2026-05-20 – Tag 2: Barcelona Fitnessraum und Spa Erkundung
Reiseepisode
2026-05-20 – Tag 2: Barcelona Fitnessraum und Spa Erkundung
Tag 2 · 2026-05-20
Nach dem Mittagessen und dem Eissorbet hatten wir eigentlich nur vor, den Rest des Tages an uns vorbeiziehen zu lassen. Aber das Schiff hatte andere Pläne: erst lockte die Café Crema Bar mit ihrer stillen Ordnung aus Glas, Torten und kleinen Versuchungen, dann stellte sich uns Abdi so freundlich vor, als wäre das hier nicht ein schwimmendes Haus der Verführungen, sondern eine ganz normale Nachbarschaft.
Carlexander blieb vor der Auslage stehen, hob die rote Brille einen Hauch an und sagte: „Wenn schon Bewegung, dann bitte in Richtung Gebäck.“ Briemma musterte die schokoladigen Vorräte mit jener Ruhe, die nur Katzen haben, wenn sie längst entschieden haben, dass man sich nicht beeilen muss. Abdi grinste, als hätte er den Satz bis zum Ende der Reise schon fest verplant, und plötzlich gehörte sein Name zu den wenigen Dingen, die an diesem Tag erstaunlich verlässlich waren.
Hinter der Bar lag der Hafen in hellem Tageslicht, aber die Ruhe im Raum war von einer anderen Sorte: geschniegelt, kühl, fast feierlich. Draußen zogen die Schiffe und die Kaimauern ihre eigene Geschichte durch den Blick, drinnen war alles auf Zurückhaltung gebaut. Carlexander nickte in Richtung Wasser und sagte trocken: „Sehr passend. Man trinkt hier offenbar mit Aussicht auf die Welt, nicht auf sie hinunter.“
Ein wenig später standen wir schon in jener rauchigen Whisky-Lounge, die einladend wirkte, selbst wenn man, wie wir, keinen Sinn für Rauch entwickelt hat. Die dunklen Wände, die alten Fotografien und das gedämpfte Licht machten aus dem Raum einen Ort für Menschen mit Zeit und Geschichten. Briemma ließ den Blick durch den stillen Salon wandern und meinte: „Elegant. Aber auch eindeutig ein Raum, in dem niemand fragt, ob man noch einen Kaffee möchte.“
































Im luxuriösen Humidor war die Auswahl an Zigarren beachtlich, akkurat und beinahe ehrfürchtig präsentiert. Carlexander schaute hinein wie in ein Schaufenster für Gewohnheiten, die andere Leute vermutlich entspannend finden. „Beachtlich“, murmelte er, „ist ein Wort, das oft dann kommt, wenn man höflich bleiben will.“ Briemma nickte nur und tippte mit dem Gehstock leicht auf den Boden, als würde sie die Sortierung mit einem stillen Urteil versehen.
Dann öffnete sich das Schiff wieder zum Licht, und draußen wirkte der Hafen fast wie ein zweites Deck, nur mit mehr Kranen, mehr Wasser und weniger Ansprüchen. Die Lounge mit Blick aufs Meer war leer genug, um großzügig zu wirken, und gleichzeitig so ordentlich, dass man unwillkürlich leiser sprach. „Wenn man schon auf See ist“, sagte Carlexander, „dann wenigstens mit Fensterplatz zur Wirklichkeit.“
In der hellen Lounge begegneten wir dem nächsten freundlichen Kellner, der mit einer Selbstverständlichkeit arbeitete, als hätte er die Ruhe persönlich erfunden. Es war einer dieser kleinen, fast unauffälligen Dienste, die einen Tag auf dem Schiff zusammenhalten. Briemma sagte nur: „Hier versteht man Service als leises Versprechen.“ Carlexander wiederum hielt das für verdächtig, aber angenehm.
