2025-04-16 – Tag 9: Kathedrale am Meer mit Bergen im Hintergrund

Reiseepisode

2025-04-16 – Tag 9: Kathedrale am Meer mit Bergen im Hintergrund

Tag 9 · 2025-04-16 · Palma de Mallorca

Am Hafen von Palma de Mallorca bekam der neunte Reisetag noch einmal eine großzügige Perspektive. Über dem Meer erhob sich die gotische Kathedrale, dahinter lagen die Berge unter blauem Himmel, während vorne ein Segelboot durch das Bild zog. Carlexander betrachtete die Abstufung aus Wasser, Architektur und Höhenzug mit der müden Würde eines Reisenden, der wusste, dass seine eigene Bildordnung später deutlich weniger souverän aussehen würde. „Das ist erfreulich eindeutig“, sagte er. Briemma hob nur leicht den Gehstock. „Warte das nächste Foto ab.“

Schon der zweite Blick verschob die Gewichte. Nun rückten Hafen und dichte Bebauung stärker ins Bild, die Kathedrale stand eingebunden in die Stadt, und über den Bergen lag ein bewölkter Himmel. Ein Segelboot und die Wasserlinie hielten immerhin die Verbindung zum ersten Motiv. Es war dieselbe Umgebung, aber keine Wiederholung: einmal große Kulisse am Meer, einmal historische Architektur als Teil eines dicht besetzten Stadtrands.

Carlexander versuchte kurz, beide Ansichten nach Licht, Blickwinkel und architektonischer Wirkung zu sortieren. Briemma ließ ihn gewähren, bis aus einem Reiseeindruck beinahe ein Ablagesystem geworden war. „Du könntest auch einfach hinschauen“, sagte sie. Das tat er dann. Die Kathedrale blieb stehen, die Berge ebenfalls, und der Hafen kam auch ohne seine methodische Unterstützung zurecht.

Der Übergang vom Hafen zum Essen war weniger feierlich, aber äußerst wirksam. Zuerst kam eine cremige Fischsuppe, sorgfältig mit Krabbenklüften und frischem Dill angerichtet. Der Teller wirkte präzise, ohne den Eindruck zu erwecken, man müsse vor dem ersten Löffel eine Bedienungsanleitung lesen. Nach Stein, Wasser und Bergen war das eine überschaubare Anordnung, und Carlexander begegnete ihr mit jener Konzentration, die bei ihm gelegentlich für kulturelles Interesse gehalten wurde.

Danach folgte das Lobster Dinner: Hummerzehen auf einem runden weißen Teller, daneben grünes Gemüse in einem kleinen Topf und eine gebackene Kartoffel in einer Schale. Im Hintergrund standen Wasser, Wein und Brot bereit. Carlexanders Blick blieb einen Moment am gefüllten Weinglas hängen. „Rein zur Einordnung“, sagte er. Briemma antwortete ruhig: „Natürlich. Flüssige Dokumentation.“ Damit war das Thema ausreichend gewürdigt.

Das nächste Gericht verzichtete ebenfalls auf Zurückhaltung. Ein Steak lag auf einem Oktopusarm, darunter cremiges Risotto; warme Farben und eine betont genaue Präsentation machten aus drei kräftigen Bestandteilen eine bemerkenswert geordnete Konstruktion. Carlexander betrachtete sie kurz von oben, als ließe sich klären, welcher Teil hier organisatorisch die Führung übernommen hatte. Briemma begann bereits zu essen. Pragmatismus ist auch deshalb effizient, weil er selten auf ein abschließendes Diagramm wartet.

Zum Schluss erschien ein Dessert auf einem großen Teller: Schokoladensoße, eine cremige Masse im Zentrum und dekorative Blätter und Kräuter ringsum. Glas, Löffel und Gabel hielten sich am Rand bereit, während die Anrichtung noch einmal zeigte, wie viel Präzision auf einer begrenzten Fläche möglich ist. Der Tag hatte damit den Weg von monumentaler Architektur zu sorgfältig gesetzten Dessertdetails genommen. Beides stand fest an seinem Platz; nur bei einem davon war vorgesehen, dass dieser Zustand nicht lange anhielt.

Später lag der Hafen unter einem dunkelblauen Nachthimmel. Die Promenade war beleuchtet, dahinter zeichneten Gebäude- und Straßenlichter das städtische Ufer nach; einzelne Sterne waren ebenfalls sichtbar. Nach den konzentrierten Tellern wirkte die Szene weiter und ruhiger, ohne leer zu sein. Carlexander und Briemma blickten über das Hafenbecken, während die Lichter eine Ordnung behaupteten, die tagsüber zwischen Wasserlinie, Bebauung und Verkehr weniger deutlich gewesen war.

Entlang der Küste setzte sich die beleuchtete Stadt fort. Ihre Spiegelungen standen auf dem ruhigen Wasser, bis ein vorbeifahrendes Boot Bewegung in die Fläche brachte. „Da geht deine Ordnung“, sagte Briemma. Carlexander sah dem Boot nach. „Sie war ohnehin nur vorläufig.“ Das war für seine Verhältnisse eine bemerkenswert entspannte Einschätzung und vermutlich der passende Zustand für einen Abend, an dem nichts mehr kategorisiert werden musste.

Im letzten Blick lagen zahlreiche Yachten still an ihren Anlegern. Über dem beleuchteten Hafenbecken erhob sich ein Hügel; darauf hob sich ein angestrahltes, historisch wirkendes Gebäude von der Dunkelheit ab, ohne dass es näher bestimmt werden musste. Straßen- und Gebäudelichter zogen sich durch die Umgebung, dahinter blieben die Berge als dunkle Begrenzung. So endete Palma nicht mit einer großen Erklärung, sondern mit Wasser, Licht und festgemachten Booten. Carlexander ließ es dabei bewenden. Briemma ebenfalls, was die Sache endgültig machte.

2025-04-16 – Tag 9: Mittag in Palma de Mallorca

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2025-04-16 – Tag 9: Mittag in Palma de Mallorca

Tag 9 · 2025-04-16 · Palma de Mallorca

Palma begann für Carlexander und Briemma mit jener Ansicht, die keinen weiteren Zuständigkeitsnachweis braucht: La Seu erhob sich hinter Steinmauer und Wassergraben, davor Promenaden, junge Bäume und Menschen, die gingen, saßen oder den Vormittag ohne erkennbare Eile verwalteten. Mit jedem Schritt wechselte die Kathedrale ihre Kontur; einmal dominierten Turm und gotisches Dach, dann der angrenzende Palast mit Arkaden und Zinnen. Auf der gepflasterten Promenade stand ein Tourist im weißen T-Shirt mit der Aufschrift „THE END“. „Das wäre früh“, sagte Briemma. Carlexander hielt es vorsichtshalber nur für eine textile Meinungsäußerung.

Hinter der großen Kulisse wurde Palma kleinteiliger. Ein klassisches Gebäude mit Säulen und Bögen bekam durch die Palme im Vordergrund beinahe Konkurrenz, während wenige Straßen weiter eine goldfarbene Bitcoin-Münze zwischen Anhänger und blau besetztem Ring in einer Schmuckauslage lag. Carlexander betrachtete die Kombination aus Kryptowährung und Schutzkapsel mit professioneller Skepsis. Gelbe Fassaden, Balkone und Fensterläden führten weiter durch die Altstadt; selbst ein Schild des Hard Rock Cafe Mallorca fügte sich dort ein, als hätte es einen historischen Antrag gestellt. Im Gewürzschaufenster hingen rote Chilis und Knoblauch über sauber gereihten Dosen.

Ein schwarz-weißes Wandgemälde zeigte einen Mann, umringt von drei Kindern, unmittelbar neben einem Straßenpfeiler voller Aufkleber. Kurz darauf lag die Basilika de Sant Miquel im Strom der Altstadtstraße, an der Menschen vorbeigingen, stehen blieben und miteinander sprachen. Palma hielt sakrale Steinarchitektur und Straßenbilder ohne Übergangsmoderation nebeneinander: Auf einem geschlossenen Metalltor erschien Tupac Shakur mit Tränenspur unter dem großen Schriftzug „TUPAC“. Wenig später versammelten sich Passanten mit Kameras um eine rostige Motorradstatue samt Figur. „Ein konsequenter Rundgang“, sagte Briemma. „Nur das Thema wechselt alle dreißig Meter.“

Zwischendurch öffnete sich die Stadt wieder zum Hafen. Über dem Meer lag Palma als breite Häuserfläche, aus der La Seu deutlich herausragte; ein alter Steinturm stand zwischen Palmen und modernen Gebäuden unter inzwischen bewölktem Himmel. Im Hafen lagen ein großes Kreuzfahrtschiff und ein kleineres Schiff ruhig am Anleger. Danach führte der Weg erneut an schweren Steinbauten vorbei, begleitet von Besuchern und erhobenen Mobiltelefonen. Die reich verzierte Kathedralfassade mit Rosettenfenster, Skulpturen, Säulen und Portal verlangte einen längeren Blick, bevor eine enge Gasse aus Sandsteinfassaden, Balkonen und Fensterläden das Blickfeld wieder auf Fußgängermaß reduzierte.

Vor einem gotischen Gebäude wehten drei Flaggen zwischen Säulen und Zinnen; am sonnigen Rathaus gingen Menschen vorbei oder saßen auf den Stufen. Gleich danach zeigte ein Haus im Stil des Modernisme farbige Mosaiken und kunstvolle Balkone, mit einem historischen Lampenpfosten davor. Palma wirkte hier nicht wie eine ordentlich sortierte Epoche, sondern wie ein gut belegtes Archiv, in dem jede Straße eine andere Mappe öffnete. Am Ende dieses Abschnitts hingen erneut getrocknete Chilis an Holzleisten, diesmal mit kleinen Papieretiketten. Carlexander sah darin ein verlässliches Leitsystem. Briemma sah darin Gewürze. Beides brachte sie zur Markthalle.

