2025-04-16 – Tag 9: Kathedrale am Meer mit Bergen im Hintergrund

Reiseepisode

2025-04-16 – Tag 9: Kathedrale am Meer mit Bergen im Hintergrund

Tag 9 · 2025-04-16 · Palma de Mallorca

Am Hafen von Palma de Mallorca bekam der neunte Reisetag noch einmal eine großzügige Perspektive. Über dem Meer erhob sich die gotische Kathedrale, dahinter lagen die Berge unter blauem Himmel, während vorne ein Segelboot durch das Bild zog. Carlexander betrachtete die Abstufung aus Wasser, Architektur und Höhenzug mit der müden Würde eines Reisenden, der wusste, dass seine eigene Bildordnung später deutlich weniger souverän aussehen würde. „Das ist erfreulich eindeutig“, sagte er. Briemma hob nur leicht den Gehstock. „Warte das nächste Foto ab.“

Schon der zweite Blick verschob die Gewichte. Nun rückten Hafen und dichte Bebauung stärker ins Bild, die Kathedrale stand eingebunden in die Stadt, und über den Bergen lag ein bewölkter Himmel. Ein Segelboot und die Wasserlinie hielten immerhin die Verbindung zum ersten Motiv. Es war dieselbe Umgebung, aber keine Wiederholung: einmal große Kulisse am Meer, einmal historische Architektur als Teil eines dicht besetzten Stadtrands.

Carlexander versuchte kurz, beide Ansichten nach Licht, Blickwinkel und architektonischer Wirkung zu sortieren. Briemma ließ ihn gewähren, bis aus einem Reiseeindruck beinahe ein Ablagesystem geworden war. „Du könntest auch einfach hinschauen“, sagte sie. Das tat er dann. Die Kathedrale blieb stehen, die Berge ebenfalls, und der Hafen kam auch ohne seine methodische Unterstützung zurecht.

Der Übergang vom Hafen zum Essen war weniger feierlich, aber äußerst wirksam. Zuerst kam eine cremige Fischsuppe, sorgfältig mit Krabbenklüften und frischem Dill angerichtet. Der Teller wirkte präzise, ohne den Eindruck zu erwecken, man müsse vor dem ersten Löffel eine Bedienungsanleitung lesen. Nach Stein, Wasser und Bergen war das eine überschaubare Anordnung, und Carlexander begegnete ihr mit jener Konzentration, die bei ihm gelegentlich für kulturelles Interesse gehalten wurde.

Danach folgte das Lobster Dinner: Hummerzehen auf einem runden weißen Teller, daneben grünes Gemüse in einem kleinen Topf und eine gebackene Kartoffel in einer Schale. Im Hintergrund standen Wasser, Wein und Brot bereit. Carlexanders Blick blieb einen Moment am gefüllten Weinglas hängen. „Rein zur Einordnung“, sagte er. Briemma antwortete ruhig: „Natürlich. Flüssige Dokumentation.“ Damit war das Thema ausreichend gewürdigt.

Das nächste Gericht verzichtete ebenfalls auf Zurückhaltung. Ein Steak lag auf einem Oktopusarm, darunter cremiges Risotto; warme Farben und eine betont genaue Präsentation machten aus drei kräftigen Bestandteilen eine bemerkenswert geordnete Konstruktion. Carlexander betrachtete sie kurz von oben, als ließe sich klären, welcher Teil hier organisatorisch die Führung übernommen hatte. Briemma begann bereits zu essen. Pragmatismus ist auch deshalb effizient, weil er selten auf ein abschließendes Diagramm wartet.

Zum Schluss erschien ein Dessert auf einem großen Teller: Schokoladensoße, eine cremige Masse im Zentrum und dekorative Blätter und Kräuter ringsum. Glas, Löffel und Gabel hielten sich am Rand bereit, während die Anrichtung noch einmal zeigte, wie viel Präzision auf einer begrenzten Fläche möglich ist. Der Tag hatte damit den Weg von monumentaler Architektur zu sorgfältig gesetzten Dessertdetails genommen. Beides stand fest an seinem Platz; nur bei einem davon war vorgesehen, dass dieser Zustand nicht lange anhielt.

Später lag der Hafen unter einem dunkelblauen Nachthimmel. Die Promenade war beleuchtet, dahinter zeichneten Gebäude- und Straßenlichter das städtische Ufer nach; einzelne Sterne waren ebenfalls sichtbar. Nach den konzentrierten Tellern wirkte die Szene weiter und ruhiger, ohne leer zu sein. Carlexander und Briemma blickten über das Hafenbecken, während die Lichter eine Ordnung behaupteten, die tagsüber zwischen Wasserlinie, Bebauung und Verkehr weniger deutlich gewesen war.

Entlang der Küste setzte sich die beleuchtete Stadt fort. Ihre Spiegelungen standen auf dem ruhigen Wasser, bis ein vorbeifahrendes Boot Bewegung in die Fläche brachte. „Da geht deine Ordnung“, sagte Briemma. Carlexander sah dem Boot nach. „Sie war ohnehin nur vorläufig.“ Das war für seine Verhältnisse eine bemerkenswert entspannte Einschätzung und vermutlich der passende Zustand für einen Abend, an dem nichts mehr kategorisiert werden musste.

Im letzten Blick lagen zahlreiche Yachten still an ihren Anlegern. Über dem beleuchteten Hafenbecken erhob sich ein Hügel; darauf hob sich ein angestrahltes, historisch wirkendes Gebäude von der Dunkelheit ab, ohne dass es näher bestimmt werden musste. Straßen- und Gebäudelichter zogen sich durch die Umgebung, dahinter blieben die Berge als dunkle Begrenzung. So endete Palma nicht mit einer großen Erklärung, sondern mit Wasser, Licht und festgemachten Booten. Carlexander ließ es dabei bewenden. Briemma ebenfalls, was die Sache endgültig machte.

2025-04-16 – Tag 9: Mittag in Palma de Mallorca

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2025-04-16 – Tag 9: Mittag in Palma de Mallorca

Tag 9 · 2025-04-16 · Palma de Mallorca

Palma begann für Carlexander und Briemma mit jener Ansicht, die keinen weiteren Zuständigkeitsnachweis braucht: La Seu erhob sich hinter Steinmauer und Wassergraben, davor Promenaden, junge Bäume und Menschen, die gingen, saßen oder den Vormittag ohne erkennbare Eile verwalteten. Mit jedem Schritt wechselte die Kathedrale ihre Kontur; einmal dominierten Turm und gotisches Dach, dann der angrenzende Palast mit Arkaden und Zinnen. Auf der gepflasterten Promenade stand ein Tourist im weißen T-Shirt mit der Aufschrift „THE END“. „Das wäre früh“, sagte Briemma. Carlexander hielt es vorsichtshalber nur für eine textile Meinungsäußerung.

Hinter der großen Kulisse wurde Palma kleinteiliger. Ein klassisches Gebäude mit Säulen und Bögen bekam durch die Palme im Vordergrund beinahe Konkurrenz, während wenige Straßen weiter eine goldfarbene Bitcoin-Münze zwischen Anhänger und blau besetztem Ring in einer Schmuckauslage lag. Carlexander betrachtete die Kombination aus Kryptowährung und Schutzkapsel mit professioneller Skepsis. Gelbe Fassaden, Balkone und Fensterläden führten weiter durch die Altstadt; selbst ein Schild des Hard Rock Cafe Mallorca fügte sich dort ein, als hätte es einen historischen Antrag gestellt. Im Gewürzschaufenster hingen rote Chilis und Knoblauch über sauber gereihten Dosen.

Ein schwarz-weißes Wandgemälde zeigte einen Mann, umringt von drei Kindern, unmittelbar neben einem Straßenpfeiler voller Aufkleber. Kurz darauf lag die Basilika de Sant Miquel im Strom der Altstadtstraße, an der Menschen vorbeigingen, stehen blieben und miteinander sprachen. Palma hielt sakrale Steinarchitektur und Straßenbilder ohne Übergangsmoderation nebeneinander: Auf einem geschlossenen Metalltor erschien Tupac Shakur mit Tränenspur unter dem großen Schriftzug „TUPAC“. Wenig später versammelten sich Passanten mit Kameras um eine rostige Motorradstatue samt Figur. „Ein konsequenter Rundgang“, sagte Briemma. „Nur das Thema wechselt alle dreißig Meter.“

Zwischendurch öffnete sich die Stadt wieder zum Hafen. Über dem Meer lag Palma als breite Häuserfläche, aus der La Seu deutlich herausragte; ein alter Steinturm stand zwischen Palmen und modernen Gebäuden unter inzwischen bewölktem Himmel. Im Hafen lagen ein großes Kreuzfahrtschiff und ein kleineres Schiff ruhig am Anleger. Danach führte der Weg erneut an schweren Steinbauten vorbei, begleitet von Besuchern und erhobenen Mobiltelefonen. Die reich verzierte Kathedralfassade mit Rosettenfenster, Skulpturen, Säulen und Portal verlangte einen längeren Blick, bevor eine enge Gasse aus Sandsteinfassaden, Balkonen und Fensterläden das Blickfeld wieder auf Fußgängermaß reduzierte.

Vor einem gotischen Gebäude wehten drei Flaggen zwischen Säulen und Zinnen; am sonnigen Rathaus gingen Menschen vorbei oder saßen auf den Stufen. Gleich danach zeigte ein Haus im Stil des Modernisme farbige Mosaiken und kunstvolle Balkone, mit einem historischen Lampenpfosten davor. Palma wirkte hier nicht wie eine ordentlich sortierte Epoche, sondern wie ein gut belegtes Archiv, in dem jede Straße eine andere Mappe öffnete. Am Ende dieses Abschnitts hingen erneut getrocknete Chilis an Holzleisten, diesmal mit kleinen Papieretiketten. Carlexander sah darin ein verlässliches Leitsystem. Briemma sah darin Gewürze. Beides brachte sie zur Markthalle.