Die Showküche sah vielversprechend aus, auch weil sie gleich ihre zweite Rolle mitlieferte: Bühne für Workshops, Ort der kulinarischen Versuchung und, wie wir schnell merkten, ein Platz für unaufdringlich aufdringliche Werbetafeln. Wir waren jedoch zum Essen und nicht zum Kochen hier, und schon gar nicht zum Spontankurs für Ehrgeiz. Carlexander las die Hinweise kurz, zog eine Augenbraue hoch und sagte: „Das nennt man wohl Einladung mit Nachdruck.“
Am Tisch stand das servierte Gericht so ordentlich, dass selbst die Versuchung einen Moment lang Disziplin lernte. Nebenan standen die Tafeln für Workshops weiter da, höflich und hartnäckig zugleich, als wollten sie mit dem Dessert um Aufmerksamkeit ringen. Briemma ließ sich davon nicht beeindrucken. „Es ist immer ein gutes Zeichen“, meinte sie, „wenn ein Teller mehr Charakter hat als ein Werbeschild.“
Zwischendurch fiel unser Blick auf den dicht beschriebenen Küchenplan, auf diese kleine kulinarische Landkarte der Reise. Barcelona, Marseille, Portofino, Livorno, Villefranche-sur-Mer, At Sea: Es war eine feine Art, Erwartungen zu bündeln und mit Reservierungspflicht zu versehen. Carlexander betrachtete die Liste und sagte: „Das ist kein Menü. Das ist ein Kalender mit Ambitionen.“
Oben auf dem Deck wirkte das Schiff noch stiller als sonst, obwohl überall Plätze für Sonne und Pause bereitstanden. Die Liegen lagen sauber in Reihen, als warteten sie auf Gäste mit einer besseren Beziehung zur Mittagshitze als wir sie pflegen. „Erstaunlich leer“, stellte Briemma fest, „selbst für ein Schiff, das nicht groß ist.“ Carlexander nickte. „Leerheit ist manchmal der wahre Luxus.“
Am Bug fanden wir den Helios Pool, dieses kleine Erholungsplätzchen, das so viel verspricht, wenn niemand die Liegen schon mit einer stillen Vormerkung belegt hat. Eine kurze Nachfrage beim Kellner reichte, und schon kam jemand und räumte die belegten Plätze auf. Das war eine dieser Situationen, in denen Service nicht laut wird, sondern einfach wirksam. Carlexander sah zu und sagte nur: „Organisation kann, wenn sie will, beinahe zärtlich sein.“
Der Blick über das Wasser zeigte, wie nah Hafen und Reise beieinander lagen. Das Schiff stand ruhig, aber der Tag hatte noch Bewegung in sich, und das Meer nahm alles mit derselben Gelassenheit auf, mit der es schon den Vormittag getragen hatte. Briemma lehnte sich leicht auf ihren Gehstock und meinte: „Es ist eines dieser Schiffe, die selbst im Stillstand so tun, als wüssten sie genau, wohin sie gehören.“
Auch das Heck mit dem Astern Pool hatte diese Mischung aus Ruhe und gepflegter Anordnung, die das Schiff so konsequent durchzog. Das Wasser, die Linien, die Liegen: Alles schien für Menschen gebaut, die nicht nach Drama suchen, sondern nach einem guten Platz ohne Eile. Carlexander blickte darüber hinweg und sagte: „Der wahrscheinlich ehrlichste Teil der ganzen Anlage ist, dass man hier einfach sitzen darf.“
Der Deckweg zog sich hell und offen bis zum Horizont, und eine einzelne Person in Weiß ging dort entlang, als gehöre sie zur Mechanik des Tages. Wir blieben kurz stehen und sahen ihr nach, ohne etwas Wichtiges daraus machen zu wollen. Nicht alles braucht eine Pointe; manchmal genügt ein ruhiger Gang über Holz, Licht und Luft.