Vor dem Markt lag noch ein Kircheninneres auf dem Weg: gewölbte Decke, Fresken, Holzaltäre und ein prächtiger Altar, flankiert von Christusfiguren und betrachtet von Besuchern. Danach änderte sich die Form der Andacht merklich. Geräucherte Schinkenhälften hingen an Metallbügeln über einem Schild mit der Aufschrift „Ecologico“, während eine lange Theke Sushi-Rollen, Nigiri und weitere japanische Speisen zeigte; zwei Personen arbeiteten dahinter an der Zubereitung. Gleich daneben lagen Garnelen, Krabben und Tintenfische auf Eis, versehen mit roten Preisschildern. Palma hatte den Übergang vom Altar zur Auslage erstaunlich nüchtern organisiert.

Die Fleischstände folgten mit verschiedenen Zuschnitten, Schildern und Kundschaft, die entweder kaufte oder prüfend betrachtete. Geräucherte Würste hingen an Haken über einer gefüllten Vitrine, während an einem anderen Stand Käse im Vordergrund und ein großes Stück Schinken auf einem Holzbrett lagen. Carlexander versuchte kurz, das Angebot nach Produktgruppen zu erfassen. „Du musst hier nichts inventarisieren“, sagte Briemma. Also gingen sie weiter zu mallorquinischen Oliven, die offen am Stand angeboten wurden, und zu einem Olivenladen, in dessen Schaufenster verschiedene Sorten und Snacks lagen, während eine Mitarbeiterin hinter der Theke stand.

Im Fischbereich wurde die Markthalle lauter und unmittelbarer. Große Tintenfische, Muscheln und Krabben lagen auf Eis; Kunden und Verkäufer sprachen über die Auslagen hinweg, andere Besucher zogen mit Einkaufskörben durch die Gänge. Dazwischen stand eine Bäckereivitrine voller Torten, Brötchen, Kekse und weiterem Gebäck, jedes Stück mit sichtbarem Preis versehen. Dann wieder Fisch: ein Thunfischkopf im Eisbehälter, dahinter weitere Fischteile und Kräuter, anschließend zwei große Fische auf einem Eisblock, die Mäuler geöffnet. Briemma betrachtete sie kurz. „Die wirken ähnlich überrascht wie du.“ Carlexander widersprach nicht.

Das Austernmenü brachte wieder Ordnung in die Sache. Fine de Claire, Speciale de Claire und Galician standen mit Preisen auf dem Blatt, ergänzt durch Varianten mit Flamme, Shiso-Mango-Vinaigrette sowie Maracuja, grünem Anis und rosa Pfeffer. Auf dem roten Tisch lagen die geöffneten Austern mit Zitronenscheiben; daneben standen ein Glas Wein und eine Flasche Sauce. Ein weiterer Blick zeigte den Teller noch einmal aus der Nähe, bevor ein Kühlschrank mit frischen Austern und Champagnerflaschen unter dem Schriftzug „HUITRES AIME“ die Produktkette vollständig machte. Carlexander nannte das Informationsbeschaffung. Briemma nannte es Mittagessen.

Der Rückblick auf das Frühstück wirkte dagegen beinahe diszipliniert: Croissant mit Butter, dazu Erdbeeren, Ananas, Kiwi, Drachenfrucht und Rambutan. „So lob ich mir das Frühstück“, sagte Carlexander mit der müden Würde eines Katers, der wenige Stunden später vor Austernkarten stand. Weil am Wechseltag der Passagiere die Decks sehr voll waren, hatten Carlexander und Briemma den ruhigeren Platz auf dem Balkon gewählt. Die moderne Sonnenliege auf der Holzterrasse und der kleine Beistelltisch lieferten dafür alles Nötige. Briemma stellte ihren Gehstock neben sich ab. Manchmal bestand gute Reiseplanung vor allem darin, nicht dort zu sein, wo gerade alle waren.

Die Markthalle verabschiedete sie nicht leise. Eine Person im schwarzen Koch-Outfit hielt eine Flamme an ein Gericht auf einem orangefarbenen Tablett, beobachtet von einer weiteren Person und mehreren Besuchern zwischen den Warenregalen. Danach führte der Weg wieder hinaus auf gepflasterte Straßen, über denen hohe Bäume Schatten warfen. Menschen gingen am Rand entlang oder blieben stehen, während traditionelle Gebäude den Hintergrund bildeten. Ein historisches Haus mit Steinfront, mehreren Balkonen und Holzläden stellte die gewohnte Ruhe wieder her. Carlexander fand das angemessen. Briemma meinte, er bevorzuge Fassaden grundsätzlich, solange sie nichts flambierten.

Auf dem Blumenmarkt lagen die Farben dichter beieinander als zuvor in den Straßen. Verpackte Sträuße standen in Papier und transparenter Folie, darunter rote Rosen, Lilien und Sonnenblumen; dahinter reihten sich weitere Pflanzen und Dekorationen. Auf dem gepflasterten Platz warteten Hortensien in Rosa, Blau und Lila ordentlich in Pappkartons. Es war kein stilles Arrangement, sondern sichtbar Verkaufsware in einer belebten Stadt. Carlexander betrachtete die präzise Anordnung mit Anerkennung. Briemma verzichtete auf einen Kommentar zu seinem Kontrollreflex. Die Blumen waren bereits ausreichend sortiert und benötigten keine zusätzliche Tabelle.

Wenige Schritte später wurde die Altstadt wieder schmal. Eine dichte grüne Rankpflanze bedeckte eine alte Mauer; davor stand ein hölzerner Pflanzkasten mit Steinen und kleinen Pflanzen in der gepflasterten Gasse. Ein eleganter Innenhof setzte diese ruhige Folge fort: kleiner Steinboden, Pflanzen in Töpfen und Körben, eine Holzbalkendecke und ein Treppenhaus im Hintergrund. Hier war keine sichtbare Handlung nötig. Die Architektur übernahm den Abschnitt selbst. Briemma ging mit ihrem eleganten Gehstock in gleichmäßigem Tempo weiter, während Carlexander den seltenen Zustand akzeptierte, dass ein Ort auch ohne seine Einordnung verständlich blieb.

Dann kamen die Brunnen. Zuerst stand einer mitten im Stadtbild, umgeben von Menschen, historischen Gebäuden, Balkonen und Palmen. Danach folgte ein rechteckiges Becken mit Fontänen in einer gepflegten Parkanlage zwischen Büschen, Bäumen und Blumenbeeten. Ein weiterer Blick verband sprudelndes Wasser und Bäume wieder mit der gotischen Kathedrale im Hintergrund. Neben einem Brunnen wartete außerdem eine Pferdekutsche mit Fahrer; auf einem gepflasterten Platz stand schließlich ein großes Panda-Maskottchen vor Steinmauer und Bäumen, während eine Person am Rand saß. Palma hatte damit auch den Bereich unerwarteter Reisebeobachtungen vollständig abgedeckt.

Zum Schluss öffnete sich der Blick noch einmal weit. Vor blauem Himmel und hellen Wolken stand die gotische Kathedrale über dem türkisfarbenen Meer, dahinter zeichneten sich Berge ab. Die letzte Küstenansicht nahm Hafen, ruhiges Wasser, Stadt und ein historisch wirkendes Gebäude zusammen, ohne das mögliche Bauwerk näher festzulegen. Carlexander sah zurück auf einen Mittag aus Steinportalen, Marktständen, Austern, Blumen, Brunnen und einem Panda, der keine weitere Erklärung angeboten hatte. „Hast du alles erfasst?“, fragte Briemma. „Nein“, sagte Carlexander. Für Palma war das vermutlich die realistischste Form eines Abschlusses.

2025-04-17 – Tag 10: Sonnenuntergang am Hafen

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2025-04-17 – Tag 10: Sonnenuntergang am Hafen

Tag 10 · 2025-04-17 · Palma de Mallorca

Am zehnten Reisetag blieb in Palma de Mallorca noch dieser eine Blick über den Hafen. Vor der langen Mole lag ruhiges Wasser, dahinter standen Stadt und Berge unter einem klaren Himmel mit wenigen flauschigen Wolken. Die Sonne sank, ohne daraus eine Veranstaltung zu machen. Carlexander sah hinaus und bemühte sich um müde Würde, während sich Wehmut, eine kleine Tränendrüse und ein Lächeln erstaunlich problemlos denselben Moment teilten.

„Ein angemessener Abschluss“, sagte Carlexander. Briemma stützte sich ruhig auf ihren eleganten Gehstock und sah ebenfalls zum Horizont. „Vor allem, weil die nächste Schiffsreise schon gebucht ist.“ Das half. Stars Del Mar wartete bereits im nächsten Monat, mit neuer Tour und voraussichtlich mehr Spaß. Abschied lässt sich deutlich sachlicher ertragen, wenn er im Kalender schon einen Nachfolger hat.

Die Ankunft am Flughafen verlief dank der Organisation von TUI erstaunlich unspektakulär. Es blieb sogar Zeit für einen schnöden, stinknormalen Hot Dog mit Pommes und Coca-Cola Zero. Wobei „normal“ angesichts von Ketchup, Mayonnaise, grünen Salsa-Pfützen und geriebenen Zwiebeln eine großzügige Einordnung war. „Du analysierst dein Essen“, stellte Briemma fest. Carlexander betrachtete das Brötchen. „Ich prüfe nur, ob es einen Plan verfolgt.“

Danach übernahm der Flughafen die Bildregie. Vor einem großen Hangar standen weitere Gebäude, Pflanzen und ein Helikopter auf dem Boden. Kurz darauf war die Maschine deutlicher vor der Hangarstruktur mit der Beschriftung „ALA 49“ zu sehen, dahinter weitere Gebäude und Bäume unter klarem blauem Himmel. Carlexander verfolgte die Szenerie mit jener Aufmerksamkeit, die er technischen Abläufen grundsätzlich entgegenbringt, auch wenn niemand um eine Bewertung gebeten hatte.

Das Flugfeld setzte die nüchterne Ordnung fort: markierte Linien auf dem Boden, eine kleine weiße Gebäudestruktur, Grünflächen und Bäume. Keine erkennbare Handlung, nur Infrastruktur, die wusste, wo sie hingehörte. „Beruhigend für dich“, sagte Briemma. Carlexander nickte. Nach mehreren Tagen auf See wirkte ein sauber markierter Verkehrsweg beinahe wie ein persönliches Entgegenkommen.

