2026-05-22 – Tag 4: Spaziergang durch Porto Cervo

2026-05-22 – Tag 4: Spaziergang durch Porto Cervo

Reiseepisode

2026-05-22 – Tag 4: Spaziergang durch Porto Cervo

Tag 4 · 2026-05-22

Der Morgen begann mit jenem Porto-Cervo-Licht, das alles gleichzeitig teurer und unschuldiger wirken lässt, als es vermutlich ist. Nach dem Tendern standen wir erst einmal zwischen Hang, Himmel und ein paar Menschen, die sich so bewegten, als hätten sie den Ort schon im Katalog gesehen und wollten nun prüfen, ob er in echt ebenfalls glänzt. Carlexander zog die rote Brille zurecht und sagte trocken: „Es ist also ein Spaziergang mit Preisschild.“ Briemma sah über die balustradenähnlichen Linien der Wege hinweg und meinte nur: „Wenigstens ist der Himmel im Angebot.“

Je weiter wir ins kleine, aber fein übersichtliche Örtchen kamen, desto klarer wurde, dass Porto Cervo seine Besucher nicht mit einer wilden Dramaturgie empfängt, sondern mit einem Sortimentsgedanken. An einer Wand hing der Wegweiser THE WALK, als wollte er freundlich, aber bestimmt erklären, dass man hier nicht einfach spaziert, sondern sich entscheidet. Star Yacht, Bubble Bar, Jade Montenapoleone, Elit Wine Shop, Portofolio für den gehobenen Unentschlossenen. Carlexander blieb davor stehen wie vor einer moralischen Prüfung. „Ein Ort, der seine Versuchungen gleich alphabetisch ordnet“, murmelte er. Briemma nickte. „Sehr praktisch. Dann weiß man wenigstens, woran man scheitert.“

Drüben auf der Terrasse stand ein runder Kaktus im schwarzen Topf, geschniegelt wie ein kleiner Wächter des guten Geschmacks, und Carlexander sah das Gebilde mit dem ernsten Blick eines Katers, der zu viel mediterrane Dekoration in zu kurzer Zeit gesehen hat. „Oh ein Schwiegermutterkissen“, sagte er, bevor Briemma ihn mit einem kurzen Knuff wieder in die Gegenwart holte. Es war einer dieser Momente, in denen sogar die Pflanzen so aussahen, als hätten sie hier ihr eigenes Kurationskonzept. Die Hitze stand still über den Steinen, und die paar Beine am oberen Bildrand gehörten zu Menschen, die offenbar ebenfalls beschlossen hatten, lieber langsam zu sein.

Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Blick über das Meer
Blick über das Meer
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Blick über das Meer
Blick über das Meer
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Menükarte oder Borddokument
Menükarte oder Borddokument
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Bühnenauftritt mit Publikum
Bühnenauftritt mit Publikum
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Treppen und Ebenenbereich im Schiff
Treppen und Ebenenbereich im Schiff
Bühnenauftritt mit Publikum
Bühnenauftritt mit Publikum
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Gäste im Restaurant
Gäste im Restaurant
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Serviertes Gericht auf dem Tisch
Weinservice im Restaurant
Weinservice im Restaurant
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Deckbereich des Kreuzfahrtschiffs
Wartebereich am Flughafen
Wartebereich am Flughafen
Hafenblick am Wasser
Hafenblick am Wasser
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Hafenblick mit Kreuzfahrtschiffen
Kreuzfahrtschiff am Wasser
Kreuzfahrtschiff am Wasser

Dann kamen wir in den Teil des Weges, in dem Porto Cervo seine eigentliche Disziplin zeigt: elegante Bewegung bei großer Wärme. Ein älteres Paar ging Hand in Hand über den Platz, andere schoben sich schattensuchend hangaufwärts, und überall lag dieses ruhige, leicht verhaltene Vor-Sommergefühl, das wohl nur an Orten entsteht, an denen selbst das Schlendern nach Aussicht aussieht. Carlexander beobachtete das mit der Geduld eines Mannes, der gelernt hat, dass man bei solchen Temperaturen nichts beschleunigen sollte. Briemma hob den Gehstock leicht an, als prüfe sie nicht den Boden, sondern den gesamten Argumentationswert des Spaziergangs.

