Reiseepisode
2025-04-15 – Tag 8: Pla a Redona
Tag 8 · 2025-04-15 · Valencia
Valencia begann für Carlexander und Briemma an diesem Tag nicht mit einer großen Geste, sondern mit einem Bogen. Hinter ihm öffnete sich die Plaça Redona, ein runder Hof mit Cafétischen, Geschäften und Menschen, die zwischen Altstadtstraße und Platz wechselten. Pflanzen hingen über dem Durchgang, ohne daraus eine Zeremonie zu machen. Carlexander blieb kurz stehen und betrachtete die überschaubare Geometrie. Ein Platz, der schon im Namen erklärte, was er sein wollte, erschien ihm grundsätzlich vertrauenswürdig.
Durch den Bogen wirkte das Kommen und Gehen geordnet, obwohl niemand sichtbar dafür zuständig war. Briemma setzte ihren Gehstock ruhig auf das Pflaster und ließ den Blick über die kleinen Geschäfte wandern. „Du suchst schon wieder ein System“, sagte sie. Carlexander rückte seine rote Brille zurecht. „Ich würdige nur die seltenen Fälle, in denen eines erkennbar ist.“ Dann gingen sie weiter in den Hof.

Das nächste Schaufenster widersprach jeder Idee von Zurückhaltung. Porzellanfiguren standen neben Vasen, Tellern und bemalten Keramikgefäßen, dicht genug, um den Eindruck einer sehr stillen Versammlung zu erzeugen. Manche Stücke waren farbig und detailreich bemalt, andere hielten sich an neutrale Töne. Carlexander betrachtete die Anordnung mit der Vorsicht eines Katers, der wusste, dass ein einziger unbedachter Schritt hier eine lange Rechnung auslösen konnte.
Briemma blieb mit angemessenem Abstand vor der Scheibe stehen. „Nichts anfassen“, sagte sie, obwohl das Glas diese Aufgabe bereits zuverlässig übernahm. Carlexander sah auf die größeren Vasen und dann auf die kleineren Statuetten. „Ich hatte nicht vor, eine historische Keramiksammlung neu zu ordnen.“ Sein Ton ließ offen, ob er den Gedanken dennoch kurz geprüft hatte.

Der Rundgang führte weiter zu einer steinernen Kirchenfassade, deren Rosettenfenster den oberen Teil beherrschte. Darunter lagen Portal, Wappen und Inschriften in jener sorgfältigen Dichte, die historische Architektur mühelos erreicht und moderne Wegweiser selten. Wenig später setzte ein Keramikmosaik das Thema fort: Heiligenfiguren standen zwischen Säulen und Bögen, darunter eine Inschrift mit der Jahreszahl 1888. Briemma betrachtete die Details ruhig, während Carlexander versuchte, gleichzeitig Gesamtbild und Einzelheiten zu erfassen.
Auf der Plaça Redona rückte der Brunnen in die Mitte der Wahrnehmung. Rundherum standen mehrstöckige Häuser mit Balkonen und kleinen Geschäften; Menschen gingen über den Platz oder blieben am Rand stehen. Von dort führte die Straße wieder in die Altstadt, mit Passanten, Läden und einem Kirchturm im Hintergrund. Das gedämpfte Licht unter dem bewölkten Himmel nahm den Fassaden nichts von ihrer Farbe, sondern ersparte ihnen lediglich den Zwang, besonders laut aufzutreten.
Kathedrale, Skulpturen und blau-rosa Balkone teilten sich anschließend einen Blick, als hätten verschiedene Jahrhunderte eine gemeinsame Hauswandverwaltung gegründet. Auf dem gepflasterten Weg zogen Menschen mit Taschen und Rucksäcken vorbei; weiter hinten waren ein Turm und Flaggen zu sehen. Eine massive Holztür mit Kreis- und Blattornamenten verlangte kurz Aufmerksamkeit, ebenso die Tafel einer Anwaltskanzlei daneben. „Eine sehr überzeugende Tür“, sagte Carlexander. Briemma nickte. „Sie hält dich seit zehn Sekunden erfolgreich draußen.“
Das historische Theater trug mehrere Plakate für die Komödie „Escape Room“, während Passanten an Bogenfenstern und Balkonen vorbeigingen. Kurz darauf erklärte eine Tafel an gelblicher Wand den nächsten Ort als „PLAZA DEL CORREO VIEJO“; Reiterillustration und Jahreszahl 1961 waren gleich mitgeliefert. Warme Fassaden, elegante Balkone und Holztüren wechselten mit einer alten Steinmauer und einem Turm. Am Ende dieser Folge stand in einem Park ein mächtiger alter Baumstamm mit ausgeprägten Wurzeln neben einem gepflasterten Weg – weniger dekorativ als die Balkone, aber sichtbar länger im Geschäft.