Mit zunehmender Höhe wurden aus einzelnen Gebäuden dicht bebaute Stadtflächen. Dahinter lagen grüne Felder, Wiesen und Berge, alles klar und sonnig zu erkennen. Straßen verbanden die Bereiche zu einem Muster, das von oben überzeugend geordnet aussah. Das ist eine besondere Stärke von Luftaufnahmen: Sie lassen selbst komplizierte Gegenden so erscheinen, als hätte irgendwann jemand den Überblick gehabt.

Dann rückte die Küste ins Bild. Das blaue Meer zog sich an den Gebäuden einer Küstenstadt entlang, während im Hintergrund Berge unter klarem Himmel standen. Wenig später öffnete sich die Perspektive auf einen weiteren Küstenabschnitt mit Hafenbereich, bewaldeten Hügeln und Bergen. Von oben wirkte alles ruhig, obwohl unten vermutlich weiterhin Wege, Abfahrten und kleine Alltagsentscheidungen abgearbeitet wurden.

Schließlich lag auch der Hafen noch einmal unter uns. Ein großes Kreuzfahrtschiff lag am Anleger, umgeben von Yachten und Booten; dahinter erstreckte sich die Stadtlandschaft mit Gebäuden und grünen Flächen. Die Mein Schiff Relax wurde damit vom Reiseort wieder zum Bestandteil einer größeren Ansicht. Carlexander sah hinunter. „Jetzt ist es wirklich vorbei.“ Briemma blieb pragmatisch: „Für diesen Monat.“

So endete die TUI Taufreise der Mein Schiff Relax nicht mit großer Geste, sondern mit einem Sonnenuntergang, einem bemerkenswert belegten Hot Dog und einem letzten Blick aus der Luft. Palma de Mallorca wurde kleiner, der Hafen blieb noch einen Moment sichtbar, und die nächste Reise stand bereits fest. Das war genug Wehmut für einen Tag und zugleich eine brauchbare Aussicht: Stars Del Mar im nächsten Monat. Neue Tour, mehr Spaß.

2025-04-09 – Tag 2: Ankunft in Malaga

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2025-04-09 – Tag 2: Ankunft in Malaga

Tag 2 · 2025-04-09 · Málaga

Der zweite Reisetag begann mit Málaga am Horizont und einer Frage, die an Bord offenbar längst beantwortet war: Wie viel Inszenierung verträgt ein Frühstück? Ziemlich viel. Zwischen Cracker-Verpackungen stand ein Käsebild mit Sternen und blau-grauem Hintergrund, darauf ein stilisierter Sänger samt Mikrofon – als Robbie Williams angekündigt und damit bereits deutlich näher am Abendprogramm als Carlexander. Er betrachtete das Werk mit müder Anerkennung. „Andere schnitzen Blumen.“ Briemma nickte. „Blumen haben selten ein Konzert.“

Von der Käsekunst führte der Weg zur Wokstation, wo offene Schalen mit Fleisch und frischem Gemüse bereitstanden und ein Koch im Hintergrund die Bestellungen zubereitete. Hier war die Lage weniger symbolisch und dafür erheblich praktischer. Carlexander prüfte die Auswahl mit jener Konzentration, die er sonst nur Reiseunterlagen entgegenbrachte. Briemma ließ den Blick über die Schalen wandern. „Du musst das Gemüse nicht inventarisieren.“ – „Ich orientiere mich“, sagte Carlexander. An Bord war das ein vielseitig verwendbarer Begriff.

Am Ende stand ein Teller mit geschmorten Garnelen in würziger Soße, dazu rote Paprika, Zwiebeln und weiteres Gemüse. Der Übergang vom Frühstück zum Mittagssnack war damit nicht exakt geklärt, aber überzeugend angerichtet. Briemma nahm das gelassen hin, während Carlexander noch versuchte, die Mahlzeit zeitlich einzuordnen. Reisen auf einem Kreuzfahrtschiff folgt schließlich einer eigenen Uhr: Entscheidend ist weniger, wie spät es ist, sondern ob gerade etwas serviert wird.

Draußen lag das Meer unter klarem Himmel, die Sonne nahe am Horizont. Hinter dem Schiff zog sich eine helle Fahrspur durch das Wasser und machte sichtbar, dass die Ankunft in Málaga nicht aus Stillstand bestand, sondern aus langsamer Annäherung. Carlexander sah hinaus, noch angenehm beschäftigt vom Essen. Briemma stand ruhig neben ihm. Das Licht war klar, das Meer weit, und für einige Minuten musste niemand entscheiden, ob noch ein weiterer Gang vernünftig wäre.

Dann tauchte ein großes Schiff von Virgin Voyages auf, rot und weiß, mit vielen Decks und Fensterreihen. Kurz darauf folgte das Schiff mit dem Namen „Sonnenschein“, auf dessen Decks sich Passagiere bewegten; dahinter lagen Meer und Berge. Die Begegnungen wirkten wie ein morgendliches Defilee großer schwimmender Häuser. Carlexander beobachtete die Abstände mit professionell wirkender Aufmerksamkeit. „Du steuerst keines davon“, erinnerte Briemma ihn. Das entspannte die Lage nur bedingt.

Mit dem Hafen wurde das Bild dichter. Ein Kreuzfahrtschiff lag am Kai, während Menschen auf einer Brücke ihre Handys hoben und fotografierten. Türkisfarbenes Wasser, klarer blauer Himmel, Pier und grüne Hügel rückten nacheinander ins Blickfeld. Die Schiffe lagen ruhig, doch auf den Decks und an den Aussichtspunkten war Bewegung. Málaga empfing seine Gäste nicht mit großer Geste, sondern mit Sonne, Wasser und erstaunlich vielen gleichzeitig ausgestreckten Armen samt Telefon.

Besonders deutlich zeigte sich die Begegnung der Schwesterschiffe an der „Mein Schiff 7“. Menschen hatten sich auf den Decks versammelt, die Aufschrift „Unvergesslich Wohlfühlen“ war ebenso zu erkennen wie Gebäude und ein Leuchtturm im Hintergrund. Aus einer weiteren Perspektive lag die „Mein Schiff 7“ festgemacht am Kai, umgeben von anderen Schiffen und Hafengebäuden. Carlexander las den Slogan. Briemma sah zu den vollen Decks. „Das Wohlfühlen ist heute offenbar gemeinschaftlich organisiert.“

Zwischen all den Schiffen erschien schließlich ein Kellner auf dem sonnigen Schiffsdeck, einen Teller mit Brötchen und Snacks in der Hand. Im Hintergrund gingen Passagiere am Geländer entlang oder standen im Gespräch zusammen. Es war der passende Nachsatz zum ausgedehnten Frühstück: Selbst wenn der Hafen bereits die ganze Aufmerksamkeit beanspruchte, blieb die Versorgung zuverlässig in Bewegung. Carlexander sah dem Teller nach. Briemma hob nur leicht die Augenbrauen. Damit war auch diese organisatorische Frage abschließend behandelt.

Vom Schiff aus war außerdem zu sehen, dass der Hafen bereits am Abend arbeitete. Vor dem klaren blauen Wasser standen Teile eines großen Bühnenaufbaus, dazwischen Lkw, Zelte und Container. Touristische Kulisse und technische Vorbereitung lagen ohne Übergang nebeneinander. Wo später das Konzert stattfinden sollte, wurde noch getragen, gestellt und eingerichtet. Carlexander betrachtete den Aufbau mit wachsendem Interesse. „Jetzt bitte keine Ablaufplanung“, sagte Briemma. „Ich wollte nur die Lage verstehen.“ – „Natürlich.“

Der weitere Blick zeigte den Hafen von Málaga, die Küstenstadt und Berge im Hintergrund. Das große Gebäude mit der Aufschrift „Puerto de Málaga“ gab dem Ort die nötige Eindeutigkeit; daneben blieb die entstehende Bühne sichtbar. Am Morgen war sie noch Konstruktion, am Abend sollte sie Konzertgelände sein. Für Carlexander und Briemma genügte zunächst die Aussicht vom Schiff: angekommen, versorgt und rechtzeitig darüber informiert, dass dieser Tag seine größte Lautstärke noch vor sich hatte.

2026-05-19 – Tag 1: Abflug ab Düsseldorf und Checkin NH Hotel Calderon

2026-05-19 – Tag 1: Abflug ab Düsseldorf und Checkin NH Hotel Calderon

Reiseepisode

2026-05-19 – Tag 1: Abflug ab Düsseldorf und Checkin NH Hotel Calderon

Tag 1 · 2026-05-19

Um vier Uhr morgens hat die Welt noch diese beleidigte Ruhe, in der selbst ein Taxi vermutlich erst einmal die Augen aufschlagen muss. Carlexander stand mit gepacktem Blick und höflicher Verzweiflung am Rand des Tages, als man ihn versetzt hatte und kurzerhand Plan B bestellen musste. Briemma sah das mit jener stillen Überlegenheit, die nur Katzen beherrschen, wenn sie schon längst verstanden haben, dass Organisation oft vor allem ein Gerücht ist. „Also doch der Notruf des Reiseglücks“, murmelte Carlexander. „Wenn das Glück schläft, klingeln wir es eben wach“, sagte Briemma trocken. Und tatsächlich: Das lokale Taxiunternehmen Gauels, dessen Chef persönlich den Schlaf abgebrochen hatte, rettete den Auftakt mit einer Art nächtlicher Professionalität, die fast schon wieder verdächtig war.