Zwischen den Fassaden und Pflanzkübeln tauchten dann die ersten klaren Zeichen jener Welt auf, die in Porto Cervo offenbar zum Landschaftsbild gehört wie die Hitze zum Mittag: Boutiquen, Marken, glänzende Schaufenster. Es war alles sehr ordentlich, sehr sonnenhell und sehr überzeugt von sich selbst. Carlexander blieb an einem Ladenfenster stehen, in dem Luxus nicht laut, aber dafür ausgesprochen strukturiert daherkam. „Hier ist selbst das Wegsehen kuratiert“, sagte er. Briemma lächelte knapp. „Und das mit Erfolg. Man sieht ja schon, wie gut es funktioniert.“

Am Eingang einer Boutique wirkte das Innere beinahe kühl im Vergleich zum flirrenden Draußen. Die Glasfront, die warmen Flächen, die stillen Präsentationen – alles schien darauf ausgelegt, eine gewisse Form von Geduld zu erzeugen. Drinnen stand Alevi Milano in seinem ruhigen, hellen Takt, und wir schauten nur kurz hinein, so wie man einen Raum betrachtet, der sofort vorgibt, mehr Ordnung im Leben zu haben als man selbst. Carlexander hob die Augenbraue. „Wenn Eleganz so leise ist, muss man wohl trotzdem hineingehen, um sie überhaupt zu hören.“ Briemma antwortete: „Oder man lässt es und spart sich den Beweis.“

Ein paar Schritte weiter öffnete sich eine andere Schaufensterwelt, diesmal mit ETRO und jener sorgfältigen Boho-Sicherheit, die so tut, als sei alles zufällig arrangiert, während vermutlich jeder Faden abgesprochen wurde. Die Mannequins standen dort mit Strohhüten und Mustern, als hätten sie einen stillen Pakt mit dem Mittelmeer geschlossen. Es war angenehm anzuschauen, auch weil es wenigstens ehrlich genug war, nichts anderes zu behaupten als Stil. „Tigerladies“, sagte Carlexander leise, während er die Auslage musterte. Briemma sah ihn an. „Für deine Genetik eher keine Hilfe.“

Unter den Bäumen wurde es dann wieder ruhiger, fast parkartig. Die Wege senkten sich zum Wasser hin, und zwischen den Pflanzen lag dieser leichte Wind, der nicht abkühlt, aber immerhin so tut. Die Küste rückte näher, das Meer stand hell und still da, und die Wege führten uns durch ein Porto Cervo, das sich in seinem eigenen Tempo ausgebreitet hatte: Luxus, Grün, Stein, Wasser, alles sauber voneinander getrennt und doch seltsam vertraut. Carlexander blickte auf die Bögen und meinte: „Ein Ort, an dem man sogar die Schatten verplant hat.“ Briemma: „Das erklärt den Aufwand. Schatten sind hier wahrscheinlich halbjährlich reserviert.“

Der Weg nach unten war angenehm still, mit dichtem Grün an den Seiten und dem Gefühl, dass die eigentliche Stadt sich mehr durch Distanzen als durch Lärm erklärt. Im Tal lag das Wasser, darüber die Dächer, und dazwischen all die Wege, die Menschen aus Neugier nehmen und später wieder als Erinnerung verkaufen. Niemand hatte Eile. Das passte gut, denn die Hitze hätte Eile ohnehin beleidigt. Carlexander ging mit jener würdevollen Langsamkeit, die er nur zeigt, wenn er nicht mehr diskutieren will. Briemma folgte in sicherem Maß, und beide sahen aus, als könnten sie genau verstehen, warum lokale Katzen sich bei den Massen lieber verkrümeln.