Vor dem Markt lag noch ein Kircheninneres auf dem Weg: gewölbte Decke, Fresken, Holzaltäre und ein prächtiger Altar, flankiert von Christusfiguren und betrachtet von Besuchern. Danach änderte sich die Form der Andacht merklich. Geräucherte Schinkenhälften hingen an Metallbügeln über einem Schild mit der Aufschrift „Ecologico“, während eine lange Theke Sushi-Rollen, Nigiri und weitere japanische Speisen zeigte; zwei Personen arbeiteten dahinter an der Zubereitung. Gleich daneben lagen Garnelen, Krabben und Tintenfische auf Eis, versehen mit roten Preisschildern. Palma hatte den Übergang vom Altar zur Auslage erstaunlich nüchtern organisiert.

Die Fleischstände folgten mit verschiedenen Zuschnitten, Schildern und Kundschaft, die entweder kaufte oder prüfend betrachtete. Geräucherte Würste hingen an Haken über einer gefüllten Vitrine, während an einem anderen Stand Käse im Vordergrund und ein großes Stück Schinken auf einem Holzbrett lagen. Carlexander versuchte kurz, das Angebot nach Produktgruppen zu erfassen. „Du musst hier nichts inventarisieren“, sagte Briemma. Also gingen sie weiter zu mallorquinischen Oliven, die offen am Stand angeboten wurden, und zu einem Olivenladen, in dessen Schaufenster verschiedene Sorten und Snacks lagen, während eine Mitarbeiterin hinter der Theke stand.

Im Fischbereich wurde die Markthalle lauter und unmittelbarer. Große Tintenfische, Muscheln und Krabben lagen auf Eis; Kunden und Verkäufer sprachen über die Auslagen hinweg, andere Besucher zogen mit Einkaufskörben durch die Gänge. Dazwischen stand eine Bäckereivitrine voller Torten, Brötchen, Kekse und weiterem Gebäck, jedes Stück mit sichtbarem Preis versehen. Dann wieder Fisch: ein Thunfischkopf im Eisbehälter, dahinter weitere Fischteile und Kräuter, anschließend zwei große Fische auf einem Eisblock, die Mäuler geöffnet. Briemma betrachtete sie kurz. „Die wirken ähnlich überrascht wie du.“ Carlexander widersprach nicht.

Das Austernmenü brachte wieder Ordnung in die Sache. Fine de Claire, Speciale de Claire und Galician standen mit Preisen auf dem Blatt, ergänzt durch Varianten mit Flamme, Shiso-Mango-Vinaigrette sowie Maracuja, grünem Anis und rosa Pfeffer. Auf dem roten Tisch lagen die geöffneten Austern mit Zitronenscheiben; daneben standen ein Glas Wein und eine Flasche Sauce. Ein weiterer Blick zeigte den Teller noch einmal aus der Nähe, bevor ein Kühlschrank mit frischen Austern und Champagnerflaschen unter dem Schriftzug „HUITRES AIME“ die Produktkette vollständig machte. Carlexander nannte das Informationsbeschaffung. Briemma nannte es Mittagessen.

Der Rückblick auf das Frühstück wirkte dagegen beinahe diszipliniert: Croissant mit Butter, dazu Erdbeeren, Ananas, Kiwi, Drachenfrucht und Rambutan. „So lob ich mir das Frühstück“, sagte Carlexander mit der müden Würde eines Katers, der wenige Stunden später vor Austernkarten stand. Weil am Wechseltag der Passagiere die Decks sehr voll waren, hatten Carlexander und Briemma den ruhigeren Platz auf dem Balkon gewählt. Die moderne Sonnenliege auf der Holzterrasse und der kleine Beistelltisch lieferten dafür alles Nötige. Briemma stellte ihren Gehstock neben sich ab. Manchmal bestand gute Reiseplanung vor allem darin, nicht dort zu sein, wo gerade alle waren.

Die Markthalle verabschiedete sie nicht leise. Eine Person im schwarzen Koch-Outfit hielt eine Flamme an ein Gericht auf einem orangefarbenen Tablett, beobachtet von einer weiteren Person und mehreren Besuchern zwischen den Warenregalen. Danach führte der Weg wieder hinaus auf gepflasterte Straßen, über denen hohe Bäume Schatten warfen. Menschen gingen am Rand entlang oder blieben stehen, während traditionelle Gebäude den Hintergrund bildeten. Ein historisches Haus mit Steinfront, mehreren Balkonen und Holzläden stellte die gewohnte Ruhe wieder her. Carlexander fand das angemessen. Briemma meinte, er bevorzuge Fassaden grundsätzlich, solange sie nichts flambierten.

Auf dem Blumenmarkt lagen die Farben dichter beieinander als zuvor in den Straßen. Verpackte Sträuße standen in Papier und transparenter Folie, darunter rote Rosen, Lilien und Sonnenblumen; dahinter reihten sich weitere Pflanzen und Dekorationen. Auf dem gepflasterten Platz warteten Hortensien in Rosa, Blau und Lila ordentlich in Pappkartons. Es war kein stilles Arrangement, sondern sichtbar Verkaufsware in einer belebten Stadt. Carlexander betrachtete die präzise Anordnung mit Anerkennung. Briemma verzichtete auf einen Kommentar zu seinem Kontrollreflex. Die Blumen waren bereits ausreichend sortiert und benötigten keine zusätzliche Tabelle.

Wenige Schritte später wurde die Altstadt wieder schmal. Eine dichte grüne Rankpflanze bedeckte eine alte Mauer; davor stand ein hölzerner Pflanzkasten mit Steinen und kleinen Pflanzen in der gepflasterten Gasse. Ein eleganter Innenhof setzte diese ruhige Folge fort: kleiner Steinboden, Pflanzen in Töpfen und Körben, eine Holzbalkendecke und ein Treppenhaus im Hintergrund. Hier war keine sichtbare Handlung nötig. Die Architektur übernahm den Abschnitt selbst. Briemma ging mit ihrem eleganten Gehstock in gleichmäßigem Tempo weiter, während Carlexander den seltenen Zustand akzeptierte, dass ein Ort auch ohne seine Einordnung verständlich blieb.

Dann kamen die Brunnen. Zuerst stand einer mitten im Stadtbild, umgeben von Menschen, historischen Gebäuden, Balkonen und Palmen. Danach folgte ein rechteckiges Becken mit Fontänen in einer gepflegten Parkanlage zwischen Büschen, Bäumen und Blumenbeeten. Ein weiterer Blick verband sprudelndes Wasser und Bäume wieder mit der gotischen Kathedrale im Hintergrund. Neben einem Brunnen wartete außerdem eine Pferdekutsche mit Fahrer; auf einem gepflasterten Platz stand schließlich ein großes Panda-Maskottchen vor Steinmauer und Bäumen, während eine Person am Rand saß. Palma hatte damit auch den Bereich unerwarteter Reisebeobachtungen vollständig abgedeckt.

Zum Schluss öffnete sich der Blick noch einmal weit. Vor blauem Himmel und hellen Wolken stand die gotische Kathedrale über dem türkisfarbenen Meer, dahinter zeichneten sich Berge ab. Die letzte Küstenansicht nahm Hafen, ruhiges Wasser, Stadt und ein historisch wirkendes Gebäude zusammen, ohne das mögliche Bauwerk näher festzulegen. Carlexander sah zurück auf einen Mittag aus Steinportalen, Marktständen, Austern, Blumen, Brunnen und einem Panda, der keine weitere Erklärung angeboten hatte. „Hast du alles erfasst?“, fragte Briemma. „Nein“, sagte Carlexander. Für Palma war das vermutlich die realistischste Form eines Abschlusses.

2025-04-17 – Tag 10: Sonnenuntergang am Hafen

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2025-04-17 – Tag 10: Sonnenuntergang am Hafen

Tag 10 · 2025-04-17 · Palma de Mallorca

Am zehnten Reisetag blieb in Palma de Mallorca noch dieser eine Blick über den Hafen. Vor der langen Mole lag ruhiges Wasser, dahinter standen Stadt und Berge unter einem klaren Himmel mit wenigen flauschigen Wolken. Die Sonne sank, ohne daraus eine Veranstaltung zu machen. Carlexander sah hinaus und bemühte sich um müde Würde, während sich Wehmut, eine kleine Tränendrüse und ein Lächeln erstaunlich problemlos denselben Moment teilten.

„Ein angemessener Abschluss“, sagte Carlexander. Briemma stützte sich ruhig auf ihren eleganten Gehstock und sah ebenfalls zum Horizont. „Vor allem, weil die nächste Schiffsreise schon gebucht ist.“ Das half. Stars Del Mar wartete bereits im nächsten Monat, mit neuer Tour und voraussichtlich mehr Spaß. Abschied lässt sich deutlich sachlicher ertragen, wenn er im Kalender schon einen Nachfolger hat.

Die Ankunft am Flughafen verlief dank der Organisation von TUI erstaunlich unspektakulär. Es blieb sogar Zeit für einen schnöden, stinknormalen Hot Dog mit Pommes und Coca-Cola Zero. Wobei „normal“ angesichts von Ketchup, Mayonnaise, grünen Salsa-Pfützen und geriebenen Zwiebeln eine großzügige Einordnung war. „Du analysierst dein Essen“, stellte Briemma fest. Carlexander betrachtete das Brötchen. „Ich prüfe nur, ob es einen Plan verfolgt.“

Danach übernahm der Flughafen die Bildregie. Vor einem großen Hangar standen weitere Gebäude, Pflanzen und ein Helikopter auf dem Boden. Kurz darauf war die Maschine deutlicher vor der Hangarstruktur mit der Beschriftung „ALA 49“ zu sehen, dahinter weitere Gebäude und Bäume unter klarem blauem Himmel. Carlexander verfolgte die Szenerie mit jener Aufmerksamkeit, die er technischen Abläufen grundsätzlich entgegenbringt, auch wenn niemand um eine Bewertung gebeten hatte.

