Tag 8: Multipass, Muffins & magische Abkürzungen

Tag 8: Multipass, Muffins & magische Abkürzungen

Bilder der Explora Reise
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Der letzte Morgen begann mit einem Problem, das sich erstaunlich schnell lösen ließ: Es gab keines.

Während andere Reisende bereits nervös auf ihre Koffer, Transfers und Flugzeiten schielten, wurde zunächst das Frühstücksbuffet einer abschließenden Qualitätskontrolle unterzogen. Genauer gesagt: einer maximalen Auslastung.

Das Emporium hatte noch einmal alles aufgefahren. Frisches Obst, Chia-Pudding, Gebäck, Pancakes, Waffeln, Räucherlachs, Käse, Aufschnitt, warme Eierspeisen und vermutlich noch einige weitere Kategorien, die irgendwo zwischen Frühstück und leichtem Catering für einen Kleinstaat lagen.

Man konnte schließlich nicht guten Gewissens abreisen, ohne ein letztes Mal zu überprüfen, ob die Qualitätsstandards noch eingehalten wurden.

“Willst du wirklich noch etwas holen?”

“Ich führe lediglich eine finale Inspektion durch.”

“Das ist dein vierter Teller.”

“Qualitätssicherung kennt keine Kompromisse.”

“Du hast gerade gleichzeitig ein Croissant, Rührei und Pancakes auf dem Teller.”

“Stichproben aus verschiedenen Produktgruppen.”

Als das Frühstück schließlich beendet war, bestand zumindest begründete Hoffnung, dass das Emporium seine Bestände bis zur nächsten Belieferung würde halten können.

Obst Frühstück

Mit angenehm vollem Magen begann anschließend die Rückreise. Zumindest theoretisch.

Bevor Barcelona jedoch seinen letzten Überraschungsangriff starten durfte, stand zunächst der Abschied vom Schiff an.

Der Check-out verlief so reibungslos, dass man fast misstrauisch werden konnte. Noch einmal durch die vertrauten Gänge, noch einmal ein letzter Blick in die Lobby und schließlich Richtung Gangway.

Dort wartete unerwartet eine der sympathischsten Szenen der gesamten Reise.

Kreuzfahrtdirektor Martin verabschiedete die abreisenden Gäste persönlich.

Als wir die Gangway erreichten, erkannte er uns sofort wieder als “The nice Germans from Cologne”, lächelte und verabschiedete uns mit ein paar persönlichen Worten.

Für einen kurzen Moment entstand das Gefühl, nicht einer von tausend Gästen zu sein, sondern tatsächlich wahrgenommen worden zu sein.

In diesem feinen englischen Dialekt mit irischem Zungenschlag wünschte er uns “Auf Wiedersehen!”

Es war nur eine kleine Geste.

Aber genau diese kleinen Gesten waren es gewesen, die die Reise immer wieder besonders gemacht hatten.

Dann schloss sich hinter uns die automatische Tür der Gangway, und wenige Minuten später hatte Barcelona bereits seinen nächsten Programmpunkt vorbereitet.

Die direkte Zufahrtsstraße zum Hafen war gesperrt.

Nicht teilweise. Nicht ein bisschen. Komplett.

Navigationssysteme entwickelten daraufhin kreative Vorschläge, die vermutlich ursprünglich für Mountainbikes, Feldforscher oder erfahrene Schmuggler gedacht waren. Autos drehten um, Busse standen ratlos herum und irgendwo musste ein Stadtplaner gerade einen sehr guten Tag haben.

Nach einigen Umwegen erreichte man schließlich den Flughafen.

Screenshot

Dort begann die zweite Disziplin des Tages: Multipass.

Wer jemals den Film Das fünfte Element gesehen hat, kennt das Prinzip. Ein kleines Dokument verwandelt einen normalen Menschen in eine Person, für die plötzlich andere Regeln gelten.

Normale Reisende standen in langen Schlangen vor den Check-in-Schaltern.

Priority-Reisende gingen daran vorbei.

Normale Reisende suchten ihren Platz in der Warteschlange.

Priority-Reisende gingen weiter.

Normale Reisende warteten.

Priority-Reisende nickten höflich und gingen noch weiter.

An Schalter 106 angekommen wurde das Gepäck innerhalb weniger Minuten abgegeben.

“Das war’s schon?”

“Anscheinend.”

“Wir hätten eine Stunde später kommen können.”

“Mit dem Stau und Streik im Rücken, bin ich froh, dass wir überhaupt rechtzeitig da sind.”

Der eigentliche Höhepunkt wartete allerdings erst danach.

Die Lounge.

Während draußen hunderte Reisende Sitzplätze suchten, Steckdosen verteidigten und versuchten, ihre Koffer irgendwie zwischen die Beine zu klemmen, herrschte hier eine Atmosphäre kontrollierter Gelassenheit.

Große Sitzbereiche. Ruhige Beleuchtung. Ein ordentliches Buffet. Getränke. Keine Lautsprecheransagen im Minutentakt.

Man saß dort mit einem Getränk in der Hand und blickte auf Menschen, die hektisch durch den Terminal eilten.

Nicht aus Überheblichkeit.

Eher aus anthropologischem Interesse.

“Meinst du, die rennen noch zu ihrem Gate?”

“Nein. Ich glaube, sie rennen einfach vorsorglich.”

Die letzten Stunden der Reise vergingen erstaunlich entspannt. Nach Tagen auf dem Meer, Tenderbooten, Hafenstädten, Kofferlogistik, Influencern, Kreuzfahrtluxus und diversen organisatorischen Großprojekten fühlte sich die Lounge wie ein sanfter Übergang zurück in die Realität an.

Eine Realität, die allerdings deutlich weniger Obstbuffets, Espresso Martinis und Butler enthielt.

Und genau das war vielleicht der Moment, in dem klar wurde, dass die Reise tatsächlich vorbei war. Nicht beim Verlassen des Schiffs. Nicht bei der Kofferabgabe.

Sondern beim letzten Blick aus dem Fenster des Flughafens, während irgendwo im Hintergrund bereits das Boarding angekündigt wurde und die Explora langsam wieder Kurs auf ihr nächstes Abenteuer nahm.

Ohne uns.

Zumindest bis zur nächsten Kreuzfahrt.

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