Ein Stück weiter oben öffnete sich eine Ecke mit Wasser, Brücke und einer kleinen, fast zufälligen Tiefe im Gelände. Das Resortartige blieb, doch die Szene wurde leichter, luftiger, und der Blick fiel über eine kleine Wasserfläche hinweg auf Gebäude und Bäume. Die Hitze blieb natürlich auch hier zuverlässig anwesend. Carlexander nahm einen Schluck Wasser und sagte: „Ich beginne zu ahnen, warum Zivilisationen am Wasser so gerne früh aufgeben.“ Briemma lachte leise. „Oder warum sie in dieser Gegend erst später einkaufen gehen.“

Der Weg führte uns schließlich zu einer Stelle, an der Landschaft, Wasser und Architektur fast zu ordentlich zusammensaßen. Über dem kleinen Kanal stand eine Brücke, dahinter die Häuser im Hang, und alles wirkte so ruhig, dass selbst die Kamera einen Finger ins Bild bekam, vermutlich aus reiner menschlicher Überforderung mit so viel Klarheit. Carlexander registrierte das nur kurz. „Ein sehr moderner Beweis dafür, dass Perfektion nie ganz ohne Nebengeräusche auskommt.“ Briemma nickte und schaute noch einmal über das Wasser, als würde sie prüfen, ob der Tag vielleicht doch noch eine versteckte Pointe bereithält.

Die Gärten am Rand des Ortes trugen die Sache dann mit erstaunlicher Gelassenheit weiter. Zwischen den niedrigen Blütenpolstern und den Steinen wirkte alles gepflegt, warm und fast übertrieben friedlich. Keine Bewegung, nur Struktur und Farbe. Es ist immer ein wenig verdächtig, wenn ein Ort so konsequent schön bleibt, ohne dabei laut zu werden. Carlexander sagte nichts mehr dazu; er sah nur aus, als hätte er die stille Verhandlung zwischen Pflanzen und Sonne verstanden. Briemma streifte mit dem Blick über die Flächen und meinte: „Siehst du. Selbst die Blumen hier sind besser organisiert als mancher Reiseplan.“

Am Wasser selbst wurde aus dem Spaziergang endgültig eine Betrachtung. Die Bucht lag ruhig da, mit Felsen, Buoys, Booten und diesem klaren Blau, das jede Bewegung sofort in etwas Exquisites verwandelt. Es war die Art von Meer, bei der man automatisch langsamer spricht, weil alles andere unhöflich wirken würde. Carlexander stellte sich an die Kante und sah hinüber. „Nun, immerhin ist die Aussicht ehrlich.“ Briemma hob leicht das Kinn. „Und sie kostet nichts. Das ist in dieser Gegend fast ein kulturhistorisches Ereignis.“

Die Uferlinie setzte das Thema fort: Dock, kleine Strukturen, ruhig stehendes Wasser und im Hintergrund jener weite Sommerhimmel, der so wenig Mühe macht und gerade deshalb so überzeugend ist. Ein paar winzige Gestalten bewegten sich fern auf den Stegen, aber das Ganze blieb vor allem eine Szene des Schauens, nicht des Tuns. Genau darin lag ja der Reiz. Carlexander lehnte sich leicht vor und sagte: „Wenn ein Ort keine Eile kennt, muss man als Besucher nur noch so tun, als gehöre man dazu.“ Briemma antwortete trocken: „Das ist seit jeher unsere Reisemethode.“

Später fanden wir uns an einem ruhigen Kanal wieder, an dessen Rand ein weißes Boot mit rotem Dach lag, als hätte jemand den Hafen auf ein besonders gepflegtes Maß reduziert. Die Villen und Bögen im Hintergrund wirkten fast beiläufig, doch gerade das machte die Szene stark: Nichts drängte sich auf, und trotzdem war alles eindeutig teuer genug, um schweigen zu dürfen. Carlexander sah das Boot an und meinte: „Die hier parken sogar das Wasser mit Stil.“ Briemma legte den Kopf schief. „Das ist eben Porto Cervo. Selbst die Gelassenheit ist hier designiert.“

Dann ging es durch eine weitere Gartenanlage, diesmal mit mehr Menschen und mehr Weg, als wolle Porto Cervo zum Schluss noch beweisen, dass es auch als Spazierlandschaft funktioniert. Gruppen zogen über den Holzsteg, andere standen oben auf der Terrasse und blickten über die Anlage. Es war klar, dass an diesem Ort nicht nur geschaut, sondern auch sortiert wurde: wer bleibt im Schatten, wer geht weiter, wer kauft, wer wartet. Carlexander beobachtete das mit dem Ausdruck eines Mannes, der die ökonomische Logik von Ferienorten längst akzeptiert hat. Briemma sagte nur: „Man merkt, dass hier alle das gleiche Ziel haben. Möglichst unbeeindruckt auszusehen.“