Am Flughafen kam die Erleichterung dann nur in kleinen Portionen, fast wie ein Service, der sich ebenfalls verspäten wollte. Gerade so eingetroffen, drängte sich alles in dieses schmale Fenster zwischen „noch nicht verloren“ und „besser nicht darüber reden“. Der Koffer- Drop-Off war an diesem Morgen kein Komfortmerkmal, sondern reine Schadensbegrenzung mit freundlichem Gesicht. Last Minute hatte man sich anders vorgestellt, aber wenigstens musste niemand ausgerufen werden, was im Grunde schon als kleine Form von Würde durchging. Carlexander zupfte die Brille zurecht und meinte: „Ich hätte gern ein Abenteuer mit mehr Puffer.“ Briemma hob nur eine Braue. „Puffer ist für Menschen mit Freizeit.“

Im Flugzeug selbst wurde die Welt dann auf ihre stillere Version reduziert: Luft, Abstand, Blick nach draußen. Unter uns lagen die Berge in dunklem Grün, mit Tälern, Schatten und den weit entfernten Schneekuppen, die das Ganze größer wirken ließen, als es jede Bordansage je könnte. Zwei Heißluftballons schwebten winzig über der Landschaft, als hätten sie sich heimlich in die falsche Geschichte verirrt. Carlexander sah lange hinunter und sagte dann: „Immerhin bewegt sich hier etwas mit Stil.“ Briemma nickte knapp. „Und ohne Boarding-Drama.“

Später auf dem Tablett vor Carlexander stand eine kleine, fast absurde Feierlichkeit des Reisens: Tomatensaft im Pappbecher, Franz Josef Rauch in der Flasche, Salz, Pfeffer, ein Snickers und Wasser daneben. Luxus Snack über den Wolken, hieß das wohl, oder wenigstens eine sehr entschlossene Interpretation davon. Früher war mehr Business Class, hätte man sagen können, aber Carlexander fand auch an dieser bescheidenen Kombination noch etwas Trostreiches. „Das ist also Premium mit Bodenhaftung“, sagte er. Briemma probierte den Anblick und antwortete: „Wer fliegt, sollte keine aristokratischen Ansprüche an das Tablett stellen.“

Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Reiseszene im Flugzeug
Reiseszene im Flugzeug
Reiseszene im Flugzeug
Reiseszene im Flugzeug
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Kabinen oder Zimmeransicht
Kabinen oder Zimmeransicht
Modernes Bad in der Suite
Modernes Bad in der Suite
Koffer vor der Kabinentür
Koffer vor der Kabinentür
Kabinen oder Zimmeransicht
Kabinen oder Zimmeransicht
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant

Unterdessen lag Barcelona schon als Hafenbild in der Ferne und wirkte mit seinen Kreuzfahrtschiffen, der breiten Wasserfläche und den in Dunst gehüllten Hügeln wie ein Ort, der genau weiß, wie man Ankunft inszeniert. Die großen Schiffe lagen nebeneinander, als hätten sie sich gegenseitig Platz gemacht für die richtige Menge Fernweh. Carlexander betrachtete die Küste und meinte: „Das ist also das maritime Versprechen der Reise.“ Briemma sah auf die Stadt, die sich unter den Wolken duckte, und sagte: „Oder ihre sehr teure Fußnote.“ Es war kein lauter Hafen, eher einer mit Haltung.

Als dann auf dem Bildschirm die Wetterlage für Barcelona erschien, wurde selbst das Wetter zum kleinen Organisationskommentar: 17 Grad, meist bewölkt, später nur teilweise Sonne, leichter Wind. Nichts Dramatisches, nichts, was sich für große Heldensätze eignen würde. Gerade deshalb passte es so gut zu diesem Tag. Carlexander las die Prognose und sagte: „Also freundlich, aber nicht aufdringlich.“ Briemma antwortete: „Wie ein Gastgeber mit guter Erziehung.“ So nüchtern konnte Reiseplanung auch sein, wenn man ihr nur lange genug beim Denken zusah.

Das Hotelzimmer nahm die Ankunft dann mit jener stillen Selbstverständlichkeit auf, die gute Räume haben, wenn sie nicht behaupten, mehr zu sein als sie sind. Das Bett lag ordentlich und weiß im Zentrum, die rote Sitzgelegenheit setzte einen einzigen entschiedenen Akzent, als hätte jemand dem Raum gesagt, er brauche wenigstens ein bisschen Charakter. Carlexander trat ein, sah das alles an und schwieg einen Moment. „Nett“, sagte er schließlich, was bei ihm ungefähr einem kleinen Festakt entspricht. Briemma strich den Blick über das Gepflegte und Ruhige und meinte: „Ein Zimmer, das sich nicht aufdrängt. Das ist selten genug, um fast luxuriös zu wirken.“

Im Bad ging es genauso weiter: klare Linien, Glas, dunkle Wand, weißes Handtuchheizteil, alles sauber und modern, als hätte man die Müdigkeit des Tages bereits wegdesignt. Es war ein Raum für das rasche Wiederzusammensetzen, nicht für große Posen. Carlexander blickte in den Spiegelrand, als wolle er prüfen, ob der Tag ihm schon etwas von der Würde abverlangt habe. „Zum Frischmachen reicht es“, sagte er. Briemma nickte auf den kühlen Stein und den leeren Glanz hin. „Mehr verlangt ein guter erster Reisetag ja auch nicht. Vor allem nicht nach vier Uhr morgens.“

Der Koffer stand schließlich vor der Kabinentür, als hätte er beschlossen, den Rest des Tages einfach vor dem Zimmer zu warten statt darin. Daneben lag die stille Gewissheit, dass Reisen immer auch aus kleinen Übergaben besteht: von Hand zu Hand, von Ort zu Ort, von Mühe zu Unterkunft. Carlexander sah den Koffer an und sagte: „Ich mag Gepäck, das sich nützlich verhält.“ Briemma erwiderte: „Warte nur, bis es wieder abholt werden will.“ Es war ein Bild von Ankunft, aber auch eines von provisorischer Ordnung, und genau darin lag seine Wahrheit.

Ein offener Schrank mit Safe und den restlichen Hotelutensilien setzte diese Wahrheit fort, nur ohne jede Romantik. Hier wurde nicht erzählt, hier wurde verstaut. Der dunkle Safe saß im Schrank wie ein kleiner, unbestechlicher Beamter, darunter die Tasche mit dem unschuldig klingenden Namen, der so tut, als sei jedes Haus ein kuratierter Lebensstil. Carlexander musterte das Fach und sagte: „Sicherheit ist also auch nur ein Möbelstück mit Meinung.“ Briemma lächelte schmal. „Solange die Meinung verschlossen bleibt, ist mir das recht.“

Oben auf der Terrasse öffnete sich Barcelona dann mit einer anderen Geste: nicht als Hotelkulisse, sondern als Stadt aus Dächern, Türmen und Altertum, mit der markanten Kuppel und der Statue darüber, die den Blick sofort festhielten. Der Himmel war freundlich genug, um das Ganze nicht zu weichzuzeichnen. Carlexander blieb am Geländer stehen und sagte leise: „Jetzt wird es endlich nach Barcelona aussehen.“ Briemma stützte sich leicht auf den Gehstock und antwortete: „Und wir dürfen dabei so tun, als hätten wir das von Anfang an gelassen geplant.“ Frisch machen oder nonchalant restaurieren, um durch die Stadt zu schlendern – beides klang plötzlich vernünftig.

Als die Aussicht noch weiter aufging, wurde das Nebeneinander von alt und neu in Barcelona deutlicher: historische Fassaden, moderne Terrassen, das große Dachbild der Stadt und in der Ferne die spitzen Türme, die fast schon so taten, als gehörten sie zur nächsten Etappe eines sehr langen Gedächtnisses. Dieser Blick war kein Endpunkt, eher eine höfliche Einladung. Carlexander sah hinüber und sagte: „Man könnte bleiben und alles von oben erklären.“ Briemma schüttelte den Kopf. „Oder man geht hinunter und sieht, ob die Stadt unten genauso gut vorbereitet ist.“ So oder so war dies der Moment, an dem der erste Reisetag endgültig in den zweiten überging.

2026-05-19 – Tag 1: Barcelona Rooftop Bar und Pool im NH Hotel Calderon

2026-05-19 – Tag 1: Barcelona Rooftop Bar und Pool im NH Hotel Calderon

Reiseepisode

2026-05-19 – Tag 1: Barcelona Rooftop Bar und Pool im NH Hotel Calderon

Tag 1 · 2026-05-19

Nach dem Stadtrundgang wirkte das NH Hotel Calderon wie die vernünftige Antwort auf alles, was Barcelona tagsüber an Temperatur, Tempo und Menschenmenge so mitbringt. Oben auf dem Rooftop lag noch dieser späte Nachmittag, an dem es nicht ganz voll ist und man mit der stillen Zuversicht auf zwei Liegen wartet, als hätte man das Leben für einen Moment freundlich überholt. Carlexander sah über die Stadt, als müsse er erst prüfen, ob der Ausblick auch wirklich bezahlt wurde. „Zwei Liegen“, sagte er trocken, „eine für die Erholung, eine für die Würde.“

Der Pool darunter glitzerte breit und kühl, und genau das war der Punkt: ein bester Rooftop Pool mit Super Ausblick, der sich nicht damit aufhielt, warm zu sein. Das Wasser sah so einladend aus, wie ein Pflichttermin eben aussieht, und vermutlich war es deshalb richtig. Die Stadt lag dicht unter der Glaslinie, darüber ein Himmel, der alles etwas größer machte, als es auf Karten je wirkt. Briemma stellte ihre Einschätzung knapp neben die Wasserkante: „Sehr schön. Sehr kalt.“ Carlexander nickte, als hätte er genau das bestellt.