Das Flugfeld setzte die nüchterne Ordnung fort: markierte Linien auf dem Boden, eine kleine weiße Gebäudestruktur, Grünflächen und Bäume. Keine erkennbare Handlung, nur Infrastruktur, die wusste, wo sie hingehörte. „Beruhigend für dich“, sagte Briemma. Carlexander nickte. Nach mehreren Tagen auf See wirkte ein sauber markierter Verkehrsweg beinahe wie ein persönliches Entgegenkommen.

Mit zunehmender Höhe wurden aus einzelnen Gebäuden dicht bebaute Stadtflächen. Dahinter lagen grüne Felder, Wiesen und Berge, alles klar und sonnig zu erkennen. Straßen verbanden die Bereiche zu einem Muster, das von oben überzeugend geordnet aussah. Das ist eine besondere Stärke von Luftaufnahmen: Sie lassen selbst komplizierte Gegenden so erscheinen, als hätte irgendwann jemand den Überblick gehabt.

Dann rückte die Küste ins Bild. Das blaue Meer zog sich an den Gebäuden einer Küstenstadt entlang, während im Hintergrund Berge unter klarem Himmel standen. Wenig später öffnete sich die Perspektive auf einen weiteren Küstenabschnitt mit Hafenbereich, bewaldeten Hügeln und Bergen. Von oben wirkte alles ruhig, obwohl unten vermutlich weiterhin Wege, Abfahrten und kleine Alltagsentscheidungen abgearbeitet wurden.

Schließlich lag auch der Hafen noch einmal unter uns. Ein großes Kreuzfahrtschiff lag am Anleger, umgeben von Yachten und Booten; dahinter erstreckte sich die Stadtlandschaft mit Gebäuden und grünen Flächen. Die Mein Schiff Relax wurde damit vom Reiseort wieder zum Bestandteil einer größeren Ansicht. Carlexander sah hinunter. „Jetzt ist es wirklich vorbei.“ Briemma blieb pragmatisch: „Für diesen Monat.“

So endete die TUI Taufreise der Mein Schiff Relax nicht mit großer Geste, sondern mit einem Sonnenuntergang, einem bemerkenswert belegten Hot Dog und einem letzten Blick aus der Luft. Palma de Mallorca wurde kleiner, der Hafen blieb noch einen Moment sichtbar, und die nächste Reise stand bereits fest. Das war genug Wehmut für einen Tag und zugleich eine brauchbare Aussicht: Stars Del Mar im nächsten Monat. Neue Tour, mehr Spaß.

2025-04-09 – Tag 2: Ankunft in Malaga

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2025-04-09 – Tag 2: Ankunft in Malaga

Tag 2 · 2025-04-09 · Málaga

Der zweite Reisetag begann mit Málaga am Horizont und einer Frage, die an Bord offenbar längst beantwortet war: Wie viel Inszenierung verträgt ein Frühstück? Ziemlich viel. Zwischen Cracker-Verpackungen stand ein Käsebild mit Sternen und blau-grauem Hintergrund, darauf ein stilisierter Sänger samt Mikrofon – als Robbie Williams angekündigt und damit bereits deutlich näher am Abendprogramm als Carlexander. Er betrachtete das Werk mit müder Anerkennung. „Andere schnitzen Blumen.“ Briemma nickte. „Blumen haben selten ein Konzert.“

Von der Käsekunst führte der Weg zur Wokstation, wo offene Schalen mit Fleisch und frischem Gemüse bereitstanden und ein Koch im Hintergrund die Bestellungen zubereitete. Hier war die Lage weniger symbolisch und dafür erheblich praktischer. Carlexander prüfte die Auswahl mit jener Konzentration, die er sonst nur Reiseunterlagen entgegenbrachte. Briemma ließ den Blick über die Schalen wandern. „Du musst das Gemüse nicht inventarisieren.“ – „Ich orientiere mich“, sagte Carlexander. An Bord war das ein vielseitig verwendbarer Begriff.

Am Ende stand ein Teller mit geschmorten Garnelen in würziger Soße, dazu rote Paprika, Zwiebeln und weiteres Gemüse. Der Übergang vom Frühstück zum Mittagssnack war damit nicht exakt geklärt, aber überzeugend angerichtet. Briemma nahm das gelassen hin, während Carlexander noch versuchte, die Mahlzeit zeitlich einzuordnen. Reisen auf einem Kreuzfahrtschiff folgt schließlich einer eigenen Uhr: Entscheidend ist weniger, wie spät es ist, sondern ob gerade etwas serviert wird.

Draußen lag das Meer unter klarem Himmel, die Sonne nahe am Horizont. Hinter dem Schiff zog sich eine helle Fahrspur durch das Wasser und machte sichtbar, dass die Ankunft in Málaga nicht aus Stillstand bestand, sondern aus langsamer Annäherung. Carlexander sah hinaus, noch angenehm beschäftigt vom Essen. Briemma stand ruhig neben ihm. Das Licht war klar, das Meer weit, und für einige Minuten musste niemand entscheiden, ob noch ein weiterer Gang vernünftig wäre.

Dann tauchte ein großes Schiff von Virgin Voyages auf, rot und weiß, mit vielen Decks und Fensterreihen. Kurz darauf folgte das Schiff mit dem Namen „Sonnenschein“, auf dessen Decks sich Passagiere bewegten; dahinter lagen Meer und Berge. Die Begegnungen wirkten wie ein morgendliches Defilee großer schwimmender Häuser. Carlexander beobachtete die Abstände mit professionell wirkender Aufmerksamkeit. „Du steuerst keines davon“, erinnerte Briemma ihn. Das entspannte die Lage nur bedingt.

Mit dem Hafen wurde das Bild dichter. Ein Kreuzfahrtschiff lag am Kai, während Menschen auf einer Brücke ihre Handys hoben und fotografierten. Türkisfarbenes Wasser, klarer blauer Himmel, Pier und grüne Hügel rückten nacheinander ins Blickfeld. Die Schiffe lagen ruhig, doch auf den Decks und an den Aussichtspunkten war Bewegung. Málaga empfing seine Gäste nicht mit großer Geste, sondern mit Sonne, Wasser und erstaunlich vielen gleichzeitig ausgestreckten Armen samt Telefon.

Besonders deutlich zeigte sich die Begegnung der Schwesterschiffe an der „Mein Schiff 7“. Menschen hatten sich auf den Decks versammelt, die Aufschrift „Unvergesslich Wohlfühlen“ war ebenso zu erkennen wie Gebäude und ein Leuchtturm im Hintergrund. Aus einer weiteren Perspektive lag die „Mein Schiff 7“ festgemacht am Kai, umgeben von anderen Schiffen und Hafengebäuden. Carlexander las den Slogan. Briemma sah zu den vollen Decks. „Das Wohlfühlen ist heute offenbar gemeinschaftlich organisiert.“

Zwischen all den Schiffen erschien schließlich ein Kellner auf dem sonnigen Schiffsdeck, einen Teller mit Brötchen und Snacks in der Hand. Im Hintergrund gingen Passagiere am Geländer entlang oder standen im Gespräch zusammen. Es war der passende Nachsatz zum ausgedehnten Frühstück: Selbst wenn der Hafen bereits die ganze Aufmerksamkeit beanspruchte, blieb die Versorgung zuverlässig in Bewegung. Carlexander sah dem Teller nach. Briemma hob nur leicht die Augenbrauen. Damit war auch diese organisatorische Frage abschließend behandelt.

Vom Schiff aus war außerdem zu sehen, dass der Hafen bereits am Abend arbeitete. Vor dem klaren blauen Wasser standen Teile eines großen Bühnenaufbaus, dazwischen Lkw, Zelte und Container. Touristische Kulisse und technische Vorbereitung lagen ohne Übergang nebeneinander. Wo später das Konzert stattfinden sollte, wurde noch getragen, gestellt und eingerichtet. Carlexander betrachtete den Aufbau mit wachsendem Interesse. „Jetzt bitte keine Ablaufplanung“, sagte Briemma. „Ich wollte nur die Lage verstehen.“ – „Natürlich.“

Der weitere Blick zeigte den Hafen von Málaga, die Küstenstadt und Berge im Hintergrund. Das große Gebäude mit der Aufschrift „Puerto de Málaga“ gab dem Ort die nötige Eindeutigkeit; daneben blieb die entstehende Bühne sichtbar. Am Morgen war sie noch Konstruktion, am Abend sollte sie Konzertgelände sein. Für Carlexander und Briemma genügte zunächst die Aussicht vom Schiff: angekommen, versorgt und rechtzeitig darüber informiert, dass dieser Tag seine größte Lautstärke noch vor sich hatte.

2026-05-19 – Tag 1: Abflug ab Düsseldorf und Checkin NH Hotel Calderon

2026-05-19 – Tag 1: Abflug ab Düsseldorf und Checkin NH Hotel Calderon

Reiseepisode

2026-05-19 – Tag 1: Abflug ab Düsseldorf und Checkin NH Hotel Calderon

Tag 1 · 2026-05-19

Um vier Uhr morgens hat die Welt noch diese beleidigte Ruhe, in der selbst ein Taxi vermutlich erst einmal die Augen aufschlagen muss. Carlexander stand mit gepacktem Blick und höflicher Verzweiflung am Rand des Tages, als man ihn versetzt hatte und kurzerhand Plan B bestellen musste. Briemma sah das mit jener stillen Überlegenheit, die nur Katzen beherrschen, wenn sie schon längst verstanden haben, dass Organisation oft vor allem ein Gerücht ist. „Also doch der Notruf des Reiseglücks“, murmelte Carlexander. „Wenn das Glück schläft, klingeln wir es eben wach“, sagte Briemma trocken. Und tatsächlich: Das lokale Taxiunternehmen Gauels, dessen Chef persönlich den Schlaf abgebrochen hatte, rettete den Auftakt mit einer Art nächtlicher Professionalität, die fast schon wieder verdächtig war.