Ein Schild erklärte den Rest mit der nüchternen Direktheit, die man in solchen Gegenden fast schon als Freundlichkeit lesen muss: Centro Congressi, Promenade du Port, Porto Cervo Villaggio, Tabacchino, Marina Sarda, Porto Vecchio – und dazu der Hinweis, dass die Gegend videoüberwacht sei. Carlexander musterte das Schild und sagte: „Schön, wenn selbst die Orientierung hier unter Aufsicht steht.“ Briemma erwiderte: „Sicherheit ist nur eine andere Form von Stil, wenn man es freundlich verpackt.“ Danach gingen wir weiter, als hätte uns jemand höflich, aber entschieden erklärt, wie das hier eben läuft.

In einer Seitenzone stand ein weiteres Schaufenster ganz im Zeichen von Mode und Pose, als hätte jemand beschlossen, dass selbst das Ansehen hier eine bestimmte Silhouette haben müsse. Carlexander blieb kurz vor dem Fenster stehen, Briemma schaute hinein und sagte mit der ruhigen Präzision einer Frau, die weiß, wann ein Laden seine Meinung schon vor dem Kauf durchgesetzt hat: „Zielsicher.“ Carlexander musste sich nichts vormachen. Er war noch mit Trinken beschäftigt, um wieder zu Sinnen zu kommen, als Briemma längst weiter war. Und genau so begann später die kleine Kaufentscheidung, die man in Reisegruppen gerne mit „nur mal schauen“ beschreibt.

Das Ergebnis war dann an der nächsten Station sichtbar: Treppen, Ebenen, ein wenig Kaufrausch, viel Wasser und die leicht beschämte Einsicht, dass man sich in Porto Cervo schneller in einer Tasche wiederfindet, als einem lieb ist. Briemma strahlte über beide Wangen, noch bevor die Kasse richtig mitreden konnte. Carlexander fragte erst nach dem Kauf, ob es okay sei, die Tasche zu nehmen – was natürlich eine sehr elegante Form der Mitbestimmung ist, wenn der Entschluss bereits bezahlt wurde. „Du wolltest doch nur kurz schauen“, sagte er. Briemma hob das Kinn. „Und genau das habe ich getan. Sehr erfolgreich sogar.“

Selbst im Innenraum blieb die Gegend sich treu: Wicker-Stühle, kleine Tische, warmes Licht, ein wenig Schatten und im Hintergrund wieder das Versprechen des nächsten Luxuslabels. Es wirkte nicht hektisch, eher wie eine gepflegte Zwischenstation für Menschen, die es gewohnt sind, sich zwischen mehreren Versionen des guten Geschmacks zu entscheiden. Carlexander sah sich um und meinte: „Man könnte fast denken, hier würden die Pausen nach dem Sortimentsplan eingelegt.“ Briemma antwortete: „Das wäre mir lieber als spontane Begeisterung.“

Auch für die Tigerladies gab es Auswahl, was vermutlich der ehrlichste Satz des Tages war. Leoprint, Sandalen, Accessoires, alles schön aufgereiht unter der ruhigen Logik eines Shops, der genau weiß, wie man Begehren sortiert. Carlexander sah die Auslage mit der Gelassenheit eines Katers, der grundsätzlich gegen Auswahl ist, solange sie nicht ihm gehört. Briemma dagegen ließ den Blick einmal über die Stücke gleiten und sagte nur: „Falls es zu warm wird, geht man halt shoppen.“ Das klang wie ein Plan, der aus Not geboren wurde und trotzdem sehr entschlossen wirkte.

