2026-05-20 – Tag 2: Barcelona Pool Bar mit guter Cocktail Karte
Reiseepisode
2026-05-20 – Tag 2: Barcelona Pool Bar mit guter Cocktail Karte
Tag 2 · 2026-05-20
Am zweiten Tag in Barcelona hatte der Weg zur Suite nicht viel von einem direkten Weg. Er führte zuerst vorbei und durch das Buffett Restaurant Emporium Marketplace, als hätte jemand beschlossen, die kleinste Versuchung gleich auf dem Weg zur nächsten Entscheidung zu platzieren. Draußen lag das Wasser ruhig, das Schiff wirkte groß und sachlich, und zwischen Deck und Horizont stand diese Art von Tageslicht, die alles etwas zu ehrlich macht. Carlexander blieb kurz stehen, Briemma nickte nur, wie man es tut, wenn man weiß, dass ein guter Aperitif manchmal eher eine Organisationsfrage als ein Geschmackserlebnis ist. „Nur kurz schauen“, sagte er. „Natürlich“, antwortete sie. „Das sagen die Leute immer, bevor sie anfangen zu vergleichen.“
Am Emporium Marketplace war die Auswahl jedenfalls so umfangreich, dass aus dem geplanten kurzen Stopp sofort eine kleine Prüfung wurde. Eine Cocktailkarte wie ein Argumentenkatalog, sauber, kühl, mit einer solchen Bandbreite an Namen, dass selbst der Katerblick kurz ins Schleudern kam. Reserved Martini, Spicy Margarita, Fashion Colada, alles ordentlich aufgereiht, als wolle die Karte beweisen, dass Entscheidungsschwäche hier nicht als Mangel, sondern als Service verstanden wird. Carlexander las, Briemma sah über die Randlinie der Seite, und beide fanden den Punkt, an dem man nicht mehr wählt, sondern nur noch würdevoll verzögert. „Das ist gefährlich“, murmelte er. „Das ist Premium“, sagte sie trocken.
Je länger wir in dieser Auswahl standen, desto mehr wurde klar, dass die eigentliche Aktivität nicht das Bestellen war, sondern das höfliche Scheitern daran, es schnell zu tun. Die nächste Karte machte es nicht einfacher. Timeless Favourites, After-Dinner, Gin, Vodka, alles in einer Sprache, die gleichzeitig nach Barabend und stillem Verwaltungsakt klang. Hände hielten die Seiten offen, jemand mit rotem Nagellack stützte das Ganze, und das Licht fiel so schräg auf das Papier, als wolle es die Entscheidung zusätzlich dramatisieren. Carlexander beugte sich näher, Briemma blätterte mit dieser ruhigen Zuversicht, die nur Katzen haben, wenn sie längst wissen, dass sie gleich recht behalten werden. „Wenn wir das noch länger ansehen, brauchen wir einen zweiten Cocktail nur für die Konzentration“, sagte er. „Dann sind wir auf gutem Kurs“, antwortete sie.







Die Barkarte selbst wurde danach noch einmal breiter, fast schon großzügig im Übermaß. Rum, Tequila, Whisky, Scotch, Bourbon, Cognac, Armagnac, Calvados — alles da, sauber sortiert, als hätte jemand die Welt in Spirituosen unterteilt und für jeden Abschnitt einen Preis drangehängt. Eine Hand zeigte auf Grappa di Barolo, und genau an diesem Punkt war die Lage endgültig nicht mehr rein kulinarisch, sondern strategisch. Man stand vor einer Auswahl, die nicht nach Eile aussah, sondern nach jemandem, der Zeit hat und es genau weiß. „Das ist kein Getränkekarte mehr“, sagte Carlexander, „das ist ein Lebensentwurf.“ Briemma hob die Augenbraue. „Dann nimm einen kleinen.“
Als wir schließlich bei Grappa, Vermouth, Wein und den alkoholfreien Alternativen ankamen, war die Sonne so hell, dass selbst das Papier fast zu sauber wirkte. Die Karte zeigte sich von ihrer besten, fast überfürsorglichen Seite: ein bisschen Italien, ein bisschen Hafenluft, ein bisschen internationale Selbstsicherheit. Wieder diese Finger, wieder das zarte Zögern, und wieder der Eindruck, dass sich an Bord jede Entscheidung erst einmal setzen darf, bevor sie tatsächlich getroffen wird. „Was ist heute der Plan?“, fragte Briemma. „Etwas, das nicht nach Verzicht aussieht“, sagte Carlexander. Sie lächelte knapp. „Dann bist du bei Cocktails besser aufgehoben als bei Prinzipien.“
Am Ende wurden die Gläser doch voll, und die Szene verlagerte sich an die Bar, wo die Flaschen in ordentlichen Reihen standen und die Reflexe auf der Fläche so glatt waren, dass man fast seine eigenen Zweifel darin hätte spiegeln können. Ein pinker Drink stand schon bereit, daneben ein leeres, geprägtes Glas, als würde auch das zweite noch auf seinen Auftritt warten. Es war dieser typische Moment, in dem ein Getränk nicht einfach serviert wird, sondern die Stimmung mitbringt und sich dann benimmt, als gehöre es schon immer dazu. Carlexander betrachtete das Glas eine Sekunde zu lange. „Sieht besser aus, als ich mich fühle“, sagte er. „Das ist meistens das richtige Verhältnis“, meinte Briemma. Der Barkeeper sagte nichts; auch das passte.
Später stand das servierte Gericht auf dem Tisch, und plötzlich bekam der ganze Umweg durch die Karten und Gläser eine vernünftige Mitte. Nicht viel Lärm, kein großes Zeremoniell, nur ein Teller im richtigen Licht, nach einem Nachmittag, der sich elegant um die Frage gedreht hatte, was man eigentlich zuerst will: den Drink, die Aussicht oder den kleinen Trost, dass beides hier offenbar ernst genommen wird. Carlexander sah auf den Teller, dann auf das Wasser draußen, dann wieder auf Briemma. „Das war jetzt fast diszipliniert“, sagte er. „Fast“, erwiderte sie und nahm den eleganten Schlussstrich mit einer Ruhe, die jede Barkarte sofort respektiert hätte.