Am Flughafen kam die Erleichterung dann nur in kleinen Portionen, fast wie ein Service, der sich ebenfalls verspäten wollte. Gerade so eingetroffen, drängte sich alles in dieses schmale Fenster zwischen „noch nicht verloren“ und „besser nicht darüber reden“. Der Koffer- Drop-Off war an diesem Morgen kein Komfortmerkmal, sondern reine Schadensbegrenzung mit freundlichem Gesicht. Last Minute hatte man sich anders vorgestellt, aber wenigstens musste niemand ausgerufen werden, was im Grunde schon als kleine Form von Würde durchging. Carlexander zupfte die Brille zurecht und meinte: „Ich hätte gern ein Abenteuer mit mehr Puffer.“ Briemma hob nur eine Braue. „Puffer ist für Menschen mit Freizeit.“

Im Flugzeug selbst wurde die Welt dann auf ihre stillere Version reduziert: Luft, Abstand, Blick nach draußen. Unter uns lagen die Berge in dunklem Grün, mit Tälern, Schatten und den weit entfernten Schneekuppen, die das Ganze größer wirken ließen, als es jede Bordansage je könnte. Zwei Heißluftballons schwebten winzig über der Landschaft, als hätten sie sich heimlich in die falsche Geschichte verirrt. Carlexander sah lange hinunter und sagte dann: „Immerhin bewegt sich hier etwas mit Stil.“ Briemma nickte knapp. „Und ohne Boarding-Drama.“

Später auf dem Tablett vor Carlexander stand eine kleine, fast absurde Feierlichkeit des Reisens: Tomatensaft im Pappbecher, Franz Josef Rauch in der Flasche, Salz, Pfeffer, ein Snickers und Wasser daneben. Luxus Snack über den Wolken, hieß das wohl, oder wenigstens eine sehr entschlossene Interpretation davon. Früher war mehr Business Class, hätte man sagen können, aber Carlexander fand auch an dieser bescheidenen Kombination noch etwas Trostreiches. „Das ist also Premium mit Bodenhaftung“, sagte er. Briemma probierte den Anblick und antwortete: „Wer fliegt, sollte keine aristokratischen Ansprüche an das Tablett stellen.“

Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Reiseszene im Flugzeug
Reiseszene im Flugzeug
Reiseszene im Flugzeug
Reiseszene im Flugzeug
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Kabinen oder Zimmeransicht
Kabinen oder Zimmeransicht
Modernes Bad in der Suite
Modernes Bad in der Suite
Koffer vor der Kabinentür
Koffer vor der Kabinentür
Kabinen oder Zimmeransicht
Kabinen oder Zimmeransicht
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant

Unterdessen lag Barcelona schon als Hafenbild in der Ferne und wirkte mit seinen Kreuzfahrtschiffen, der breiten Wasserfläche und den in Dunst gehüllten Hügeln wie ein Ort, der genau weiß, wie man Ankunft inszeniert. Die großen Schiffe lagen nebeneinander, als hätten sie sich gegenseitig Platz gemacht für die richtige Menge Fernweh. Carlexander betrachtete die Küste und meinte: „Das ist also das maritime Versprechen der Reise.“ Briemma sah auf die Stadt, die sich unter den Wolken duckte, und sagte: „Oder ihre sehr teure Fußnote.“ Es war kein lauter Hafen, eher einer mit Haltung.

Als dann auf dem Bildschirm die Wetterlage für Barcelona erschien, wurde selbst das Wetter zum kleinen Organisationskommentar: 17 Grad, meist bewölkt, später nur teilweise Sonne, leichter Wind. Nichts Dramatisches, nichts, was sich für große Heldensätze eignen würde. Gerade deshalb passte es so gut zu diesem Tag. Carlexander las die Prognose und sagte: „Also freundlich, aber nicht aufdringlich.“ Briemma antwortete: „Wie ein Gastgeber mit guter Erziehung.“ So nüchtern konnte Reiseplanung auch sein, wenn man ihr nur lange genug beim Denken zusah.

Das Hotelzimmer nahm die Ankunft dann mit jener stillen Selbstverständlichkeit auf, die gute Räume haben, wenn sie nicht behaupten, mehr zu sein als sie sind. Das Bett lag ordentlich und weiß im Zentrum, die rote Sitzgelegenheit setzte einen einzigen entschiedenen Akzent, als hätte jemand dem Raum gesagt, er brauche wenigstens ein bisschen Charakter. Carlexander trat ein, sah das alles an und schwieg einen Moment. „Nett“, sagte er schließlich, was bei ihm ungefähr einem kleinen Festakt entspricht. Briemma strich den Blick über das Gepflegte und Ruhige und meinte: „Ein Zimmer, das sich nicht aufdrängt. Das ist selten genug, um fast luxuriös zu wirken.“

Im Bad ging es genauso weiter: klare Linien, Glas, dunkle Wand, weißes Handtuchheizteil, alles sauber und modern, als hätte man die Müdigkeit des Tages bereits wegdesignt. Es war ein Raum für das rasche Wiederzusammensetzen, nicht für große Posen. Carlexander blickte in den Spiegelrand, als wolle er prüfen, ob der Tag ihm schon etwas von der Würde abverlangt habe. „Zum Frischmachen reicht es“, sagte er. Briemma nickte auf den kühlen Stein und den leeren Glanz hin. „Mehr verlangt ein guter erster Reisetag ja auch nicht. Vor allem nicht nach vier Uhr morgens.“

Der Koffer stand schließlich vor der Kabinentür, als hätte er beschlossen, den Rest des Tages einfach vor dem Zimmer zu warten statt darin. Daneben lag die stille Gewissheit, dass Reisen immer auch aus kleinen Übergaben besteht: von Hand zu Hand, von Ort zu Ort, von Mühe zu Unterkunft. Carlexander sah den Koffer an und sagte: „Ich mag Gepäck, das sich nützlich verhält.“ Briemma erwiderte: „Warte nur, bis es wieder abholt werden will.“ Es war ein Bild von Ankunft, aber auch eines von provisorischer Ordnung, und genau darin lag seine Wahrheit.

Ein offener Schrank mit Safe und den restlichen Hotelutensilien setzte diese Wahrheit fort, nur ohne jede Romantik. Hier wurde nicht erzählt, hier wurde verstaut. Der dunkle Safe saß im Schrank wie ein kleiner, unbestechlicher Beamter, darunter die Tasche mit dem unschuldig klingenden Namen, der so tut, als sei jedes Haus ein kuratierter Lebensstil. Carlexander musterte das Fach und sagte: „Sicherheit ist also auch nur ein Möbelstück mit Meinung.“ Briemma lächelte schmal. „Solange die Meinung verschlossen bleibt, ist mir das recht.“

Oben auf der Terrasse öffnete sich Barcelona dann mit einer anderen Geste: nicht als Hotelkulisse, sondern als Stadt aus Dächern, Türmen und Altertum, mit der markanten Kuppel und der Statue darüber, die den Blick sofort festhielten. Der Himmel war freundlich genug, um das Ganze nicht zu weichzuzeichnen. Carlexander blieb am Geländer stehen und sagte leise: „Jetzt wird es endlich nach Barcelona aussehen.“ Briemma stützte sich leicht auf den Gehstock und antwortete: „Und wir dürfen dabei so tun, als hätten wir das von Anfang an gelassen geplant.“ Frisch machen oder nonchalant restaurieren, um durch die Stadt zu schlendern – beides klang plötzlich vernünftig.

Als die Aussicht noch weiter aufging, wurde das Nebeneinander von alt und neu in Barcelona deutlicher: historische Fassaden, moderne Terrassen, das große Dachbild der Stadt und in der Ferne die spitzen Türme, die fast schon so taten, als gehörten sie zur nächsten Etappe eines sehr langen Gedächtnisses. Dieser Blick war kein Endpunkt, eher eine höfliche Einladung. Carlexander sah hinüber und sagte: „Man könnte bleiben und alles von oben erklären.“ Briemma schüttelte den Kopf. „Oder man geht hinunter und sieht, ob die Stadt unten genauso gut vorbereitet ist.“ So oder so war dies der Moment, an dem der erste Reisetag endgültig in den zweiten überging.

2026-05-19 – Tag 1: Barcelona Rooftop Bar und Pool im NH Hotel Calderon

2026-05-19 – Tag 1: Barcelona Rooftop Bar und Pool im NH Hotel Calderon

Reiseepisode

2026-05-19 – Tag 1: Barcelona Rooftop Bar und Pool im NH Hotel Calderon

Tag 1 · 2026-05-19

Nach dem Stadtrundgang wirkte das NH Hotel Calderon wie die vernünftige Antwort auf alles, was Barcelona tagsüber an Temperatur, Tempo und Menschenmenge so mitbringt. Oben auf dem Rooftop lag noch dieser späte Nachmittag, an dem es nicht ganz voll ist und man mit der stillen Zuversicht auf zwei Liegen wartet, als hätte man das Leben für einen Moment freundlich überholt. Carlexander sah über die Stadt, als müsse er erst prüfen, ob der Ausblick auch wirklich bezahlt wurde. „Zwei Liegen“, sagte er trocken, „eine für die Erholung, eine für die Würde.“

Der Pool darunter glitzerte breit und kühl, und genau das war der Punkt: ein bester Rooftop Pool mit Super Ausblick, der sich nicht damit aufhielt, warm zu sein. Das Wasser sah so einladend aus, wie ein Pflichttermin eben aussieht, und vermutlich war es deshalb richtig. Die Stadt lag dicht unter der Glaslinie, darüber ein Himmel, der alles etwas größer machte, als es auf Karten je wirkt. Briemma stellte ihre Einschätzung knapp neben die Wasserkante: „Sehr schön. Sehr kalt.“ Carlexander nickte, als hätte er genau das bestellt.