Später hatte Carlexander den besten Platz gefunden, um einfach den Ausblick zu genießen: nicht aktiv, nicht eilig, nur mit dieser leicht erschöpften Eleganz eines Katers, der weiß, dass man gute Entscheidungen nicht laut ankündigen muss. Hinter dem Glas stand sogar „ELEVEN BCN“, als hätte die Stadt selbst beschlossen, den Blick mit einem Etikett zu versehen. Carlexander ließ die Ohren leicht sinken und murmelte: „Wenn man schon über den Dächern sitzt, kann man wenigstens so tun, als wäre alles geplant.“

Die Karte am Tisch machte dann den unvermeidlichen Teil des Abends auf: Signature-Cocktails, Signature-Mocktails, alles sorgfältig aufgelistet, alles mit dieser höflichen Prise Überforderung, bei der man plötzlich mehr Optionen hat als innere Klarheit. „Die Qual der Wahl“, sagte Briemma und strich mit dem Blick über die Seite, als könne man sich durch Disziplin an die richtige Mischung heranarbeiten. Carlexander klappte die rote Brille ein wenig höher und meinte: „Ein Menü wie dieses ist kein Angebot. Es ist ein Charaktertest.“

Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Dessert auf dem Teller
Dessert auf dem Teller

Dasselbe galt auch ohne Alkohol, nur mit anderer Beleuchtung der Vernunft. Die Hausauswahl wirkte auf dem Papier fast ebenso selbstbewusst wie der Abendhimmel über Barcelona, und für einen Moment schien es vernünftig, die Entscheidung einfach an die Laune abzugeben. Doch Briemma nahm den Plan B genau so ernst wie den ersten Plan und las die alkoholfreie Seite mit derselben Ruhe, mit der andere eine Bilanz prüfen. „Man kann auch ohne Nebenwirkung anstoßen“, sagte sie. Carlexander hob den Blick. „Das ist der Geist einer zivilisierten Terrasse.“

Am Ende landete auf dem Tisch genau das, was ein guter Rooftop-Nachmittag braucht: ein Mai Tai für Carlexander, ein Magic Blaster für Briemma und zwei kleine Schalen, die sehr entschieden signalisierten, dass niemand hier nur aus Versehen blieb. Das Anstoßen auf einen erholsamen Urlaub hatte etwas angenehm Unpathetisches; die Gläser taten, was Gläser tun sollen, und der Blick über die Stadt blieb größer als jede Formulierung dafür. „Na also“, sagte Carlexander. „Jetzt ist der Tag offiziell gerettet.“

Die kleine Willkommens-Fruchtplatte im Zimmer kam später wie eine höfliche Erinnerung daran, dass ein Reisetag nicht nur aus Poolrand und Barkarte besteht. Kiwi, Melone, Erdbeeren, Orange, ein paar Blaubeeren und diese sorgfältige, fast zu feierliche Anrichtung machten aus dem Nachmittagsrest einen ruhigen Übergang. Man zog sich um, nahm das Ganze mit dem Ernst, den so ein erster Abend verdient, und bereitete sich darauf vor, unten im Hotelrestaurant Tablafina den Tag sauber zu beschließen. Briemma betrachtete die Früchte und sagte nur: „Das ist also der freundliche Teil des Betriebs.“ Carlexander antwortete: „Und hoffentlich nicht der letzte.“

So wurde aus dem Dach über Barcelona eine Abfolge kleiner, sehr brauchbarer Wahrheiten: erst Aussicht, dann Wasser, dann Karte, dann Gläser, dann Ruhe. Das Jahr 2026 hatte an diesem 19. Mai gerade erst angefangen, sich als Reise zu verkleiden, und der erste Tag machte nicht den Fehler, zu viel zu versprechen. Er bot Wärme, Schatten, eine kalte Wasserkante und die sichere Gewissheit, dass ein Hotel mit Rooftop-Bar und Pool manchmal schon reicht, um den Abend in Ordnung zu bringen. „Kein schlechter Auftakt“, sagte Briemma, als sie Richtung Restaurant aufbrachen. Carlexander blieb einen Schritt dahinter und nickte nur. Das war in seinem Fall beinahe überschwänglich.

2026-05-19 – Tag 1: Besuch des Restaurants Tablafina im Hotel

2026-05-19 – Tag 1: Besuch des Restaurants Tablafina im Hotel

Reiseepisode

2026-05-19 – Tag 1: Besuch des Restaurants Tablafina im Hotel

Tag 1 · 2026-05-19

Der erste Abend beginnt mit einer dieser kleinen Hotelfallen, die sich nicht wie eine Falle anfühlen, solange die Beleuchtung warm genug ist. Das Tablafina, klein und fein an das NH Hotel Calderon angeschlossen, lädt nicht mit großem Pathos ein, sondern mit der stillen Gewissheit, dass man hier schon irgendwie etwas findet. Wenn man schon mal da ist, kann man ja auch was aussuchen. Der Menüzettel wirkt dabei fast wie ein freundlicher Befehl aus dem Halbdunkel: einfach von allem etwas, nichts geht über Tapas Style.

Carlexander ließ den Blick über die geordnete Seite gleiten, als würde sich in den Spalten eine bessere Welt verbergen. Briemma meinte nur trocken: „Wenigstens muss man hier keine Entscheidung für das ganze Leben treffen.“ Das klang vernünftig genug, also wurde bestellt, was nach Abwechslung roch und nach Küche, die sich nicht wichtig nehmen musste. Genau diese Mischung hat oft die besseren Abende im Gepäck, auch wenn sie sich zunächst wie bloße Organisation tarnt.

Der Espresso kam als kleines, dunkles Finale, sauber auf dem Teller, mit dem Löffel daneben und einem Zuckerpäckchen, das demonstrativ so tat, als gehöre alles zu einer besseren Ordnung. Wohlverdient, hieß es still, und genau so schmeckte er auch: nicht spektakulär, aber notwendig. Carlexander hob die Tasse leicht an und murmelte: „Jetzt sind wir offiziell im Teil des Abends angekommen, in dem die Vernunft weniger laut wird.“ Briemma nickte, schon halb bei ihrem eigenen Frieden mit dem Tag.

Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Dessert auf dem Teller
Dessert auf dem Teller
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Reiseszene mit zwei Katerfiguren
Reiseszene mit zwei Katerfiguren
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch

Zum Dessert lag dann dieses süß klebrige Schokonougat da, als hätte sich jemand vorgenommen, das Wort Nachklang wörtlich zu nehmen. Ein kleiner, dunkler Abschluss auf dem Teller, der nichts erklären musste und gerade deshalb Wirkung hatte. Süß, zäh, ein bisschen übergriffig auf die angenehme Art. „Sehr nett von der Küche, uns den Ernst des Tages so diskret zu verkleben“, sagte Briemma. Carlexander schob die Brille zurecht und antwortete: „Das ist nicht Dessert. Das ist ein diplomatischer Friedensschluss.“

Draußen über der Terrasse wurde Barcelona stiller, dunkler und schließlich so ruhig, dass selbst der Himmel nur noch aus einem schmalen Mond und verstreuten Lichtern bestand. Der Abend schloss sich nicht spektakulär, sondern mit jener weiten, milden Ruhe, die man erst bemerkt, wenn man schon fast aufsteht. Über dem Wasser lag diese letzte Helligkeit, die nicht mehr Tag und noch nicht ganz Nacht ist. Das passt erstaunlich gut zu einem ersten Reisetag, der sich erst sortieren musste und dann doch etwas sehr Gelassenes fand.

Später blieb von der Stadt nur noch die Nachtansicht, die sich von oben besser aushalten ließ als von unten. Briemma war nach dem langen Tag bereits seelig weggeschlummert, als hätte sie den vernünftigen Teil des Abends einfach vorgezogen. Carlexander hingegen bewunderte die Skyline bei Nacht mit der Gravität eines Katers, der sich weigert, dem Schlaf recht zu geben. „Du schaust schon wieder, als würdest du die Stadt erziehen wollen“, murmelte Briemma im Halbschlaf. „Nein“, sagte er. „Ich prüfe nur, ob sie sich benimmt.“

Die Flasche Mas Doix LEs Crestes 2024 stand schließlich im Licht wie ein kleines, ernst gemeintes Versprechen. Intensives Kirschrot, rote Früchte, ein Hauch Eiche, dazu Frische und Struktur – die Art von Wein, die nicht laut wird und deshalb genau ins Haus passt. Sehr angenehm und lecker, traf unseren Geschmack, und man merkte schnell, dass die Tafel an diesem Abend nicht auf große Gesten aus war, sondern auf gutes Gleichgewicht. Carlexander hob das Glas und sagte knapp: „Cheers.“ Briemma lächelte nur, was bei ihr ungefähr dasselbe war wie ein ausformuliertes Einverständnis.

Am Ende wurde dann doch noch tapasausgiebig zugeschlagen, mit Sardinen, die sich als die besten öligen Sardinen bisher in Erinnerung drängten, und mit dieser zufriedenen Geräuschkulisse, die entsteht, wenn niemand mehr so tut, als würde er nur probieren. Tapas, Tapas, Tapas, Schmatz – der Abend hatte seinen eigenen, leicht salzigen Kommentar gefunden. Die Teller leerten sich, die Form blieb elegant, und das war vermutlich das eigentliche Geheimnis dieses kleinen Restaurants: Es nahm den Hunger ernst, aber nie sich selbst.

2026-05-19 – Tag 1: Besuch und Mittagessen in der Mercat de la Boqueria

2026-05-19 – Tag 1: Besuch und Mittagessen in der Mercat de la Boqueria

Reiseepisode

2026-05-19 – Tag 1: Besuch und Mittagessen in der Mercat de la Boqueria

Tag 1 · 2026-05-19

Nach dem Check-in am Morgen zog es uns auf direktem Weg die Las Ramblas hinunter, als hätte Barcelona beschlossen, uns gleich ohne Einleitung vorzuführen. Vor uns lag der Eingang der Markthalle, schon von Weitem zu voll, und die schiere Menschenmasse wirkte weniger wie ein Marktbesuch als wie ein kleiner, sehr entschlossener Pilgerzug. Ich drückte meine Wertgegenstände enger an den Körper, was Briemma mit einem Blick quittierte, der irgendwo zwischen Mitgefühl und höflicher Verurteilung lag. „Willkommen im Organismus“, murmelte sie. Ich nickte. Manche Städte atmen eben nicht, sie drängen.

Drinnen schlenderte man nicht, man ließ sich treiben, und selbst das nur mit leichter Überzeugungsarbeit. Zwischen Schinken, Speck und der wunderbaren Gewissheit, dass in Spanien auch Frische eine Frage des Tempos ist, blieb Carlexander kurz vor einem Deli stehen, als hätte ihn das Vordach persönlich eingeladen. Briemma hob den Kopf, sah die aufgehängten Würste und meinte trocken: „Schinken geht immer. Speck auch. Man muss nur die Konsequenzen tragen.“ Ich sah an mir hinunter und sagte nichts. Es war vernünftig, später vernünftig zu sein.

