eher einer mit Haltung.

Als dann auf dem Bildschirm die Wetterlage für Barcelona erschien, wurde selbst das Wetter zum kleinen Organisationskommentar: 17 Grad, meist bewölkt, später nur teilweise Sonne, leichter Wind. Nichts Dramatisches, nichts, was sich für große Heldensätze eignen würde. Gerade deshalb passte es so gut zu diesem Tag. Carlexander las die Prognose und sagte: „Also freundlich, aber nicht aufdringlich.“ Briemma antwortete: „Wie ein Gastgeber mit guter Erziehung.“ So nüchtern konnte Reiseplanung auch sein, wenn man ihr nur lange genug beim Denken zusah.

Das Hotelzimmer nahm die Ankunft dann mit jener stillen Selbstverständlichkeit auf, die gute Räume haben, wenn sie nicht behaupten, mehr zu sein als sie sind. Das Bett lag ordentlich und weiß im Zentrum, die rote Sitzgelegenheit setzte einen einzigen entschiedenen Akzent, als hätte jemand dem Raum gesagt, er brauche wenigstens ein bisschen Charakter. Carlexander trat ein, sah das alles an und schwieg einen Moment. „Nett“, sagte er schließlich, was bei ihm ungefähr einem kleinen Festakt entspricht. Briemma strich den Blick über das Gepflegte und Ruhige und meinte: „Ein Zimmer, das sich nicht aufdrängt. Das ist selten genug, um fast luxuriös zu wirken.“

Im Bad ging es genauso weiter: klare Linien, Glas, dunkle Wand, weißes Handtuchheizteil, alles sauber und modern, als hätte man die Müdigkeit des Tages bereits wegdesignt. Es war ein Raum für das rasche Wiederzusammensetzen, nicht für große Posen. Carlexander blickte in den Spiegelrand, als wolle er prüfen, ob der Tag ihm schon etwas von der Würde abverlangt habe. „Zum Frischmachen reicht es“, sagte er. Briemma nickte auf den kühlen Stein und den leeren Glanz hin. „Mehr verlangt ein guter erster Reisetag ja auch nicht. Vor allem nicht nach vier Uhr morgens.“

Der Koffer stand schließlich vor der Kabinentür, als hätte er beschlossen, den Rest des Tages einfach vor dem Zimmer zu warten statt darin. Daneben lag die stille Gewissheit, dass Reisen immer auch aus kleinen Übergaben besteht: von Hand zu Hand, von Ort zu Ort, von Mühe zu Unterkunft. Carlexander sah den Koffer an und sagte: „Ich mag Gepäck, das sich nützlich verhält.“ Briemma erwiderte: „Warte nur, bis es wieder abholt werden will.“ Es war ein Bild von Ankunft, aber auch eines von provisorischer Ordnung, und genau darin lag seine Wahrheit.

Ein offener Schrank mit Safe und den restlichen Hotelutensilien setzte diese Wahrheit fort, nur ohne jede Romantik. Hier wurde nicht erzählt, hier wurde verstaut. Der dunkle Safe saß im Schrank wie ein kleiner, unbestechlicher Beamter, darunter die Tasche mit dem unschuldig klingenden Namen, der so tut, als sei jedes Haus ein kuratierter Lebensstil. Carlexander musterte das Fach und sagte: „Sicherheit ist also auch nur ein Möbelstück mit Meinung.“ Briemma lächelte schmal. „Solange die Meinung verschlossen bleibt, ist mir das recht.“

Oben auf der Terrasse öffnete sich Barcelona dann mit einer anderen Geste: nicht als Hotelkulisse, sondern als Stadt aus Dächern, Türmen und Altertum, mit der markanten Kuppel und der Statue darüber, die den Blick sofort festhielten. Der Himmel war freundlich genug, um das Ganze nicht zu weichzuzeichnen. Carlexander blieb am Geländer stehen und sagte leise: „Jetzt wird es endlich nach Barcelona aussehen.“ Briemma stützte sich leicht auf den Gehstock und antwortete: „Und wir dürfen dabei so tun, als hätten wir das von Anfang an gelassen geplant.“ Frisch machen oder nonchalant restaurieren, um durch die Stadt zu schlendern – beides klang plötzlich vernünftig.

Als die Aussicht noch weiter aufging, wurde das Nebeneinander von alt und neu in Barcelona deutlicher: historische Fassaden, moderne Terrassen, das große Dachbild der Stadt und in der Ferne die spitzen Türme, die fast schon so taten, als gehörten sie zur nächsten Etappe eines sehr langen Gedächtnisses. Dieser Blick war kein Endpunkt, eher eine höfliche Einladung. Carlexander sah hinüber und sagte: „Man könnte bleiben und alles von oben erklären.“ Briemma schüttelte den Kopf. „Oder man geht hinunter und sieht, ob die Stadt unten genauso gut vorbereitet ist.“ So oder so war dies der Moment, an dem der erste Reisetag endgültig in den zweiten überging.

2026-05-19 – Tag 1: Barcelona Rooftop Bar und Pool im NH Hotel Calderon

2026-05-19 – Tag 1: Barcelona Rooftop Bar und Pool im NH Hotel Calderon

Reiseepisode

2026-05-19 – Tag 1: Barcelona Rooftop Bar und Pool im NH Hotel Calderon

Tag 1 · 2026-05-19

Nach dem Stadtrundgang wirkte das NH Hotel Calderon wie die vernünftige Antwort auf alles, was Barcelona tagsüber an Temperatur, Tempo und Menschenmenge so mitbringt. Oben auf dem Rooftop lag noch dieser späte Nachmittag, an dem es nicht ganz voll ist und man mit der stillen Zuversicht auf zwei Liegen wartet, als hätte man das Leben für einen Moment freundlich überholt. Carlexander sah über die Stadt, als müsse er erst prüfen, ob der Ausblick auch wirklich bezahlt wurde. „Zwei Liegen“, sagte er trocken, „eine für die Erholung, eine für die Würde.“

Der Pool darunter glitzerte breit und kühl, und genau das war der Punkt: ein bester Rooftop Pool mit Super Ausblick, der sich nicht damit aufhielt, warm zu sein. Das Wasser sah so einladend aus, wie ein Pflichttermin eben aussieht, und vermutlich war es deshalb richtig. Die Stadt lag dicht unter der Glaslinie, darüber ein Himmel, der alles etwas größer machte, als es auf Karten je wirkt. Briemma stellte ihre Einschätzung knapp neben die Wasserkante: „Sehr schön. Sehr kalt.“ Carlexander nickte, als hätte er genau das bestellt.

Später hatte Carlexander den besten Platz gefunden, um einfach den Ausblick zu genießen: nicht aktiv, nicht eilig, nur mit dieser leicht erschöpften Eleganz eines Katers, der weiß, dass man gute Entscheidungen nicht laut ankündigen muss. Hinter dem Glas stand sogar „ELEVEN BCN“, als hätte die Stadt selbst beschlossen, den Blick mit einem Etikett zu versehen. Carlexander ließ die Ohren leicht sinken und murmelte: „Wenn man schon über den Dächern sitzt, kann man wenigstens so tun, als wäre alles geplant.“

Die Karte am Tisch machte dann den unvermeidlichen Teil des Abends auf: Signature-Cocktails, Signature-Mocktails, alles sorgfältig aufgelistet, alles mit dieser höflichen Prise Überforderung, bei der man plötzlich mehr Optionen hat als innere Klarheit. „Die Qual der Wahl“, sagte Briemma und strich mit dem Blick über die Seite, als könne man sich durch Disziplin an die richtige Mischung heranarbeiten. Carlexander klappte die rote Brille ein wenig höher und meinte: „Ein Menü wie dieses ist kein Angebot. Es ist ein Charaktertest.“

Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Dessert auf dem Teller
Dessert auf dem Teller

Dasselbe galt auch ohne Alkohol, nur mit anderer Beleuchtung der Vernunft. Die Hausauswahl wirkte auf dem Papier fast ebenso selbstbewusst wie der Abendhimmel über Barcelona, und für einen Moment schien es vernünftig, die Entscheidung einfach an die Laune abzugeben. Doch Briemma nahm den Plan B genau so ernst wie den ersten Plan und las die alkoholfreie Seite mit derselben Ruhe, mit der andere eine Bilanz prüfen. „Man kann auch ohne Nebenwirkung anstoßen“, sagte sie. Carlexander hob den Blick. „Das ist der Geist einer zivilisierten Terrasse.“

Am Ende landete auf dem Tisch genau das, was ein guter Rooftop-Nachmittag braucht: ein Mai Tai für Carlexander, ein Magic Blaster für Briemma und zwei kleine Schalen, die sehr entschieden signalisierten, dass niemand hier nur aus Versehen blieb. Das Anstoßen auf einen erholsamen Urlaub hatte etwas angenehm Unpathetisches; die Gläser taten, was Gläser tun sollen, und der Blick über die Stadt blieb größer als jede Formulierung dafür. „Na also“, sagte Carlexander. „Jetzt ist der Tag offiziell gerettet.“

Die kleine Willkommens-Fruchtplatte im Zimmer kam später wie eine höfliche Erinnerung daran, dass ein Reisetag nicht nur aus Poolrand und Barkarte besteht. Kiwi, Melone, Erdbeeren, Orange, ein paar Blaubeeren und diese sorgfältige, fast zu feierliche Anrichtung machten aus dem Nachmittagsrest einen ruhigen Übergang. Man zog sich um, nahm das Ganze mit dem Ernst, den so ein erster Abend verdient, und bereitete sich darauf vor, unten im Hotelrestaurant Tablafina den Tag sauber zu beschließen. Briemma betrachtete die Früchte und sagte nur: „Das ist also der freundliche Teil des Betriebs.“ Carlexander antwortete: „Und hoffentlich nicht der letzte.“

So wurde aus dem Dach über Barcelona eine Abfolge kleiner, sehr brauchbarer Wahrheiten: erst Aussicht, dann Wasser, dann Karte, dann Gläser, dann Ruhe. Das Jahr 2026 hatte an diesem 19. Mai gerade erst angefangen, sich als Reise zu verkleiden, und der erste Tag machte nicht den Fehler, zu viel zu versprechen. Er bot Wärme, Schatten, eine kalte Wasserkante und die sichere Gewissheit, dass ein Hotel mit Rooftop-Bar und Pool manchmal schon reicht, um den Abend in Ordnung zu bringen. „Kein schlechter Auftakt“, sagte Briemma, als sie Richtung Restaurant aufbrachen. Carlexander blieb einen Schritt dahinter und nickte nur. Das war in seinem Fall beinahe überschwänglich.

2026-05-19 – Tag 1: Besuch des Restaurants Tablafina im Hotel

2026-05-19 – Tag 1: Besuch des Restaurants Tablafina im Hotel

Reiseepisode

2026-05-19 – Tag 1: Besuch des Restaurants Tablafina im Hotel

Tag 1 · 2026-05-19

Der erste Abend beginnt mit einer dieser kleinen Hotelfallen, die sich nicht wie eine Falle anfühlen, solange die Beleuchtung warm genug ist. Das Tablafina, klein und fein an das NH Hotel Calderon angeschlossen, lädt nicht mit großem Pathos ein, sondern mit der stillen Gewissheit, dass man hier schon irgendwie etwas findet. Wenn man schon mal da ist, kann man ja auch was aussuchen. Der Menüzettel wirkt dabei fast wie ein freundlicher Befehl aus dem Halbdunkel: einfach von allem etwas, nichts geht über Tapas Style.

Carlexander ließ den Blick über die geordnete Seite gleiten, als würde sich in den Spalten eine bessere Welt verbergen. Briemma meinte nur trocken: „Wenigstens muss man hier keine Entscheidung für das ganze Leben treffen.“ Das klang vernünftig genug, also wurde bestellt, was nach Abwechslung roch und nach Küche, die sich nicht wichtig nehmen musste. Genau diese Mischung hat oft die besseren Abende im Gepäck, auch wenn sie sich zunächst wie bloße Organisation tarnt.

Der Espresso kam als kleines, dunkles Finale, sauber auf dem Teller, mit dem Löffel daneben und einem Zuckerpäckchen, das demonstrativ so tat, als gehöre alles zu einer besseren Ordnung. Wohlverdient, hieß es still, und genau so schmeckte er auch: nicht spektakulär, aber notwendig. Carlexander hob die Tasse leicht an und murmelte: „Jetzt sind wir offiziell im Teil des Abends angekommen, in dem die Vernunft weniger laut wird.“ Briemma nickte, schon halb bei ihrem eigenen Frieden mit dem Tag.

Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Dessert auf dem Teller
Dessert auf dem Teller
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Reiseszene mit zwei Katerfiguren
Reiseszene mit zwei Katerfiguren
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch

Zum Dessert lag dann dieses süß klebrige Schokonougat da, als hätte sich jemand vorgenommen, das Wort Nachklang wörtlich zu nehmen. Ein kleiner, dunkler Abschluss auf dem Teller, der nichts erklären musste und gerade deshalb Wirkung hatte. Süß, zäh, ein bisschen übergriffig auf die angenehme Art. „Sehr nett von der Küche, uns den Ernst des Tages so diskret zu verkleben“, sagte Briemma. Carlexander schob die Brille zurecht und antwortete: „Das ist nicht Dessert. Das ist ein diplomatischer Friedensschluss.“

Draußen über der Terrasse wurde Barcelona stiller, dunkler und schließlich so ruhig, dass selbst der Himmel nur noch aus einem schmalen Mond und verstreuten Lichtern bestand. Der Abend schloss sich nicht spektakulär, sondern mit jener weiten, milden Ruhe, die man erst bemerkt, wenn man schon fast aufsteht. Über dem Wasser lag diese letzte Helligkeit, die nicht mehr Tag und noch nicht ganz Nacht ist. Das passt erstaunlich gut zu einem ersten Reisetag, der sich erst sortieren musste und dann doch etwas sehr Gelassenes fand.

Später blieb von der Stadt nur noch die Nachtansicht, die sich von oben besser aushalten ließ als von unten. Briemma war nach dem langen Tag bereits seelig weggeschlummert, als hätte sie den vernünftigen Teil des Abends einfach vorgezogen. Carlexander hingegen bewunderte die Skyline bei Nacht mit der Gravität eines Katers, der sich weigert, dem Schlaf recht zu geben. „Du schaust schon wieder, als würdest du die Stadt erziehen wollen“, murmelte Briemma im Halbschlaf. „Nein“, sagte er. „Ich prüfe nur, ob sie sich benimmt.“

Die Flasche Mas Doix LEs Crestes 2024 stand schließlich im Licht wie ein kleines, ernst gemeintes Versprechen. Intensives Kirschrot, rote Früchte, ein Hauch Eiche, dazu Frische und Struktur – die Art von Wein, die nicht laut wird und deshalb genau ins Haus passt. Sehr angenehm und lecker, traf unseren Geschmack, und man merkte schnell, dass die Tafel an diesem Abend nicht auf große Gesten aus war, sondern auf gutes Gleichgewicht. Carlexander hob das Glas und sagte knapp: „Cheers.“ Briemma lächelte nur, was bei ihr ungefähr dasselbe war wie ein ausformuliertes Einverständnis.

Am Ende wurde dann doch noch tapasausgiebig zugeschlagen, mit Sardinen, die sich als die besten öligen Sardinen bisher in Erinnerung drängten, und mit dieser zufriedenen Geräuschkulisse, die entsteht, wenn niemand mehr so tut, als würde er nur probieren. Tapas, Tapas, Tapas, Schmatz – der Abend hatte seinen eigenen, leicht salzigen Kommentar gefunden. Die Teller leerten sich, die Form blieb elegant, und das war vermutlich das eigentliche Geheimnis dieses kleinen Restaurants: Es nahm den Hunger ernst, aber nie sich selbst.

2026-05-20 – Tag 2: Auslaufen aus Barcelona und Abendprogramm

2026-05-20 – Tag 2: Auslaufen aus Barcelona und Abendprogramm

Reiseepisode

2026-05-20 – Tag 2: Auslaufen aus Barcelona und Abendprogramm

Tag 2 · 2026-05-20

Nach dem Abendessen im Fil Rouge war die Sky Bar auf Deck 14 weniger ein Ort als ein sauber inszenierter Übergang: raus aus der Sättigung, rein in jene Sorte Abend, die sich mit Hafenlicht und guter Beleuchtung für elegant hält. Der Weg dorthin war erstaunlich gut ausgeschildert, was Carlexander mit einer Mischung aus Erleichterung und unterschwelliger Kränkung zur Kenntnis nahm. „Falls wir uns verlaufen, dann höchstens mit Ansage“, murmelte er, während Briemma trocken nickte und meinte: „Ich helfe ja gern. Rechts und links sind nur leider nicht mein stärkstes Duo.“

Oben wurde der Blick weit, das Wasser lag ruhig und der Abend hatte noch genug Licht, um die Gespräche halbwegs freundlich aussehen zu lassen. Die Sky Bar machte ihrem Ruf als Geheimtipp, der keiner ist, durchaus Ehre: Man trifft dort offenbar nicht nur das übliche Publikum, sondern auch jene Menschen, die an Bord sichtbar nicht zufällig irgendwo auftauchen, darunter Jon Michael, der sich zwischen Lounge und Aussicht bewegte, als gehöre beides ihm. Carlexander betrachtete das mit jener höflichen Müdigkeit, die nur ein Kater hinkriegt, der schon viele Abende gesehen hat und trotzdem noch überrascht werden will.

Am Rand des Decks stand das Wasser dunkel und gold gesprenkelt, der Himmel zog sich langsam zusammen und machte aus dem Hafen einen ruhigen Abschluss statt einer Kulisse. Zwischen den Glasflächen und den langen Schatten wirkte alles ein wenig entschleunigt, als hätte das Schiff beschlossen, Barcelona zunächst nur leise zu verlassen. Carlexander blieb einen Moment an der Reling stehen und sah hinaus, als würde er prüfen, ob die Stadt auch wirklich ordentlich zurückbleibt. Briemma sah eher aus, als hätte sie den Moment längst verstanden und nur noch auf das nächste Glas gewartet.

Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Restaurant oder Loungebereich
Restaurant oder Loungebereich
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Digitale Projektion im Dinner Raum
Digitale Projektion im Dinner Raum
Digitale Projektion im Dinner Raum
Digitale Projektion im Dinner Raum
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Bühnenauftritt mit Publikum
Bühnenauftritt mit Publikum
Bühnenauftritt mit Publikum
Bühnenauftritt mit Publikum
Digitale Projektion im Dinner Raum
Digitale Projektion im Dinner Raum
Bühnenauftritt mit Publikum
Bühnenauftritt mit Publikum

Für Carlexander war es dann endgültig der Abend eines einzigen, verlässlichen Getränks: der Single Fashioned, in seinem Fall mit Glen Morangie, das ihm ohnehin schon wie ein Pflichtbestandteil des Schranks vorkam und hier, überraschenderweise, auch noch als Cocktail funktionierte. Er hielt das Glas mit der Ruhe eines Mannes, der weiß, dass gute Dinge selten laut sein müssen, und sagte nur: „Mittlerweile ist das einfach mein Lieblingsgetränk.“ Briemma sah in ihr Glas und erwiderte: „Limonig, spritzig, und niemand muss so tun, als wäre das kompliziert.“

Bei ihr blieb es bei dieser leichten, hellen Art von Abend, die nicht groß diskutiert werden will. Während Carlexander sich an seinem Drink festhielt, nahm Briemma ihre Vorliebe für etwas Spritziges mit einer Gelassenheit an, die fast schon diplomatisch wirkte. Beides passte in diese Deck-14-Stimmung, in der niemand auf die Idee kam, der Nacht mehr Gewicht zu geben als nötig. Genau das machte sie ja angenehm: Sie wollte nicht beeindrucken, sie wollte nur gut aussehen und nicht stören.

Später führte der Weg erstaunlich elegant weiter, erst in Richtung Rolex Shop, allerdings nur mit Anmeldung, dann ohne jedes Bedürfnis nach Besitz weiter zum Captain’s Empfang. Carlexander sah sich um, als erwarte er irgendwo eine Pointe, und fand stattdessen wieder nur das, was auf einem Schiff eben als Ordnung durchgeht: kontrollierte Zugänge, elegante Wege und viel freundliche Regie. „Wer braucht schon Rolex“, sagte er, und Briemma hob nur leicht das Kinn, als wäre das die einzig vernünftige Haltung zu einer Marke, die sich selbst schon genug wichtig nimmt.

Im Abendprogramm wurde aus dem Ankommen dann ein richtiges Zusammenspiel. Martin, der Kreuzfahrtdirektor, führte die Besatzung mit einer Routine ein, die gleichzeitig professionell und angenehm nahbar wirkte; man merkte ihm an, dass er nicht nur moderiert, sondern trägt. Die Führungsriege stellte sich vor, und auch die Nationalitäten an Bord wurden freundlich willkommen geheißen, ohne dass daraus ein steifes Ritual wurde. Carlexander sah das mit stillem Respekt an. Es gibt Abende, da merkt man, dass Organisation nicht nur aus Abläufen besteht, sondern auch aus Tonfall. Martin beherrschte beides.

Die Bühne wechselte danach in den Modus der großen Begrüßung. Dass hier nicht einfach nur Musik lief, sondern eine ganze Showstruktur in Gang gesetzt wurde, hatte etwas Beruhigendes: erst Ansage, dann Rhythmus, dann das Publikum, das sich in diese Choreografie fügte, als sei es ohnehin schon dafür vorgesehen. Carlexander nickte kaum sichtbar, als würde er der Sache innerlich eine saubere Notiz geben. Das Schiff verstand es, aus einem Empfang einen Abend zu machen, und aus einem Abend wiederum eine kleine Veranstaltung mit Anspruch.

Am Tisch dazu gehörten plötzlich auch Snacks, als hätte die Bar beschlossen, Theater nie ohne Begleitung zu denken. Ein paar kleine Schalen, ein Glas, die richtige Mischung aus Abend und Zwischenstopp — und mitten darin der Single Fashioned, der sich fast schon wie ein Hausrecht anfühlte. Carlexander deutete auf das Arrangement und sagte: „Theater und Snacks mit Bar gehören ab sofort zusammen.“ Briemma sah die Sache pragmatisch: „Das ist wenigstens ehrlicher als jeder Dresscode.“

Dann kam der eigentliche Showrahmen, und Martin führte Publikum wie Programm so elegant, als wäre das alles seit Wochen im Fluss und nicht nur der nächste geplante Abend an Bord. Die Übergänge waren glatt, die Stimmung aufmerksam, niemand wirkte gehetzt. Genau darin lag die Qualität: nicht im Spektakel, sondern in der Leichtigkeit, mit der es präsent war. Carlexander, der bei zu viel Glanz schnell misstrauisch wird, blieb erstaunlich lange freundlich beeindruckt.

Auf der Bühne stand schließlich auch Lizzy im roten Kostüm, und Carlexander brauchte einen Moment, bis ihm einfiel, woher sie ihm bekannt vorkam: Sie hatte ihn bereits an der Musterstation für Sicherheitsfragen mit dieser freundlichen, beinahe koketten Art durch die Erklärungen geführt. Dass jemand tagsüber Sicherheitsfragen erklärt und abends so singt, als wäre beides Teil derselben Berufung, fand er bemerkenswert. „Doppeljob“, sagte er leise, „und trotzdem nicht müde zu bekommen.“ Briemma grinste nur: „Manche Leute sind eben überraschend lebendig.“

Lizzy blieb auch später genau das: nicht laut, nicht aufgesetzt, sondern so charmant, dass man ihr ohne Weiteres auch noch den nächsten Auftritt geglaubt hätte. Ihre Stimme schien den Raum mühelos zu halten, und die Bühne wurde von dieser Art Präsenz getragen, die nicht drängt, sondern einlädt. Carlexander sah kurz zu Briemma hinüber, als wolle er prüfen, ob auch sie gerade denselben Eindruck hatte. Sie hob das Glas ein wenig. Mehr Zustimmung brauchte es nicht.

Am Ende fügte sich alles zu dem, was solche Abende an Bord ausmacht: Theater, Bar, Musik, ein paar gute Sätze, ein paar gute Blicke und die leise Einsicht, dass ein Schiff seine eigene Art von Abendritual hat. Carlexander lehnte sich zurück und erklärte mit trockener Würde: „Theater und Bar gehören unzertrennbar zusammen.“ Briemma antwortete: „Solange niemand behauptet, das sei überraschend, bin ich ganz zufrieden.“ Und irgendwo dazwischen blieb genau die Sorte Abend hängen, die man nicht erfinden müsste, wenn man sie nicht erlebt hätte.

2026-05-20 – Tag 2: Barcelona Fitnessraum und Spa Erkundung

2026-05-20 – Tag 2: Barcelona Fitnessraum und Spa Erkundung

Reiseepisode

2026-05-20 – Tag 2: Barcelona Fitnessraum und Spa Erkundung

Tag 2 · 2026-05-20

Nach dem Mittagessen und dem Eissorbet hatten wir eigentlich nur vor, den Rest des Tages an uns vorbeiziehen zu lassen. Aber das Schiff hatte andere Pläne: erst lockte die Café Crema Bar mit ihrer stillen Ordnung aus Glas, Torten und kleinen Versuchungen, dann stellte sich uns Abdi so freundlich vor, als wäre das hier nicht ein schwimmendes Haus der Verführungen, sondern eine ganz normale Nachbarschaft.