Später hatte Carlexander den besten Platz gefunden, um einfach den Ausblick zu genießen: nicht aktiv, nicht eilig, nur mit dieser leicht erschöpften Eleganz eines Katers, der weiß, dass man gute Entscheidungen nicht laut ankündigen muss. Hinter dem Glas stand sogar „ELEVEN BCN“, als hätte die Stadt selbst beschlossen, den Blick mit einem Etikett zu versehen. Carlexander ließ die Ohren leicht sinken und murmelte: „Wenn man schon über den Dächern sitzt, kann man wenigstens so tun, als wäre alles geplant.“

Die Karte am Tisch machte dann den unvermeidlichen Teil des Abends auf: Signature-Cocktails, Signature-Mocktails, alles sorgfältig aufgelistet, alles mit dieser höflichen Prise Überforderung, bei der man plötzlich mehr Optionen hat als innere Klarheit. „Die Qual der Wahl“, sagte Briemma und strich mit dem Blick über die Seite, als könne man sich durch Disziplin an die richtige Mischung heranarbeiten. Carlexander klappte die rote Brille ein wenig höher und meinte: „Ein Menü wie dieses ist kein Angebot. Es ist ein Charaktertest.“

Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Dessert auf dem Teller
Dessert auf dem Teller

Dasselbe galt auch ohne Alkohol, nur mit anderer Beleuchtung der Vernunft. Die Hausauswahl wirkte auf dem Papier fast ebenso selbstbewusst wie der Abendhimmel über Barcelona, und für einen Moment schien es vernünftig, die Entscheidung einfach an die Laune abzugeben. Doch Briemma nahm den Plan B genau so ernst wie den ersten Plan und las die alkoholfreie Seite mit derselben Ruhe, mit der andere eine Bilanz prüfen. „Man kann auch ohne Nebenwirkung anstoßen“, sagte sie. Carlexander hob den Blick. „Das ist der Geist einer zivilisierten Terrasse.“

Am Ende landete auf dem Tisch genau das, was ein guter Rooftop-Nachmittag braucht: ein Mai Tai für Carlexander, ein Magic Blaster für Briemma und zwei kleine Schalen, die sehr entschieden signalisierten, dass niemand hier nur aus Versehen blieb. Das Anstoßen auf einen erholsamen Urlaub hatte etwas angenehm Unpathetisches; die Gläser taten, was Gläser tun sollen, und der Blick über die Stadt blieb größer als jede Formulierung dafür. „Na also“, sagte Carlexander. „Jetzt ist der Tag offiziell gerettet.“

Die kleine Willkommens-Fruchtplatte im Zimmer kam später wie eine höfliche Erinnerung daran, dass ein Reisetag nicht nur aus Poolrand und Barkarte besteht. Kiwi, Melone, Erdbeeren, Orange, ein paar Blaubeeren und diese sorgfältige, fast zu feierliche Anrichtung machten aus dem Nachmittagsrest einen ruhigen Übergang. Man zog sich um, nahm das Ganze mit dem Ernst, den so ein erster Abend verdient, und bereitete sich darauf vor, unten im Hotelrestaurant Tablafina den Tag sauber zu beschließen. Briemma betrachtete die Früchte und sagte nur: „Das ist also der freundliche Teil des Betriebs.“ Carlexander antwortete: „Und hoffentlich nicht der letzte.“

So wurde aus dem Dach über Barcelona eine Abfolge kleiner, sehr brauchbarer Wahrheiten: erst Aussicht, dann Wasser, dann Karte, dann Gläser, dann Ruhe. Das Jahr 2026 hatte an diesem 19. Mai gerade erst angefangen, sich als Reise zu verkleiden, und der erste Tag machte nicht den Fehler, zu viel zu versprechen. Er bot Wärme, Schatten, eine kalte Wasserkante und die sichere Gewissheit, dass ein Hotel mit Rooftop-Bar und Pool manchmal schon reicht, um den Abend in Ordnung zu bringen. „Kein schlechter Auftakt“, sagte Briemma, als sie Richtung Restaurant aufbrachen. Carlexander blieb einen Schritt dahinter und nickte nur. Das war in seinem Fall beinahe überschwänglich.

2026-05-19 – Tag 1: Besuch des Restaurants Tablafina im Hotel

2026-05-19 – Tag 1: Besuch des Restaurants Tablafina im Hotel

Reiseepisode

2026-05-19 – Tag 1: Besuch des Restaurants Tablafina im Hotel

Tag 1 · 2026-05-19

Der erste Abend beginnt mit einer dieser kleinen Hotelfallen, die sich nicht wie eine Falle anfühlen, solange die Beleuchtung warm genug ist. Das Tablafina, klein und fein an das NH Hotel Calderon angeschlossen, lädt nicht mit großem Pathos ein, sondern mit der stillen Gewissheit, dass man hier schon irgendwie etwas findet. Wenn man schon mal da ist, kann man ja auch was aussuchen. Der Menüzettel wirkt dabei fast wie ein freundlicher Befehl aus dem Halbdunkel: einfach von allem etwas, nichts geht über Tapas Style.

Carlexander ließ den Blick über die geordnete Seite gleiten, als würde sich in den Spalten eine bessere Welt verbergen. Briemma meinte nur trocken: „Wenigstens muss man hier keine Entscheidung für das ganze Leben treffen.“ Das klang vernünftig genug, also wurde bestellt, was nach Abwechslung roch und nach Küche, die sich nicht wichtig nehmen musste. Genau diese Mischung hat oft die besseren Abende im Gepäck, auch wenn sie sich zunächst wie bloße Organisation tarnt.

Der Espresso kam als kleines, dunkles Finale, sauber auf dem Teller, mit dem Löffel daneben und einem Zuckerpäckchen, das demonstrativ so tat, als gehöre alles zu einer besseren Ordnung. Wohlverdient, hieß es still, und genau so schmeckte er auch: nicht spektakulär, aber notwendig. Carlexander hob die Tasse leicht an und murmelte: „Jetzt sind wir offiziell im Teil des Abends angekommen, in dem die Vernunft weniger laut wird.“ Briemma nickte, schon halb bei ihrem eigenen Frieden mit dem Tag.

Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Dessert auf dem Teller
Dessert auf dem Teller
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Reiseszene mit zwei Katerfiguren
Reiseszene mit zwei Katerfiguren
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch

Zum Dessert lag dann dieses süß klebrige Schokonougat da, als hätte sich jemand vorgenommen, das Wort Nachklang wörtlich zu nehmen. Ein kleiner, dunkler Abschluss auf dem Teller, der nichts erklären musste und gerade deshalb Wirkung hatte. Süß, zäh, ein bisschen übergriffig auf die angenehme Art. „Sehr nett von der Küche, uns den Ernst des Tages so diskret zu verkleben“, sagte Briemma. Carlexander schob die Brille zurecht und antwortete: „Das ist nicht Dessert. Das ist ein diplomatischer Friedensschluss.“

Draußen über der Terrasse wurde Barcelona stiller, dunkler und schließlich so ruhig, dass selbst der Himmel nur noch aus einem schmalen Mond und verstreuten Lichtern bestand. Der Abend schloss sich nicht spektakulär, sondern mit jener weiten, milden Ruhe, die man erst bemerkt, wenn man schon fast aufsteht. Über dem Wasser lag diese letzte Helligkeit, die nicht mehr Tag und noch nicht ganz Nacht ist. Das passt erstaunlich gut zu einem ersten Reisetag, der sich erst sortieren musste und dann doch etwas sehr Gelassenes fand.

Später blieb von der Stadt nur noch die Nachtansicht, die sich von oben besser aushalten ließ als von unten. Briemma war nach dem langen Tag bereits seelig weggeschlummert, als hätte sie den vernünftigen Teil des Abends einfach vorgezogen. Carlexander hingegen bewunderte die Skyline bei Nacht mit der Gravität eines Katers, der sich weigert, dem Schlaf recht zu geben. „Du schaust schon wieder, als würdest du die Stadt erziehen wollen“, murmelte Briemma im Halbschlaf. „Nein“, sagte er. „Ich prüfe nur, ob sie sich benimmt.“

Die Flasche Mas Doix LEs Crestes 2024 stand schließlich im Licht wie ein kleines, ernst gemeintes Versprechen. Intensives Kirschrot, rote Früchte, ein Hauch Eiche, dazu Frische und Struktur – die Art von Wein, die nicht laut wird und deshalb genau ins Haus passt. Sehr angenehm und lecker, traf unseren Geschmack, und man merkte schnell, dass die Tafel an diesem Abend nicht auf große Gesten aus war, sondern auf gutes Gleichgewicht. Carlexander hob das Glas und sagte knapp: „Cheers.“ Briemma lächelte nur, was bei ihr ungefähr dasselbe war wie ein ausformuliertes Einverständnis.

Am Ende wurde dann doch noch tapasausgiebig zugeschlagen, mit Sardinen, die sich als die besten öligen Sardinen bisher in Erinnerung drängten, und mit dieser zufriedenen Geräuschkulisse, die entsteht, wenn niemand mehr so tut, als würde er nur probieren. Tapas, Tapas, Tapas, Schmatz – der Abend hatte seinen eigenen, leicht salzigen Kommentar gefunden. Die Teller leerten sich, die Form blieb elegant, und das war vermutlich das eigentliche Geheimnis dieses kleinen Restaurants: Es nahm den Hunger ernst, aber nie sich selbst.

2026-05-20 – Tag 2: Barcelona Fitnessraum und Spa Erkundung

2026-05-20 – Tag 2: Barcelona Fitnessraum und Spa Erkundung

Reiseepisode

2026-05-20 – Tag 2: Barcelona Fitnessraum und Spa Erkundung

Tag 2 · 2026-05-20

Nach dem Mittagessen und dem Eissorbet hatten wir eigentlich nur vor, den Rest des Tages an uns vorbeiziehen zu lassen. Aber das Schiff hatte andere Pläne: erst lockte die Café Crema Bar mit ihrer stillen Ordnung aus Glas, Torten und kleinen Versuchungen, dann stellte sich uns Abdi so freundlich vor, als wäre das hier nicht ein schwimmendes Haus der Verführungen, sondern eine ganz normale Nachbarschaft.

Carlexander blieb vor der Auslage stehen, hob die rote Brille einen Hauch an und sagte: „Wenn schon Bewegung, dann bitte in Richtung Gebäck.“ Briemma musterte die schokoladigen Vorräte mit jener Ruhe, die nur Katzen haben, wenn sie längst entschieden haben, dass man sich nicht beeilen muss. Abdi grinste, als hätte er den Satz bis zum Ende der Reise schon fest verplant, und plötzlich gehörte sein Name zu den wenigen Dingen, die an diesem Tag erstaunlich verlässlich waren.