Weiter innen wurde aus der Markthalle endgültig ein kulinarischer Hinterhalt. An einem der einladenden Imbisse, die in Deutschland eher als vollwertige Premiumrestaurants durchgehen würden, lag alles bereit, als habe jemand die Küste in glänzende Behälter sortiert. Menschen lehnten an der Theke, bestellten, probierten, warteten, und zwischen Glas, Eis und warmem Licht wirkte selbst ein kurzer Halt bereits wie ein kleines Abendessen mit Tageslichtanspruch. Briemma sah hin und sagte: „Wenn das hier ein Snack ist, möchte ich nicht wissen, wie dort das Mittagessen aussieht.“ Ich antwortete: „Wahrscheinlich mit Ambitionen.“

Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Dessert auf dem Teller
Dessert auf dem Teller
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Digitale Projektion im Dinner Raum
Digitale Projektion im Dinner Raum
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Buffet mit Speisen
Buffet mit Speisen
Dessert auf dem Teller
Dessert auf dem Teller

Ein paar Schritte weiter gab es die spanische Auswahl in überschaubarer, aber sicher leckerer Form, als hätte jemand beschlossen, Maß und Verführung miteinander zu versöhnen. Nichts wirkte überladen, alles war ordentlich genug, um Vertrauen zu wecken, und lässig genug, um nicht nach Aufpreis zu schreien. Briemma musterte die Auslage und hob einen Augenbrauenstrich: „Überschaubar ist manchmal ein Kompliment.“ Ich sagte: „Vor allem, wenn man schon genug Auswahl im Kopf hat.“ Das Marktpersonal arbeitete ruhig hinter der Theke, und genau diese Selbstverständlichkeit machte den Ort fast schon verdächtig angenehm.

Dann kam die Seite der Halle, an der alles frisch frittiert war, also frisch, bevor es länger herumlag, und damit ungefähr so ehrlich wie ein Reiseprospekt kurz vor Druckschluss. Die Theke war voll, golden, dampfend und lautlos überzeugend, und selbst Carlexanders Vorsätze bekamen dort eine leichte Krümmung. Briemma sah die knusprigen Sachen an und meinte: „Das ist die Sorte Frische, die erst nach dem zweiten Bissen moralisch wird.“ Ich nickte. Man muss nicht alles glauben, aber manches sollte man probieren, solange es noch heiß ist.

Besonders angenehm war der Stand mit den Gebäcken und Sandwiches in allen spanischen Sorten, der sich anfühlte, als hätte jemand die Mittagspause in einer Vitrine geordnet. Die Auswahl war reich genug, um eine Entscheidung schwierig zu machen, und bodenständig genug, um nicht in Marketingsprache zu verfallen. Carlexander blieb vor der Scheibe stehen, Briemma daneben mit jener ruhigen Wachsamkeit, die immer so wirkt, als würde sie den passenden Biss bereits mitdenken. „Man könnte auch einfach alles nehmen“, sagte ich. „Das ist der Anfang aller kulinarischen Probleme“, antwortete Briemma.

Auf einem anderen Tisch standen Kartoffelchips mal anders da, also in jener Form, in der selbst ein Snack kurz so tut, als sei er Kunst. Die Stäbe und Spiralen wirkten fast zu ordentlich für das, was sie waren, und gerade das machte sie so charmant. Carlexander blieb einen Moment lang stehen, als würde er prüfen, ob die Welt in dieser Ecke der Halle wenigstens für eine Weile ihren Sinn behalten könnte. „Knusper mit Haltung“, sagte Briemma. Ich konnte ihr nicht widersprechen. Es war immerhin mehr Charakter als in manchen Konferenzräumen.

Die Kartoffeln noch unterschiedlicher, aber genauso stolz präsentiert, ließen den Eindruck entstehen, dass hier nicht einfach Beilagen verkauft wurden, sondern Varianten eines gepflegten Gedankens. Es gab viel zu sehen, viel zu überlegen und vermutlich noch mehr zu bedauern, wenn man zu schnell weiterging. Zwischen den Skewern und den warmen Farben lag diese eigentümliche Marktlust, die aus einfachem Essen eine kleine Wahlhandlung macht. Briemma sah sich um und sagte nur: „Manchmal ist Vielfalt bloß eine höfliche Form von Verführung.“ Ich antwortete: „Dann ist sie hier sehr erfolgreich.“

Beim spanischen Käse durfte dann selbstverständlich auch nicht fehlen, was in einer Markthalle ungefähr so unvermeidlich ist wie das Tageslicht in Barcelona. Die ruhige Ordnung der Regale war fast schon elegant, und die Vielfalt der Laibe und Stücke wirkte wie eine stille Gegenrede zum Gedränge am Eingang. Ich blieb einen Moment davor stehen, und Briemma bemerkte: „Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein guter Grund, satt zu werden.“ Ich sah auf die Auslage und meinte: „Der Grund steht seit einer Stunde vor uns.“

Als sich das kleine Hüngerchen schließlich meldete, führte uns das wieder zu einem der Imbisse zurück, denn manche Entscheidungen werden besser nicht romantisiert, sondern einfach wiederholt. Auf dem schwarzen Brett standen die Angebote so dicht, dass man sich fast entschuldigen wollte, nicht alles bestellen zu können. „Frisch Fisch und Patata Bravas sind gesetzt“, sagte Briemma, als wäre das eine Verordnung und kein Wunsch. Ich nickte. Es gibt Tage, an denen Plan B nicht nur vernünftig ist, sondern die eigentliche Absicht.

Vor den Augen zubereitet wurde hier alles zu einer Art stiller Vorstellung, und die Theke funktionierte wie ein Beweisstück für gutes Erwartungsmanagement. Nichts war geheim, alles war sichtbar, und genau das machte den Ort so angenehm unaufgeregt. Carlexander sah zu, wie gearbeitet wurde, und sagte: „Wenn schon warten, dann wenigstens mit Begründung.“ Briemma lächelte schmal. „Oder mit Pulpo“, meinte sie. Beides schien plausibel.

An anderer Stelle war der Tisch reich gedeckt, und es fehlte an nichts, jedenfalls nichts, was man in einer Mercat-Mittagslaune ernsthaft vermissen würde. Die Atmosphäre blieb belebt, aber nicht hektisch, und gerade das machte den Unterschied zwischen Markttheater und tatsächlichem Mittagessen aus. Die Teller kamen nacheinander, ohne Eile, und jedes neue Detail fügte sich in die ohnehin großzügige Szene. Briemma sagte: „Das ist angenehm ungestresst für einen Ort, der eigentlich die ganze Zeit auf Drehzahl läuft.“ Ich antwortete: „Vielleicht wissen sie hier, wann genug genug ist.“

Dann kam die große Austernrunde, inklusive der Vielfalt, die man in einer Markthalle dieser Art fast schon erwartet, aber dennoch gern mit einem leisen Staunen begrüßt. Die Schalen lagen auf Eis wie kleine, offene Argumente für Überfluss, und die Größe der Dinger war so beeindruckend, dass Briemma vorsichtshalber Abstand hielt. „Handteller groß“, sagte sie und machte einen Schritt zurück, als hätte die Natur plötzlich Anspruch auf Besteck erhoben. Ich musste lachen. „Die sind nicht dekorativ“, sagte ich. „Eher einschüchternd appetitlich.“

Nein, keine Schweine Austern, aber frisches Schwein wäre hier wohl auch kein Problem gewesen, falls man in dieser Stadt einmal wohnen und kochen müsste. Der Fleischstand wirkte kräftig, sauber und unmissverständlich, so wie Märkte eben aussehen, wenn sie sich nicht um schöne Umwege kümmern. Briemma betrachtete die Auslage mit dem gleichen nüchternen Blick, mit dem sie sonst Wetter, Preise und Reisepläne prüft. „Solange niemand behauptet, das sei leicht“, sagte sie. Ich nickte. Es war jedenfalls ehrlich.

Wir hatten unseren Imbiss von der Runde später wieder aufgesucht, was immer ein gutes Zeichen ist: Wenn man zurückkehrt, hat der erste Eindruck bestanden. Frisch Fisch und Patata Bravas waren gesetzt, und die Bestellung wirkte inzwischen weniger wie eine Wahl als wie ein stilles Einverständnis mit dem Ort. Das Essen kam ohne Aufhebens, und genau deshalb passte es so gut in diesen Tag. Briemma hob das Glas, sah zu mir herüber und sagte: „Man kann sich auch in Märkten sehr gut einrichten.“ Ich antwortete: „Vor allem, wenn der Plan funktioniert.“

Die obligatorischen Austern gehörten dann natürlich dazu, und es blieb die kleine Frage, was das eigentlich alles noch sei, wenn nicht ein sehr entschlossener Beginn eines guten Nachmittags. Die Riesen mit Zitrone waren tatsächlich unglaublich lecker, und selbst Carlexander musste anerkennen, dass Größe hier nicht bloß Show bedeutete. Briemma hielt diesmal Abstand, weil die Handteller groß waren, und sah mir mit jener Mischung aus Vorsicht und moralischer Überlegenheit zu, die sie so gut beherrscht. „Ich beobachte nur“, sagte sie. „Das ist auch eine Form von Teilnahme“, antwortete ich.

Briemma entschied sich anschließend für den gebratenen Pulpo, und plötzlich war die Welt wieder genau so konkret, wie ein Reiseblog sie gern hat: warmes Licht, gutes Essen, wenig Pathos. Der Teller lag schwer und vernünftig vor ihr, die Kartoffeln daneben bildeten die einzige Form von Zurückhaltung, die hier noch Sinn ergab. „Sehr ordentlich“, sagte ich. Briemma probierte und nickte. „Gebraten ist oft der ehrlichere Ausdruck von Meer.“ Das schien mir für einen Dienstagmittag erstaunlich treffend.

Carlexander blieb beim Bewährten, den roten Gambas, die in Spanien immer noch ungeschlagen die Besten sind, und ich sah keinen Grund, daran zu zweifeln. Auf dem Teller lag die vertraute Sicherheit, dass manche Dinge in einem Land einfach besser funktionieren, wenn man sie nicht neu erfindet. „Keine Experimente“, sagte Briemma. „Nicht heute“, antwortete ich. Es war einer dieser seltenen Momente, in denen Wiederholung nicht langweilig, sondern klug wirkt.

Dann kamen die Patata Bravas, die den Namen auch wirklich verdienten, scharf genug, um Respekt einzufordern, aber nicht so laut, dass sie den Rest des Tisches erschlagen hätten. Die Sauce saß satt und ordentlich auf den Kartoffeln, und die Sache mit der Schärfe war hier keine Ankündigung, sondern ein Versprechen mit Zähnen. Briemma grinste kurz. „Das ist jetzt der Teil, in dem man Wasser und Würde gleichzeitig braucht.“ Ich nickte und nahm noch einen Bissen. Manche Warnungen sind eben nur dann nützlich, wenn man sie zu spät liest.