Carlexander blieb vor der Auslage stehen, hob die rote Brille einen Hauch an und sagte: „Wenn schon Bewegung, dann bitte in Richtung Gebäck.“ Briemma musterte die schokoladigen Vorräte mit jener Ruhe, die nur Katzen haben, wenn sie längst entschieden haben, dass man sich nicht beeilen muss. Abdi grinste, als hätte er den Satz bis zum Ende der Reise schon fest verplant, und plötzlich gehörte sein Name zu den wenigen Dingen, die an diesem Tag erstaunlich verlässlich waren.

Hinter der Bar lag der Hafen in hellem Tageslicht, aber die Ruhe im Raum war von einer anderen Sorte: geschniegelt, kühl, fast feierlich. Draußen zogen die Schiffe und die Kaimauern ihre eigene Geschichte durch den Blick, drinnen war alles auf Zurückhaltung gebaut. Carlexander nickte in Richtung Wasser und sagte trocken: „Sehr passend. Man trinkt hier offenbar mit Aussicht auf die Welt, nicht auf sie hinunter.“

Ein wenig später standen wir schon in jener rauchigen Whisky-Lounge, die einladend wirkte, selbst wenn man, wie wir, keinen Sinn für Rauch entwickelt hat. Die dunklen Wände, die alten Fotografien und das gedämpfte Licht machten aus dem Raum einen Ort für Menschen mit Zeit und Geschichten. Briemma ließ den Blick durch den stillen Salon wandern und meinte: „Elegant. Aber auch eindeutig ein Raum, in dem niemand fragt, ob man noch einen Kaffee möchte.“

Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Kabinen oder Zimmeransicht
Kabinen oder Zimmeransicht
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Bühnenauftritt mit Publikum
Bühnenauftritt mit Publikum
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Blick über das Meer
Blick über das Meer

Im luxuriösen Humidor war die Auswahl an Zigarren beachtlich, akkurat und beinahe ehrfürchtig präsentiert. Carlexander schaute hinein wie in ein Schaufenster für Gewohnheiten, die andere Leute vermutlich entspannend finden. „Beachtlich“, murmelte er, „ist ein Wort, das oft dann kommt, wenn man höflich bleiben will.“ Briemma nickte nur und tippte mit dem Gehstock leicht auf den Boden, als würde sie die Sortierung mit einem stillen Urteil versehen.

Dann öffnete sich das Schiff wieder zum Licht, und draußen wirkte der Hafen fast wie ein zweites Deck, nur mit mehr Kranen, mehr Wasser und weniger Ansprüchen. Die Lounge mit Blick aufs Meer war leer genug, um großzügig zu wirken, und gleichzeitig so ordentlich, dass man unwillkürlich leiser sprach. „Wenn man schon auf See ist“, sagte Carlexander, „dann wenigstens mit Fensterplatz zur Wirklichkeit.“

In der hellen Lounge begegneten wir dem nächsten freundlichen Kellner, der mit einer Selbstverständlichkeit arbeitete, als hätte er die Ruhe persönlich erfunden. Es war einer dieser kleinen, fast unauffälligen Dienste, die einen Tag auf dem Schiff zusammenhalten. Briemma sagte nur: „Hier versteht man Service als leises Versprechen.“ Carlexander wiederum hielt das für verdächtig, aber angenehm.

Die Showküche sah vielversprechend aus, auch weil sie gleich ihre zweite Rolle mitlieferte: Bühne für Workshops, Ort der kulinarischen Versuchung und, wie wir schnell merkten, ein Platz für unaufdringlich aufdringliche Werbetafeln. Wir waren jedoch zum Essen und nicht zum Kochen hier, und schon gar nicht zum Spontankurs für Ehrgeiz. Carlexander las die Hinweise kurz, zog eine Augenbraue hoch und sagte: „Das nennt man wohl Einladung mit Nachdruck.“

Am Tisch stand das servierte Gericht so ordentlich, dass selbst die Versuchung einen Moment lang Disziplin lernte. Nebenan standen die Tafeln für Workshops weiter da, höflich und hartnäckig zugleich, als wollten sie mit dem Dessert um Aufmerksamkeit ringen. Briemma ließ sich davon nicht beeindrucken. „Es ist immer ein gutes Zeichen“, meinte sie, „wenn ein Teller mehr Charakter hat als ein Werbeschild.“

Zwischendurch fiel unser Blick auf den dicht beschriebenen Küchenplan, auf diese kleine kulinarische Landkarte der Reise. Barcelona, Marseille, Portofino, Livorno, Villefranche-sur-Mer, At Sea: Es war eine feine Art, Erwartungen zu bündeln und mit Reservierungspflicht zu versehen. Carlexander betrachtete die Liste und sagte: „Das ist kein Menü. Das ist ein Kalender mit Ambitionen.“

Oben auf dem Deck wirkte das Schiff noch stiller als sonst, obwohl überall Plätze für Sonne und Pause bereitstanden. Die Liegen lagen sauber in Reihen, als warteten sie auf Gäste mit einer besseren Beziehung zur Mittagshitze als wir sie pflegen. „Erstaunlich leer“, stellte Briemma fest, „selbst für ein Schiff, das nicht groß ist.“ Carlexander nickte. „Leerheit ist manchmal der wahre Luxus.“

Am Bug fanden wir den Helios Pool, dieses kleine Erholungsplätzchen, das so viel verspricht, wenn niemand die Liegen schon mit einer stillen Vormerkung belegt hat. Eine kurze Nachfrage beim Kellner reichte, und schon kam jemand und räumte die belegten Plätze auf. Das war eine dieser Situationen, in denen Service nicht laut wird, sondern einfach wirksam. Carlexander sah zu und sagte nur: „Organisation kann, wenn sie will, beinahe zärtlich sein.“

Der Blick über das Wasser zeigte, wie nah Hafen und Reise beieinander lagen. Das Schiff stand ruhig, aber der Tag hatte noch Bewegung in sich, und das Meer nahm alles mit derselben Gelassenheit auf, mit der es schon den Vormittag getragen hatte. Briemma lehnte sich leicht auf ihren Gehstock und meinte: „Es ist eines dieser Schiffe, die selbst im Stillstand so tun, als wüssten sie genau, wohin sie gehören.“

Auch das Heck mit dem Astern Pool hatte diese Mischung aus Ruhe und gepflegter Anordnung, die das Schiff so konsequent durchzog. Das Wasser, die Linien, die Liegen: Alles schien für Menschen gebaut, die nicht nach Drama suchen, sondern nach einem guten Platz ohne Eile. Carlexander blickte darüber hinweg und sagte: „Der wahrscheinlich ehrlichste Teil der ganzen Anlage ist, dass man hier einfach sitzen darf.“

Der Deckweg zog sich hell und offen bis zum Horizont, und eine einzelne Person in Weiß ging dort entlang, als gehöre sie zur Mechanik des Tages. Wir blieben kurz stehen und sahen ihr nach, ohne etwas Wichtiges daraus machen zu wollen. Nicht alles braucht eine Pointe; manchmal genügt ein ruhiger Gang über Holz, Licht und Luft.

Weiter hinten lag das Schiff wieder erstaunlich leer da, mit den offenen Flächen, der blauen Spur und den Liegen, die wie sauber gesetzte Kommas im Satz des Nachmittags wirkten. Der Hafen mit seinen Kränen erinnerte daran, dass wir immer noch zwischen Ankunft und Aufbruch schwebten. Carlexander sagte: „Ein Schiff ist dann am besten, wenn es genug Platz für Stillstand hat.“

Im kleinen Wellnessbereich wurde dieses Prinzip noch einmal überprüft. Nicht groß, aber ordentlich, nicht spektakulär, aber brauchbar, und mit genau jener Wärme, die man nach einem Landspaziergang schätzt, wenn die Knochen höflich auf ihre Existenz hinweisen. Briemma fand das durchaus ausreichend. „Kein Palast“, sagte sie, „aber ein verlässlicher Ort, um wieder menschlich, oder in unserem Fall katzenwürdig, zu werden.“

Beim servierten Gericht kam noch einmal diese Mischung aus Maß und Aufmerksamkeit durch, die das Essen an Bord so unaufgeregt machte. Nichts drängte sich auf, aber alles war so gesetzt, dass man sich willkommen fühlen konnte. Carlexander kostete mit Blick auf den Hafen und befand: „Das ist genau die Sorte Mittag, die nicht nach Aufmerksamkeit ruft und sie trotzdem bekommt.“

Der Astern Pool am Heck war schließlich eines dieser kleinen Highlights, die man nicht erst erklären muss, wenn man sie einmal gesehen hat. Das Wasser lag ruhig, die Fläche war offen, und der Blick dahinter weit genug, um den Tag größer wirken zu lassen. Briemma sagte: „Manchmal ist der beste Ort auf einem Schiff einfach der, an dem nichts Eiliges passiert.“

Ein paar Schritte weiter stand wieder eine dieser kleinen Bars, mit ihren superfreundlichen Kellnern und dem Talent, selbst einen kurzen Halt wie eine kleine Etappe wirken zu lassen. Die Freundlichkeit war nicht geschniegelt, sondern selbstverständlich, und genau das machte sie so angenehm. Carlexander nickte dem Tresen zu: „Manche Orte leben von ihrer Aussicht. Diese hier leben zusätzlich von Menschen, die nicht unnötig kompliziert sind.“

Kaum hatten wir die indoor fitnesshalle betreten, spurtete schon ein Personal Trainer auf uns zu, freundlich, engagiert und mit jener Unbeirrtheit, die nur im Sportbereich wirklich herzlich wirkt. Er empfahl die unterschiedlichsten Trainings, als gäbe es hier für jeden Muskel einen eigenen guten Vorsatz. Ich musste leider wegen der bevorstehenden OP verzichten, und Briemma formulierte es höflich genug für zwei: „Heute lieber nicht. Der Körper hat bereits genug zu tun.“

Für Sport war trotzdem gesorgt, und zwar in einer Form, die eher nach Sponsoring und Präsentation als nach zufälliger Begeisterung aussah. Wer Gewichte stemmt, ist hier eindeutig richtig, und auch die weiteren Geräte luden zum Training ein, falls man das will und nicht gerade innerlich über die Vorzüge eines Sessels verhandelt. Carlexander sah die Anlage an und meinte trocken: „Es gibt Menschen, die reisen, um sich zu bewegen. Und es gibt uns.“

Die nächste Station lag draußen, wo die sportliche Fläche mit Netz, Platz und weitem Blick mehr nach Schiff als nach Fitnessstudio aussah. Der Trainer war auch hier nicht weit, und kaum waren wir in Reichweite, wurde aus dem freundlichen Rundgang fast schon ein kleines Verkaufsargument für Bewegung. „Unaufdringlich aufdringlich“, murmelte Briemma, „das ist offenbar die bevorzugte Tonart dieser Reise.“

Die Geräte standen bereit, der Hafen lag hinter dem Glas, und alles wirkte so ordentlich, dass man fast vergessen konnte, wie wenig Lust man selbst auf Ehrgeiz hatte. Im Sonnenlicht des Decks war das Ganze immerhin schön anzusehen, selbst wenn wir innerlich längst beschlossen hatten, lieber Zuschauer als Athleten zu bleiben. Carlexander stellte die entscheidende Frage: „Kann man Fitness auch elegant ignorieren?“

Zurück im Innenbereich landeten wir wieder dort, wo Politur und Ruhe sich an den Kanten der Gläser sammelten. Die Auslage mit den kleinen Gebäcken wirkte wie eine höfliche Belohnung für alle, die sich nicht im Namen der Gesundheit überanstrengt hatten. Genau dort hat man dann plötzlich Zeit für den Nachmittagskaffee an der Crema Bar, und zwar mit jener stillen Selbstverständlichkeit, die jede vernünftige Reise irgendwann einfordert.