Hinter der Bar lag der Hafen in hellem Tageslicht, aber die Ruhe im Raum war von einer anderen Sorte: geschniegelt, kühl, fast feierlich. Draußen zogen die Schiffe und die Kaimauern ihre eigene Geschichte durch den Blick, drinnen war alles auf Zurückhaltung gebaut. Carlexander nickte in Richtung Wasser und sagte trocken: „Sehr passend. Man trinkt hier offenbar mit Aussicht auf die Welt, nicht auf sie hinunter.“

Ein wenig später standen wir schon in jener rauchigen Whisky-Lounge, die einladend wirkte, selbst wenn man, wie wir, keinen Sinn für Rauch entwickelt hat. Die dunklen Wände, die alten Fotografien und das gedämpfte Licht machten aus dem Raum einen Ort für Menschen mit Zeit und Geschichten. Briemma ließ den Blick durch den stillen Salon wandern und meinte: „Elegant. Aber auch eindeutig ein Raum, in dem niemand fragt, ob man noch einen Kaffee möchte.“

Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Kabinen oder Zimmeransicht
Kabinen oder Zimmeransicht
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Bühnenauftritt mit Publikum
Bühnenauftritt mit Publikum
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Blick über das Meer
Blick über das Meer

Im luxuriösen Humidor war die Auswahl an Zigarren beachtlich, akkurat und beinahe ehrfürchtig präsentiert. Carlexander schaute hinein wie in ein Schaufenster für Gewohnheiten, die andere Leute vermutlich entspannend finden. „Beachtlich“, murmelte er, „ist ein Wort, das oft dann kommt, wenn man höflich bleiben will.“ Briemma nickte nur und tippte mit dem Gehstock leicht auf den Boden, als würde sie die Sortierung mit einem stillen Urteil versehen.

Dann öffnete sich das Schiff wieder zum Licht, und draußen wirkte der Hafen fast wie ein zweites Deck, nur mit mehr Kranen, mehr Wasser und weniger Ansprüchen. Die Lounge mit Blick aufs Meer war leer genug, um großzügig zu wirken, und gleichzeitig so ordentlich, dass man unwillkürlich leiser sprach. „Wenn man schon auf See ist“, sagte Carlexander, „dann wenigstens mit Fensterplatz zur Wirklichkeit.“

In der hellen Lounge begegneten wir dem nächsten freundlichen Kellner, der mit einer Selbstverständlichkeit arbeitete, als hätte er die Ruhe persönlich erfunden. Es war einer dieser kleinen, fast unauffälligen Dienste, die einen Tag auf dem Schiff zusammenhalten. Briemma sagte nur: „Hier versteht man Service als leises Versprechen.“ Carlexander wiederum hielt das für verdächtig, aber angenehm.

Die Showküche sah vielversprechend aus, auch weil sie gleich ihre zweite Rolle mitlieferte: Bühne für Workshops, Ort der kulinarischen Versuchung und, wie wir schnell merkten, ein Platz für unaufdringlich aufdringliche Werbetafeln. Wir waren jedoch zum Essen und nicht zum Kochen hier, und schon gar nicht zum Spontankurs für Ehrgeiz. Carlexander las die Hinweise kurz, zog eine Augenbraue hoch und sagte: „Das nennt man wohl Einladung mit Nachdruck.“

Am Tisch stand das servierte Gericht so ordentlich, dass selbst die Versuchung einen Moment lang Disziplin lernte. Nebenan standen die Tafeln für Workshops weiter da, höflich und hartnäckig zugleich, als wollten sie mit dem Dessert um Aufmerksamkeit ringen. Briemma ließ sich davon nicht beeindrucken. „Es ist immer ein gutes Zeichen“, meinte sie, „wenn ein Teller mehr Charakter hat als ein Werbeschild.“

Zwischendurch fiel unser Blick auf den dicht beschriebenen Küchenplan, auf diese kleine kulinarische Landkarte der Reise. Barcelona, Marseille, Portofino, Livorno, Villefranche-sur-Mer, At Sea: Es war eine feine Art, Erwartungen zu bündeln und mit Reservierungspflicht zu versehen. Carlexander betrachtete die Liste und sagte: „Das ist kein Menü. Das ist ein Kalender mit Ambitionen.“

Oben auf dem Deck wirkte das Schiff noch stiller als sonst, obwohl überall Plätze für Sonne und Pause bereitstanden. Die Liegen lagen sauber in Reihen, als warteten sie auf Gäste mit einer besseren Beziehung zur Mittagshitze als wir sie pflegen. „Erstaunlich leer“, stellte Briemma fest, „selbst für ein Schiff, das nicht groß ist.“ Carlexander nickte. „Leerheit ist manchmal der wahre Luxus.“

Am Bug fanden wir den Helios Pool, dieses kleine Erholungsplätzchen, das so viel verspricht, wenn niemand die Liegen schon mit einer stillen Vormerkung belegt hat. Eine kurze Nachfrage beim Kellner reichte, und schon kam jemand und räumte die belegten Plätze auf. Das war eine dieser Situationen, in denen Service nicht laut wird, sondern einfach wirksam. Carlexander sah zu und sagte nur: „Organisation kann, wenn sie will, beinahe zärtlich sein.“

Der Blick über das Wasser zeigte, wie nah Hafen und Reise beieinander lagen. Das Schiff stand ruhig, aber der Tag hatte noch Bewegung in sich, und das Meer nahm alles mit derselben Gelassenheit auf, mit der es schon den Vormittag getragen hatte. Briemma lehnte sich leicht auf ihren Gehstock und meinte: „Es ist eines dieser Schiffe, die selbst im Stillstand so tun, als wüssten sie genau, wohin sie gehören.“

Auch das Heck mit dem Astern Pool hatte diese Mischung aus Ruhe und gepflegter Anordnung, die das Schiff so konsequent durchzog. Das Wasser, die Linien, die Liegen: Alles schien für Menschen gebaut, die nicht nach Drama suchen, sondern nach einem guten Platz ohne Eile. Carlexander blickte darüber hinweg und sagte: „Der wahrscheinlich ehrlichste Teil der ganzen Anlage ist, dass man hier einfach sitzen darf.“

Der Deckweg zog sich hell und offen bis zum Horizont, und eine einzelne Person in Weiß ging dort entlang, als gehöre sie zur Mechanik des Tages. Wir blieben kurz stehen und sahen ihr nach, ohne etwas Wichtiges daraus machen zu wollen. Nicht alles braucht eine Pointe; manchmal genügt ein ruhiger Gang über Holz, Licht und Luft.

Weiter hinten lag das Schiff wieder erstaunlich leer da, mit den offenen Flächen, der blauen Spur und den Liegen, die wie sauber gesetzte Kommas im Satz des Nachmittags wirkten. Der Hafen mit seinen Kränen erinnerte daran, dass wir immer noch zwischen Ankunft und Aufbruch schwebten. Carlexander sagte: „Ein Schiff ist dann am besten, wenn es genug Platz für Stillstand hat.“

Im kleinen Wellnessbereich wurde dieses Prinzip noch einmal überprüft. Nicht groß, aber ordentlich, nicht spektakulär, aber brauchbar, und mit genau jener Wärme, die man nach einem Landspaziergang schätzt, wenn die Knochen höflich auf ihre Existenz hinweisen. Briemma fand das durchaus ausreichend. „Kein Palast“, sagte sie, „aber ein verlässlicher Ort, um wieder menschlich, oder in unserem Fall katzenwürdig, zu werden.“

Beim servierten Gericht kam noch einmal diese Mischung aus Maß und Aufmerksamkeit durch, die das Essen an Bord so unaufgeregt machte. Nichts drängte sich auf, aber alles war so gesetzt, dass man sich willkommen fühlen konnte. Carlexander kostete mit Blick auf den Hafen und befand: „Das ist genau die Sorte Mittag, die nicht nach Aufmerksamkeit ruft und sie trotzdem bekommt.“

Der Astern Pool am Heck war schließlich eines dieser kleinen Highlights, die man nicht erst erklären muss, wenn man sie einmal gesehen hat. Das Wasser lag ruhig, die Fläche war offen, und der Blick dahinter weit genug, um den Tag größer wirken zu lassen. Briemma sagte: „Manchmal ist der beste Ort auf einem Schiff einfach der, an dem nichts Eiliges passiert.“

Ein paar Schritte weiter stand wieder eine dieser kleinen Bars, mit ihren superfreundlichen Kellnern und dem Talent, selbst einen kurzen Halt wie eine kleine Etappe wirken zu lassen. Die Freundlichkeit war nicht geschniegelt, sondern selbstverständlich, und genau das machte sie so angenehm. Carlexander nickte dem Tresen zu: „Manche Orte leben von ihrer Aussicht. Diese hier leben zusätzlich von Menschen, die nicht unnötig kompliziert sind.“

Kaum hatten wir die indoor fitnesshalle betreten, spurtete schon ein Personal Trainer auf uns zu, freundlich, engagiert und mit jener Unbeirrtheit, die nur im Sportbereich wirklich herzlich wirkt. Er empfahl die unterschiedlichsten Trainings, als gäbe es hier für jeden Muskel einen eigenen guten Vorsatz. Ich musste leider wegen der bevorstehenden OP verzichten, und Briemma formulierte es höflich genug für zwei: „Heute lieber nicht. Der Körper hat bereits genug zu tun.“

Für Sport war trotzdem gesorgt, und zwar in einer Form, die eher nach Sponsoring und Präsentation als nach zufälliger Begeisterung aussah. Wer Gewichte stemmt, ist hier eindeutig richtig, und auch die weiteren Geräte luden zum Training ein, falls man das will und nicht gerade innerlich über die Vorzüge eines Sessels verhandelt. Carlexander sah die Anlage an und meinte trocken: „Es gibt Menschen, die reisen, um sich zu bewegen. Und es gibt uns.“