Es gab auch ein Buffet mit Speisen, alles frisch vor den Augen zubereitet, was in diesem Zusammenhang nicht wie Werbung klang, sondern eher wie der nüchterne Befund eines sehr lebendigen Mittags. Die Halle hatte sich längst in ihren eigenen Rhythmus gefügt, und zwischen den Stationen, den Gläsern und den verschiedenen Gerichten wirkte nichts zufällig, aber auch nichts verbissen organisiert. „Das läuft hier erstaunlich rund“, sagte ich. Briemma zog die Schultern leicht hoch. „Wenn schon Markt, dann bitte mit Taktgefühl.“

Zum Schluss kam die Crema Catalana, und ich gestehe, sie hätte besser sein können. Briemma sah auf den karamellisierten Deckel und meinte trocken, ihre Crème brûlée habe mehr Eigelb gehabt, dank an den Koch Thomas, ehemals Danielshof Bedburg. Das war einer jener Sätze, die gleichzeitig Urteil, Erinnerung und kleine Spitze sind, also ziemlich genau Briemma. Wir waren gesättigt und bereit, die Markthalle wieder zu verlassen, und so trugen uns die warmen Reste dieses Mittagessens hinaus und weiter durch die Stadt am Nachmittag. „Immerhin“, sagte ich, während wir losgingen, „hungernd ist es schwer, den Blick so klar zu behalten.“ Briemma lächelte nur. „Und satt ist er auch nicht schlechter.“

2026-05-19 – Tag 1: Rundgang durch die Stadt

2026-05-19 – Tag 1: Rundgang durch die Stadt

Reiseepisode

2026-05-19 – Tag 1: Rundgang durch die Stadt

Tag 1 · 2026-05-19

Nach dem Mittagessen führte uns der Weg erst die Las Ramblas hinunter und dann, mit jener mediterranen Selbstverständlichkeit, die schon als Plan gilt, über den Hafen zurück zum Hotel. Barcelona stand in diesem ersten Abschnitt des Tages hoch und blau in der Sonne, als habe die Stadt beschlossen, uns zur Sicherheit gleich mitzurechnen. Wir gingen an schönen historischen Gebäuden vorbei, und Carlexander blieb mehr als einmal stehen, als könne man die Fassade mit ausreichend Skepsis zum Arbeiten überreden.

„Da oben im Erker wäre mein Büro“, meinte er und nickte zu einem der Häuser hinauf, als ginge es um eine schlichte Formalität. Briemma hob den Stock leicht an und sah nur trocken nach oben. „In alten Gebäuden gibt es selten einen Fahrstuhl. Du würdest also schon am ersten Tag an der Verwaltung scheitern.“ Carlexander tat, als hätte ihn das nur in der Würde bestätigt.

Wenig später kamen wir an einem Haus vorbei, das sich mit all seinen Ornamenten nicht bescheiden wollte. Die beeindruckenden Verzierungen wirkten fast, als hätte jemand der Fassade überlegt zugehört und ihr dann doch noch ein paar Kreise und Schnörkel gegönnt. Carlexander legte den Kopf schief. „Hörst du das?“, fragte er. „Das Gebäude spricht.“ Briemma antwortete: „Nein, es posaunt nur.“

Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Reiseszene im Flugzeug
Reiseszene im Flugzeug
the exterior of an ornate historic building, likely an old European style apartment or...
the exterior of an ornate historic building, likely an old European style apartment or...
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Reiseszene mit zwei Katerfiguren
Reiseszene mit zwei Katerfiguren
Blick auf verschneite Berge
Blick auf verschneite Berge
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Projektion mit Text im dunklen Raum
Projektion mit Text im dunklen Raum
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Reiseszene im Flugzeug
Reiseszene im Flugzeug
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch

Die nächsten Balkone waren dann so fein gearbeitet, dass man automatisch langsamer wurde, ob aus Bewunderung oder aus Respekt vor zu viel Geschichte blieb offen. An einer besonders seltsamen Figur an der Fassade blieb Carlexander stehen und deutete mit der ganzen Sicherheit eines improvisierten Kulturführers darauf. „Schau mal, Briemma, deine Vorfahren.“ Sie sah ihn an, dann das Drachenornament, dann wieder ihn. „Sehr freundlich von dir, das auf die Verwandtschaft zu schieben.“

Am Columbus-Denkmal wurde die Szene plötzlich pathetischer, jedenfalls für einen Moment. Vor uns ragte die Figur auf, die auf ein sich langsam näherndes Schiff zeigte, und Carlexander ließ sich davon sofort anstecken. Er brüllte wie ein Löwe, was im öffentlichen Raum immer etwas zwischen Würde und Fehlfunktion hat. Die Umstehenden blieben höflich in ihrer eigenen Realität, und das war vermutlich das Vernünftigste, was sie tun konnten.

Dann stand dort auch diese andere Perspektive auf das Ankommen: Columbus, das Schiff, die beiden Kater davor, als würde die Geschichte kurz prüfen, ob sie heute überhaupt Lust auf Wiederholung habe. Carlexander nahm die Pose erstaunlich ernst. „Wenn man schon so tut, als wäre man Entdecker“, murmelte er, „dann wenigstens mit Aussicht.“ Briemma nickte knapp. „Und ohne Seegang auf den Nebensätzen.“

Die Mittagshitze wurde inzwischen so deutlich, dass selbst die Wege zwischen den Fassaden plötzlich länger wirkten, als sie es ehrlich gemeint hatten. An der Uferpromenade war es verdächtig leer, während die Las Ramblas eben noch voller Leben gewesen waren, und unsere kleine Wasserflasche wurde merklich leichter. Carlexander wirkte beleidigt von der Temperatur, als sei sie ein persönlicher Angriff mit sonniger Handschrift.

Am Wasser änderte sich die Tonlage noch einmal. Was wie ein kleines Ausflugsboot mit Spaß ausgesehen hatte, mutierte binnen Sekunden zu einem lauten, heulenden Zollboot, das offenbar irgendetwas zu verfolgen hatte. Carlexander verengte die Augen. „So klingt also Ordnung“, sagte er. Briemma antwortete: „Oder Nervosität mit Motor.“ Das Meer blieb dabei seltsam gelassen, als hätte es mit solchen Dingen längst abgeschlossen.

Bei der Hitze fühlte es sich an, als wären wir stundenlang gelaufen, dabei waren es nur ein paar Blocks bis zum Hafen. Also fiel die Entscheidung, durch die Stadt wieder zurück zum Hotel zu gehen, nicht schwer; sie fiel eher in sich zusammen. Carlexander nickte in Richtung seines eigenen Schattens, als hätte dieser den Vorschlag gemacht. „Ein kluger Plan“, sagte er. „Ich habe stets Sinn für Erschöpfungsmanagement.“

Auf dem Rückweg wurde uns noch einmal klar, wie sehr Barcelona mit seinen Farben und Bauwerken arbeitet, ohne je die Stimme zu heben. Die Wege öffneten sich wieder, und für einen Moment nahm die Stadt die Rolle des Bühnenbilds an, das es eigentlich immer schon gespielt hatte. Das Reden wurde weniger; die Architektur erledigte den Rest. Selbst Carlexander schwieg, was bei ihm fast schon eine Form der Anerkennung ist.

Doch dann kamen die komischen Krabbenstatuen, die zu Witzen geradezu aufforderten, und damit war die Würde wieder nur noch eine vorübergehende Dienstleistung. Carlexander betrachtete das Ganze mit dem Blick eines Katers, der schon zu viele öffentliche Kunstwerke gesehen hat, um noch überrascht zu sein. „Das soll also Bedeutung haben“, sagte er. Briemma zuckte mit den Schultern. „Oder Ferienlaune in Metall.“

Bei den weiteren Skulpturen wurde es nicht weniger rätselhaft. Manches wirkte so absichtlich, dass man den Sinn eher ergoogeln musste, als ihn vor Ort zu erkennen. In einem solchen Moment ist die Stadt sehr modern und sehr alt zugleich: Sie erklärt nichts und bleibt dennoch überzeugend. Carlexander blieb davor stehen und tat, als prüfe er still die Qualität des Unverständlichen.

Auch die alten Festungs- oder Klosteranlagen nahmen sich nebenbei ihren Platz. Monumental waren sie, furchteinflößend sogar, aber der Zahn der Zeit hatte freundlich daran gearbeitet, ohne den Ernst der Mauern ganz zu beseitigen. Briemma sah hinauf und sagte: „Man merkt, dass hier schon länger niemand mehr so tut, als wäre alles neu.“ Carlexander brummte zustimmend. „Sehr wohltuend.“

Solange wir in den Schluchten der Altstadt im Schatten blieben, ging es ganz gut, auch wenn die kleinen Sonnenstücke immer wieder wie gezielte Zumutungen auf den Boden fielen. „Sonnenbrand inklusive“, frotzelte Briemma, „weil der Hut im Koffer vergessen wurde.“ Carlexander hob den Blick nicht einmal. „Ein tragischer Verwaltungsfehler“, sagte er, und man hörte ihm an, dass er die Akte bereits innerlich geschlossen hatte.

Auf dem Rückweg ins Hotel kamen wir noch an einigen schönen Bauwerken vorbei, die jeden neumodischen Architekten alt aussehen ließen. Vor einem dieser Häuser hätte Carlexander am liebsten sofort wieder ein Erkerbüro beantragt, diesmal mit Aussicht, Lagebonus und vermutlich einer kleinen Klingel für Resignation. „Hier könnte man bleiben“, sagte er. Briemma antwortete: „Du meinst wohnen. Arbeiten würdest du später.“

Das Wortspiel über den Namen des Hotel Colon brachte beide dann tatsächlich zum Schmunzeln, was nach all den Fassaden fast schon eine kleine kulturelle Leistung war. Carlexander schüttelte den Kopf, als hätte ihn der Witz gerade noch rechtzeitig erwischt. „Ein Hotel mit historischer Ansprache“, murmelte er. Briemma lächelte schmal. „Zum Glück nur sprachlich kolonial.“

Später, als die Renovierungen sichtbar wurden und alles im Kern abgerissen und innen neu gebaut wirkte, blieb Carlexander erneut stehen. „Ob die da einen Fahrstuhl einbauen würden und ich mein Büro da im Erker bekomme?“, sinnierte er, als könnte ein Gebäude auf gute Fragen irgendwann einlenken. Der Blick auf das Gerüst und die schmale Eingriffsstelle zwischen alt und neu hatte etwas Ernüchterndes und zugleich Tröstliches. Städte erneuern sich eben nicht elegant, sondern in Schichten.