Die Café-Auswahl machte den Eindruck, als wolle sie sagen: Hier darf man schwanken, hier darf man sitzen bleiben, hier darf man auch nach dem Sport doch lieber Süßes wählen. Das war vermutlich der Moment, in dem der Tag sein Gleichgewicht fand. Briemma nahm die Ordnung der Gläser und Teller zur Kenntnis und sagte: „Das hier ist die freundlichste Kapitulation des Nachmittags.“

So wurde die Crema Bar für uns zu einem festen Ritual während der Reise, nicht weil wir uns besonders diszipliniert verhielten, sondern gerade weil wir es nicht taten. Zwischen Gebäck, Kaffee und den ruhigen Bewegungen hinter der Theke lag etwas angenehm Verlässliches. Carlexander hob die Tasse und meinte: „Rituale sind nichts anderes als gute Gewohnheiten mit besserem Licht.“

Und dann kam der Vanilla Iced Latte für Carlexander, sehr zu empfehlen, wie sich schnell herausstellte. Der kalte, helle Kaffee passte überraschend gut zu einem Nachmittag, der zwischen Bewegung, Aussicht und leichter Erschöpfung schwankte. Carlexander kostete, schloss kurz die Augen und sagte: „Das ist kein Getränk. Das ist ein triftiges Argument.“

Schließlich führte uns der Weg noch einmal ans Deck, als wollten wir uns vergewissern, dass der Tag wirklich draußen enden durfte. Das Meer lag ruhig, und die Vorabenderkundung hatte genau die richtige Mischung aus Müdigkeit und Vorfreude. Briemma blieb am Geländer stehen, sah über das Wasser und sagte leise: „Jetzt darf der Abend kommen.“

Vor dem Gang ins Wellness-Reservat fiel unser Blick noch auf einen kleinen Spa-Bereich, der nett genug war, um nach dem Landspaziergang die Knochen zu wärmen, aber eben nicht so groß, dass man darin sofort die Orientierung verlor. Das war kein Fehler, eher eine ehrliche Begrenzung. Nur die Werbung für Exklusivitätspakete war wieder da, höflich lächelnd und doch erstaunlich ausdauernd. Carlexander fasste es zusammen: „Klein, brauchbar, und begleitet von dem leisen Wunsch, dass man doch bitte mehr bezahlt.“

Die Ruhezone mit den Liegen war daraufhin fast schon ein freundlicher Gegenentwurf zur ganzen Reisebewegung. Man sah sofort, dass sie für Erholung gebaut war, nicht für große Ansprüche oder spektakuläre Versprechen. Briemma betrachtete die Form der Sitz- und Liegemöbel und stellte fest: „Wenn man schon entspannen soll, dann gern ohne dekorativen Zirkus.“

Zum Abschluss fanden wir uns noch im Sauna- und Wärmbereich wieder, wo Holz, Wärme und die einfache Logik eines Eimers mit Kelle alles auf das Wesentliche reduzierten. Kein Theater, keine Inszenierung, nur Stille und der Hinweis, dass hier jemand an Erholung gedacht hatte. Carlexander blickte in den warmen Raum und sagte mit seinem üblichen Understatement: „Das ist vermutlich der Teil des Tages, der am wenigsten erklärt werden will.“

2026-05-20 – Tag 2: Barcelona Pool Bar mit guter Cocktail Karte

2026-05-20 – Tag 2: Barcelona Pool Bar mit guter Cocktail Karte

Reiseepisode

2026-05-20 – Tag 2: Barcelona Pool Bar mit guter Cocktail Karte

Tag 2 · 2026-05-20

Am zweiten Tag in Barcelona hatte der Weg zur Suite nicht viel von einem direkten Weg. Er führte zuerst vorbei und durch das Buffett Restaurant Emporium Marketplace, als hätte jemand beschlossen, die kleinste Versuchung gleich auf dem Weg zur nächsten Entscheidung zu platzieren. Draußen lag das Wasser ruhig, das Schiff wirkte groß und sachlich, und zwischen Deck und Horizont stand diese Art von Tageslicht, die alles etwas zu ehrlich macht. Carlexander blieb kurz stehen, Briemma nickte nur, wie man es tut, wenn man weiß, dass ein guter Aperitif manchmal eher eine Organisationsfrage als ein Geschmackserlebnis ist. „Nur kurz schauen“, sagte er. „Natürlich“, antwortete sie. „Das sagen die Leute immer, bevor sie anfangen zu vergleichen.“

Am Emporium Marketplace war die Auswahl jedenfalls so umfangreich, dass aus dem geplanten kurzen Stopp sofort eine kleine Prüfung wurde. Eine Cocktailkarte wie ein Argumentenkatalog, sauber, kühl, mit einer solchen Bandbreite an Namen, dass selbst der Katerblick kurz ins Schleudern kam. Reserved Martini, Spicy Margarita, Fashion Colada, alles ordentlich aufgereiht, als wolle die Karte beweisen, dass Entscheidungsschwäche hier nicht als Mangel, sondern als Service verstanden wird. Carlexander las, Briemma sah über die Randlinie der Seite, und beide fanden den Punkt, an dem man nicht mehr wählt, sondern nur noch würdevoll verzögert. „Das ist gefährlich“, murmelte er. „Das ist Premium“, sagte sie trocken.

Je länger wir in dieser Auswahl standen, desto mehr wurde klar, dass die eigentliche Aktivität nicht das Bestellen war, sondern das höfliche Scheitern daran, es schnell zu tun. Die nächste Karte machte es nicht einfacher. Timeless Favourites, After-Dinner, Gin, Vodka, alles in einer Sprache, die gleichzeitig nach Barabend und stillem Verwaltungsakt klang. Hände hielten die Seiten offen, jemand mit rotem Nagellack stützte das Ganze, und das Licht fiel so schräg auf das Papier, als wolle es die Entscheidung zusätzlich dramatisieren. Carlexander beugte sich näher, Briemma blätterte mit dieser ruhigen Zuversicht, die nur Katzen haben, wenn sie längst wissen, dass sie gleich recht behalten werden. „Wenn wir das noch länger ansehen, brauchen wir einen zweiten Cocktail nur für die Konzentration“, sagte er. „Dann sind wir auf gutem Kurs“, antwortete sie.

Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch

Die Barkarte selbst wurde danach noch einmal breiter, fast schon großzügig im Übermaß. Rum, Tequila, Whisky, Scotch, Bourbon, Cognac, Armagnac, Calvados — alles da, sauber sortiert, als hätte jemand die Welt in Spirituosen unterteilt und für jeden Abschnitt einen Preis drangehängt. Eine Hand zeigte auf Grappa di Barolo, und genau an diesem Punkt war die Lage endgültig nicht mehr rein kulinarisch, sondern strategisch. Man stand vor einer Auswahl, die nicht nach Eile aussah, sondern nach jemandem, der Zeit hat und es genau weiß. „Das ist kein Getränkekarte mehr“, sagte Carlexander, „das ist ein Lebensentwurf.“ Briemma hob die Augenbraue. „Dann nimm einen kleinen.“

Als wir schließlich bei Grappa, Vermouth, Wein und den alkoholfreien Alternativen ankamen, war die Sonne so hell, dass selbst das Papier fast zu sauber wirkte. Die Karte zeigte sich von ihrer besten, fast überfürsorglichen Seite: ein bisschen Italien, ein bisschen Hafenluft, ein bisschen internationale Selbstsicherheit. Wieder diese Finger, wieder das zarte Zögern, und wieder der Eindruck, dass sich an Bord jede Entscheidung erst einmal setzen darf, bevor sie tatsächlich getroffen wird. „Was ist heute der Plan?“, fragte Briemma. „Etwas, das nicht nach Verzicht aussieht“, sagte Carlexander. Sie lächelte knapp. „Dann bist du bei Cocktails besser aufgehoben als bei Prinzipien.“

Am Ende wurden die Gläser doch voll, und die Szene verlagerte sich an die Bar, wo die Flaschen in ordentlichen Reihen standen und die Reflexe auf der Fläche so glatt waren, dass man fast seine eigenen Zweifel darin hätte spiegeln können. Ein pinker Drink stand schon bereit, daneben ein leeres, geprägtes Glas, als würde auch das zweite noch auf seinen Auftritt warten. Es war dieser typische Moment, in dem ein Getränk nicht einfach serviert wird, sondern die Stimmung mitbringt und sich dann benimmt, als gehöre es schon immer dazu. Carlexander betrachtete das Glas eine Sekunde zu lange. „Sieht besser aus, als ich mich fühle“, sagte er. „Das ist meistens das richtige Verhältnis“, meinte Briemma. Der Barkeeper sagte nichts; auch das passte.

Später stand das servierte Gericht auf dem Tisch, und plötzlich bekam der ganze Umweg durch die Karten und Gläser eine vernünftige Mitte. Nicht viel Lärm, kein großes Zeremoniell, nur ein Teller im richtigen Licht, nach einem Nachmittag, der sich elegant um die Frage gedreht hatte, was man eigentlich zuerst will: den Drink, die Aussicht oder den kleinen Trost, dass beides hier offenbar ernst genommen wird. Carlexander sah auf den Teller, dann auf das Wasser draußen, dann wieder auf Briemma. „Das war jetzt fast diszipliniert“, sagte er. „Fast“, erwiderte sie und nahm den eleganten Schlussstrich mit einer Ruhe, die jede Barkarte sofort respektiert hätte.

2026-05-20 – Tag 2: CheckIn und betretetn der Explora I und Cove Residence

2026-05-20 – Tag 2: CheckIn und betretetn der Explora I und Cove Residence

Reiseepisode

2026-05-20 – Tag 2: CheckIn und betretetn der Explora I und Cove Residence

Tag 2 · 2026-05-20

Mittags ging es vom Hotel Calderon hinüber zum Schiff, und obwohl der Weg nicht weit war, fühlte er sich an wie ein kleiner Ausflug durch Barcelonas Geduld. Die Stadt hatte offenbar beschlossen, uns nicht einfach ziehen zu lassen: voll war es, und unser Uber kam verspätet genug, um an der Bordsteinkante eine leicht komödiantische Unterhaltung mit dem Sicherheitschef und dem Concierge anzuschieben. Sprachbarrieren sind ja meistens nur das höfliche Wort für ein gemeinsames Schulterzucken.

Am Terminal zeigte sich dann sofort, dass Größenverhältnisse eine Frage der Vorjahreserfahrung sind. Die Explora lag elegant am eigenen MSC Terminal, und ich musste unwillkürlich an die Relax vom letzten Jahr denken, die viermal so groß war und wahrscheinlich schon aus Prinzip anders atmete. Hier wirkte alles kompakter, fast beinahe bescheiden, was auf einem Kreuzfahrtschiff natürlich nur eine vorübergehende menschliche Verwechslung sein kann.

Der Empfang mit den Suiten Hosts war erstaunlich entspannt, und während andere am normalen Schalter länger warteten, als es einem lieb sein kann, wurden wir schon freundlich aufgenommen. Sanal begrüßte uns absolut perfekt, Anthony unterstützte mit der Sorte Herzlichkeit, die nicht fragt, ob man Hilfe braucht, sondern davon ausgeht, dass man sie inzwischen verdient hat. Selbst der Empfangskellner reichte den Champagner mit einem Strahlen, als hätte er persönlich die Sonne organisiert.

Während Sanal uns die ersten Gepflogenheiten an Bord erklärte, inklusive des kurzen Sicherheitsbriefings an der Musterstation, setzte sich dieses Gefühl von ordentlicher Überwältigung fort. Nicht laut, nicht aufdringlich, eher so, wie Luxus eben wirkt, wenn er nicht nach sich selbst ruft. Ich nickte also würdevoll und fragte mich insgeheim, ob hier irgendwo ein unsichtbarer Regisseur sitzt, der auf jedem Schritt ein wenig zu viel Gelassenheit verteilt.

Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Digitale Projektion im Dinner Raum
Digitale Projektion im Dinner Raum
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Kabine mit Blick aufs Wasser
Kabine mit Blick aufs Wasser
Gefüllter Kühlschrank in der Kabine
Gefüllter Kühlschrank in der Kabine
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Bühnenauftritt mit Publikum
Bühnenauftritt mit Publikum
Modernes Bad in der Suite
Modernes Bad in der Suite
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kabinen oder Zimmeransicht
Kabinen oder Zimmeransicht
Gefüllter Kühlschrank in der Kabine
Gefüllter Kühlschrank in der Kabine

Dann öffnete sich unsere Suite, die Cove Residence, und ich verzeihe an dieser Stelle alles, was ich je leichtfertig als Balkonkabine bezeichnet habe. Der Aufenthaltsbereich ist so groß wie auf anderen Schiffen die gesamte Kabine, und der erste Blick in den Raum fühlte sich an, als hätte jemand die Idee von Platz ernst genommen. Briemma blickte sich nur kurz um und sagte trocken: „Das ist also der Teil, in dem man so tut, als wäre man zufällig an Bord.“

Das Schlafzimmer war getrennt, groß und mit Kofferschutz aufgeschlagen, als habe man uns bereits erwartet, bevor wir es selbst taten. Es war kein Raum, der sich anstrengte; er war einfach da, still, ordentlich und bereit zum Ruhen. Ich bemerkte, dass auf einem Schiff sogar die Ruhe eine bessere Adresse bekommt als anderswo.