Die nächste Station lag draußen, wo die sportliche Fläche mit Netz, Platz und weitem Blick mehr nach Schiff als nach Fitnessstudio aussah. Der Trainer war auch hier nicht weit, und kaum waren wir in Reichweite, wurde aus dem freundlichen Rundgang fast schon ein kleines Verkaufsargument für Bewegung. „Unaufdringlich aufdringlich“, murmelte Briemma, „das ist offenbar die bevorzugte Tonart dieser Reise.“

Die Geräte standen bereit, der Hafen lag hinter dem Glas, und alles wirkte so ordentlich, dass man fast vergessen konnte, wie wenig Lust man selbst auf Ehrgeiz hatte. Im Sonnenlicht des Decks war das Ganze immerhin schön anzusehen, selbst wenn wir innerlich längst beschlossen hatten, lieber Zuschauer als Athleten zu bleiben. Carlexander stellte die entscheidende Frage: „Kann man Fitness auch elegant ignorieren?“

Zurück im Innenbereich landeten wir wieder dort, wo Politur und Ruhe sich an den Kanten der Gläser sammelten. Die Auslage mit den kleinen Gebäcken wirkte wie eine höfliche Belohnung für alle, die sich nicht im Namen der Gesundheit überanstrengt hatten. Genau dort hat man dann plötzlich Zeit für den Nachmittagskaffee an der Crema Bar, und zwar mit jener stillen Selbstverständlichkeit, die jede vernünftige Reise irgendwann einfordert.

Die Café-Auswahl machte den Eindruck, als wolle sie sagen: Hier darf man schwanken, hier darf man sitzen bleiben, hier darf man auch nach dem Sport doch lieber Süßes wählen. Das war vermutlich der Moment, in dem der Tag sein Gleichgewicht fand. Briemma nahm die Ordnung der Gläser und Teller zur Kenntnis und sagte: „Das hier ist die freundlichste Kapitulation des Nachmittags.“

So wurde die Crema Bar für uns zu einem festen Ritual während der Reise, nicht weil wir uns besonders diszipliniert verhielten, sondern gerade weil wir es nicht taten. Zwischen Gebäck, Kaffee und den ruhigen Bewegungen hinter der Theke lag etwas angenehm Verlässliches. Carlexander hob die Tasse und meinte: „Rituale sind nichts anderes als gute Gewohnheiten mit besserem Licht.“

Und dann kam der Vanilla Iced Latte für Carlexander, sehr zu empfehlen, wie sich schnell herausstellte. Der kalte, helle Kaffee passte überraschend gut zu einem Nachmittag, der zwischen Bewegung, Aussicht und leichter Erschöpfung schwankte. Carlexander kostete, schloss kurz die Augen und sagte: „Das ist kein Getränk. Das ist ein triftiges Argument.“

Schließlich führte uns der Weg noch einmal ans Deck, als wollten wir uns vergewissern, dass der Tag wirklich draußen enden durfte. Das Meer lag ruhig, und die Vorabenderkundung hatte genau die richtige Mischung aus Müdigkeit und Vorfreude. Briemma blieb am Geländer stehen, sah über das Wasser und sagte leise: „Jetzt darf der Abend kommen.“

Vor dem Gang ins Wellness-Reservat fiel unser Blick noch auf einen kleinen Spa-Bereich, der nett genug war, um nach dem Landspaziergang die Knochen zu wärmen, aber eben nicht so groß, dass man darin sofort die Orientierung verlor. Das war kein Fehler, eher eine ehrliche Begrenzung. Nur die Werbung für Exklusivitätspakete war wieder da, höflich lächelnd und doch erstaunlich ausdauernd. Carlexander fasste es zusammen: „Klein, brauchbar, und begleitet von dem leisen Wunsch, dass man doch bitte mehr bezahlt.“

Die Ruhezone mit den Liegen war daraufhin fast schon ein freundlicher Gegenentwurf zur ganzen Reisebewegung. Man sah sofort, dass sie für Erholung gebaut war, nicht für große Ansprüche oder spektakuläre Versprechen. Briemma betrachtete die Form der Sitz- und Liegemöbel und stellte fest: „Wenn man schon entspannen soll, dann gern ohne dekorativen Zirkus.“

Zum Abschluss fanden wir uns noch im Sauna- und Wärmbereich wieder, wo Holz, Wärme und die einfache Logik eines Eimers mit Kelle alles auf das Wesentliche reduzierten. Kein Theater, keine Inszenierung, nur Stille und der Hinweis, dass hier jemand an Erholung gedacht hatte. Carlexander blickte in den warmen Raum und sagte mit seinem üblichen Understatement: „Das ist vermutlich der Teil des Tages, der am wenigsten erklärt werden will.“

2026-05-20 – Tag 2: Barcelona Pool Bar mit guter Cocktail Karte

2026-05-20 – Tag 2: Barcelona Pool Bar mit guter Cocktail Karte

Reiseepisode

2026-05-20 – Tag 2: Barcelona Pool Bar mit guter Cocktail Karte

Tag 2 · 2026-05-20

Am zweiten Tag in Barcelona hatte der Weg zur Suite nicht viel von einem direkten Weg. Er führte zuerst vorbei und durch das Buffett Restaurant Emporium Marketplace, als hätte jemand beschlossen, die kleinste Versuchung gleich auf dem Weg zur nächsten Entscheidung zu platzieren. Draußen lag das Wasser ruhig, das Schiff wirkte groß und sachlich, und zwischen Deck und Horizont stand diese Art von Tageslicht, die alles etwas zu ehrlich macht. Carlexander blieb kurz stehen, Briemma nickte nur, wie man es tut, wenn man weiß, dass ein guter Aperitif manchmal eher eine Organisationsfrage als ein Geschmackserlebnis ist. „Nur kurz schauen“, sagte er. „Natürlich“, antwortete sie. „Das sagen die Leute immer, bevor sie anfangen zu vergleichen.“

Am Emporium Marketplace war die Auswahl jedenfalls so umfangreich, dass aus dem geplanten kurzen Stopp sofort eine kleine Prüfung wurde. Eine Cocktailkarte wie ein Argumentenkatalog, sauber, kühl, mit einer solchen Bandbreite an Namen, dass selbst der Katerblick kurz ins Schleudern kam. Reserved Martini, Spicy Margarita, Fashion Colada, alles ordentlich aufgereiht, als wolle die Karte beweisen, dass Entscheidungsschwäche hier nicht als Mangel, sondern als Service verstanden wird. Carlexander las, Briemma sah über die Randlinie der Seite, und beide fanden den Punkt, an dem man nicht mehr wählt, sondern nur noch würdevoll verzögert. „Das ist gefährlich“, murmelte er. „Das ist Premium“, sagte sie trocken.

Je länger wir in dieser Auswahl standen, desto mehr wurde klar, dass die eigentliche Aktivität nicht das Bestellen war, sondern das höfliche Scheitern daran, es schnell zu tun. Die nächste Karte machte es nicht einfacher. Timeless Favourites, After-Dinner, Gin, Vodka, alles in einer Sprache, die gleichzeitig nach Barabend und stillem Verwaltungsakt klang. Hände hielten die Seiten offen, jemand mit rotem Nagellack stützte das Ganze, und das Licht fiel so schräg auf das Papier, als wolle es die Entscheidung zusätzlich dramatisieren. Carlexander beugte sich näher, Briemma blätterte mit dieser ruhigen Zuversicht, die nur Katzen haben, wenn sie längst wissen, dass sie gleich recht behalten werden. „Wenn wir das noch länger ansehen, brauchen wir einen zweiten Cocktail nur für die Konzentration“, sagte er. „Dann sind wir auf gutem Kurs“, antwortete sie.

Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch

Die Barkarte selbst wurde danach noch einmal breiter, fast schon großzügig im Übermaß. Rum, Tequila, Whisky, Scotch, Bourbon, Cognac, Armagnac, Calvados — alles da, sauber sortiert, als hätte jemand die Welt in Spirituosen unterteilt und für jeden Abschnitt einen Preis drangehängt. Eine Hand zeigte auf Grappa di Barolo, und genau an diesem Punkt war die Lage endgültig nicht mehr rein kulinarisch, sondern strategisch. Man stand vor einer Auswahl, die nicht nach Eile aussah, sondern nach jemandem, der Zeit hat und es genau weiß. „Das ist kein Getränkekarte mehr“, sagte Carlexander, „das ist ein Lebensentwurf.“ Briemma hob die Augenbraue. „Dann nimm einen kleinen.“

Als wir schließlich bei Grappa, Vermouth, Wein und den alkoholfreien Alternativen ankamen, war die Sonne so hell, dass selbst das Papier fast zu sauber wirkte. Die Karte zeigte sich von ihrer besten, fast überfürsorglichen Seite: ein bisschen Italien, ein bisschen Hafenluft, ein bisschen internationale Selbstsicherheit. Wieder diese Finger, wieder das zarte Zögern, und wieder der Eindruck, dass sich an Bord jede Entscheidung erst einmal setzen darf, bevor sie tatsächlich getroffen wird. „Was ist heute der Plan?“, fragte Briemma. „Etwas, das nicht nach Verzicht aussieht“, sagte Carlexander. Sie lächelte knapp. „Dann bist du bei Cocktails besser aufgehoben als bei Prinzipien.“

Am Ende wurden die Gläser doch voll, und die Szene verlagerte sich an die Bar, wo die Flaschen in ordentlichen Reihen standen und die Reflexe auf der Fläche so glatt waren, dass man fast seine eigenen Zweifel darin hätte spiegeln können. Ein pinker Drink stand schon bereit, daneben ein leeres, geprägtes Glas, als würde auch das zweite noch auf seinen Auftritt warten. Es war dieser typische Moment, in dem ein Getränk nicht einfach serviert wird, sondern die Stimmung mitbringt und sich dann benimmt, als gehöre es schon immer dazu. Carlexander betrachtete das Glas eine Sekunde zu lange. „Sieht besser aus, als ich mich fühle“, sagte er. „Das ist meistens das richtige Verhältnis“, meinte Briemma. Der Barkeeper sagte nichts; auch das passte.