Weiter hinten lag das Schiff wieder erstaunlich leer da, mit den offenen Flächen, der blauen Spur und den Liegen, die wie sauber gesetzte Kommas im Satz des Nachmittags wirkten. Der Hafen mit seinen Kränen erinnerte daran, dass wir immer noch zwischen Ankunft und Aufbruch schwebten. Carlexander sagte: „Ein Schiff ist dann am besten, wenn es genug Platz für Stillstand hat.“
Im kleinen Wellnessbereich wurde dieses Prinzip noch einmal überprüft. Nicht groß, aber ordentlich, nicht spektakulär, aber brauchbar, und mit genau jener Wärme, die man nach einem Landspaziergang schätzt, wenn die Knochen höflich auf ihre Existenz hinweisen. Briemma fand das durchaus ausreichend. „Kein Palast“, sagte sie, „aber ein verlässlicher Ort, um wieder menschlich, oder in unserem Fall katzenwürdig, zu werden.“
Beim servierten Gericht kam noch einmal diese Mischung aus Maß und Aufmerksamkeit durch, die das Essen an Bord so unaufgeregt machte. Nichts drängte sich auf, aber alles war so gesetzt, dass man sich willkommen fühlen konnte. Carlexander kostete mit Blick auf den Hafen und befand: „Das ist genau die Sorte Mittag, die nicht nach Aufmerksamkeit ruft und sie trotzdem bekommt.“
Der Astern Pool am Heck war schließlich eines dieser kleinen Highlights, die man nicht erst erklären muss, wenn man sie einmal gesehen hat. Das Wasser lag ruhig, die Fläche war offen, und der Blick dahinter weit genug, um den Tag größer wirken zu lassen. Briemma sagte: „Manchmal ist der beste Ort auf einem Schiff einfach der, an dem nichts Eiliges passiert.“
Ein paar Schritte weiter stand wieder eine dieser kleinen Bars, mit ihren superfreundlichen Kellnern und dem Talent, selbst einen kurzen Halt wie eine kleine Etappe wirken zu lassen. Die Freundlichkeit war nicht geschniegelt, sondern selbstverständlich, und genau das machte sie so angenehm. Carlexander nickte dem Tresen zu: „Manche Orte leben von ihrer Aussicht. Diese hier leben zusätzlich von Menschen, die nicht unnötig kompliziert sind.“
Kaum hatten wir die indoor fitnesshalle betreten, spurtete schon ein Personal Trainer auf uns zu, freundlich, engagiert und mit jener Unbeirrtheit, die nur im Sportbereich wirklich herzlich wirkt. Er empfahl die unterschiedlichsten Trainings, als gäbe es hier für jeden Muskel einen eigenen guten Vorsatz. Ich musste leider wegen der bevorstehenden OP verzichten, und Briemma formulierte es höflich genug für zwei: „Heute lieber nicht. Der Körper hat bereits genug zu tun.“
Für Sport war trotzdem gesorgt, und zwar in einer Form, die eher nach Sponsoring und Präsentation als nach zufälliger Begeisterung aussah. Wer Gewichte stemmt, ist hier eindeutig richtig, und auch die weiteren Geräte luden zum Training ein, falls man das will und nicht gerade innerlich über die Vorzüge eines Sessels verhandelt. Carlexander sah die Anlage an und meinte trocken: „Es gibt Menschen, die reisen, um sich zu bewegen. Und es gibt uns.“
Die nächste Station lag draußen, wo die sportliche Fläche mit Netz, Platz und weitem Blick mehr nach Schiff als nach Fitnessstudio aussah. Der Trainer war auch hier nicht weit, und kaum waren wir in Reichweite, wurde aus dem freundlichen Rundgang fast schon ein kleines Verkaufsargument für Bewegung. „Unaufdringlich aufdringlich“, murmelte Briemma, „das ist offenbar die bevorzugte Tonart dieser Reise.“
Die Geräte standen bereit, der Hafen lag hinter dem Glas, und alles wirkte so ordentlich, dass man fast vergessen konnte, wie wenig Lust man selbst auf Ehrgeiz hatte. Im Sonnenlicht des Decks war das Ganze immerhin schön anzusehen, selbst wenn wir innerlich längst beschlossen hatten, lieber Zuschauer als Athleten zu bleiben. Carlexander stellte die entscheidende Frage: „Kann man Fitness auch elegant ignorieren?“
Zurück im Innenbereich landeten wir wieder dort, wo Politur und Ruhe sich an den Kanten der Gläser sammelten. Die Auslage mit den kleinen Gebäcken wirkte wie eine höfliche Belohnung für alle, die sich nicht im Namen der Gesundheit überanstrengt hatten. Genau dort hat man dann plötzlich Zeit für den Nachmittagskaffee an der Crema Bar, und zwar mit jener stillen Selbstverständlichkeit, die jede vernünftige Reise irgendwann einfordert.