Als wir wieder nach draußen traten, war die Hitze noch immer da, und man merkte, dass nicht nur wir, sondern auch die Umgebung langsam einen Gang herunterschaltete. Carlexander lehnte an einer Wand, Briemma stand daneben mit jener ruhigen Eleganz, die selbst dem Schweigen noch Haltung verleiht. „Vielleicht hätten wir doch eine Wasserpause weniger gebraucht“, sagte er. Briemma blickte ihn an und erwiderte: „Nein. Ohne Wasser wäre die Fehlentscheidung schlimmer gewesen.“ Das war nicht unvernünftig, und gerade deshalb ließ sich dagegen kaum etwas sagen.

Im nächsten Augenblick stand wieder die ganze Piazza offen vor uns: Prada, Giorgio Armani, ruhige Spazierer, vereinzelte Sitzer im Schatten und diese stille Gewissheit, dass Porto Cervo die Kunst beherrscht, aus Bummel eine Lebensform zu machen. Es war Mittag, die Wege glühten, und dennoch wirkte alles, als gehöre das genau so. Carlexander betrachtete die Szene und meinte: „Hier ist sogar das Nichtstun ein sozial akzeptierter Status.“ Briemma nickte. „Solange man dazu die richtige Tasche trägt.“

Ein Schaufenster von Pomellato setzte den Schlussakkord der Einkaufsrunde: Schmuck, Licht, Spiegelung, die ganze feine Inszenierung, in der selbst das Funkeln noch kontrolliert wirkt. Keine großen Gesten, nur Präzision. Carlexander sah hinein und sagte mit trockenem Ernst: „Ein sehr guter Ort für Dinge, die man nicht braucht, aber anschließend verteidigt.“ Briemma lächelte. „Genau deshalb nennt man es Luxus.“

Drinnen bei Louis Vuitton ging Briemma dann zielsicher weiter, als hätte sie den Weg dort hinein schon vor dem Frühstück gekannt. Der Raum war hell, ordentlich und so überzeugend gestaltet, dass man beinahe vergessen konnte, wie schnell aus einer Idee ein Einkauf wird. Carlexander blieb im Türbereich der Beobachter, der er nun einmal ist, und sah zu, wie sich der Tag in eine kleine, sehr teure Nebenhandlung verwandelte. „Du gehst wirklich ohne Zögern hinein“, sagte er. Briemma antwortete knapp: „Zögern ist für Orte ohne Auswahl.“

Draußen hatte inzwischen eine Folklore-Truppe begonnen, Hochzeit oder so etwas für Touristen zu spielen, mit jener leidenden Fröhlichkeit, die nur Veranstaltungen bei großer Hitze erreichen. Es war schwer, das nicht als eigene Form von Tapferkeit zu respektieren. Zugleich war es unerträglich genug, dass man automatisch nach Schatten suchte. Carlexander sah hinüber und sagte: „Sie spielen, als wäre das Klima Teil des Programms.“ Briemma fächelte sich unauffällig Luft zu. „Vielleicht ist es das auch. Dann ist die Inszenierung immerhin ehrlich.“

Weiter unten im Ort flimmerten die Häuser, die Wege und die kleinen Plätze noch immer unter der Hitze, und die Menschen bewegten sich darin mit der Beharrlichkeit von Leuten, die schon längst beschlossen hatten, dass Aufgeben heute keine Option ist. Man wanderte durch die Gassen, sah, wartete, wich aus, blieb stehen. Zumindest die Einheimischen waren ob der Hitze verwundert, wie die Massen hier durchwandern, und das war ihnen ins Gesicht geschrieben, ohne dass sie ein Wort dafür finden mussten. Carlexander senkte den Blick und sagte trocken: „Sie wirken, als hätten sie recht.“ Briemma: „Tun sie vermutlich auch.“

Der Weg wurde danach wieder breiter und heller, mit Pflanzkübeln, Treppen, Fassaden und den letzten Resten eines Einkaufsviertels, das sich selbst in der Mittagsglut nicht aus der Ruhe bringen ließ. Ein paar Menschen gingen weiter, als hätten sie eine Route, die nur der Ort selbst kennt. Es war ein angenehmes, unaufgeregtes Ende der Runde. Carlexander blickte zurück und meinte: „Porto Cervo ist erstaunlich diszipliniert für einen Ort, der so gern gesehen werden will.“ Briemma nickte. „Das ist vermutlich der ganze Trick.“