Und dann die kleinen Aufmerksamkeiten, die vielleicht doch die großen sind: Champagner, Schokolade und eine Atmosphäre, die im Stillen sagte, dass hier niemand an der falschen Ecke sparen wollte. Der gefüllte Kühlschrank und die sorgsam arrangierten Kleinigkeiten machten den Aufenthalt sofort runder, fast so, als würde man nicht nur ankommen, sondern bereits mitgedacht werden. „Das ist gefährlich“, murmelte Briemma, „man gewöhnt sich an so etwas schneller, als einem lieb ist.“

Weniger poetisch, aber durchaus ehrlich war der Hinweis auf die Zusatzmöglichkeiten, mit denen man überall und nicht ganz unauffällig zum Ausgeben animiert wurde. Der kleine Wehmutstropfen blieb, auch wenn er dem Gesamteindruck nur am Rand etwas Luft nahm. Luxus kann eben vieles elegant lösen, aber nicht die alte Gewohnheit, an jeder schönen Stelle noch einen Preisschildschatten zu werfen.

Auf dem Balkon wurde das Bild dann wieder ruhig. Der Blick über das Wasser und die Kreuzfahrtschiffe lag klar vor uns, und der Balkon war riesig genug, dass Daybed und Tisch nicht wie Zubehör, sondern wie eine Haltung wirkten. Selbst bei einem Schiff, das offenbar nicht voll war, fühlte sich dieser Ort an wie ein sehr überzeugender Plan für die nächsten Stunden.

Der Whirlpool wirkte zunächst ein wenig furchteinflößend, nicht wegen des Wassers, sondern wegen seiner besonderen Selbstverständlichkeit. Briemma sah ihn an, als habe sie einen schlecht erzogenen Gedanken entdeckt, und meinte nur: „Den brauchen wir nie.“ Spoiler: Wir haben ihn täglich genutzt, und ich nehme an, der Whirlpool hat diesen Meinungswechsel mit der Würde eines sehr gut bezahlten Möbelstücks hingenommen.

Im Bad setzte sich der Eindruck fort, dass hier alles eher in Suite-Dimensionen gedacht worden war als in gewöhnlichen Kabinenlogiken. Modern, klar, mit den richtigen Flächen und der Art von Glanz, die nicht schreit, sondern still darauf besteht, dass man heute bitte vernünftig beeindruckt ist. Ich wusch mir die Hände und hatte den Verdacht, dass selbst das Wasser hier etwas mehr Stil besitzt.

Am Ende war selbst der Blick nach draußen kein bloßer Ausblick, sondern Teil dieser eigenartigen Großzügigkeit. Der Balkon blieb riesig, das Daybed bequem, und die ruhig schaukelnde Umgebung machte es leicht, sich einzurichten, als wäre man für längere Zeit genau hier vorgesehen. Nicht schlecht für einen Tag, der eigentlich mit einem verspäteten Uber und einer sprachlich improvisierten Begrüßung begonnen hatte.

Der Whirlpool blieb dabei der leicht unheimliche Mittelpunkt der Diskussion, besonders weil Briemma mit der ihr eigenen Trockenheit meinte, man brauche den bei all den Pools ohnehin nie. Ich sah später noch einmal hinaus und musste zugeben, dass der Ort eine Art stille Verführung ausübte: Man möchte ihn nicht sofort, aber irgendwann dann doch. Und natürlich mit Badekleidung, denn da draußen filmte die ein oder andere Kamera aus Sicherheitsgründen die Bordwand, was romantisch nur klingt, wenn man nicht zu genau hinsieht.

Auch der Service um die Minibar war von dieser Sorte perfekter Aufmerksamkeit, bei der man nur ankreuzen muss, was man möchte, und der Rest sich wie von selbst erledigt. Perfekt, dachte ich, und zugleich ein kleines bisschen gefährlich für Menschen mit schwachem Willen und guter Laune. Explora versteht offenbar, dass Bequemlichkeit immer dann am besten funktioniert, wenn sie diskret daherkommt und trotzdem alles möglich macht.

Später wartete das Bordprogramm auf uns, nebst der Explora-Tote-Bag, die seitdem in Benutzung ist und damit schon einen erstaunlich nützlichen Lebenslauf vorweisen kann. Der Abend hatte nichts Hastiges mehr; er legte sich eher über den Tag wie ein sorgfältig gefalteter Stoff. Und irgendwo zwischen dem ersten Eindruck und dem langsamen Einrichten war klar geworden, dass dieser Einstieg nicht laut sein musste, um zu bleiben.

Zum Schluss sorgte auch der Snack-Hunger für seine eigene kleine Form von Fürsorge, täglich ausgewechselt und für uns getestet, als müsse man die Bordlogik erst durch Probieren bestätigen. Wir machten uns wieder fertig und läuteten mit einem kleinen Hüngerchen den Mittag auf dem Schiff ein, was in einem besseren Roman vermutlich als schlichte Geste durchginge. In Wirklichkeit ist es aber genau diese Art von Detail, an der man merkt, dass ein Tag auf See nicht nur aus Orten besteht, sondern aus sehr gut eingestellten Zwischenräumen.

2026-05-20 – Tag 2: Erste Schiffsrunde mit verwaisten Orten

2026-05-20 – Tag 2: Erste Schiffsrunde mit verwaisten Orten

Reiseepisode

2026-05-20 – Tag 2: Erste Schiffsrunde mit verwaisten Orten

Tag 2 · 2026-05-20

Nach dem Einzug in die Coveden Residence begann unser erster Rundgang durch das Schiff mit jener eigentümlichen Mischung aus Neugier und leichtem Innenfrost, die nur ein frisch bezogenes Deck hervorrufen kann. Carlexander strich mit der roten Brille durch die stillen Flure, Briemma folgte mit ihrem Gehstock in ruhigem Takt, und beide sahen sich um, als müsse man erst prüfen, ob dieses Haus auf dem Wasser nachts vielleicht doch zurückatmet.

Im Foyer war alles auf luxuriöse Art überpräsent: das dunkle, spiegelnde Deck über uns, die warmen Lichter, der Kreis der Hängeleuchte, die sich so wichtig nahm, als hätte sie den Raum persönlich erfunden. Niemand saß auf den Bänken, niemand eilte die Treppe hinauf, nur die Architektur hielt Wache. “Sehr viel Aufwand für sehr wenig Lärm”, murmelte Carlexander. Briemma nickte knapp: “Das ist oft der ehrlichste Luxus.”

Der Weg führte uns weiter dorthin, wo Schiffe gern ihre kleine Versuchung verstecken: ins Casino. Das Zimmer war geschniegelt, futuristisch und unbewegt, als hätte es gerade beschlossen, dass Zeit eine überflüssige Kategorie sei. Die Tische warteten, die Geräte leuchteten, und doch fehlte jede Hand, die hätte gewinnen oder verlieren können. “Kleines Spielcasino, wer es braucht”, sagte Briemma, und Carlexander antwortete trocken: “Die Möbel offenbar.” Leider sahen wir kein Texas Holdem Turnier; die Bühne der Einsätze blieb leer.

Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Digitale Projektion im Dinner Raum
Digitale Projektion im Dinner Raum
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Bühnenauftritt mit Publikum
Bühnenauftritt mit Publikum
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Treppen und Ebenenbereich im Schiff
Treppen und Ebenenbereich im Schiff
Barcelona Erste Schiffsrunde mit verwaisten Orten
Barcelona Erste Schiffsrunde mit verwaisten Orten
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Dessert auf dem Teller
Dessert auf dem Teller
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Kabinen oder Zimmeransicht
Kabinen oder Zimmeransicht
Kabinen oder Zimmeransicht
Kabinen oder Zimmeransicht
Kabinen oder Zimmeransicht
Kabinen oder Zimmeransicht
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Bühnenauftritt mit Publikum
Bühnenauftritt mit Publikum
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum

Danach öffnete sich die Explora Lounge mit jener leeren Bar, die mehr verspricht, als sie im Moment hält. Die Flaschen standen ordentlich hinter Glas, die Theke glänzte, die Sitzgruppe wirkte bereit für Gespräche, die noch nicht begonnen hatten. Carlexander blieb einen Moment stehen, als prüfe er die Statik der Hoffnung, und Briemma meinte nur: “So sehen Orte aus, die später teuer werden wollen.”

Ein paar Schritte weiter wartete die Lounge mit ihrem großen Bildschirm und den konzentrisch gestellten Sesseln. Auch hier war alles auf gediegene Unterhaltung eingestellt und entschieden gegen Spektakel. Die blaue Fläche am Ende des Raums sprach von Explora Journeys, als wäre das ein Versprechen und keine Marke. “Mehr Salon als Show”, sagte Carlexander. “Zum Glück”, erwiderte Briemma. “Die meisten Shows sind ohnehin schlechter als ihr Prospekt.”

Zwischen den stillen Korridoren tauchte immer wieder diese spiegelnde, fast unverschämt polierte Welt auf, in der selbst ein Gang schon nach Inszenierung aussah. Wir bemerkten, wie das Schiff seine Ebenen mit einer gewissen Vorliebe für Reflexionen und geometrische Würde verband. Es war alles da, um Eindruck zu machen, und doch stand der Eindruck zunächst allein im Raum.

Vor einer der offenen Flächen blieb der Blick kurz an einem einzelnen Menschen in der Ferne hängen, mehr zufällig als geplant, als wäre auch er nur kurz in dieses stille System geraten. Der Rest des Korridors blieb leer, akkurat, kühl. Carlexander sah hin und sagte: “Immerhin ein Zeichen von Betrieb.” Briemma zog eine Augenbraue hoch: “Einer. Das ist bei manchen Häusern schon ein Betriebsfest.”

Dann kamen wir an einem Schaufenster vorbei, das sich dem Luxus mit der Selbstverständlichkeit eines alten Bekannten hingab. Rolex im Schiffskontext wirkte wie ein kleiner Seitenhieb auf jede Form von Zurückhaltung. Darunter lag die Botschaft des Tages fast zu offen auf der Hand: Ja, man kann hier noch mehr Geld ausgeben. “Man braucht keine Rolex”, bemerkte Briemma, “aber man kann sich auf dem Weg dorthin schon einmal überlegen, ob man den Satz wirklich glaubt.” Carlexander sah das Wunschmodell nicht und fand das überraschend gnädig für den Geldbeutel. “Glücklicherweise nicht da”, sagte er. “Sonst wäre die Reise doppelt so teuer geworden.”

Im ersten Restaurant lag das Tischtuch glatt wie ein gepflegtes Schweigen, und die Gläser standen bereit, als hätten sie auf die Erlaubnis zum Auftauchen gewartet. Die runde Ordnung der Plätze, der schwere Kronleuchter und die Nische mit den Weinflaschen erzählten von Abenden, die erst noch beginnen sollten. “Das hier ist kein Ort für Hast”, sagte Briemma. Carlexander nickte und meinte: “Auch kein Ort für leere Versprechungen. Zumindest nicht auf den ersten Blick.”

Das nächste Speisezimmer war nicht weniger kontrolliert, nur formaler, mit mehr Weiß, mehr Glanz und einer Ruhe, die sich beinahe zu wichtig nahm. Die Tische waren gedeckt, die Wege frei, die großen Flächen sauber komponiert. Es hatte etwas Beruhigendes, aber auch etwas von einem Raum, der sich lieber auf das Kommende vorbereitet als auf das Jetzt. “So geht Erwartungsmanagement auf See”, sagte Briemma. Carlexander antwortete: “Und das Publikum heißt hoffentlich pünktlich.”

Wieder ein Speisesaal, wieder dieselbe merkwürdige Disziplin des Wartens. Die leichten Verschiebungen in Licht, Möbeln und Wandgestaltung änderten nichts daran, dass alles auf Service, nicht auf Betrieb eingestellt war. Das war, in seiner eigenen Art, fast beeindruckender als Betrieb selbst. Carlexander blieb bei der Beobachtung, dass leere Räume oft ehrlicher sind als volle. Briemma sah es ähnlich und fügte hinzu: “Sie machen auch weniger Geräusche, wenn man skeptisch bleibt.”

Die nächste Tafel brachte noch einmal das Muster auf den Punkt: eingedeckte Plätze, geduldige Gläser, das feine Warten auf Gäste, die noch nicht gekommen waren. Zwischen den Linien der Tische schimmerte bereits das, was später einmal als makelloser Ablauf verkauft werden würde. Im Moment aber war es einfach ein guter Raum mit viel Disziplin und wenig Publikum.

