Reiseepisode
2025-04-08 – Tag 1: Anreise aus Düsseldorf Flughafen am sehr frühen morgen
Tag 1 · 2025-04-08 · Palma de Mallorca
Der erste Reisetag begann am Düsseldorfer Flughafen zu einer Uhrzeit, zu der selbst die Rollkoffer noch gedämpft klangen. Am Gate war es sehr ruhig, die Sitzreihen warteten beinahe ordentlicher als ihre Passagiere. Carlexander blickte durch seine rote Brille auf die Abfluganzeige und versuchte, darin bereits einen Erfolg zu erkennen. Briemma stellte ihren Gehstock neben sich ab. „Wir sind da“, sagte sie. Für diesen frühen Morgen war das zunächst Leistung genug.
Das Flughafenfrühstück folgte der bekannten Regel, dass Preis und Genuss in Terminals getrennte Wege gehen dürfen. Das Franzbrötchen schmeckte morgens um fünf abgelagert, der Kaffee nach geröstetem irgendwas. Carlexander prüfte beides mit der müden Würde eines Katers, der eine Reklamation erwägt, aber noch nicht über die notwendige Betriebstemperatur verfügt. „Teuer ist immerhin eine klare Qualitätsaussage“, bemerkte Briemma. Sie sagte nicht, welche Qualität gemeint war.
Nach dem Start änderte sich die Lage gründlich. Unter goldenem Himmel lagen schneebedeckte Alpen, ihre Gipfel in einer langen Reihe, darüber ein sanfter Übergang von Orange zu Blau. Die Aufnahme wirkte wie ein Sonnenuntergang, obwohl der Reisetag gerade erst begonnen hatte und die innere Uhr ohnehin keine verlässliche Auskunft mehr gab. Danach übernahmen Licht und Wolken das Programm. Es war beruhigend, still und deutlich überzeugender als das Frühstück.
Beim Anflug auf Palma de Mallorca wurde aus der Landschaft langsam ein Ziel. Küste, Hafen und die ersten großen Schiffe rückten ins Blickfeld, während Carlexander noch versuchte, Flugmodus, Ortszeit und Reiseplanung miteinander zu versöhnen. Briemma sah hinaus und ließ ihn rechnen. Manche Ankünfte gelingen am besten, wenn einer organisiert und der andere rechtzeitig aus dem Fenster schaut.





Im Hafen von Palma de Mallorca trafen mehrere Kreuzfahrtschiffe aufeinander, was aus der Luft und später vom Boden wie eine Versammlung sehr großer weißer Gebäude wirkte. Im Hintergrund lag die alte Mein Schiff 1, die vor Jahren verkauft wurde und nach Carlexanders Auffassung die einzig richtige Größe der Flotte besessen hatte. Dieser Satz fiel mit jener Bestimmtheit, die gewöhnlich nur bei Schiffsmaßen und Weinkarten auftritt. Briemma ließ ihn stehen.
Der TUI-Shuttlebus wartete bereits, und der Transfer zum Hafen verlief erstaunlich gut organisiert und ohne Gedränge. Gepäck, Gäste und Erwartungen fanden offenbar gleichzeitig ihren Platz. Carlexander registrierte diesen seltenen Vorgang mit sichtbarer Anerkennung. „Kein Durcheinander“, sagte er. „Mach bitte kein Audit daraus“, antwortete Briemma, bevor die Fahrt überhaupt richtig begonnen hatte.
Der Bus fuhr an der beeindruckenden Kathedrale von Palma de Mallorca vorbei. In den frühen Morgenstunden waren dort noch keine Menschenmassen zu sehen, sodass die Architektur für einen kurzen Moment ohne das übliche Gewimmel wirkte. Dann verlagerte sich der Blick wieder zum Hafen. Zwischen Straßen, Wasser und Schiffen wurde deutlich, dass die Reise jetzt nicht mehr nur aus Tickets, Gate und Handgepäck bestand.
Aus dem Busfenster tauchte schließlich die Mein Schiff Relax auf. Zuerst war sie ein großes Schiff, dann ein sehr großes Schiff und mit jeder Annäherung etwas, das die Bezeichnung „Monster des Meeres“ nachvollziehbar machte. Besonders der Bug stand in voller Pracht vor uns und wirkte durchaus furchteinflößend. Carlexander schwieg kurz. Briemma sah ihn an. „Dein Plan ist kleiner als das Schiff.“ Das war korrekt und deshalb nicht hilfreich.