Im Grünen blieb es weiterhin still. Das Licht fiel auf die Blüten, die am Rand der Wege fast zu ordentlich wirkten, als müssten auch Pflanzen hier eine gewisse Etikette beherrschen. Einmal mehr zeigte sich, dass der Ort seine Schönheit lieber über Details als über Lärm verkauft. Carlexander blieb kurz stehen und sah auf die Blüte. „Selbst die Pflanzen haben hier bessere Manieren als manche Gäste.“ Briemma erwiderte trocken: „Das ist eine tiefe, aber leider wahre Beobachtung.“

Dann noch einmal Architektur, noch einmal Stein und Bougainvillea, noch einmal dieser ruhige, mediterrane Wohlstand, der nie schreit und gerade darum so deutlich ist. Die Fassaden lagen sauber in der Sonne, die Blumen hingen über die Mauern, und die Wege warteten, als würden sie niemanden drängen. Es war ein sehr gutes Bild für einen Ort, der seine Wirkung aus Gleichgewicht zieht. Carlexander sagte nur: „Wenn man hier verliert, dann stilvoll.“ Briemma lächelte. „Das ist wenigstens konsistent.“

An einem alten Schaufenster mit Porto Cervo 1970 Elisabetta Zorzet und ArgentI ging der Blick dann noch einmal auf etwas anderes als Kleidung und Taschen: auf silberne Objekte, Fischformen, auf einen Laden, der eher nach Erinnerung als nach Trends aussah. Das passte überraschend gut in diese Stadt, weil auch Porto Cervo selbst ein wenig wie eine kuratierte Erinnerung an mediterranen Luxus wirkt. Carlexander nickte anerkennend. „Endlich etwas, das nicht laut behauptet, wichtig zu sein.“ Briemma: „Und genau deshalb bleibt man davor stehen.“

Wenig später wies ein weiteres Schild den Weg durch die schattigen Partien des Ortes: Passeggiata Sottopiazza, Negozi Bar, Porto Vecchio. Die Richtung war klar, die Umgebung ruhig, und selbst die wenigen Menschen in der Ferne bewegten sich so, als sei das alles Teil eines sorgfältig verteilten Tagesplans. Carlexander ließ den Blick über die Pfeile gleiten und sagte: „Wer hier verloren geht, hat vermutlich einfach zu aufmerksam zugehört.“ Briemma schnaubte leise. „Oder zu viel gekauft.“

Der Himmel darüber blieb gnadenlos blau, und sogar ein einzelner Vogel auf dem Geländer wirkte, als habe er beschlossen, bei dieser Hitze nur noch minimale Ansprüche zu stellen. Die Einheimischen, soweit man sie überhaupt sah, schienen durchaus ihre eigenen Gedanken dazu zu haben, dass hier weiterhin Touristengruppen durchströmten wie ein sehr langsamer Strom. Carlexander sah zu dem Vogel hoch und meinte: „Der hat es verstanden. Nicht bewegen, wenn es nicht nötig ist.“ Briemma erwiderte: „Ein Prinzip, das wir nachher bitte wieder vergessen dürfen.“

Das Beschildern ging weiter, ebenso die Wege entlang des Wassers, mit Aussicht, Bäumen und der gleichen stillen Ordnung, die den ganzen Ort durchzieht. Man musste Porto Cervo nicht laut machen; es blieb auch so eindeutig genug. Carlexander nahm die Umgebung ein letztes Mal in sich auf und sagte: „Das Erstaunliche ist, wie konsequent alles auf Spazieren ausgelegt ist.“ Briemma antwortete: „Natürlich. Sonst würde ja auffallen, wie viel hier eigentlich nur Aussicht ist.“

Ein Weg führte schließlich in ein ruhiges Waldstück, dicht, trocken und fast unbeobachtet, als hätte der Ort sich selbst eine Pause verordnet. Dort war nichts außer Licht und Schatten, Felsen und dem leisen Eindruck, dass man auch im Schatten noch auf die Hitze stößt. Es war eine stille Gegenwelt zum belebten Zentrum, und gerade das machte sie nötig. Carlexander atmete durch und sagte: „Gut. Endlich ein Ort, der nicht gleich etwas verkaufen will.“ Briemma nickte. „Gib ihm Zeit.“