Manchmal hat Dekoration ihren ganz eigenen Charakter, und nicht immer ist er tadellos. Auf unserem Rundgang begegnete uns auch diese etwas anrüchige Art von Schmuck, bei der man sich fragt, ob jemand zu früh “kultiviert” gesagt hat und dann nicht mehr zurückkonnte. Carlexander blieb höflich, soweit ein Kater eben höflich bleibt. Briemma schaute nur kurz hin und meinte: “Es gibt Dinge, die sollten beim Design besser nicht geflüstert werden.”

Wesentlich freundlicher war dagegen der Blick in den gläsernen Weinkeller, wo die Flaschen an der Wand wie ein sauber sortierter Einwand gegen Geschmacksunsicherheit standen. Das war mehr Briemmas Stil der Deko, und selbst Carlexander musste einräumen, dass hier wenigstens niemand so tat, als sei Zurückhaltung ein Makel. “Das ist ordentlich”, sagte er. “Und bezahlt sich vermutlich nicht mit einer einzigen blinkenden Spezialeffekt-Lampe.”

Ein weiterer Speiseraum zeigte sich mit einem einzigen Mitarbeiter am Rand, während der Rest der Fläche ruhig und vorbereitet blieb. Die Tische standen gesetzt, die Laufwege frei, die Atmosphäre akkurat zwischen Dienstbereitschaft und Pause. Carlexander bemerkte den Unterschied zwischen leeren Räumen und abgeschlossenen Abläufen. Briemma meinte nur: “Man sieht sofort, wer hier gerade den Laden zusammenhält.”

Dann begegneten wir auch der offenen Küche, in der Frische nicht behauptet, sondern gezeigt wurde. Ein Küchenmitarbeiter arbeitete am Prep-Bereich, während das Gericht noch im Werden begriffen war. Solche Einblicke sind nützlich: Sie nehmen dem Luxus einen Teil seines Nebels und geben ihm ein paar Hände zurück. Carlexander sah zu und sagte: “Das ist angenehm unromantisch.” Briemma lächelte schmal: “Genau deshalb glaubwürdig.”

Über mehrere Ebenen hinweg öffnete sich das Schiff nun noch einmal ganz anders: Treppen, Balkone, reflektierende Flächen, und oben ein paar winzige Gestalten, die sich im großen Raum verteilten wie Gedanken in einer zu teuren Lobby. Der Ort wirkte konstruiert für Wirkung, aber nicht ohne Eleganz. “Es ist ein Gebäude, das gern gesehen werden möchte”, sagte Carlexander. “Dann sollte es wenigstens gut stehen”, meinte Briemma und stützte sich leicht auf den Stock.

Später gerieten wir in diese hohe, fast sakrale Mittellobby, in der die Lichtinstallation von oben herabfiel wie ein sehr diszipliniertes Sternbild. Unter uns blieb der Raum still, über uns arbeitete das Licht an seiner Bedeutung. Barcelona war hier weniger Stadt als Moment: ein Schiffsrundgang durch verwaiste Orte, die nur darauf warteten, sich am Abend mit Stimmen zu füllen. Carlexander hob den Blick und sagte: “Das ist schon sehr viel Höhe für so wenig Dramatik.” Briemma antwortete: “Zum Glück. Drama bekommt man anderswo gratis.”

Oben am Geländer stand ein einzelner Mann und sah in die Räume hinein, als hätte er Dienst und Distanz zugleich angenommen. Der Rest blieb ruhig, beinahe verlassen, und genau darin lag die Wirkung des Ortes. Briemma bemerkte trocken, dass auf diesem Schiff selbst eine Regung im Hintergrund wie eine kuratierte Szene wirken könne. Carlexander nickte: “Man muss hier schon genau hinschauen, um nicht von der Eleganz überholt zu werden.”

Die geplanten Genüsse lagen gleich daneben wie ein Katalog der Versuchungen. Auf dem Aushang reihten sich Gin, Whisky, Cognac, Mixology, Super Tuscans, Champagner, Kaviar und weitere Möglichkeiten, mit genügend Geld den Tag noch feiner zu machen. “Ja, man kann noch mehr Geld ausgeben”, sagte Briemma, als hätte sie die Überschrift nicht nur gelesen, sondern erfunden. Carlexander betrachtete die Liste und meinte: “Das Schiff hat kein Problem mit Auswahl. Nur mit Zurückhaltung.”

Passend dazu lag ein Menü mit legendären Super-Tuscan-Weinen und den dazugehörigen Gängen auf dem Tisch, als wolle das Bordleben noch einmal demonstrieren, dass es auch im Papierformat teuer wirken kann. Sassicaia 2019 stand da mit jener ruhigen Autorität, die nur Wein und sehr selbstbewusste Etiketten besitzen. Die Speisenfolge las sich wie eine Einladung, die gleichzeitig eine Rechnung war. “Sehr schön”, sagte Briemma. “Und sehr präzise darin, einem das Gefühl von Vernunft zu nehmen.”

Wenig später stand vor uns die Gin-und-Tonic-Probe, ordentlich arrangiert mit Gläsern, Garnituren und der ganzen freundlichen Ernsthaftigkeit einer Veranstaltung, die sich für locker hält. Als Carlexander die Flaschen betrachtete, fiel ihm nur eine Frage ein: “Sagte ich Geld ausgeben?” Briemma nahm ein Stück Rosmarin in die Hand und erwiderte: “Nur, wenn man den Unterschied zwischen Genuss und Programmierung noch nicht gelernt hat.”

Dann wurde es in der Auswahl noch nüchterner und noch kostspieliger: Vodka, Caviar, Hennessy, kleine Gläser, Präsentationskarten und diese stille, beinahe gefährliche Eleganz eines Setups, das sich selbst ganz ernst nimmt. “Also für viel unterschiedliches”, sagte Briemma und sah auf die Anordnung, als handele es sich um eine Prüfung menschlicher Impulskontrolle. Carlexander, der den Tresen musterte, meinte: “Die Idee ist offenbar, dass man hier sehr kultiviert viel zu viel bestellen kann.”

Im nächsten Restaurant war wieder alles vorbereitet und niemand da, der diese Vorbereitung stören wollte. Die dunklen Flächen, das Holz, die geordneten Gläser und die ruhige Symmetrie machten klar, dass der Abend hier eher erwartet als erlebt wurde. Es war einer jener Räume, die sich mit geschlossenen Augen teuer anfühlen würden. Briemma bemerkte: “Wenn man leise genug ist, hört man fast das Budget.”

Auch die offene Küche mit dem Mitarbeiter im weißen Gewand bestätigte diesen Eindruck von geordneter Präzision. Hier lief nicht die Show, hier lief die Arbeit. Die Wärme der Lampen, die Stahlflächen und der ruhige Handgriff machten den Unterschied zwischen Behauptung und Praxis sichtbar. Carlexander sah kurz hin und sagte: “Das hier ist die sympathischste Form von Luxus: jemand arbeitet wirklich dafür.”

Wieder in einem leeren, stilvoll arrangierten Speiseraum angekommen, fiel besonders die Weite des dunklen Interieurs auf. Weinregale, Banquette, ein sorgfältiges Lichtkonzept und die klare Struktur der Tische erzeugten jene Atmosphäre, in der man gerne später behauptet, man habe alles ganz natürlich gefunden. Briemma zog den Gehstock ein Stück näher und sagte: “Natürlich ist hier vor allem, wie viel Mühe man in die Abwesenheit von Unordnung gesteckt hat.”

Die Reihe der Bilder zeigte noch einmal, wie konsequent dieses Haus auf stille Eleganz setzt: lange Sichtachsen, beleuchtete Weinkästen, akkurat eingedeckte Tische, ein Abend vor dem Abend. Der Rundgang hatte inzwischen etwas von einer Prüfung der Geduld angenommen, doch genau darin lag sein Reiz. Carlexander meinte: “Wer hier nach dem ersten Blick urteilt, hat den eigentlichen Trick nicht verstanden.” Briemma antwortete: “Oder er hat einfach genug gesehen, um ruhig zu bleiben.”

Und dann kamen wir am wesentlichen vorbei: über Wochen abgehangenes Rindfleisch, auf das man mit der Selbstgewissheit eines Hauses blickte, das weiß, wie viel Vertrauen ein gutes Stück Fleisch verlangt. “Nur für echte Männer”, stand sinngemäß in der Szene, und Carlexander reagierte mit der Art von Würde, die man nur entwickelt, wenn man solchen Sprüchen schon länger ausgesetzt ist. Die Top-Auswahl wurde später auch im Geschmack bestätigt, und ausnahmsweise stimmte hier der große Auftritt mit dem Ergebnis überein.

Die offene Küche zeigte danach, wie Frische und Vorbereitung zusammengehören: Schneiden, Sortieren, Anrichten, ohne großes Theater, dafür mit klarer Ordnung. Das war kein Ort für Showeffekte, sondern für gute Produkte und saubere Hände. Briemma sah auf die Arbeitsfläche und sagte: “So sieht ein vernünftiger Plan B aus: man kocht einfach ordentlich.” Carlexander nickte. “Ungewöhnlich konsequent.”

Weiter hinten wurden die Flure wieder breiter und fast museal, mit Kunst an den Wänden und dem Hinweis auf eine Assembly Station, als wolle das Schiff selbst daran erinnern, dass es im Ernstfall organisiert sein möchte. Die Bilder an den Wänden machten den Gang weicher, aber nicht freundlicher. Es blieb eine elegante, leicht distanzierte Art von Wegführung. “Seltsam beruhigend”, sagte Carlexander. “Bis man den Sicherheitsbegriff liest”, ergänzte Briemma.

Dann strahlte auch das Sakura mit den künstlichen Kirschblüten, als hätte jemand beschlossen, japanische Anmutung müsse auf See besonders zuverlässig funktionieren. Die roten Sitze, das warme Licht und die florale Decke machten aus dem Raum eine sehr dekorierte Behauptung von Ruhe. Es war hübsch, keine Frage, aber auch unmissverständlich inszeniert. Carlexander blickte nach oben und sagte: “Künstliche Blüten welken wenigstens nicht.” Briemma: “Sie verlangen dafür auch keinerlei Mitgefühl.”

Im nächsten japanisch angehauchten Speiseraum setzte sich derselbe Eindruck fort: sorgfältig gedeckte Tische, Holz, Lampen, Trennungen, und eine Wandgestaltung, die mit Bäumen, Vögeln und einer fast höflichen Eleganz arbeitete. Alles wartete auf Gäste, die noch nicht gekommen waren. Briemma sah die Tischordnung und meinte: “Sehr diszipliniert. Fast so, als wolle das Restaurant niemanden enttäuschen, bevor überhaupt jemand Platz nimmt.”

Später öffnete sich die Lounge zum Wasser hin, und der Blick nach draußen brachte endlich das auf den Punkt, was das Schiff innerlich schon die ganze Zeit behauptet hatte: dass Bewegung und Aussicht hier zusammengehören. Drinnen blieb es leer und glatt, draußen lag der Hafen mit seinen Masten und der Helligkeit des Nachmittags. Carlexander stellte fest: “Man könnte fast glauben, der eigentliche Luxus sei die Aussicht.” Briemma erwiderte: “Das ist meistens der Fall. Der Rest erklärt nur die Rechnung.”

Auch dieser japanische Bereich mit den roten Stühlen und den hellen Flächen stand weiterhin in perfekter Bereitschaft. Die Gläser waren gesetzt, die Stäbchen lagen bereit, und der Raum wirkte wie eine höfliche Einladung ohne Gäste. Genau das machte ihn so typisch für diesen Rundgang: nicht Überfluss, sondern Struktur, nicht Lärm, sondern Absicht. Carlexander sagte leise: “Wenn man lange genug durch verwaiste Orte geht, lernt man die Vorbereitung besser zu lesen als das Versprechen.”

Zurück am Wasser sahen wir noch einmal die Lounge mit ihren beiden Mitarbeitern hinter der Bar, während draußen die Marina mit Masten und Liegeplätzen den Tag festhielt. Hier traf Innenruhe auf Außenlicht, und der Raum wirkte plötzlich weniger leer als offen. Briemma nahm den Kontrast mit jener Gelassenheit hin, die ihr so eigen ist: “Das ist ein guter Ort für das Nichts-Tun, solange jemand die Gläser poliert.” Carlexander nickte. “Dann ist alles im Gleichgewicht.”