An Bord bekam das Wort Frühstück eine zweite Chance. Auf einem Metalltisch standen Schinken, Salatrollen, Obst und verschiedene Desserts in Gläsern ordentlich bereit. Daneben gab es einen Teller mit gerolltem Brot, Lachsscheiben, Blinis, rotem Kaviar und einem Stück Fisch. Nach dem Düsseldorfer Franzbrötchen wirkte diese Auswahl nicht übertrieben, sondern wie eine sachliche Wiedergutmachung.
Das Buffet setzte mit Wassermelone, Ananas, Bananen und Beeren fort. Auf einem weiteren Teller lagen eine halbierte Feige, Brombeeren, Himbeeren und Blaubeeren neben zwei leicht gebräunten Pfannkuchen. Carlexander betrachtete die Auswahl mit neu erwachter Konzentration. Es war jene Art von Aufmerksamkeit, die bei ihm entweder einem technischen Problem oder einem gut bestückten Frühstück galt. Diesmal war die Lage erfreulicher.
Auf dem Tisch standen später ein Glas Roséwein und eine Tasse mit Blaubeer-Holundertee. Die Kombination ließ verschiedene Vorstellungen von Tagesbeginn friedlich nebeneinander bestehen. „Du nennst das Reiseplanung?“, fragte Briemma mit Blick auf den Rosé. Carlexander hob das Glas nur leicht an. Nach einem Kaffee, der nach geröstetem irgendwas geschmeckt hatte, war Zurückhaltung keine zwingende Tugend mehr.
Von der sonnigen Terrasse ging der Blick über den Hafen zu mehreren Kreuzfahrtschiffen. Drei Personen saßen dort entspannt zwischen Sesseln, Tischen und Pflanzen, während das Wasser die nötige Distanz zum Betrieb herstellte. Für einen Moment bestand die Reise nur aus Frühstück, Hafenblick und der angenehmen Erkenntnis, tatsächlich angekommen zu sein. Danach musste das neue Schiff erkundet werden, denn Größe erzeugt bei Carlexander zuverlässig Orientierungsbedarf.






Der Check-in-Bereich für die Suitengäste war leer. Das passte zum bislang bemerkenswert ruhigen Ablauf und ließ das Boarding fast verdächtig mühelos wirken. Draußen lag das große Kreuzfahrtschiff am Hafenbecken, seine roten und weißen Rettungsboote sauber aufgereiht. Im Vordergrund arbeiteten zwei Personen mit Werkzeugen am Boden. Während Gäste ankamen, wurde an der Hafenanlage weitergemacht; ein Schiffsbetrieb gönnt sich keinen feierlichen Stillstand.
Im Inneren öffnete sich eine moderne Lounge mit großem Panoramafenster zum Hafen beziehungsweise Meer. Sofas, Stühle mit Kissen, Tische, Pflanzen und ein weißer Klavierständer standen unter einer geometrisch gestalteten Decke, die dem Raum eine futuristische Wirkung gab. Carlexander nahm das Interieur als Hinweis darauf, dass Orientierung hier nicht allein mit Backbord und Steuerbord zu erledigen sein würde. Briemma wählte die pragmatischere Methode: erst hinsehen, dann weitergehen.
Zwischen den Aufnahmen des Ankommens blieb auch das Gepäck als nüchterner Gegenpol präsent: gepackte Koffer und Rucksäcke in einem Flughafenterminal neben einer Wand mit Schließfächern. Dieses Bild gehörte noch zur Anreise, obwohl wir längst am Schiff standen. Reisen verlaufen eben nicht nur geografisch, sondern auch in Stapeln, Schlaufen und Dingen, die jemand bis zur Kabine bringen muss. Carlexander prüfte vorsorglich, ob alles da war. Natürlich prüfte er zweimal.