Dann wieder diese sauberen Häuser mit ihren terrakottafarbenen Dächern, den Balkonen und den obligatorischen Zeichen von Pflege und Renovierung. Sogar das Gerüst an einer Fassade wirkte hier nicht wie Störung, sondern wie ein Beleg dafür, dass auch in einem sehr schönen Ort alles seinen Unterhalt braucht. Carlexander betrachtete die Häuser und sagte: „Selbst Eleganz braucht Wartung. Sehr unromantisch, aber nützlich.“ Briemma: „Das erklärt auch manche Reisekasse.“

Die Bougainvillea an den Wänden setzte noch einmal ein kräftiges, fast übermütiges Rot dagegen, und das war ein passender Schlusspunkt für den Ausflug. Alles hier hatte Glanz, aber keinen billigen; alles war gepflegt, aber nicht steril. Genau diese Mischung hatte den Spaziergang ausgemacht. Carlexander blieb kurz stehen, sah die Blüten an und sagte: „Ein Ort wie ein gutes Parfüm: zu nah dran wäre zu viel, aus der Distanz funktioniert es hervorragend.“ Briemma lächelte. „Das ist fast poetisch. Lass es nicht öfter passieren.“

Am Ende wirkte die Stadt fast wie eine Kulisse, die sich in der Sonne selbst genügte. Eine farbige Fassade, Kunst, Fenster, kleine Plätze – alles in derselben ruhigen Haltung, die Porto Cervo so eigen ist. Wir hatten genug gesehen, um zu verstehen, dass dieser Ort lieber mit Oberflächen arbeitet als mit großen Erklärungen. Carlexander zog die Brille wieder zurecht und sagte: „Das war nun also der Teil mit Kultur und Konsum in friedlicher Koexistenz.“ Briemma erwiderte: „Und mit deutlich zu viel Hitze.“

Am hellen Rand eines weiteren Schaufensters stand eine Figur in Orange, und selbst das wirkte hier nicht aufdringlich, sondern sorgfältig gesetzt. Die Boutique dahinter hielt ihre Ordnung, draußen spiegelte sich das Licht, und der Ausflug begann sich langsam in eine Rückkehr zu verwandeln. Carlexander sah noch einmal hinein und meinte: „Schaufenster sind hier wohl die eigentlichen Gespräche.“ Briemma nickte. „Dann haben wir heute ziemlich viel zugehört.“

Bevor es zurück zum Schiff ging, blieb noch einmal dieser Gartenblick mit den kräftigen roten Blüten und dem klaren Himmel, als wolle Porto Cervo sich mit einem letzten sorgfältig platzierten Eindruck verabschieden. Keine Eile, keine Lautstärke, nur ein sehr kontrolliertes Stück Schönheit. Carlexander schaute in die Höhe und sagte: „Nun ja. Der Ort hat geliefert.“ Briemma antwortete: „Und wir haben ihn überlebt. Das ist auch eine Leistung.“

Die Rückfahrt zum Tenderboot fühlte sich danach beinahe wie ein Temperaturwechsel mit Aussicht an. Auf dem Wasser lag das Licht, an der Kante des Hafens sammelten sich Boote und Masten, und hungrig und durstig ging es schließlich mit dem Tenderboot wieder zurück zum Mittagessen an Bord. Carlexander schaute auf die schmale Verbindung zwischen Land und Schiff und sagte: „Jetzt wäre die elegante Form von Rückzug angebracht.“ Briemma nickte. „Vor allem, bevor jemand noch ein drittes Geschäft entdeckt.“

Auf dem Wasser wirkte das Schiff dann fast wie ein ruhiger Gegenpol zu all dem Ladenleben, den Wegen und der Hitze. Wir kamen näher, der Blick wurde weiter, und in der Ferne lag der Tag noch einmal in seiner ganzen mediterranen Klarheit. Carlexander streckte die Pfoten ein wenig und sagte: „Mittagessen an Bord klingt plötzlich wie eine sehr vernünftige Idee.“ Briemma sah auf das Wasser hinaus. „Das war sie schon die ganze Zeit.“

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