Der Turm blieb auch im nächsten Abschnitt des Weges ein zuverlässiger Orientierungspunkt. Vor dem historischen Kirchengebäude gingen Menschen vorbei oder standen in kleinen Gruppen zusammen, während Bäume und Straße den städtischen Rahmen setzten. Die Kathedrale von Valencia erschien danach noch einmal deutlicher, mit ihrem charakteristischen Turm vor dem bewölkten Himmel. Carlexander sah hinauf und verzichtete ausnahmsweise darauf, eine Route daraus abzuleiten.
Auf einem gepflasterten Platz stand eine bronzene Frauenfigur mit erhobenen Armen auf einem Steinsockel. Dahinter lagen alte Backsteinbauten; Menschen ruhten sich aus oder besichtigten den Ort. Briemma stellte ihren Gehstock kurz neben sich und betrachtete die Haltung der Statue. „Sehr entschlossen“, sagte Carlexander. „Und ganz ohne Tagesplan“, erwiderte Briemma.
Ein großes klassizistisches Gebäude aus roten Ziegeln und weißen Säulen schloss diese Folge ab. Unter dem gedämpften Himmel wirkten die klaren Linien beinahe sachlich, obwohl das Gebäude sichtbar keinen Mangel an repräsentativem Anspruch hatte. Nach Kirchen, Türmen, Statue und Fassaden war Carlexanders Blick ausreichend mit Architektur versorgt. Der Weg durfte nun zu Dingen führen, deren Zweck sich schneller erschloss.




In der Markthalle wurde aus dem stillen Betrachten sofort ein konkreteres Interesse. Frischer Fisch lag in verschiedenen Sorten auf den Ständen, versehen mit Preisschildern pro Kilogramm. Gleich daneben bildeten Tomaten ein Farbspektrum von gelblich bis rotbraun, ordentlich in Kisten sortiert. Kleine Verbotsschilder machten deutlich, dass die Ware angesehen, aber nicht eigenmächtig geprüft werden sollte. Carlexander respektierte diese Regel mit jener Würde, die besonders leichtfällt, wenn Briemma danebensteht.
Hinter einer Glasvitrine warteten Croissants, Muffins, Kekse und weitere Backwaren, während der Bäcker am Stand bereitstand. Wenige Schritte weiter folgten Avocados, Bok Choy, Lauch und Tomaten, danach grüner Spargel, violette Auberginen und Kartoffeln. Preisschilder strukturierten das Angebot, doch Carlexander verlor den Überblick nicht wegen der Zahlen, sondern wegen der Auswahl. „Du musst nicht alles kategorisieren“, sagte Briemma. „Ich versuche nur, professionell beeindruckt zu sein“, antwortete er.
Dann kehrte der Rundgang zum Fisch zurück. Tintenfische und weitere Meeresfrüchte lagen auf Eis, ein Verkäufer bereitete die Bedienung vor. Austern, Krabben und Muscheln folgten an einem weiteren Stand; daneben lagen eine große Flunder, kleinere Fische und weitere Krabben auf einem Eisblock, mit zusätzlichem Fisch im Hintergrund. Briemma betrachtete die Austern ruhig, während Carlexander die Auslage mit auffallend konzentrierter Miene prüfte. Auf einem Markt ist Aufmerksamkeit schließlich eine gesellschaftlich akzeptierte Form des Appetits.
Den farblichen Schlusspunkt setzte eine Patisserievitrine mit Macarons in Grün, Orange und Rosa. Jede Sorte lag sauber getrennt und war beschriftet, was Carlexanders Ordnungssinn unverhältnismäßig erfreute. Zwischen Fisch auf Eis, Gemüsekisten und Süßigkeiten hatte die Markthalle jede Form von Zurückhaltung systematisch abgebaut. Briemma bemerkte seinen Blick. „Nur schauen“, sagte sie. Diesmal war kein Verbotsschild nötig.










