Der Tag begann verregnet, das Schloss Miel wirkte hinter den dicken Wolken fast noch majestätischer als sonst – so als würde es sich standhaft gegen das Wetter stemmen. Briemma und ihre Schwiegermutter, meine Mutter, stiegen vorsichtig aus dem Auto, beim kurzen Ausatmen durchweichte das Kopfsteinpflaster ihre Schuhe. Keine guten Vorzeichen für einen entspannten Ausflug, dachte ich mir, während ich im Wagen wartete.
Doch das Schicksal hatte Erbarmen: Kaum erreichten wir das Anwesen des Restaurant Graf Belderbusch im Nebengebäude, löste sich der Regen auf. Ich konnte kaum verbergen, wie ich erleichtert aufatmete und mit einem halbwegs frischen Schritt die holprigen Pflastersteine Richtung Eingang durchmaß. Das gewisse Prickeln eines beginnenden Abenteuers lag in der Luft, als ich das Licht der warmen Innenräume schon hinter den Fenstern entdecken konnte.
Drinnen empfing uns ein gediegenes, ruhiges Ambiente. Stilvoll modern, mit einer Mischung aus hellem Holz und dunklem Leder – man sitzt hier so bequem, dass man fast vergisst, es gleich mit einer großen Radlertruppe zu tun bekommt, die der Gastgeber etwas ernüchtert ankündigte. “Sie werden mehrere Tische belegen“, warnte er vor, “aber keine Sorge, sie sind noch nicht da.” In diesem Moment ein Glück, denn der Raum wirkte so angenehm zurückhaltend, dass man sich tatsächlich kaum vorstellen konnte, dass hier schon bald mehr Dynamik einkehren würde.
Unser Tisch war fein gedeckt – die Stoffservietten mit eingeprägtem Namen ließen keinen Zweifel daran, dass Bedienung hier noch einen Hauch von Zeremoniell verspürt. Die kleinen Vasen mit frischen Blüten standen still und zurückhaltend, als wollten sie nicht vom eigentlichen Protagonisten des Abends ablenken: der Speisekarte.
Die Spargelkarte las sich wie ein kurzes, aber versprechenvolles Gedicht. “Frühlingszeit” hieß sie, was kaum passender hätte sein können. Die Preise erinnerten mich unvermeidlich daran, dass Spargel längst kein regionales Dienstmädchen mehr ist, sondern ein nobles Festmahl. Doch bei dieser Auswahl konnte man kaum widerstehen, von der cremigen Spargelsuppe bis hin zum traditionellen heimischen Spargel mit allerlei leckeren Beigaben.
Den Auftakt machte eine Vorspeise, die ihre Schärfe mit dem schlanken Zucchini-Gemüse perfekt ins Gleichgewicht brachte: scharfe Garnelen, deren Gewürz durch die leichte Säure und Cremigkeit der Beilagensauce charmant gebändigt wurde. Ein Teller, der gerade so viel Feuer und Eleganz ausstrahlte, dass jedes Hineinbeißen eine kleine Überraschung parat hielt.
Hauptgang für mich: Cordon Bleu vom Eifelschwein mit Kartoffel-Gurkensalat, begleitet von einem kleinen Extra an Spargel. Der Käse zog sich zäh und saftig über das zarte Fleisch, während der Salat mit seiner Frische das Gericht wunderbar balancierte. Heiße Aromen, die einen fast schon beschämen, weil man sich so sehr hineinfallen lässt.
Briemma hatte sich für die geballte Kombination aus Bornheimer Spargel mit einer Auswahl an feinem Parma- und Rosmarinhonigschinken entschieden. Die verschiedenen Fleischsorten ruhten entspannt neben dem weißen Gemüse, fast wie auf einem kleinen Thron aus Frische und Finesse – eine perfekte Symbiose von Eleganz und Landerotik, wie es nur Spargel schaffen kann.
Die Schwiegermutter hingegen war in eine andere kulinarische Dimension abgetaucht. Vom Roastbeef mit frischem Salat konnte man so leicht nicht genug bekommen – eine ordentliche Portion, die zeigte: Hier wird kein Halbes serviert, man darf ruhig satt werden. Ein Gericht, aus dem noch eben zwischen Schlucken und Konversation ein Funken Zuversicht blitze, dass der Tag auch ohne Sonne ein voller Erfolg werden kann.