Am Ende dieses ersten Rundgangs blieb die große Bühne mit dem Explora-Journeys-Screen als Schlusspunkt stehen, ein Raum, der auf Vortrag, Musik oder irgendeine Form gehobener Unterhaltung wartete, ohne sich heute schon zu viel daraus zu machen. Das Schiff hatte seine verwaisten Orte gezeigt, seine ordentlich versteckten Verlockungen, seine Küchenarbeit und seine Vorliebe für gute Aussicht. Und wir hatten verstanden: Dieser Tag 2 bestand nicht darin, überall etwas zu erleben, sondern darin, die stille Mechanik hinter dem späteren Glanz zu sehen. Carlexander setzte die Brille zurecht und sagte: “So also beginnt man eine Reise.” Briemma antwortete: “Mit leeren Räumen, die sich sehr viel Mühe geben.”

2026-05-20 – Tag 2: Frühstück im NH Hotel Calderon

2026-05-20 – Tag 2: Frühstück im NH Hotel Calderon

Reiseepisode

2026-05-20 – Tag 2: Frühstück im NH Hotel Calderon

Tag 2 · 2026-05-20

Barcelona meldete sich nicht mit einer höflichen Verbeugung, sondern mit Sonne. Auf der Terrasse lag die Stadt weit und klar vor uns, als hätte jemand die Konturen extra scharf gestellt: links die schwere, dunkle Kuppel mit ihrer Figur auf der Spitze, dahinter die Sagrada Família in der Ferne, dazwischen Dächer, Kamine und dieses stille Treiben einer Metropole, die auch im Frühstückslicht noch ein wenig Theater spielt. Carlexander lehnte am Rand der Terrasse und blinzelte hinter seiner roten Brille in die Helligkeit. „Tag zwei“, murmelte er. „Und die Stadt tut schon wieder so, als hätte sie alles im Griff.“

Der Blick wanderte weiter hinaus, als suche er Bestätigung in der Entfernung. Stattdessen lag dort ein Hügel mit einem monumentalen Komplex, oben gekrönt von Türmen, Kreuz und einem Kreis, der aus der Ferne fast wie eine kleine, sehr ordentliche Idee wirkte. Briemma ließ den Blick darübergleiten, ruhig wie immer, und sagte nur: „Manche Städte servieren ihre Entfernungen lieber dekoriert.“ Carlexander brummte zustimmend. Unten keine Hektik, kein Menschengewirr, nur diese große, schweigende Kulisse aus Grün und Stein, als hätte das Panorama selbst beschlossen, fürs Protokoll stillzuhalten.

Noch ein Stück weiter lag ein weiteres monumentales Bauwerk im Morgenlicht, alt und aufrecht, mit Kuppeln, Spitzen und einem ungewöhnlich hellen Mast, der sich hinter die Mitte schob wie ein zu ehrgeiziger Zeuge. Die Szene blieb ruhig, der Himmel blass und offen, und selbst der kleine Vogel oben rechts wirkte eher wie ein geduldiger Kommentar als wie Bewegung. „Sehr viel Geschichte, sehr wenig Eile“, sagte Briemma. Carlexander nickte. „Das ist meist die Kombination, mit der ich am besten klarkomme.“

Drinnen hatte die Ruhe einen anderen Geschmack. Das Frühstück im NH Hotel Calderon war opulent, aber in dieser aufgeräumten Art, die einem erst ein kleines schlechtes Gewissen und dann Hunger macht. In den Körben und Schalen lagen die Dinge ordentlich nebeneinander, als hätten sie sich vorher zusammengerissen: Früchte, Toppings, Kleinigkeiten, die man gern unterschätzt, bis sie plötzlich auf dem Teller landen. Carlexander blieb vor dem Buffet stehen, als prüfe er einen Staatsakt. „Opulent“, sagte er trocken. „Das ist das Wort, das Hotels benutzen, wenn sie verhindern wollen, dass jemand ‚zu viel‘ sagt.“ Briemma hob eine Augenbraue. „Dann sagen wir nichts und nehmen uns trotzdem etwas.“

Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Reiseszene mit zwei Katerfiguren
Reiseszene mit zwei Katerfiguren
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Kabinen oder Zimmeransicht
Kabinen oder Zimmeransicht
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant

Ein paar Schritte weiter wurde aus der Behauptung Wirklichkeit. Das Buffet war sauber aufgebaut und doch angenehm uneitel, mit warmen Tellern, Etiketten, Schüsseln und dem leisen Selbstverständnis eines Hauses, das weiß, dass Menschen morgens erstaunlich verhandelbar sind. Ein großes rundes Gefäß mit Eiern stand da wie eine Einladung zur Vernunft, daneben andere warme Speisen, Brot, Gebäck und diese kleinen roten Pflanzen, die so tun, als seien sie nur Dekoration und nicht die heimliche Strategie des Raums. „Wurst in allen Variationen“, bemerkte Carlexander, und es klang fast ehrfürchtig. „Das ist kein Frühstück, das ist ein Plädoyer.“

Am anderen Ende des Saals setzte sich die Auswahl fort, nur noch etwas konsequenter. Die Backwaren lagen in Reih und Glied, als hätten sie über Nacht eine Schulung in Disziplin besucht, und die Regale darunter standen bereit wie geduldige Statisten. Carlexander musterte die Fülle, Briemma die Ordnung. „Hotelbuffets haben immer diesen Moment“, sagte sie leise, „in dem sie sich für eine besondere Einladung halten.“ Carlexander griff nach nichts und noch nicht nach allem. „Sie sind auch eine Einladung. Nur eben an den menschlichen Maßstab von Morgen.“

Dann kam die Ecke, in der das Buffet plötzlich cosmopolitisch tat. Käse, Aufschnitt, Früchte, kleine Karten, dazu diese sorgsam gelegten Scheiben und Würfel, die jede leichte Unordnung sofort moralisch verurteilen würden. Es wirkte, als wolle das Haus sagen: Wir können Brot, aber wir können auch Charakter. Briemma lächelte schmal. „Sehr gepflegt. Fast so, als hätte hier jemand Geschmack nicht nur vermutet, sondern geplant.“ Carlexander betrachtete die Platten. „Ein seltenes Gefühl beim Frühstück. Ich werde vorsichtig damit umgehen.“

Die Morgenstimmung nahm schließlich eine unerwartete Wendung, als Sushi auf dem Tisch auftauchte. Nicht als Witz, sondern mit der souveränen Selbstverständlichkeit einer Küche, die sich nicht darum schert, was morgens angeblich dazugehört. Daneben standen Sojasauce, Gyozas, mariniertes Ei und die kleinen, sehr ernst gemeinten Etiketten auf Spanisch und Englisch. Carlexander blieb stehen und sagte: „Sushi am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen. Vielleicht auch jede letzte Ausrede.“ Briemma nahm es mit der Gelassenheit einer Katze, die schon lange weiß, dass Frühstück ein dehnbarer Begriff ist. „Dann ist wenigstens der Kummer international.“

Am Rand der heißen Station war der Speck eindeutig nicht als Nebendarsteller gebucht. Er lag da, sichtbar und ohne falsche Bescheidenheit, in einem großen Topf, so als hätte die Küche beschlossen, dass Morgenmüdigkeit mit Rauch und Salz zu beantworten sei. Der Geruch war nicht im Bild, aber man ahnte ihn dennoch. Carlexander hob die Nase. „Speck darf nicht fehlen“, sagte er. „Das ist keine Idee, das ist ein Naturgesetz mit Frühstückscharakter.“ Briemma sah ihn von der Seite an. „Du klingst, als würdest du gleich eine Verfassung dafür entwerfen.“

Wenig später war der Tisch tatsächlich gedeckt für zwei, und alles wirkte plötzlich deutlich persönlicher. Kaffee, Saft, Besteck, ein kräftiges Frühstück mit Ei, Bohnen, Wurst und Bacon, dazu die eine oder andere Hand, die bereits dabei war, zu schneiden und zu beginnen. Carlexander setzte sich mit der Würde eines Mannes, der sich nicht beeilt, obwohl er hungrig ist. „Jetzt wird es konkret“, sagte er. Briemma nickte in Richtung des Tellers. „Endlich weniger Theorie.“

Als die Teller leerer wurden, blieb von der Mahlzeit etwas sehr Ehrliches zurück: Reste, Saucenspuren, die letzten weichen Stücke auf weißem Porzellan. Kein Drama, nur die ruhige Bilanz eines Frühstücks, das ernst genommen worden war. Carlexander sah auf den fast leeren Teller und meinte: „Das ist der Moment, in dem ein Buffet aufhört, elegant zu wirken, und anfängt, wahr zu sein.“ Briemma setzte die Tasse ab. „Und das ist meistens der bessere Zustand.“

Später kehrte die Kuppel mit dem aufragenden Figurenbild wieder zurück, diesmal noch näher, noch deutlicher, mit dem kleinen Vogel als beiläufigem Zeugen in der Luft. Die Sonne stand inzwischen fest genug, um die Ornamente nicht mehr zu schmeicheln, sondern zu zeigen. Carlexander betrachtete das Bild und sagte: „Die Stadt mag große Gesten.“ Briemma antwortete ruhig: „Und wir offenbar auch, nur mit Besteck.“

Dann weitete sich der Blick erneut über Barcelona hinaus zum Hafen, wo die Stadt in Dächer, Kräne und Schiffe auslief. Zwischen den Häusern tauchten die weißen Rümpfe der Kreuzfahrtschiffe auf, groß und wartend, als würde irgendwo anders bereits der nächste Abschnitt der Reise vorbereitet. Carlexander hielt einen Moment inne. „Da also“, sagte er. „Die Zukunft, sauber vertäut.“ Briemma sah in dieselbe Richtung. „Und wir stecken noch im Frühstück fest. Auch eine Art Luxus.“

Bevor es ernst wurde mit dem Boarding, blieb noch Zeit für einen Vormittagstrugschluss namens Erholung. Auf dem Rooftop-Pool lag die Sonne hart und freundlich zugleich, und einer von uns gönnte sich ein kurzes Nickerchen im Liegestuhl, verborgen unter einem viel zu großen Hut. Carlexander nahm das mit jener leisen Bewunderung zur Kenntnis, die er für konsequente Ruhe aufbringt. „Das ist ein sehr effizienter Umgang mit Zeit“, sagte er. Briemma lächelte kaum sichtbar. „Warten kann man auch mit Haltung tun.“

Ein Stück weiter oben zeigte sich dann, dass selbst ein Dachgarten auf die praktische Seite der Dinge achten kann. Der gläserne Zugang, die Treppe, die Pflanzen, die offene Konstruktion – alles wirkte modern und aufgeräumt, und der Fahrstuhl zum und in den Pool war keine Prachtgeste, sondern eine stille Selbstverständlichkeit. Carlexander blieb davor stehen, musterte die Anlage und sagte trocken: „Auch an Inklusion wird hier nicht gespart. Das ist immerhin eine angenehm unaufgeregte Form von Fortschritt.“ Briemma nickte. „Manchmal ist das Bemerkenswerteste, dass etwas einfach funktioniert.“

Unten am Deck wartete der Pool schließlich in seinem ruhigen, ordentlichen Glanz, umgeben von Liegen, Handtüchern und dem Gefühl, dass man hier problemlos noch eine Stunde verschwinden könnte, ohne dass jemand nach einem sucht. Das Wasser war klar, der Himmel halbdurchlässig sonnig, und selbst die Schatten unter der Pergola wirkten gepflegt. Carlexander zog die Brille zurecht und sagte: „So sieht also eine Wartezeit mit Anspruch aus.“ Briemma antwortete: „Und mit Handtuch.“

2026-05-19 – Tag 1: Besuch und Mittagessen in der Mercat de la Boqueria

2026-05-19 – Tag 1: Besuch und Mittagessen in der Mercat de la Boqueria

Reiseepisode

2026-05-19 – Tag 1: Besuch und Mittagessen in der Mercat de la Boqueria

Tag 1 · 2026-05-19

Nach dem Check-in am Morgen zog es uns auf direktem Weg die Las Ramblas hinunter, als hätte Barcelona beschlossen, uns gleich ohne Einleitung vorzuführen. Vor uns lag der Eingang der Markthalle, schon von Weitem zu voll, und die schiere Menschenmasse wirkte weniger wie ein Marktbesuch als wie ein kleiner, sehr entschlossener Pilgerzug. Ich drückte meine Wertgegenstände enger an den Körper, was Briemma mit einem Blick quittierte, der irgendwo zwischen Mitgefühl und höflicher Verurteilung lag. „Willkommen im Organismus“, murmelte sie. Ich nickte. Manche Städte atmen eben nicht, sie drängen.