Die Café-Auswahl machte den Eindruck, als wolle sie sagen: Hier darf man schwanken, hier darf man sitzen bleiben, hier darf man auch nach dem Sport doch lieber Süßes wählen. Das war vermutlich der Moment, in dem der Tag sein Gleichgewicht fand. Briemma nahm die Ordnung der Gläser und Teller zur Kenntnis und sagte: „Das hier ist die freundlichste Kapitulation des Nachmittags.“
So wurde die Crema Bar für uns zu einem festen Ritual während der Reise, nicht weil wir uns besonders diszipliniert verhielten, sondern gerade weil wir es nicht taten. Zwischen Gebäck, Kaffee und den ruhigen Bewegungen hinter der Theke lag etwas angenehm Verlässliches. Carlexander hob die Tasse und meinte: „Rituale sind nichts anderes als gute Gewohnheiten mit besserem Licht.“
Und dann kam der Vanilla Iced Latte für Carlexander, sehr zu empfehlen, wie sich schnell herausstellte. Der kalte, helle Kaffee passte überraschend gut zu einem Nachmittag, der zwischen Bewegung, Aussicht und leichter Erschöpfung schwankte. Carlexander kostete, schloss kurz die Augen und sagte: „Das ist kein Getränk. Das ist ein triftiges Argument.“
Schließlich führte uns der Weg noch einmal ans Deck, als wollten wir uns vergewissern, dass der Tag wirklich draußen enden durfte. Das Meer lag ruhig, und die Vorabenderkundung hatte genau die richtige Mischung aus Müdigkeit und Vorfreude. Briemma blieb am Geländer stehen, sah über das Wasser und sagte leise: „Jetzt darf der Abend kommen.“
Vor dem Gang ins Wellness-Reservat fiel unser Blick noch auf einen kleinen Spa-Bereich, der nett genug war, um nach dem Landspaziergang die Knochen zu wärmen, aber eben nicht so groß, dass man darin sofort die Orientierung verlor. Das war kein Fehler, eher eine ehrliche Begrenzung. Nur die Werbung für Exklusivitätspakete war wieder da, höflich lächelnd und doch erstaunlich ausdauernd. Carlexander fasste es zusammen: „Klein, brauchbar, und begleitet von dem leisen Wunsch, dass man doch bitte mehr bezahlt.“
Die Ruhezone mit den Liegen war daraufhin fast schon ein freundlicher Gegenentwurf zur ganzen Reisebewegung. Man sah sofort, dass sie für Erholung gebaut war, nicht für große Ansprüche oder spektakuläre Versprechen. Briemma betrachtete die Form der Sitz- und Liegemöbel und stellte fest: „Wenn man schon entspannen soll, dann gern ohne dekorativen Zirkus.“
Zum Abschluss fanden wir uns noch im Sauna- und Wärmbereich wieder, wo Holz, Wärme und die einfache Logik eines Eimers mit Kelle alles auf das Wesentliche reduzierten. Kein Theater, keine Inszenierung, nur Stille und der Hinweis, dass hier jemand an Erholung gedacht hatte. Carlexander blickte in den warmen Raum und sagte mit seinem üblichen Understatement: „Das ist vermutlich der Teil des Tages, der am wenigsten erklärt werden will.“