Am Hafen wartete die Mein Schiff Relax am Kai. Menschen gingen an Bord oder verließen das Schiff, andere bewegten sich am Kai entlang. Nach den engen Straßen, runden Plätzen und dicht bestückten Marktständen wirkte der Schiffsrumpf wie ein entschieden größerer Maßstab. Carlexander betrachtete den Weg zum Bordgang mit müder Zufriedenheit. Eine Rückkehr hatte den Vorteil, dass ihr Ziel nicht mehr diskutiert werden musste.
Vor dem Schiff führte der Weg an einem temporären Kontrollpunkt mit blauer Plane, Handdesinfektionsautomat und gelben Warnschildern vorbei. Ein Passagier ging hindurch, während das große Schiff den Hintergrund füllte. Briemma hielt ihren Gehstock sicher bei sich und setzte den Weg ohne Hast fort. „Jetzt kommt dein Lieblingsteil“, sagte sie. Carlexander sah zum Kontrollpunkt. „Ein klarer Ablauf ist kein Vergnügen, sondern eine seltene Form der Erholung.“
Über die Treppe stiegen Passagiere schließlich an Bord. Rohre und Kabel gehörten sichtbar zur Umgebung des Zugangs, ohne den Vorgang komplizierter zu machen: hinaufgehen, ankommen, weitergehen. Carlexander folgte dem Ablauf mit jener stillen Zustimmung, die er funktionierenden Übergängen entgegenbrachte. Briemma ließ ihm diesen kleinen organisatorischen Triumph. Valencia blieb hinter ihnen als Folge aus Bögen, Türmen, Marktständen und sehr eindeutigen Berührungsverboten zurück.



Ein Informationsbrett mit Deckplan ordnete die Bereiche der Decks sechs bis acht und nannte Bars, Restaurants, Wellnessbereiche und Kabinen. Carlexander las die Angaben gründlicher, als es für den unmittelbaren Weg notwendig gewesen wäre. Briemma wartete mit ruhiger Geduld. „Du kennst den Weg“, sagte sie. „Kenntnis schließt Bestätigung nicht aus“, antwortete Carlexander und widmete dem Plan noch einen letzten prüfenden Blick.
Auf der Terrasse standen hellblaue Tische und graue Stühle, während Menschen zusammensaßen, sich unterhielten oder entspannten. Das Licht war nun sonnig und ließ den Hafentag deutlich heller ausklingen, als es die bewölkten Stadtansichten zuvor erwarten ließen. Carlexander setzte sich mit der Haltung eines Reisenden, der viele Fassaden gewissenhaft zur Kenntnis genommen hatte. Briemma stellte ihren Gehstock neben sich und genoss, dass vorerst kein weiterer Kirchturm als Orientierungshilfe benötigt wurde.
Beim Tagesgericht nannte eine Tafel Tapas, Suppe, Quiche und Pasta; an einem Tisch im Hintergrund las oder schrieb ein Mann. Das anschließende Obstbuffet brachte Melonen, Ananas und weitere exotische Früchte in sorgfältiger Anordnung zusammen. Nach den Marktkisten wirkte auch dieses Angebot farbenreich, nur deutlich näher an einer unmittelbaren Entscheidung. „Du planst schon wieder“, sagte Briemma. Carlexander blickte zur Auswahl. „Diesmal ausschließlich in Portionen.“
Eine Platte mit Nigiri, Maki und Temaki, geräuchertem Lachs, Sojasauce und Stäbchen führte die Auswahl fort. Danach standen auf drei weißen Tellern ein frittiertes Stück, eine Fleischkugel in Tomatensauce und ein dunkles, mit Kräutern bestreutes Stück. Der Tag endete damit nicht in einer großen Zusammenfassung, sondern in mehreren kleinen Gerichten. Plaça Redona, Kathedrale, Markt und Rückkehr an Bord hatten genügend Eindrücke geliefert. Carlexander hob die Gabel. „Ein vernünftiger Abschluss.“ Briemma nickte. „Vor allem, weil du ihn nicht mehr umplanen kannst.“