Später stand das servierte Gericht auf dem Tisch, und plötzlich bekam der ganze Umweg durch die Karten und Gläser eine vernünftige Mitte. Nicht viel Lärm, kein großes Zeremoniell, nur ein Teller im richtigen Licht, nach einem Nachmittag, der sich elegant um die Frage gedreht hatte, was man eigentlich zuerst will: den Drink, die Aussicht oder den kleinen Trost, dass beides hier offenbar ernst genommen wird. Carlexander sah auf den Teller, dann auf das Wasser draußen, dann wieder auf Briemma. „Das war jetzt fast diszipliniert“, sagte er. „Fast“, erwiderte sie und nahm den eleganten Schlussstrich mit einer Ruhe, die jede Barkarte sofort respektiert hätte.

2026-05-20 – Tag 2: CheckIn und betretetn der Explora I und Cove Residence

2026-05-20 – Tag 2: CheckIn und betretetn der Explora I und Cove Residence

Reiseepisode

2026-05-20 – Tag 2: CheckIn und betretetn der Explora I und Cove Residence

Tag 2 · 2026-05-20

Mittags ging es vom Hotel Calderon hinüber zum Schiff, und obwohl der Weg nicht weit war, fühlte er sich an wie ein kleiner Ausflug durch Barcelonas Geduld. Die Stadt hatte offenbar beschlossen, uns nicht einfach ziehen zu lassen: voll war es, und unser Uber kam verspätet genug, um an der Bordsteinkante eine leicht komödiantische Unterhaltung mit dem Sicherheitschef und dem Concierge anzuschieben. Sprachbarrieren sind ja meistens nur das höfliche Wort für ein gemeinsames Schulterzucken.

Am Terminal zeigte sich dann sofort, dass Größenverhältnisse eine Frage der Vorjahreserfahrung sind. Die Explora lag elegant am eigenen MSC Terminal, und ich musste unwillkürlich an die Relax vom letzten Jahr denken, die viermal so groß war und wahrscheinlich schon aus Prinzip anders atmete. Hier wirkte alles kompakter, fast beinahe bescheiden, was auf einem Kreuzfahrtschiff natürlich nur eine vorübergehende menschliche Verwechslung sein kann.

Der Empfang mit den Suiten Hosts war erstaunlich entspannt, und während andere am normalen Schalter länger warteten, als es einem lieb sein kann, wurden wir schon freundlich aufgenommen. Sanal begrüßte uns absolut perfekt, Anthony unterstützte mit der Sorte Herzlichkeit, die nicht fragt, ob man Hilfe braucht, sondern davon ausgeht, dass man sie inzwischen verdient hat. Selbst der Empfangskellner reichte den Champagner mit einem Strahlen, als hätte er persönlich die Sonne organisiert.

Während Sanal uns die ersten Gepflogenheiten an Bord erklärte, inklusive des kurzen Sicherheitsbriefings an der Musterstation, setzte sich dieses Gefühl von ordentlicher Überwältigung fort. Nicht laut, nicht aufdringlich, eher so, wie Luxus eben wirkt, wenn er nicht nach sich selbst ruft. Ich nickte also würdevoll und fragte mich insgeheim, ob hier irgendwo ein unsichtbarer Regisseur sitzt, der auf jedem Schritt ein wenig zu viel Gelassenheit verteilt.

Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Digitale Projektion im Dinner Raum
Digitale Projektion im Dinner Raum
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Kabine mit Blick aufs Wasser
Kabine mit Blick aufs Wasser
Gefüllter Kühlschrank in der Kabine
Gefüllter Kühlschrank in der Kabine
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Bühnenauftritt mit Publikum
Bühnenauftritt mit Publikum
Modernes Bad in der Suite
Modernes Bad in der Suite
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kabinen oder Zimmeransicht
Kabinen oder Zimmeransicht
Gefüllter Kühlschrank in der Kabine
Gefüllter Kühlschrank in der Kabine

Dann öffnete sich unsere Suite, die Cove Residence, und ich verzeihe an dieser Stelle alles, was ich je leichtfertig als Balkonkabine bezeichnet habe. Der Aufenthaltsbereich ist so groß wie auf anderen Schiffen die gesamte Kabine, und der erste Blick in den Raum fühlte sich an, als hätte jemand die Idee von Platz ernst genommen. Briemma blickte sich nur kurz um und sagte trocken: „Das ist also der Teil, in dem man so tut, als wäre man zufällig an Bord.“

Das Schlafzimmer war getrennt, groß und mit Kofferschutz aufgeschlagen, als habe man uns bereits erwartet, bevor wir es selbst taten. Es war kein Raum, der sich anstrengte; er war einfach da, still, ordentlich und bereit zum Ruhen. Ich bemerkte, dass auf einem Schiff sogar die Ruhe eine bessere Adresse bekommt als anderswo.

Und dann die kleinen Aufmerksamkeiten, die vielleicht doch die großen sind: Champagner, Schokolade und eine Atmosphäre, die im Stillen sagte, dass hier niemand an der falschen Ecke sparen wollte. Der gefüllte Kühlschrank und die sorgsam arrangierten Kleinigkeiten machten den Aufenthalt sofort runder, fast so, als würde man nicht nur ankommen, sondern bereits mitgedacht werden. „Das ist gefährlich“, murmelte Briemma, „man gewöhnt sich an so etwas schneller, als einem lieb ist.“

Weniger poetisch, aber durchaus ehrlich war der Hinweis auf die Zusatzmöglichkeiten, mit denen man überall und nicht ganz unauffällig zum Ausgeben animiert wurde. Der kleine Wehmutstropfen blieb, auch wenn er dem Gesamteindruck nur am Rand etwas Luft nahm. Luxus kann eben vieles elegant lösen, aber nicht die alte Gewohnheit, an jeder schönen Stelle noch einen Preisschildschatten zu werfen.

Auf dem Balkon wurde das Bild dann wieder ruhig. Der Blick über das Wasser und die Kreuzfahrtschiffe lag klar vor uns, und der Balkon war riesig genug, dass Daybed und Tisch nicht wie Zubehör, sondern wie eine Haltung wirkten. Selbst bei einem Schiff, das offenbar nicht voll war, fühlte sich dieser Ort an wie ein sehr überzeugender Plan für die nächsten Stunden.

Der Whirlpool wirkte zunächst ein wenig furchteinflößend, nicht wegen des Wassers, sondern wegen seiner besonderen Selbstverständlichkeit. Briemma sah ihn an, als habe sie einen schlecht erzogenen Gedanken entdeckt, und meinte nur: „Den brauchen wir nie.“ Spoiler: Wir haben ihn täglich genutzt, und ich nehme an, der Whirlpool hat diesen Meinungswechsel mit der Würde eines sehr gut bezahlten Möbelstücks hingenommen.

Im Bad setzte sich der Eindruck fort, dass hier alles eher in Suite-Dimensionen gedacht worden war als in gewöhnlichen Kabinenlogiken. Modern, klar, mit den richtigen Flächen und der Art von Glanz, die nicht schreit, sondern still darauf besteht, dass man heute bitte vernünftig beeindruckt ist. Ich wusch mir die Hände und hatte den Verdacht, dass selbst das Wasser hier etwas mehr Stil besitzt.

Am Ende war selbst der Blick nach draußen kein bloßer Ausblick, sondern Teil dieser eigenartigen Großzügigkeit. Der Balkon blieb riesig, das Daybed bequem, und die ruhig schaukelnde Umgebung machte es leicht, sich einzurichten, als wäre man für längere Zeit genau hier vorgesehen. Nicht schlecht für einen Tag, der eigentlich mit einem verspäteten Uber und einer sprachlich improvisierten Begrüßung begonnen hatte.

Der Whirlpool blieb dabei der leicht unheimliche Mittelpunkt der Diskussion, besonders weil Briemma mit der ihr eigenen Trockenheit meinte, man brauche den bei all den Pools ohnehin nie. Ich sah später noch einmal hinaus und musste zugeben, dass der Ort eine Art stille Verführung ausübte: Man möchte ihn nicht sofort, aber irgendwann dann doch. Und natürlich mit Badekleidung, denn da draußen filmte die ein oder andere Kamera aus Sicherheitsgründen die Bordwand, was romantisch nur klingt, wenn man nicht zu genau hinsieht.

Auch der Service um die Minibar war von dieser Sorte perfekter Aufmerksamkeit, bei der man nur ankreuzen muss, was man möchte, und der Rest sich wie von selbst erledigt. Perfekt, dachte ich, und zugleich ein kleines bisschen gefährlich für Menschen mit schwachem Willen und guter Laune. Explora versteht offenbar, dass Bequemlichkeit immer dann am besten funktioniert, wenn sie diskret daherkommt und trotzdem alles möglich macht.

Später wartete das Bordprogramm auf uns, nebst der Explora-Tote-Bag, die seitdem in Benutzung ist und damit schon einen erstaunlich nützlichen Lebenslauf vorweisen kann. Der Abend hatte nichts Hastiges mehr; er legte sich eher über den Tag wie ein sorgfältig gefalteter Stoff. Und irgendwo zwischen dem ersten Eindruck und dem langsamen Einrichten war klar geworden, dass dieser Einstieg nicht laut sein musste, um zu bleiben.

Zum Schluss sorgte auch der Snack-Hunger für seine eigene kleine Form von Fürsorge, täglich ausgewechselt und für uns getestet, als müsse man die Bordlogik erst durch Probieren bestätigen. Wir machten uns wieder fertig und läuteten mit einem kleinen Hüngerchen den Mittag auf dem Schiff ein, was in einem besseren Roman vermutlich als schlichte Geste durchginge. In Wirklichkeit ist es aber genau diese Art von Detail, an der man merkt, dass ein Tag auf See nicht nur aus Orten besteht, sondern aus sehr gut eingestellten Zwischenräumen.