Am späten Nachmittag wurde der Spaziergang noch einmal auf eine sehr irdische Weise zu Ende gebracht: über einen Super-Mercado und sehr billige Cola-Flaschen ging es zurück ins Hotel NH Calderon. Unterdessen hatte ein Junge eine große Menge Tauben gefüttert, und die Vögel sahen ihn offenbar als ihren Vater an, bis von ihm nach einer Weile kaum mehr etwas zu sehen war. Carlexander blieb stehen und beobachtete das Schauspiel mit der ernsten Miene eines Katers, der ahnt, dass die Stadt am Ende immer irgendein eigenes Programm hat. „Dagegen wirkt selbst ein Erker fast vernünftig“, sagte er. Briemma hob den Stock, sah auf die Tauben und meinte: „Dann lass uns lieber ins Hotel gehen, bevor uns jemand auch noch adoptiert.“

2026-05-20 – Tag 2: Abendessen im Fil Rouge

2026-05-20 – Tag 2: Abendessen im Fil Rouge

Reiseepisode

2026-05-20 – Tag 2: Abendessen im Fil Rouge

Tag 2 · 2026-05-20

Frisch aufgestylet ging es um 18 Uhr zum ersten Date Dinner in Fil Rouge, und der Weg dorthin hatte diese angenehm seltsame Würde, die nur entsteht, wenn ein Schiff so tut, als sei es ein Palais auf See. Vorbei durch leere Gänge und Treppenhäuser, die majestätisch unpompös daher kamen, zog Carlexander mit der Gelassenheit eines Katers, der sich noch nicht sicher ist, ob ihm das alles zu fein oder gerade genau richtig ist. Briemma schritt neben ihm so ruhig, als hätte sie den Abend bereits vorbestellt. „Nicht übel“, sagte sie trocken. Carlexander hob die Brille leicht an und meinte nur: „Man bemüht sich jedenfalls sehr, es beiläufig wirken zu lassen.“

Am Tisch lag dann die Abendkarte offen da, schwer genug, um den Ton des Abends sofort zu setzen, und die gute Auswahl der Gerichte und die der Weinkarten war vielversprechend. Carlexander blätterte mit jener vorsichtigen Aufmerksamkeit, die man sonst nur bei Kartenmaterial oder schlechten Nachrichten zeigt. Briemma ließ den Blick kurz über die Seiten gleiten und nickte beinahe anerkennend. „Das ist wenigstens kein Abendessen für Eilige“, sagte sie. „Zum Glück“, antwortete Carlexander. „Eile ist in solchen Häusern meistens nur ein anderes Wort für Enttäuschung mit Besteck.“

Die Weinkarte versprach eine eigene kleine Geografie, und Carlexander blieb an den roten Seiten hängen, als wolle er prüfen, ob sich dort vielleicht ein sinnvoller Ausweg aus der Weltlage versteckt. Briemma warf einen Blick auf die Auswahl und zog eine Braue hoch, als sie die Preise zwischen Ehrgeiz und Übermut schwanken sah. „Menschen nennen das dann Auswahl“, murmelte sie. Carlexander nickte in Richtung der Seite mit den New-World-Reds, als würde er eine diplomatische Charta lesen. „Das ist kein Katalog“, sagte er. „Das ist ein Charaktertest mit Etikett.“

Bühnenauftritt mit Publikum
Bühnenauftritt mit Publikum
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Schale mit Suppe auf dem Tisch
Schale mit Suppe auf dem Tisch
Schale mit Suppe auf dem Tisch
Schale mit Suppe auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch

Auch die Sommelier’s Selection aus dem Explora-Kontext fügte sich in diese stille Theatralik ein, mit reduzierten Preisen und Bottichen voller Verheißung, als könne man hier nicht nur bestellen, sondern auch eine Haltung. Das Schiff blieb draußen, aber die Sprache der Karte war eindeutig an Bord: elegant, ernst und mit dem leisen Versprechen, dass jemand sich wirklich Gedanken gemacht hatte. „Jeder möchte heute glänzen“, sagte Briemma. Carlexander sah auf die Liste und erwiderte: „Mir genügt schon, wenn es nicht peinlich wird.“

Zurück am Tisch kam erst einmal das, was ein Abendessen freundlich erdet: Brot und Butter, schlicht genug, um jedes große Wort wieder klein zu machen. Die Scheibe Brot lag auf dem Teller wie ein stiller Hinweis, dass selbst ein erstes Date Dinner nicht ohne Kruste auskommt. Carlexander nahm das sehr ernst und betrachtete das Ganze mit der Resignation eines Katers, der weiß, dass ein gut gedeckter Tisch immer auch Erwartungen serviert. Briemma lächelte knapp. „Vornehm ist oft nur eine Frage des Lichts“, sagte sie. Carlexander probierte nicht, widersprach aber auch nicht.

Dann folgte der Tawny Port, und der Wunsch wurde von den Lippen gelesen, so als hätte das Personal beschlossen, heute jede kleine Regung als Auftrag zu behandeln. Leider war es kein Vintage, aber verzeihbar; der Abend hatte bereits genug Haltung, um auch so etwas zu tragen. Das Glas stand ruhig im Licht, und Carlexander sah hinein, als prüfe er die Tiefe einer Entscheidung. „Kein Vintage“, sagte er. Briemma hob den Kopf. „Dafür aber Anstand.“ Er nickte. „Das ist manchmal die bessere Reifeform.“

Als Nächstes kam die Flasche mit großem Namen und noch größerem Flaschen-Flair: Message in a Bottle. Ein Toscana Rosso, der schon auf dem Etikett so tat, als wolle er poetisch sein. Carlexander schnupperte daran, wissend, und sein Blick sagte alles, bevor er überhaupt sprach. Wenn schon Botschaft in der Flasche, dann bitte eine mit Samt, Sonne und genug Rotweinwürde für den nächsten Reiseblog-Moment. „Das ist eigentlich ziemlich gut“, sagte Briemma. Carlexander sah auf das Etikett und gab nur zurück: „Es klingt jedenfalls, als hätte es sich Mühe gegeben.“

Zum Auftakt kam das Carpaccio von der Jakobsmuschel, fein und präzise angerichtet, als wolle die Küche beweisen, dass Zurückhaltung auch Wirkung haben kann. Kurz darauf folgte das Tataki vom Blauflossen-Thunfisch, sauber gebaut und mit jener eleganten Klarheit, die in einem solchen Haus fast schon als Höflichkeit durchgeht. Carlexander beugte sich vor, Briemma probierte mit der Ruhe einer Katze, die weiß, dass guter Geschmack keine Eile kennt. „Das hier ist erfreulich unaufgeregt“, sagte sie. Carlexander nickte. „Endlich einmal ein Gericht, das nicht schreit, nur um bemerkt zu werden.“

Dann kam das Rindertartar a la Cote dAzur, mit jener präzisen Inszenierung, die ein Gericht nicht lauter, sondern selbstsicherer macht. Carlexander betrachtete die Komposition einen Moment zu lang, als würde er innerlich bereits den Organisationsgrad der Tellerdisziplin bewerten. Briemma nahm es gelassen. „Sehr ordentlich“, sagte sie. „Fast auffällig ordentlich.“ Carlexander antwortete trocken: „Das ist im Grunde schon eine Form von Charme.“

Die zarte Zwiebelsuppe wirkte dagegen wie ein kurzer, warmer Einschub zwischen all der eleganten Klinge der Vorspeisen. Kein Pathos, nur ein tiefes, stilles Versprechen von etwas, das länger gekocht hat als der eigene gute Wille. Carlexander sah auf die Schale und wirkte für einen Moment fast zufrieden. „Suppe ist die ehrliche Kunstform“, sagte er. Briemma hob ihren Löffel. „Weil sie nichts beweisen muss?“ Carlexander nickte. „Genau. Und weil sie weiß, wann sie genug ist.“

Mit der klassischen Rinderconsommé wurde dieser Gedanke noch klarer: ein präziser, ruhiger Gang, der nicht beeindrucken wollte und gerade deshalb Eindruck machte. Die Tischszene blieb still, die Bewegungen klein, die Aufmerksamkeit ganz beim Dampfen und bei der Tiefe der Brühe. Carlexander nahm einen Schluck, legte den Löffel wieder ab und wirkte dabei erstaunlich versöhnt. „Man könnte fast sagen, das ist vernünftig“, bemerkte Briemma. „Heute Abend ist Vernunft immerhin ein luxuriöser Zustand“, sagte Carlexander.

Schließlich kam der Hummerschwanz Thermidore, und mit ihm dieser Moment, in dem ein Abendessen endgültig seine Absicht offenlegt: nicht bloß zu sättigen, sondern ein Gedächtnis zu hinterlassen. Das Gericht lag vor ihnen wie ein höflicher Schlussakkord, reich genug, um den Verlauf des Abends zu krönen, ohne ihn zu überreden. Carlexander sah den Teller an, dann Briemma, dann wieder den Teller. „Das ist jetzt also der ernste Teil“, sagte er. Briemma lächelte knapp. „Nein“, sagte sie. „Das ist der gute Teil.“

Mit dem zufriedenem Abschluss des Abendessens und dem Aufbruch zum Abendprogramm an Deck hatte der Abend seine Form gefunden: leise, elegant, mit genug Glanz, um nicht belanglos zu sein, aber ohne die Art von Übertreibung, die beide Katzen sofort misstrauisch gemacht hätte. Briemma nahm ihren Gehstock wieder so selbstverständlich an sich, wie andere Menschen ihre letzte Serviette greifen; er gehörte zu ihr und zu niemand sonst. Carlexander richtete die rote Brille, als würde er die Nacht nun offiziell bestätigen. „Gut“, sagte Briemma. „Dann weiter.“ Carlexander nickte in Richtung des Decks. „Ja. Das Dinner war die Einleitung. Jetzt kommt der Teil mit dem Meer und dem Rest der Selbstbeherrschung.“