Kaum an Bord, erschien das Tagesprogramm als gedruckte Form der Beruhigung. Eine Programmübersicht für den Dienstag, 8. April 2025, führte durch Aktivitäten und Informationen auf der Mein Schiff Relax im Hafen von Palma. Carlexander hielt das Blatt so aufmerksam, als könne eine sorgfältige Lektüre die Größe des Schiffes reduzieren. „Du kannst nicht alles gleichzeitig besuchen“, sagte Briemma. „Ich kann es zumindest markieren“, antwortete er.
Das Bordprogramm enthielt außerdem Wetterinformationen, eine Botschaft an die Gäste und den Hinweis auf Kapitän Tom Roth. Damit war der Tag offiziell eingeordnet: Palma de Mallorca, neues Schiff, zahlreiche Möglichkeiten und zwei Reisende, deren Energiehaushalt noch zwischen sehr frühem Flughafen und zweitem Frühstück vermittelte. Die Übersicht versprach Struktur. Ob das Schiff sich daran halten würde, blieb während des ersten Rundgangs zu prüfen.


Auf dem Pooldeck lagen Menschen in der Sonne, während im Hintergrund ein weiteres großes Schiff zu sehen war. Liegestühle, klarer blauer Himmel und die offene Deckfläche vermittelten bereits den späteren Bordalltag, obwohl für uns noch alles neu war. Im Pool Bistro arbeitete ein Koch in weißer Uniform hinter einer Serviertheke mit Edelstahlgeräten und bereitete Essen vor. Das Schiff war kaum betreten, und doch stellte sich erneut heraus, dass Versorgung hier ein eigenes Wegenetz besaß.
Unter einem großen weißen Sonnendach standen viele blaue Liegestühle, dahinter lag der Pool. Einige Menschen gingen über das Deck oder blieben stehen; mehrere trugen Jacken, was trotz Sonne auf kühlere Temperaturen hindeutete. Carlexander betrachtete die freien Plätze mit organisatorischem Interesse. Briemma setzte ihren Gehstock ruhig auf. „Wir müssen nicht jede Liege bewerten.“ Diese Information kam für seine beginnende Bestandsaufnahme rechtzeitig.
Weiter führte der Rundgang an der Eisbar vorbei, wo sich Menschen um den Stand versammelten oder durch den Bereich gingen. Tische, Stühle und Pflanzen gaben dem Ganzen mehr Aufenthaltscharakter als Durchgangsverkehr. Ein Schwingsessel mit Blick über Meer und klaren Himmel demonstrierte anschließend, wie Entspannung technisch gedacht werden kann; im Hintergrund war eine runde Wasserinstallation zu sehen. Carlexander erkannte darin sofort ein mögliches Beobachtungszentrum. Briemma nannte es schlicht einen Sitzplatz.
Zum Abschluss dieses ersten Rundgangs zeigte sich die Mein Schiff Relax noch einmal majestätisch im Hafen. Dahinter und daneben lagen weitere große Schiffe und Fähren, darunter ein Schiff der Balearia; moderne Gebäude und Berge rahmten den Hafen von Palma de Mallorca. Am Morgen hatten wir noch an einem stillen Gate in Düsseldorf gesessen, jetzt standen wir auf einem Schiff, dessen Bug aus der Nähe beinahe einschüchternd wirkte. Tag eins hatte damit seine Aufgabe erfüllt: ankommen, frühstücken, orientieren – und akzeptieren, dass Letzteres noch dauern würde.




























































































































































































