Drinnen schlenderte man nicht, man ließ sich treiben, und selbst das nur mit leichter Überzeugungsarbeit. Zwischen Schinken, Speck und der wunderbaren Gewissheit, dass in Spanien auch Frische eine Frage des Tempos ist, blieb Carlexander kurz vor einem Deli stehen, als hätte ihn das Vordach persönlich eingeladen. Briemma hob den Kopf, sah die aufgehängten Würste und meinte trocken: „Schinken geht immer. Speck auch. Man muss nur die Konsequenzen tragen.“ Ich sah an mir hinunter und sagte nichts. Es war vernünftig, später vernünftig zu sein.

Weiter innen wurde aus der Markthalle endgültig ein kulinarischer Hinterhalt. An einem der einladenden Imbisse, die in Deutschland eher als vollwertige Premiumrestaurants durchgehen würden, lag alles bereit, als habe jemand die Küste in glänzende Behälter sortiert. Menschen lehnten an der Theke, bestellten, probierten, warteten, und zwischen Glas, Eis und warmem Licht wirkte selbst ein kurzer Halt bereits wie ein kleines Abendessen mit Tageslichtanspruch. Briemma sah hin und sagte: „Wenn das hier ein Snack ist, möchte ich nicht wissen, wie dort das Mittagessen aussieht.“ Ich antwortete: „Wahrscheinlich mit Ambitionen.“

Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Dessert auf dem Teller
Dessert auf dem Teller
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Digitale Projektion im Dinner Raum
Digitale Projektion im Dinner Raum
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Dessert auf dem Teller
Dessert auf dem Teller

Ein paar Schritte weiter gab es die spanische Auswahl in überschaubarer, aber sicher leckerer Form, als hätte jemand beschlossen, Maß und Verführung miteinander zu versöhnen. Nichts wirkte überladen, alles war ordentlich genug, um Vertrauen zu wecken, und lässig genug, um nicht nach Aufpreis zu schreien. Briemma musterte die Auslage und hob einen Augenbrauenstrich: „Überschaubar ist manchmal ein Kompliment.“ Ich sagte: „Vor allem, wenn man schon genug Auswahl im Kopf hat.“ Das Marktpersonal arbeitete ruhig hinter der Theke, und genau diese Selbstverständlichkeit machte den Ort fast schon verdächtig angenehm.

Dann kam die Seite der Halle, an der alles frisch frittiert war, also frisch, bevor es länger herumlag, und damit ungefähr so ehrlich wie ein Reiseprospekt kurz vor Druckschluss. Die Theke war voll, golden, dampfend und lautlos überzeugend, und selbst Carlexanders Vorsätze bekamen dort eine leichte Krümmung. Briemma sah die knusprigen Sachen an und meinte: „Das ist die Sorte Frische, die erst nach dem zweiten Bissen moralisch wird.“ Ich nickte. Man muss nicht alles glauben, aber manches sollte man probieren, solange es noch heiß ist.

Besonders angenehm war der Stand mit den Gebäcken und Sandwiches in allen spanischen Sorten, der sich anfühlte, als hätte jemand die Mittagspause in einer Vitrine geordnet. Die Auswahl war reich genug, um eine Entscheidung schwierig zu machen, und bodenständig genug, um nicht in Marketingsprache zu verfallen. Carlexander blieb vor der Scheibe stehen, Briemma daneben mit jener ruhigen Wachsamkeit, die immer so wirkt, als würde sie den passenden Biss bereits mitdenken. „Man könnte auch einfach alles nehmen“, sagte ich. „Das ist der Anfang aller kulinarischen Probleme“, antwortete Briemma.

Auf einem anderen Tisch standen Kartoffelchips mal anders da, also in jener Form, in der selbst ein Snack kurz so tut, als sei er Kunst. Die Stäbe und Spiralen wirkten fast zu ordentlich für das, was sie waren, und gerade das machte sie so charmant. Carlexander blieb einen Moment lang stehen, als würde er prüfen, ob die Welt in dieser Ecke der Halle wenigstens für eine Weile ihren Sinn behalten könnte. „Knusper mit Haltung“, sagte Briemma. Ich konnte ihr nicht widersprechen. Es war immerhin mehr Charakter als in manchen Konferenzräumen.

Die Kartoffeln noch unterschiedlicher, aber genauso stolz präsentiert, ließen den Eindruck entstehen, dass hier nicht einfach Beilagen verkauft wurden, sondern Varianten eines gepflegten Gedankens. Es gab viel zu sehen, viel zu überlegen und vermutlich noch mehr zu bedauern, wenn man zu schnell weiterging. Zwischen den Skewern und den warmen Farben lag diese eigentümliche Marktlust, die aus einfachem Essen eine kleine Wahlhandlung macht. Briemma sah sich um und sagte nur: „Manchmal ist Vielfalt bloß eine höfliche Form von Verführung.“ Ich antwortete: „Dann ist sie hier sehr erfolgreich.“

Beim spanischen Käse durfte dann selbstverständlich auch nicht fehlen, was in einer Markthalle ungefähr so unvermeidlich ist wie das Tageslicht in Barcelona. Die ruhige Ordnung der Regale war fast schon elegant, und die Vielfalt der Laibe und Stücke wirkte wie eine stille Gegenrede zum Gedränge am Eingang. Ich blieb einen Moment davor stehen, und Briemma bemerkte: „Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein guter Grund, satt zu werden.“ Ich sah auf die Auslage und meinte: „Der Grund steht seit einer Stunde vor uns.“

Als sich das kleine Hüngerchen schließlich meldete, führte uns das wieder zu einem der Imbisse zurück, denn manche Entscheidungen werden besser nicht romantisiert, sondern einfach wiederholt. Auf dem schwarzen Brett standen die Angebote so dicht, dass man sich fast entschuldigen wollte, nicht alles bestellen zu können. „Frisch Fisch und Patata Bravas sind gesetzt“, sagte Briemma, als wäre das eine Verordnung und kein Wunsch. Ich nickte. Es gibt Tage, an denen Plan B nicht nur vernünftig ist, sondern die eigentliche Absicht.

Vor den Augen zubereitet wurde hier alles zu einer Art stiller Vorstellung, und die Theke funktionierte wie ein Beweisstück für gutes Erwartungsmanagement. Nichts war geheim, alles war sichtbar, und genau das machte den Ort so angenehm unaufgeregt. Carlexander sah zu, wie gearbeitet wurde, und sagte: „Wenn schon warten, dann wenigstens mit Begründung.“ Briemma lächelte schmal. „Oder mit Pulpo“, meinte sie. Beides schien plausibel.

An anderer Stelle war der Tisch reich gedeckt, und es fehlte an nichts, jedenfalls nichts, was man in einer Mercat-Mittagslaune ernsthaft vermissen würde. Die Atmosphäre blieb belebt, aber nicht hektisch, und gerade das machte den Unterschied zwischen Markttheater und tatsächlichem Mittagessen aus. Die Teller kamen nacheinander, ohne Eile, und jedes neue Detail fügte sich in die ohnehin großzügige Szene. Briemma sagte: „Das ist angenehm ungestresst für einen Ort, der eigentlich die ganze Zeit auf Drehzahl läuft.“ Ich antwortete: „Vielleicht wissen sie hier, wann genug genug ist.“

Dann kam die große Austernrunde, inklusive der Vielfalt, die man in einer Markthalle dieser Art fast schon erwartet, aber dennoch gern mit einem leisen Staunen begrüßt. Die Schalen lagen auf Eis wie kleine, offene Argumente für Überfluss, und die Größe der Dinger war so beeindruckend, dass Briemma vorsichtshalber Abstand hielt. „Handteller groß“, sagte sie und machte einen Schritt zurück, als hätte die Natur plötzlich Anspruch auf Besteck erhoben. Ich musste lachen. „Die sind nicht dekorativ“, sagte ich. „Eher einschüchternd appetitlich.“

Nein, keine Schweine Austern, aber frisches Schwein wäre hier wohl auch kein Problem gewesen, falls man in dieser Stadt einmal wohnen und kochen müsste. Der Fleischstand wirkte kräftig, sauber und unmissverständlich, so wie Märkte eben aussehen, wenn sie sich nicht um schöne Umwege kümmern. Briemma betrachtete die Auslage mit dem gleichen nüchternen Blick, mit dem sie sonst Wetter, Preise und Reisepläne prüft. „Solange niemand behauptet, das sei leicht“, sagte sie. Ich nickte. Es war jedenfalls ehrlich.

Wir hatten unseren Imbiss von der Runde später wieder aufgesucht, was immer ein gutes Zeichen ist: Wenn man zurückkehrt, hat der erste Eindruck bestanden. Frisch Fisch und Patata Bravas waren gesetzt, und die Bestellung wirkte inzwischen weniger wie eine Wahl als wie ein stilles Einverständnis mit dem Ort. Das Essen kam ohne Aufhebens, und genau deshalb passte es so gut in diesen Tag. Briemma hob das Glas, sah zu mir herüber und sagte: „Man kann sich auch in Märkten sehr gut einrichten.“ Ich antwortete: „Vor allem, wenn der Plan funktioniert.“

Die obligatorischen Austern gehörten dann natürlich dazu, und es blieb die kleine Frage, was das eigentlich alles noch sei, wenn nicht ein sehr entschlossener Beginn eines guten Nachmittags. Die Riesen mit Zitrone waren tatsächlich unglaublich lecker, und selbst Carlexander musste anerkennen, dass Größe hier nicht bloß Show bedeutete. Briemma hielt diesmal Abstand, weil die Handteller groß waren, und sah mir mit jener Mischung aus Vorsicht und moralischer Überlegenheit zu, die sie so gut beherrscht. „Ich beobachte nur“, sagte sie. „Das ist auch eine Form von Teilnahme“, antwortete ich.

Briemma entschied sich anschließend für den gebratenen Pulpo, und plötzlich war die Welt wieder genau so konkret, wie ein Reiseblog sie gern hat: warmes Licht, gutes Essen, wenig Pathos. Der Teller lag schwer und vernünftig vor ihr, die Kartoffeln daneben bildeten die einzige Form von Zurückhaltung, die hier noch Sinn ergab. „Sehr ordentlich“, sagte ich. Briemma probierte und nickte. „Gebraten ist oft der ehrlichere Ausdruck von Meer.“ Das schien mir für einen Dienstagmittag erstaunlich treffend.

Carlexander blieb beim Bewährten, den roten Gambas, die in Spanien immer noch ungeschlagen die Besten sind, und ich sah keinen Grund, daran zu zweifeln. Auf dem Teller lag die vertraute Sicherheit, dass manche Dinge in einem Land einfach besser funktionieren, wenn man sie nicht neu erfindet. „Keine Experimente“, sagte Briemma. „Nicht heute“, antwortete ich. Es war einer dieser seltenen Momente, in denen Wiederholung nicht langweilig, sondern klug wirkt.

Dann kamen die Patata Bravas, die den Namen auch wirklich verdienten, scharf genug, um Respekt einzufordern, aber nicht so laut, dass sie den Rest des Tisches erschlagen hätten. Die Sauce saß satt und ordentlich auf den Kartoffeln, und die Sache mit der Schärfe war hier keine Ankündigung, sondern ein Versprechen mit Zähnen. Briemma grinste kurz. „Das ist jetzt der Teil, in dem man Wasser und Würde gleichzeitig braucht.“ Ich nickte und nahm noch einen Bissen. Manche Warnungen sind eben nur dann nützlich, wenn man sie zu spät liest.

Es gab auch ein Buffet mit Speisen, alles frisch vor den Augen zubereitet, was in diesem Zusammenhang nicht wie Werbung klang, sondern eher wie der nüchterne Befund eines sehr lebendigen Mittags. Die Halle hatte sich längst in ihren eigenen Rhythmus gefügt, und zwischen den Stationen, den Gläsern und den verschiedenen Gerichten wirkte nichts zufällig, aber auch nichts verbissen organisiert. „Das läuft hier erstaunlich rund“, sagte ich. Briemma zog die Schultern leicht hoch. „Wenn schon Markt, dann bitte mit Taktgefühl.“

Zum Schluss kam die Crema Catalana, und ich gestehe, sie hätte besser sein können. Briemma sah auf den karamellisierten Deckel und meinte trocken, ihre Crème brûlée habe mehr Eigelb gehabt, dank an den Koch Thomas, ehemals Danielshof Bedburg. Das war einer jener Sätze, die gleichzeitig Urteil, Erinnerung und kleine Spitze sind, also ziemlich genau Briemma. Wir waren gesättigt und bereit, die Markthalle wieder zu verlassen, und so trugen uns die warmen Reste dieses Mittagessens hinaus und weiter durch die Stadt am Nachmittag. „Immerhin“, sagte ich, während wir losgingen, „hungernd ist es schwer, den Blick so klar zu behalten.“ Briemma lächelte nur. „Und satt ist er auch nicht schlechter.“